17.01.2020

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Die CES hat auch heuer wieder traditionell das Tech- und Innovations Jahr 2020 eingeläutet. Georg Fürlinger, Innovationsbeauftragter der Außenwirtschaft Austria in San Francisco hat sich für den brutkasten die wichtigsten Tech-Trends angesehen.
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CES
(c) fürlinger

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. 4400 Aussteller, davon 1200 Startups, aus 160 Ländern, auf ca. 255.000 Quadratmetern – ca. 36 Fußballfelder – und mehr als 170.000 Fachbesuchern machen die CES zur unangefochtene Weltleitmesse für Konsumelektronik.

Rapide Fortschritte in den zugrundeliegenden Technologien, wie 5G, künstlicher Intelligenz, Chipdesign und Internet of Things, ermöglichen neue Ansätze bei der Entwicklung innovativer Produkte. Auch heuer hat sich gezeigt, dass die CES für die Automobilindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt – siehe Beitrag zu Automotive-Innovation.

Aus österreichischer Sicht ist besonders erfreulich, dass auch heuer wieder etliche österreichische Firmen, seien es große Konzerne oder auch innovative Startups, den Weg auf die CES geschafft und ihre Innovationen der Weltöffentlichkeit präsentiert haben. 

Der CES Eureka Park, in der Sands Expo Halle des Hotel Venetian, ist die globale Bühne für Startups: Mehr als 1.200 Startups nutzten die CES 2020 als Plattform, um ihre Produkte und Innovationen vorzustellen und mit Kunden, Partnern und Investoren in Kontakt zu treten.

Von 5G bis Digital Health: die größten Trends und neuesten Technologien

Jedes Jahr findet vor der eigentlichen Messe der sogenannte Research Summit statt. Dort stellt die Consumer Technology Association (CTA), der Organisator der CES Messe, die Ergebnisse ihrer Forschung des vergangenen Jahres vor. Es werden die zu beobachtenden Trends im Daten-Zeitalter näher beleuchtet. 

„Internet of Things“

„Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Statt Internet of Things sollte jedoch eher von Intelligence of Things die Rede sein. Die letzten zehn Jahre hat die Menschheit damit verbracht Dinge mit dem Internet zu verbinden, in den nächsten zehn Jahren werden wir diese Dinge nun „intelligenter“ gemacht – es ist von „connected intelligence“ die Rede. 

Durch die exponentielle Zunahme von Daten, die von Menschen & Maschinen täglich generiert werden, wird auch künstliche Intelligenz einen immer wichtigeren Stellenwert einnehmen. Erst durch AI-unterstützte Systeme kann Sinn aus dieser riesen Datenflut abgeleitet und Entscheidungen getroffen werden. Es wird in Zukunft mit großen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Veränderungen zu rechnen sein.

5G Mobilfunkstandard

Neue Mobilfunk Technologien und Standards, wie 5G, wird diesen Anstieg an Daten unterstützen. Diese neue Netzwerktechnologie wird eine Zeit lang neben den bisher bestehenden 4G Netzen parallel existieren, um einen schrittweisen Übergang zu ermöglichen. Die ersten 5G-fähigen Mobiltelefone sollen bereits in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Jedoch sehen Experten die ersten Einsatzgebiete eher im industriellen Bereich: Einerseits „massive IoT“ – viele Endpunkte, wie z.B. Sensoren, die für sich jeweils geringe Datenmengen kommunizieren und wenig Energie benötigen. Andererseits “critical – wenige Endpunkte, z.B. Anlagen oder Industrieroboter, die große Datenmengen von sich geben.

Ein spezieller Bereich, der von 5G revolutionieren wird, ist die Landwirtschaft. Auf der CES wurde u.a. von John Deere ein voll-automatisierter Mähdrescher vorgeführt. Das sich der Einsatz von dieser Technologie nicht nur auf Erntemaschinen beschränken wird, führt zu einem massiven Umbruch der Branche.

Des weiteren ist es durch die genaue Überwachung der Felder und den Einsatz von Drohnen möglich, z.B. Spritzmittel oder Düngemittel nur auf jenen Flächen aufzutragen, bei der es auch wirklich notwendig ist. Logische Konsequenz daraus sind Effizienzvorteile für den Landwirt und auch ökologische Vorteile aufgrund von geringerem Pestizideinsatz.

(c) Fürlinger

Des weitern war von neuen Content-Streaming-Services die Rede, die das Angebot weiter erhöhen werden. Vor allem auch neue Anbieter, die sich auf populäre Kurzformate spezialisieren werden (v.g. Quibi).

Auch im Bereich Virtual and Augmented Reality (VR/AR) ist mit neuen Entwicklungen zu rechnen: Mehr AR-Applikationen, vor allem im B2B Bereich, und neue Smart-Glasses, die sich nun im zweiten Anlauf durchsetzen sollen.

Robotik und Digital Health

Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Allen voran war ein Anstieg von „social robots“ zu beobachten (z.B. Tombot, Roybi, Pria), die sich nun immer mehr auf spezielle Anwendungsfelder spezialisieren werden.

Digital Health hat ebenso eine zentrale Rolle beim Research Summit und der CES Konferenz eingenommen. Über 150 Aussteller haben in speziellen Unterbereichen, wie SportsTech, SleepTech oder BabyTech, ihre neuen Errungenschaften vorgestellt. Oft ist von einem Ökosystem der Ökosysteme die Rede, deren Entwicklung durch neue Technologien wie AI und 5G weiter vorangetrieben werden. Man beobachtet auch einen starken Trend von der Symptom-basierten Medizin hin zur Evidenz-basierten Medizin und erwartet vermehrte Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Krankenhäuser werden Datencenter.

(c) Fürlinger

Delta Airlines, Parallel Reality und Exoskelett

Die Eröffnungs-Keynote wurde dieses Jahr vom CEO von Delta Airlines gehalten. Mit knapp 200 Millionen Passagieren jährlich ist sie die zweitgrößte Fluglinie in den USA. Es wurden einige neue Kooperationen, zum Beispiel mit dem Fahrtdienstleister Lyft vorgestellt, sowie weitere Service Angebote innerhalb der Delta App.

Eines der Highlights der Präsentation war eine neue  Displaytechnologie namens “Parallel Reality”, die gemeinsam mit Misapplied Sciences vorgestellt wurde. Wer kennt sie nicht, die riesigen Displays am Flughafen mit einer überwältigenden Anzahl von Fluginformationen und deren Status-Updates. Delta Air Lines hat in Kooperation mit Misapplied Sciences eine Technologie entwickelt, bei der bis zu 100 Personen eine für sie individuell personalisierte Nachricht auf nur einem einzigen Display zur gleichen Zeit sehen können. Dies ist sogar ohne eine Augmented Reality Brille oder dem eigenen Smartphone möglich. 

Derzeit wird am Flughafen in Detroit in Beta-Test durchgeführt, um Rückschlüsse für die weitere Entwicklung zu gewinnen. Noch Ende des Jahres soll Parallel Reality dann auf den ersten Flughäfen ausgerollt werden. Leider nicht für Flugreisende, aber immerhin für Mitarbeiter hat Delta Airlines in Zusammenarbeit mit Sarcos Robotics ein Exoskelett vorgestellt. Dies soll genutzt werden, um schwere Gegenstände heben und leichter zu transportieren zu können. Derzeit finden erste Tests an ausgewählten Flughäfen statt.

IBM Quantum

Ein weiterer Kooperationspartner von Delta Air Lines ist IBM. Prominent vertreten in der Central Hall im Las Vegas Convention Center war der Quantum Computer von IBM ein regelrechter Blickfang. Auf der CES 2020 gab IBM bekannt, dass ihr neuester 28-Qubit Quantencomputer sein Ziel erreicht hat, das Quantenvolumen.

Wurde im Vorjahr noch ein Quantenvolumen von 16 erzielt waren es heuer 32. Bereits seit 2017 gelingt es IBM, das Quantenvolumen jedes Jahr zu – ein wichtiges Ziel der Quantenindustrie im Allgemeinen. Denn je höher das Quantenvolumen ist, desto komplexere Probleme können von Quantencomputern gelöst werden. Des Weiteren gab IBM bekannt, dass Delta Air Lines, Anthem, Goldman Sachs und Wells Fargo an ihrem Netzwerk IBM Q teilnehmen werden, um mit mehr als 100 anderen Unternehmen an praktischen Anwendungen für den Quantencomputer zu arbeiten.

(c) Fürlinger

Neon

Schon vor Beginn der CES gab es einen Hype um Neon, ein geheimnisvoller Avatar, entwickelt von der Samsung-Tochter Star Labs. Bei Neon handelt sich um virtuelle Personen, die vollständig am Computer erzeugt werden und in Echtzeit (Latenz ca. 20 Millisekunden) autonom reagieren sollen. Grundlage der Avatare ist die Software Core R3 und Spectra. Es wurde erklärt, dass die drei Rs für Reality, Realtime und Responsive stehen und eine erste Betaversion Ende 2020 auf der Neonwelt vorgestellt werden soll.

Erste Experimente in diese Richtung fanden bereits im Oktober 2018 statt, das Projekt Neon ist jedoch erst vier Monate alt. Aufbauend auf Unmengen von Daten von realen Personen mit diversen Hintergründen sollen Mimik, Gestik und andere Körperbewegungen in das System geladen werden. Ziel ist es eine lebensähnliche, virtuelle Version von Menschen zu erstellen, die durch Interaktion mit Menschen lernen und ihr Verhalten anpassen.

Derzeit besitzen die Avatare jedoch noch kein Memory oder Intelligenz und auch auch das Business Model hinter Neon steht auch noch nicht fest. Es wird spannend zu sehen sein, in welchen Bereichen die virtuellen Personen als erstes ihren Einsatz finden.

(c) Fürlinger

Tactsuit

Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Mit TactSuit können Gamer die Bewegungen, Vibrationen und Soundeffekte eines Spiels so erleben, als ob sie wirklich dort wären. Möglich wird dies aufgrund von 40 Vibrationsmotoren, welche auf der Vorder- und Rückseite des Anzugs verbaut sind. Mithilfe von Bluetooth wird der TactSuit mit einem PC oder Tablet verbunden und kann bis zu zehn Stunden genutzt werden, bevor man den verbauten Akku wieder aufladen muss. Aber nicht nur für Gamer bietet der TactSuit eine neue Erfahrungen, sondern auch für Musikliebhaber. bHaptics zeigte auf der CES eine Sairento VR Demo, welche es ermöglichen soll, Musik fühlbar wahrzunehmen.

 

Omron

Omron Automation, ein japanisches Unternehmen, hat auf der CES einen Tischtennis spielenden Roboter (Forpheus) vorgestellt, welcher auf einer neuen AI-Technologie basiert. Das System von Forpheus beobachtet während des Spiels seinen Kontrahenten und kann mit den gesammelten Informationen Rückschlüsse auf seine Fähigkeiten bzw. seinen körperlichen Zustand ziehen. Da der Roboter seine Fähigkeiten an das Gegenüber anpassen kann, ist der Bot sowohl für Experten, als auch für Anfänger geeignet. Schlussendlich handelt es sich bei Forpheus um einen Trainer, welcher nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch das emotionale Verhalten des Gegenspielers beurteilen kann.

Huawei Mate X

Neben einigen anderen Herstellern hat auch Huawei auf der CES ihr neuestes, faltbares Smartphone Mate X ausgestellt. Laut Huawei sollen seit Marktstart im November 2019 bereits mehr als 200.000 Stück des Smartphones verkauft worden sein. Erhältlich ist das Mate X derzeit nur in China, ob sich dies in den nächsten Monaten ändern wird gab Huawei nicht bekannt. Dies hängt wohl auch von der weiteren Entwicklung der Handelssituation zwischen China und der USA ab. Laut ersten Berichten arbeitet Huawei jedoch schon an einer überarbeiteten Version des Mate X, welches mit dem hauseigenen Kirin 990 Chipsatz ausgestattet werden soll. Ob bei der neuen Version die Google Services wieder on-board sein werden ist auch noch nicht bekannt.

Nreal

Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Die Brille ist etwas klobig, dennoch nicht so sperrig und schwer (88 Gramm) wie zum Beispiel eine HTC Vice Cosmos oder Oculus Go. Mithilfe der Brille kann man u.a. virtuelle Bildschirme aufrufen (bei Bedarf auch mehrere), sie nach Belieben verschieben und die Größe verändern. Besonders überraschend war die Bildqualität, welche durchaus mit einer Magic Leap 1 mithalten kann. Die Brille hat keinen eigenen on-board Prozessor verbaut.

(c) Fürlinger: Earl Schaffer, Aussenwirtschaft Austria, beim Ausprobieren der Nreal Brille

Focus Fun

Eine zunehmende Anzahl an Firmen beschäftigen sich mit sogenannter “Brain-Computer Interface” Technologie. Mithilfe dieser können Gehirnströme von Sensoren auf der Kopfhaut bzw. von ins Gehirn implantierten Sensoren aufgezeichnet und in digitale Signale transformiert werden.

BrainCo hat auf der CES ein Stirnband namens FocusFun präsentiert, mit dem man messen kann, wie stark sich jemand fokussiert. Vorgeführt wurde dies auf der CES mit Hilfe eines Carrera ähnlichen Autorennspiels. Dafür wurden den Testpersonen Mathematikaufgaben gestellt, je stärker man sich dann konzentrierte, um die Aufgabe zu lösen, desto schneller wurde das Auto auf der “Carrerabahn”. Als weiteres Einsatzgebiet für dieses Stirnband nennt BrainCo die Schulen. Lehrer sollen erkennen können, wann sich Schüler sehr stark anstrengen oder eher entspannt sind.


Über Georg Fürlinger

Georg Fürlinger.

Georg Fürlinger ist Technologiebeaufragter bei der Außenwirtschaft Austria, die Internationalisierungs- und Innovationsagentur der österreichischen Wirtschaft, sowie Co-Director des Open Austria Büros in San Francisco. Er unterstützt österreichische Startups und etablierte Unternehmen bei ihrer US-Markteintrittsstrategie sowie beim Technologie-, Partner- und Investoren-Scouting. Zuvor forschte er am Austrian Institute of Technology im Bereich innovativer Ökosysteme und arbeitet mit dem Startup Accelerator StartX der Stanford Universität zusammen. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

 

 

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Bits & Pretzels Mitgründer und Managing Director Bernd Storm van's Gravesande © Bits & Pretzels

Weißwurst zum Frühstück, Brezn zur Beteiligungsverhandlung: Wenn München jedes Jahr im Herbst zur Wiesn bläst, verwandelt sich ein Teil der Stadt gleichzeitig in die größte Gründerbühne Europas. Seit 2014 zählt die Bits & Pretzels zu den wichtigsten Innovationsevents des Kontinents. Größen wie Barack Obama oder Arnold Schwarzenegger haben in München bereits ihre Weisheiten mit dem Publikum geteilt. Bei der dreitägigen Konferenz geht es aber nicht nur um Inspiration, sondern vor allem um Austausch und potenzielle Kundengewinnung. Genau darin sieht Bits-&-Pretzels-Mitgründer und Managing Director Bernd Storm van’s Gravesande eine relevante Alternative zur klassischen Kapitalaufnahme über VCs.


brutkasten: Die polarisierende These, mit der wir heute starten: VCs sind out, Corporates sind in. Wie kommst du dazu?

Bernd Storm van’s Gravesande: Ich möchte die zentrale und wichtige Rolle von VCs damit überhaupt nicht kleinreden – ohne Venture Capital gäbe es das ganze Startup-Ökosystem nicht, das muss uns klar sein. Aber die Überspitzung dient natürlich auch dazu, dass wir erkennen: Für viele Startups – nicht für alle – gibt es Alternativen. Nämlich, dass ein Ankerkunde manchmal passender ist als ein Ankerinvestor. Da muss man immer definieren: für wen, für welches Startup, in welcher Phase.

Aber ein Ankerkunde kann sehr wertvoll sein. Nehmen wir ein Beispiel, das gerade in aller Munde ist: Defense. Wir haben die Helsings, die Quantum Systems und so weiter. Das ist eine spezielle Branche, aber das Muster dahinter erkennen wir auch in anderen Branchen. Bei all diesen hast du nicht nur reine VCs, sondern etwa mit der Bundeswehr oder mit internationalen Staaten ganz konkrete Kunden, mit denen du nicht nur über potenzielle Umsätze sprichst, sondern über ganz konkrete.

Wenn du als Startup schon zahlende Kunden mitbringen kannst, ist das so viel mehr wert als jede Powerpoint oder Marktanalyse. Das ist der eigentliche Proof. Du hast einen Ankerkunden und das ist sehr viel wert, auch für künftige Partner- und Kundenbeziehungen oder spätere Finanzierungsrunden.

Ist das eine Entwicklung, die du erst in letzter Zeit beobachtest, oder war das eigentlich immer schon so?

Die Rahmenbedingungen haben sich verändert, es geht verstärkt in diese Richtung. Vor vier, fünf Jahren war Kapital sehr günstig, Venture Capital war auch leichter in höheren Bewertungsrunden aufzunehmen. Da war es nicht so zwingend notwendig, zähe Corporate Deals einzugehen. Diese Rahmenbedingungen haben sich geändert.

Gleichzeitig haben sich aus meiner Sicht auch die Corporates selbst entwickelt. Vor zehn Jahren war es fancy, Acceleratoren und Innovation Labs zu haben, Innovationsprogramme – ein bisschen Schaufensterdekoration. Daraus ist inzwischen ein existenzieller Druck geworden, vor allem im Bereich KI. Die Corporates sehen die Innovation von Startups nicht mehr als Nice-to-have, sondern stehen so stark unter Druck, dass sie darauf angewiesen sind und überlegen müssen, wie sie diese intern nutzen können. Das sind die zwei Hauptfaktoren, die sich geändert haben: die Rahmenbedingungen für die Kapitalaufnahme und die Dringlichkeit der Corporates, externe Innovation aufzunehmen oder mit Startups zusammenzuarbeiten.

Bei der Bits & Pretzels haben wir ja nicht nur Investoren und Kunden, sondern auch 500 CIOs, weil wir verstehen, dass diese künftige Kunden- oder Entwicklungsbeziehung in unserer Wirtschaft notwendig sein wird – wir reden über Europa, über Deutschland. Das ist keine temporäre Reaktion, nach dem Motto: Weil Kapital teurer ist, machen wir eben was anderes. Es geht klar in die Richtung, dass man idealerweise sehr früh im Rahmen der Produktentwicklung gemeinsam mit Ankerkunden erste Umsätze generiert und am Markt Fortschritte erzielt.

Gibt es Red Flags, bei denen du sagen würdest: Finger weg von dieser Corporate-Venturing-Beziehung?

Red Flag ist ein hartes Wort, aber vorsichtig wäre ich bei Innovationslaboren. Ich würde jedem empfehlen, direkt zum Bereichsleiter oder zur Bereichsleiterin mit Umsatz- und Kostenverantwortung zu gehen, weil man dann bei den Entscheider ist. Ich würde mich nur eng committen, wenn man einen Kontakt auf Vorstands- oder Bereichsvorstandsebene hat – einen C-Level-Sponsor, weil man sonst nicht alle Türen öffnen kann.

Man muss sich vor Augen halten: Wenn du ein Corporate als Kunden siehst, ist das ein toller Proof, aber auch ein Riesen-Pain. Ein häufiges Problem, ein Stolperstein, ist die Geschwindigkeit. Wenn ich als kleiner Gründer an einen DAX-Konzern herantrete, bin ich startklar, ich fange morgen mit der Entwicklung an. Aber die brauchen so viele Abstimmungen – Rechtsabteilungen, Bereichsleiter, Einkaufsprozesse, Integrationsschnittstellen, IT-Implementierungsbudgets. Das dauert. Das muss man als Gründer wissen, das geht nicht von heute auf morgen. Was ich aus eigener Erfahrung und von vielen anderen auf der Bits & Pretzels gehört habe, nenne ich „Pilotitis“: Lass uns mal einen kostenlosen Proof of Concept machen und dann weitersehen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit geht das nie in den Echtbetrieb, das ist die falsche Herangehensweise.

Beim Thema Kundenrisiko: Wenn Corporates Exklusivität wollen, dann höchstens temporär, sechs, zwölf Monate, aber bitte nicht 24 Monate – sonst bist du gefangen und kannst nur hoffen, dass sie dir Folgeprojekte geben. Ein weiteres mögliches Warnsignal: Wenn sich der Einkaufsprozess so in die Länge zieht, dass etwa ein Betriebsrat zustimmen muss, sollte man sich fragen, ob das trotzdem der richtige Kunde ist – als Gründer hat man ja ohnehin schon Zeitdruck, etwas FOMO und ein bisschen Paranoia.

Wo passen die VCs in diesem Bild trotzdem noch rein? Wo macht es weiterhin mehr Sinn, auf VC zu setzen statt auf Corporates als Pilotkunden?

Grundsätzlich immer, wenn man ein skalierbares Tech-Business-Modell hat. Ich sage nur, dass VC nicht mehr die einzige Option ist. Die Anzahl der Finanzierungsrunden geht runter, die Anzahl der Gründungen geht hoch – also müssen sich Gründer zwangsläufig überlegen, wo sie außer von VCs Geld herbekommen. Umsatz ist das neue Risikokapital, plakativ gesagt. Das kann für viele funktionieren, weil nicht alle von Milliardenrunden wie bei Helsing oder von den gerade raisenden Health-Tech-Companies gesegnet sind. Wir reden auch über den Mittelstand der Gründungen, der ebenfalls Umsatz braucht – und kein VC-Geld zu bekommen heißt nicht automatisch, keinen Erfolg am Markt zu haben. Viele bekommen keinen VC. Und ich plädiere dafür, zu überlegen, dass Umsatz auch gutes, für viele sogar das passende Kapital sein kann.

Auf der Bits & Pretzels findet auch heuer wieder der CIO AI Summit statt, den ich intern kuratiere und hoste. Da kommen 500 CIOs aus dem deutschen Mittelstand, aus der deutschen Industrie und von Großunternehmen zusammen, tauschen sich zunächst untereinander aus, und dann öffnen wir den Raum, damit jeder Gründer und jede Gründerin mit ihnen in Kontakt treten kann. Genau das sind mögliche Kontaktpunkte, um Ankerkunden zu gewinnen – und auch für jedes österreichische Startup, das den deutschen Markt als relevant erachtet, eine sehr effiziente Möglichkeit, Industriekontakte zu knüpfen.

Wenn wir schon bei der Bits & Pretzels sind: Wie ist es euch eigentlich gelungen, Steven Bartlett heuer als Speaker zu gewinnen und auf welche Highlights darf man sich sonst noch freuen?

Beharrlichkeit. Es ist nicht das erste und nicht das zweite Mal, dass wir angefragt haben, das erste Mal ungefähr 2024. Wir haben als Veranstalter den Luxus, aber auch die Bürde, zu überlegen, wer passt, wer motiviert, wer inspiriert, wer den Leuten Energie im Raum gibt und die Gespräche entfacht. Und da waren wir uns immer einig, dass Steven Bartlett ein toller Mensch ist – selbst Gründer, und durch seine Empathie in seinen Interviews betont er immer wieder genau diesen menschlichen Aspekt hinter dem Unternehmen, hinter der Gründung. Das passt sehr gut zu unserem heurigen Motto „Human After All“. Dazu kommt seine enorme Expertise: Er ist ein sehr guter Speaker, ein bisschen Celebrity, aber eben auch ein fantastischer Fachexperte, der die Leute begeistern kann – und das wollen wir. Also leider keine wahnsinnige Story von einem zufälligen Treffen beim Kaffee in London, sondern schlicht Hartnäckigkeit, bis er endlich Zeit hatte.

Ein bisschen in dieselbe Richtung geht auch Trevor Noah, den wir ebenfalls dabei haben: Auch er ist Unternehmer, hat für Microsoft eine KI-Serie gemacht, ist also vom Fach. Ich glaube, solche Personen können unsere Themen nochmal ganz anders beleuchten, aus einer anderen Perspektive, und die Leute begeistern. Ein bisschen Out-of-the-box-Denken eben – deshalb holen wir sie.


Die Bits & Pretzels 2026 findet heuer von 28. bis 30. September 2026 wieder in München statt.

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AI Summaries

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. „Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

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