20.03.2026
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Co-Founder Haymerle über fünf Jahre Schrankerl: „Da war der Moment, wo mir alles zu viel war“

Das Wiener Startup Schrankerl hat sich in fünf Jahren quer durch Österreich etabliert. Doch hinter dem Erfolg stehen nicht nur Expansion und steigende Umsätze, sondern auch existenzielle Krisen, reflektiert Co-Founder und CEO Stephan Haymerle im Interview mit brutkasten.
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Schrankerl
© Schrankerl - Stephan Haymerle von Schrankerl.

Frische, regionale Verpflegung direkt im Büro rund um die Uhr: Mit diesem Ansatz ist das Wiener Startup Schrankerl im Februar 2021 an den Start gegangen. Stephan Haymerle und Co-Founderin Sara Mari setzen dabei auf Kühlschranklösungen, die Unternehmen mit Frühstück, Salaten, warmen Speisen, Snacks und Getränken versorgen.

Die Produkte stammen von regionalen Partnern wie Dean & David oder Felzl, während ein datengetriebenes System sicherstellt, dass die Kühlschränke laufend passend befüllt werden. Das Konzept zielt dabei nicht nur auf Verpflegung ab, sondern auch auf die Unternehmenskultur. „Diese Bürokultur führt zu besserer Leistung. Wir wollen sozusagen institutionalisieren, im Büro Zeit zu verbringen“, sagt Haymerle im Interview mit brutkasten.

Rasches Wachstum trotz schwierigem Start

„Die letzten fünf Jahre waren schon eine verrückte Zeit“, sagt der CEO rückblickend. „Wir sind wirklich buchstäblich aus der Garage gestartet. Das Ganze war mitten in Corona – also eigentlich eine total absurde Situation. Wir sind erstaunlicherweise im ersten Jahr sehr gut gewachsen auf 20 Schrankerl-Kühlschränke.“

Was folgte, war eine rasche Skalierung: ein eigenes Büro, der Aufbau eines Lagers inklusive Kühlhäusern und ein Auftritt in der Startup-Show „2 Minuten 2 Millionen“. Ende 2022 konnte Schrankerl eine erste Finanzierungsrunde in Millionenhöhe abschließen, im Mai 2023 folgte eine weitere Million Euro Wachstumskapital (brutkasten berichtete).

Mit der Rückkehr vieler Unternehmen ins Büro nach der Pandemie kam zusätzlicher Rückenwind. In den Jahren 2024 und 2025 wuchs das Unternehmen jeweils um rund 50 Prozent. Für 2024 weist Schrankerl rund drei Millionen Euro Umsatz aus, für 2025 bereits 4,5 Millionen Euro. „Wir können auf eine sehr gute Wachstumshistorie zurückblicken und sind eigentlich super happy, wie es sich entwickelt hat“, so Haymerle.

(Fast) österreichweite Präsenz

Heute betreibt Schrankerl rund 150 Kühlschränke, monatlich kommen etwa vier neue hinzu. Das Startup zählt rund 130 Kunden von Großunternehmen wie EY und Mavie bis hin zu Scaleups wie Tractive oder regionale Anwaltskanzleien. Insgesamt werden laut eigenen Angaben pro Monat rund 60.000 Produkte ausgeliefert.

Geografisch ist Schrankerl mittlerweile fast flächendeckend aktiv: Sieben Bundesländer werden beliefert, nur Tirol und Vorarlberg fehlen aktuell noch. Doch auch diese Lücke soll noch heuer geschlossen werden.

Wachstum unter Druck

Trotz der positiven Entwicklung verlief die Reise  – so wie es sich in einem Startup gehört – nicht ohne Rückschläge. „Das Wachstum war schon mit extremer Anstrengung verbunden“, sagt Haymerle. „Die angespannte Budgetlage in den Firmen spüren wir natürlich auch. Wir mussten doppelt so viele Kunden ansprechen, um jene zu finden, die das Budget haben.“

Besonders herausfordernd war die Situation am Kapitalmarkt. Steigende Zinsen erschwerten die Finanzierung massiv. „Das hat uns 2024 sehr stark getroffen und ist immer noch nicht gelöst. Kapital aufstellen ist extrem schwierig.“ Im August 2024 erreichte die Situation einen kritischen Punkt. „Da war schon der Moment, wo bei mir alles ein bisschen zu viel war. Da gab es schon den Moment, wo ich mir dachte: Warum nicht jetzt einfach eine Anstellung irgendwo suchen?“

Die Wende brachte eine Bridge-Finanzierungsrunde über 500.000 Euro im September 2024 (brutkasten berichtete). Sie sicherte das Überleben des Unternehmens. „Ohne die Finanzierung gäbe es uns heute wahrscheinlich nicht mehr“, so Haymerle. „Gott sei Dank hat alles geklappt. Meinen kurzen Burnout habe ich gut überstanden, und dann ging es bergauf. Jetzt sind wir sehr gut unterwegs in Richtung Profitabilität.“

Umsatz vor allem

Rückblickend sieht Haymerle zwei zentrale Erfolgsfaktoren: Fokus auf Umsatz und konsequente Priorisierung von Wertschöpfung. „Ein Umsatz, der wirklich die Kosten trägt, ist das, was dich davor rettet, Kapital aufstellen ‘zu müssen’.“

Zugleich warnt er vor falscher Beharrlichkeit: „Ich sehe so viele Gründer, die zu lange an etwas festhalten, das nicht wirklich Wertschöpfung bringt.“ Wenn Kund:innen nicht bereit seien zu zahlen, werde auch kein echtes Problem gelöst.

Auch beim Team habe man wichtige Lehren gezogen. „Es geht nicht nur darum, dass es allen gut geht, sondern vor allem denen, die performen und Leistung bringen.“ Heute sieht Haymerle sein Unternehmen personell gut aufgestellt: „Wir haben jetzt ein super Team, das das Schrankerl-Konzept liebt und die extra Meile geht.“

Nächste Schritte: Ausbau und neue Angebote

Für die kommenden Jahre bleibt der Fokus klar auf Österreich. Noch 2026 sollen Tirol und Vorarlberg erschlossen werden. Parallel dazu denkt das Unternehmen über eine Expansion in weitere europäische Märkte nach. Umsatzseitig rechnet Schrankerl heuer mit rund sechs Millionen Euro. In den nächsten fünf Jahren möchte man in Österreich auf 600 Schrankerl wachsen.

Zusätzlich plant das Startup eine Erweiterung des Angebots – insbesondere im Bereich Kaffee. „Wir wollen richtig guten Barista-Kaffee ins Büro bringen. Da gibt es aktuell kein gutes Konzept, und das ist ein massiver Hebel, um Leute ins Büro zu bekommen”, sagt Haymerle.

Für ihn selbst steht außer Frage, dass er diesen Weg als CEO auch in den kommenden fünf Jahren weitergehen will: „Natürlich. Ich liebe das. Das ist meine Welt. Ich mache das unglaublich gerne, und es ist so abwechslungsreich.“

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GoStudent, USA, Ohswald, Müller,
(c) Felix Hohagen - Felix Ohswald und Gregor Müller.

GoStudent-Gründer Felix Ohswald machte vor Kurzem auf sich aufmerksam, als sein Unternehmen die Berlitz Deutschland GmbH übernahm – brutkasten berichtete. Damit setzte er einen weiteren Schritt in die Offline-Strategie des Wiener Unicorns. Nichtsdestotrotz macht er sich weiterhin Gedanken um die Zukunft der Bildung in Bezug auf Künstliche Intelligenz, wie er in seinem gestrigen Gastbeitrag darlegte.

Nun jedoch meldet sich Ohswald per LinkedIn-Post und ruft „smarte Gründer:innen“ dazu auf, sich bei der Initiative „GoStudent Builders“ zu bewerben.

75 zu 25

GoStudent sucht mit dem Programm Gründer:innen, die neue Geschäftsmodelle auf Basis der GoStudent-Infrastruktur aufbauen möchten. Laut Website stehen 14 vorab definierte Problemstellungen zur Auswahl, etwa Abitur und Mittlere Reife in Deutschland bzw. Matura in Österreich für externe Kandidat:innen, Ausschreibungen im öffentlichen Bildungsbereich, Ferienlager oder ein KI-Agent für Lead-Follow-up. Alternativ können Teams eigene Ideen einbringen, sofern diese Umsatz erzielen und auf dem Netzwerk von GoStudent laufen.

Die Teilnehmer:innen halten 75 Prozent an der von ihnen aufgebauten Gesellschaft, GoStudent erhält 25 Prozent. Ein Gehalt gibt es am Anfang nicht, das Einkommen speist sich aus dem Gewinn des Unternehmens und soll als Motivation dienen („build to earn fast“). „Wenn dein Vorhaben funktioniert, gehören dir 75 % des Unternehmens. Wenn es nicht funktioniert, sagen wir dir frühzeitig Bescheid“, schreibt Ohswald per LinkedIn-Post.

Mehrheits-Klausel

GoStudent erhält eine Gebühr auf jene Umsätze, die über seine Kund:innen, Standorte und sein Vertriebsteam laufen. Ab dem dritten Jahr kann das Unicorn laut eigenen Angaben die Mehrheit zu einem vorab vereinbarten EBITDA-Multiple übernehmen, bezahlt in GoStudent-Anteilen statt in bar.

Im Gegenzug stellt GoStudent nach eigenen Angaben Zugang zu mehr als 200.000 Kund:innen und mehr als 850 Standorten bereit, darunter Studienkreis, Lernquadrat und Berlitz. Dazu kommen Lizenzen wie die BAMF-Zulassung sowie Gesellschaften in fünf Ländern. Alle 90 Tage werden Ziele vereinbart, bei wiederholtem Verfehlen endet der Zugang zu Kund:innen und Standorten.

Bewerbungen per Mail

Gesucht werden KI-native Einzelpersonen und Teams mit bis zu drei Personen, bewerben kann man sich per E-Mail an die Co-Founder Felix Ohswald (CEO) und Gregor Müller (COO). Die erste Runde endet am 15. Dezember 2026, Entscheidungen sollen vor Weihnachten fallen, der Start ist für Jänner 2027 geplant.

„Wir haben mehr validierte Geschäftsmöglichkeiten als Menschen, die sie umsetzen können“, erklären Ohswald und sein Co-Founder Gregor Müller ihre Beweggründe für diesen Schritt. „Anstatt für jede einzelne Idee Mitarbeiter:innen einzustellen oder ein Unternehmen aufzukaufen, übertragen wir diese Möglichkeiten an Macher:innen, die etwas Eigenes aufbauen und besitzen wollen. Die meisten Startups scheitern an drei Dingen: daran, die ersten Kund:innen zu gewinnen, die notwendige Infrastruktur und die erforderlichen Lizenzen aufzubauen und Kapital zu beschaffen. Wir nehmen dir alle drei Hürden ab. Du startest mit unseren bestehenden Kund:innen, unseren Standorten, unseren Lizenzen und unseren Daten. Du musst keinen einzigen Cent an Investorengeldern aufbringen.“

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