25.09.2025
STRATEGISCHES INVESTMENT

CMTA: Grazer FinTech holt Millioneninvestment von RLB Steiermark

Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark steigt mit einem mittleren siebenstelligen Betrag beim auf den Anleihenhandel spezialisierten Grazer FinTech ein. Das strategische Investment soll die internationale Expansion von CMTA vorantreiben.
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Die RLB Steiermark steigt bei CMTA ein | © CMTA
Die RLB Steiermark steigt bei CMTA ein | © CMTA

145,1 Billionen US-Dollar – das war 2024 laut dem US-Verband Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA) das Gesamtvolumen des globalen Anleihenmarkts. Es habe damit jenes des globalen Aktienmarkts übertroffen, heißt es vom Verband. Als Normalverbraucher:in bekommt man davon aber wenig mit. „Der Anleihenmarkt ist in vielen Bereichen bemerkenswert illiquide, erstaunlich analog und überaus intransparent“, sagte Christoph Müller vor zwei Jahren gegenüber brutkasten. Mit dem von ihm gegründeten Grazer FinTech CMTA AG arbeitet er seit einigen Jahren daran, das zu ändern.

Über die KI-gestützte Handelsplattform „JAMES“ des Unternehmens können Investoren und Emittenten Anleihen, Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen handeln. Dies soll dank der Technologie effizienter und durch Zusammenführung passender Bedürfnisse auch günstiger passieren, so das Versprechen. Mittlerweile habe man 1.100 institutionelle Kunden – Anfang 2024 war man bei rund 800 gestanden. Damals holte sich das FinTech als erstes in Österreich eine sogenannte WAG-Konzession der Finanzmarktaufsicht (FMA), wie brutkasten berichtete.

Zweites Millioneninvestment für CMTA

Nun verkündete CMTA den Abschluss eines weiteren Millioneninvestments, nachdem man bereits 2023 eine Finanzierungsrunde über fünf Millionen Euro bei 100 Millionen Euro Firmenbewertung abgeschlossen hatte (brutkasten berichtete). In der aktuellen Runde erwirbt die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark zehn Prozent der Anteile an CMTA. Dabei wurde ein mittlerer siebenstelliger Betrag investiert, wie es auf brutkasten-Rückfrage heißt.

RLB Steiermark als strategischer Investor

Die RLB Steiermark tritt dabei als strategischer Investor auf, wird von CMTA betont. Die Beteiligung markiere den Beginn einer langfristig angelegten, strategischen Partnerschaft, heißt es vom Unternehmen. „Die Raiffeisen-Landesbank Steiermark und uns verbindet nicht nur der Standort, sondern vor allem die gemeinsamen Werte. Mit der RLB gewinnen wir einen strategischen Partner, der gemeinsam mit uns das Ziel verfolgt einen besseren Kapitalmarkt für unser gesamtes Netzwerk zu schaffen“, kommentiert CEO Christoph Müller. „Wir freuen uns auf eine enge, nachhaltige Zusammenarbeit und den gemeinsamen Ausbau unserer Plattform sowie auf die Erschließung neuer Märkte.“

Nächster Wachstumsschritt für CMTA „in Europa und darüber hinaus“

Das investierte Kapital soll nun „insbesondere in den technologischen Ausbau der Plattform, die Erweiterung des Produktportfolios sowie in die weitere gezielte Internationalisierung fließen“. Bislang ist CMTA neben Österreich in Deutschland, dem CEE-Raum, Spanien und Italien aktiv. „Die Verbindung unserer technologischen Innovationskraft mit der Marktstärke der RLB ermöglicht es uns, den nächsten Wachstumsschritt zu gehen – in Europa und darüber hinaus“, sagt dazu Müller. Im Rahmen der Partnerschaft will man insbesondere regionale und mittelständische Emittenten ansprechen, etwa Städte, Kommunen und Corporates, „die bislang nur eingeschränkten Zugang zu institutionellen Investoren hatten“.

Plattform soll Kapitalmarktgeschäft der RLB Steiermark gezielt ergänzen

Martin Schaller, Generaldirektor der RLB Steiermark, geht in seinem Statement auf die strategischen Vorteile des Investments für die Bank ein: „Mit der Beteiligung an der Grazer CMTA AG investieren wir in ein regional verankertes FinTech mit internationalem Fokus. CMTA vereint technologische Innovationskraft mit regulatorischem Know-how und einem starken Netzwerk, das ist eine vielversprechende Kombination im digitalen Kapitalmarktumfeld.“ Die Plattform JAMES ergänze das Kapitalmarktgeschäft der RLB Steiermark gezielt. Mit der Finanzierungsrunde wird zudem Bernhard Mellitzer, Bereichsleiter Capital Markets & Treasury der RLB Steiermark, neues Mitglied im Aufsichtsrat des FinTechs.

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Martina Egger, Director Country Management Österreich bei Redcare Pharmacy (Shop-Apotheke.at) |(c) brutkasten / Haris Dervisevic

Redcare Pharmacy ist Europas führende Online-Apotheke und tritt in Österreich unter Shop-Apotheke.at auf. Die Gruppe setzte 2025 rund 2,9 Mrd. Euro um, ein Plus von 24 Prozent, und zählt europaweit über 14,2 Millionen aktive Kund:innen. Laut Handelsverband war das Unternehmen zuletzt der drittgrößte Onlineshop des Landes, nach Amazon und Zalando. Ein zentrales Geschäftsfeld bleibt hierzulande aber verschlossen: Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente, in acht EU-Ländern längst erlaubt, ist in Österreich verboten.

Für dieses Thema steht bei Redcare Martina Egger. Die gebürtige Deutsche wurde in der heimischen Startup-Szene als Mitgründerin von Pluz Care bekannt, einer Plattform, die rezeptfreie Medikamente gemeinsam mit lokalen Apotheken nach Hause lieferte. Nach dem Aus des Startups holte sie Redcare Pharmacy als Director Country Management Österreich, unter der Bedingung, unternehmerisch frei agieren zu können.

Im Gespräch mit brutkasten plädiert Egger offen für eine Liberalisierung des Rx-Versands und verweist auf eine von Redcare beauftragte EcoAustria-Studie, die ein volkswirtschaftliches Potenzial im dreistelligen Millionenbereich sieht. Sie erklärt, warum sie kein Apothekensterben fürchtet, wie das Unternehmen Beratung digital abbildet und welche Rolle KI-Agenten künftig spielen sollen.


brutkasten: Du hast Pluz Care mitgegründet, das später in Liquidation übernommen wurde. Was hat dich zu Redcare gebracht?

Ich bin dem Thema treu geblieben. Pluz Care wollte Medikamente binnen einer Stunde nach Hause bringen, in Österreich aber nur rezeptfreie. Als die Finanzierung scheiterte – zwei Due-Diligence-Runden durch, dann geplatzt – hat mich Shop-Apotheke als Country Managerin geholt. Meine Bedingung war, unternehmerisch frei handeln zu können. Heute kann ich viel mehr an der Sache arbeiten als zur Startup-Zeit, in der ich vor allem am Fundraisen war.

brutkasten: Wie entwickelt sich Redcare in Österreich?

Konkrete Österreich-Zahlen nennen wir als börsennotiertes Unternehmen nicht, wir berichten auf Group Level. Aber laut Handelsverband waren wir zuletzt der drittgrößte Onlineshop des Landes, nach Amazon und Zalando. Wir gewinnen weiter eine fünfstellige Zahl neuer Kund:innen pro Monat. Den größten Mehrwert sehen die ländlichen Regionen, dort wird die Online-Bestellung von Medikamenten am stärksten angenommen.

brutkasten: Der Versand rezeptpflichtiger Medikamente ist in Österreich verboten. Warum?

Pharmazeutisch gibt es keinen Grund, der gegen den Rx-Versand spricht. In Deutschland gibt es ihn seit 25 Jahren, in der Schweiz ist er erlaubt. In Skandinavien sind Online-Apotheken bereits lange etabliert. Shop-Apotheke ist eine echte Apotheke, die denselben Regularien unterliegt wie jede andere in Europa. Dass es das Verbot in Österreich gibt, ist eine Frage des politischen Willens. Ähnlich wie bei der Notariatskammer geht es um den Schutz bestehender Strukturen.

brutkasten: Führt der Onlineversand zum Apothekensterben?

In Österreich nicht, im Gegenteil, die Zahl der Apotheken steigt. Das deutsche Problem liegt an der schwierigen Nachfolge und an schließenden Arztpraxen. In Startup-Sprache: Der Arzt ist der Lead Generator für die Apotheke, fällt er weg, ist der Sales Funnel done. Die Dimension ist ohnehin überschaubar: In Deutschland liegt der Online-Anteil am Rx-Geschäft bei fast zwei Prozent, in Märkten mit langer Erfahrung wie Schweden bei etwa 20 Prozent.

Martina Egger im Gespräch mit brutkasten | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

brutkasten: Wie versucht ihr, das zu ändern?

Wir sprechen uns seit rund einem Jahr offen für die Rx-Liberalisierung aus, auch im Austausch mit der Apothekerkammer. Eine von uns beauftragte EcoAustria-Studie hat das volkswirtschaftliche Potenzial einer Öffnung berechnet, etwa durch ersparte Wege, herausgekommen ist ein Betrag im dreistelligen Millionenbereich. Auf EU-Ebene erwarte ich viel, gleichzeitig liegt die Entscheidung bei den Mitgliedstaaten. Wichtig ist das hybride Modell: Niemand wird gezwungen, aber wer in Vorarlberg 30 Kilometer zur nächsten Apotheke hat, soll die Option bekommen.

brutkasten: Eine Online-Apotheke verschickt also nicht nur Pakete?

Nein, wir sind eine Apotheke und müssen beraten. Der durchschnittliche Rx-Kunde in Deutschland ist über 60, entsprechend hoch ist die Zahl unserer meist telefonischen Beratungsgespräche. Jede Bestellung durchläuft einen Wechselwirkungscheck, das Vier-Augen-Prinzip bilden wir digital ab. Erkennt das System eine Wechselwirkung, nehmen wir Kontakt auf, notfalls auch zum Arzt.

brutkasten: Wo setzt ihr auf KI?

KI nutzen wir, wo es geht, viel im Hintergrund, etwa im Pricing. Eine eigene AI-Unit beschäftigt sich mit Conversational Commerce. Wir tracken auch schon den Traffic über ChatGPT, der ist noch nicht relevant, steigt aber leicht.

brutkasten: Wo wollt ihr wachsen, und ist Amazon Pharmacy eine Gefahr?

Wachsen wollen wir in allen Bestandsmärkten, neue Markteintritte sind derzeit kein Thema, wir schauen uns aber immer potenzielle Märkte an. Der Fokus liegt klar auf dem Kerngeschäft. Amazon Pharmacy sehe ich nicht als unmittelbare Bedrohung, der US-Markt funktioniert so anders, dass sich die Modelle kaum vergleichen lassen.

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