17.01.2023

Circularity Gap Report schlägt Alarm: Kreislaufwirtschaft weltweit rückläufig

Pünktlich zum Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos wurde der jährliche Circularity Gap Report von Circle Economy in Partnerschaft mit Deloitte Group präsentiert. Das Ergebnis: Die globale Kreislaufwirtschaft schrumpft.
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Bereits seit dem Jahr 2018 veröffentlicht die Initiative Circle Economy jährlich den sogenannten Circularity Gap Report. Dieser liefert globale Kennzahlen für die Kreislaufwirtschaft und gibt länderübergreifend Auskunft über deren Entwicklung. Zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos war es nun wieder so weit. Bereits zum fünften Mal in Folge wurde am Montag der neue Circularity Gap Report veröffentlicht. Erstmalig beteiligte sich bei der Erstellung des Reports auch die Unternehmensberatung Deloitte.

Circularity Gap Report: Das Ergebnis

Im Zuge des Launch-Events zum Circularity Gap Report schlugen die Autor:innen des Berichts Alarm. Demnach sei in den vergangen Jahren die globale Kreislaufwirtschaft tendenziell rückläufig. So kommt der Report zum Schluss, dass derzeit nur 7,2 Prozent der jährlich aus der Erde entnommenen neuen Materialien wiederverwendet oder ordnungsgemäß recycelt werden. Im Jahr 2019 betrug der Wert noch 9,1 Prozent. Seit 2018, so der Bericht weiters, ist die Nutzung natürlicher Ressourcen durch die Menschheit mit 100 Milliarden Tonnen pro Jahr ziemlich konstant geblieben. Der Bericht prognostiziert einen Anstieg auf 170 Milliarden Tonnen bis zum Jahr 2050, wenn die Entwicklung so weitergeht wie bisher.

Zudem heißt es im Bericht weiters, dass der weltweite Materialentnahme um 30 Prozent verringert werden muss, um die planetaren Grenzen und das 1,5 Grad Ziel einzuhalten. Dazu heißt es von Seiten der Unternehmensberatung Deloitte: „Der weltweite Abbau von Rohstoffen übersteigt das Bevölkerungswachstum. Wir überschreiten bereits den Punkt, an dem der Planet einfach nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten kann.“

Thematischen Schwerpunkte

Im Circularity Gap Report werden unterschiedliche Branchen behandelt. So thematisiert der Bericht unter anderem die Verringerung des Einsatzes von Neumaterialien im Bauwesen und hebt insbesondere die steigende Nachfrage nach „Massenprodukten“ wie Sand und Kies hervor. Weitere Sektoren, die in dem Bericht behandelt werden, sind Lebensmittel und Industrie- und Verbrauchsgüter. Circle Economy schätzt, dass ein Viertel des weltweiten Abfallaufkommens auf die Industrie entfällt, wobei ein zunehmender Anteil auf Konsumgüter zurückzuführen ist.

Wie bereits in der Vergangenheit werden im Circularity Gap Report auch mögliche Maßnahmen für Politik und Wirtschaft angeführt. Dazu zählen beispielsweise die Einführung von Gesetzen auf das Recht zu Reparatur oder die Herstellerverantwortung für Abfälle während des gesamten Produktlebenszyklus.

Tipp der Redaktion:

Mit Jänner 2023 startet die brutkasten-Redaktion einen neuen thematischen Schwerpunkt zum Thema Kreislaufwirtschaft. Im Zentrum stehen Innovationen von Startups, Corporates und Mittelstand, die eine ressourceneffiziente und schadstoffarme Produktion ermöglichen. Zudem berichten wir über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe rund um eine kreislauforientierte Wirtschaft.


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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Dass sich die aktuell noch laufenden Verhandlungen zur EU Inc. auf Ratsebene nicht so entwickeln, wie es sich die Initiator:innen der gleichnamigen Initiative wünschen würden, ist allgemein bekannt. Übte man nach der Veröffentlichung des Kommissionsentwurfs im März noch deutliche Kritik an diesem, würde man ihn inzwischen wohl gerne so annehmen. Denn der aktuell noch in Ausarbeitung befindliche Vorschlag des Rats der EU-Justizminister:innen dürfte letztlich, wenn man mit den Verhandlungen vertrauten Personen Glauben schenken darf, kaum noch etwas mit dem ursprünglichen Vorschlag der Initiative zu tun haben. Die absoluten Kern-Forderungen seien darin de facto zur Gänze gestrichen, was überbleibe sei „nicht mehr als ein Label und vielleicht etwas schnellere Gründung“, hört man.

Österreich als EU-Inc.-Antagonist

Das offizielle Österreich spielt dabei dem Vernehmen nach eher die Rolle des Antagonisten. Das SPÖ-geführte Justizministerium zähle in den Verhandlungen zu den Verhinderern. Rot-weiß-roter Gegenwind zur EU Inc. komme aber auch von anderer Seite, nicht nur, wie allgemein bekannt, von Notariatskammer und Arbeiterkammer, sondern auch von einflussreichen Personen in der Wirtschaftskammer.

Zehetner: deutliche Positionierung pro EU Inc.

In dieser durchaus komplexen Gemengelage von Interessen aus ganz unterschiedlicher Richtung, mag es fast verwundern, dass sich Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner nun öffentlich durchaus deutlich positionierte. „Ich bin unzufrieden damit, wohin sich die Diskussion zur EU Inc. momentan entwickelt – sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene“, sagte sie heute bei einer Keynote im Rahmen des Verbund Venture Day 2026 an der WU Wien. Auf diese Weise werde die EU Inc. nicht zur Alternative zur amerikanischen Delaware Inc., die auch sie sich wünsche.

Mitarbeiter:innenbeteiligung via FlexCo „noch nicht attraktiv genug“

Auch sonst gab sich Zehetner in ihrer Rede, die sich auf europäische Souveränität im Startup-Bereich fokussierte, kritisch. Die FlexCo etwa bezeichnete sie in Sachen Mitarbeiter:innen-Beteiligung als „ersten Schritt“, aber „noch nicht attraktiv genug“. Es brauche neue Steuerregeln, die Mitarbeiter:innenbeteiligung praktikabel machen. Auch ihre bereits einmal dezidiert geäußerte Forderung nach Steuererleichterungen bei Startup-Beteiligungen – vulgo Beteiligungsfreibetrag – wiederholte sie bei der Gelegenheit. Auf europäischer Ebene sieht sie Handlungsbedarf u.a. in Sachen Kapitalmarktunion. Lob gab es von Zehetner dafür für den European Scaleup Funds – ergänzt mit Eigenlob für den geplanten österreichischen Dachfonds.

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