17.01.2020

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Die CES hat auch heuer wieder traditionell das Tech- und Innovations Jahr 2020 eingeläutet. Georg Fürlinger, Innovationsbeauftragter der Außenwirtschaft Austria in San Francisco hat sich für den brutkasten die wichtigsten Tech-Trends angesehen.
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CES
(c) fürlinger

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. 4400 Aussteller, davon 1200 Startups, aus 160 Ländern, auf ca. 255.000 Quadratmetern – ca. 36 Fußballfelder – und mehr als 170.000 Fachbesuchern machen die CES zur unangefochtene Weltleitmesse für Konsumelektronik.

Rapide Fortschritte in den zugrundeliegenden Technologien, wie 5G, künstlicher Intelligenz, Chipdesign und Internet of Things, ermöglichen neue Ansätze bei der Entwicklung innovativer Produkte. Auch heuer hat sich gezeigt, dass die CES für die Automobilindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt – siehe Beitrag zu Automotive-Innovation.

Aus österreichischer Sicht ist besonders erfreulich, dass auch heuer wieder etliche österreichische Firmen, seien es große Konzerne oder auch innovative Startups, den Weg auf die CES geschafft und ihre Innovationen der Weltöffentlichkeit präsentiert haben. 

Der CES Eureka Park, in der Sands Expo Halle des Hotel Venetian, ist die globale Bühne für Startups: Mehr als 1.200 Startups nutzten die CES 2020 als Plattform, um ihre Produkte und Innovationen vorzustellen und mit Kunden, Partnern und Investoren in Kontakt zu treten.

Von 5G bis Digital Health: die größten Trends und neuesten Technologien

Jedes Jahr findet vor der eigentlichen Messe der sogenannte Research Summit statt. Dort stellt die Consumer Technology Association (CTA), der Organisator der CES Messe, die Ergebnisse ihrer Forschung des vergangenen Jahres vor. Es werden die zu beobachtenden Trends im Daten-Zeitalter näher beleuchtet. 

„Internet of Things“

„Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Statt Internet of Things sollte jedoch eher von Intelligence of Things die Rede sein. Die letzten zehn Jahre hat die Menschheit damit verbracht Dinge mit dem Internet zu verbinden, in den nächsten zehn Jahren werden wir diese Dinge nun „intelligenter“ gemacht – es ist von „connected intelligence“ die Rede. 

Durch die exponentielle Zunahme von Daten, die von Menschen & Maschinen täglich generiert werden, wird auch künstliche Intelligenz einen immer wichtigeren Stellenwert einnehmen. Erst durch AI-unterstützte Systeme kann Sinn aus dieser riesen Datenflut abgeleitet und Entscheidungen getroffen werden. Es wird in Zukunft mit großen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Veränderungen zu rechnen sein.

5G Mobilfunkstandard

Neue Mobilfunk Technologien und Standards, wie 5G, wird diesen Anstieg an Daten unterstützen. Diese neue Netzwerktechnologie wird eine Zeit lang neben den bisher bestehenden 4G Netzen parallel existieren, um einen schrittweisen Übergang zu ermöglichen. Die ersten 5G-fähigen Mobiltelefone sollen bereits in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Jedoch sehen Experten die ersten Einsatzgebiete eher im industriellen Bereich: Einerseits „massive IoT“ – viele Endpunkte, wie z.B. Sensoren, die für sich jeweils geringe Datenmengen kommunizieren und wenig Energie benötigen. Andererseits “critical – wenige Endpunkte, z.B. Anlagen oder Industrieroboter, die große Datenmengen von sich geben.

Ein spezieller Bereich, der von 5G revolutionieren wird, ist die Landwirtschaft. Auf der CES wurde u.a. von John Deere ein voll-automatisierter Mähdrescher vorgeführt. Das sich der Einsatz von dieser Technologie nicht nur auf Erntemaschinen beschränken wird, führt zu einem massiven Umbruch der Branche.

Des weiteren ist es durch die genaue Überwachung der Felder und den Einsatz von Drohnen möglich, z.B. Spritzmittel oder Düngemittel nur auf jenen Flächen aufzutragen, bei der es auch wirklich notwendig ist. Logische Konsequenz daraus sind Effizienzvorteile für den Landwirt und auch ökologische Vorteile aufgrund von geringerem Pestizideinsatz.

(c) Fürlinger

Des weitern war von neuen Content-Streaming-Services die Rede, die das Angebot weiter erhöhen werden. Vor allem auch neue Anbieter, die sich auf populäre Kurzformate spezialisieren werden (v.g. Quibi).

Auch im Bereich Virtual and Augmented Reality (VR/AR) ist mit neuen Entwicklungen zu rechnen: Mehr AR-Applikationen, vor allem im B2B Bereich, und neue Smart-Glasses, die sich nun im zweiten Anlauf durchsetzen sollen.

Robotik und Digital Health

Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Allen voran war ein Anstieg von „social robots“ zu beobachten (z.B. Tombot, Roybi, Pria), die sich nun immer mehr auf spezielle Anwendungsfelder spezialisieren werden.

Digital Health hat ebenso eine zentrale Rolle beim Research Summit und der CES Konferenz eingenommen. Über 150 Aussteller haben in speziellen Unterbereichen, wie SportsTech, SleepTech oder BabyTech, ihre neuen Errungenschaften vorgestellt. Oft ist von einem Ökosystem der Ökosysteme die Rede, deren Entwicklung durch neue Technologien wie AI und 5G weiter vorangetrieben werden. Man beobachtet auch einen starken Trend von der Symptom-basierten Medizin hin zur Evidenz-basierten Medizin und erwartet vermehrte Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Krankenhäuser werden Datencenter.

(c) Fürlinger

Delta Airlines, Parallel Reality und Exoskelett

Die Eröffnungs-Keynote wurde dieses Jahr vom CEO von Delta Airlines gehalten. Mit knapp 200 Millionen Passagieren jährlich ist sie die zweitgrößte Fluglinie in den USA. Es wurden einige neue Kooperationen, zum Beispiel mit dem Fahrtdienstleister Lyft vorgestellt, sowie weitere Service Angebote innerhalb der Delta App.

Eines der Highlights der Präsentation war eine neue  Displaytechnologie namens “Parallel Reality”, die gemeinsam mit Misapplied Sciences vorgestellt wurde. Wer kennt sie nicht, die riesigen Displays am Flughafen mit einer überwältigenden Anzahl von Fluginformationen und deren Status-Updates. Delta Air Lines hat in Kooperation mit Misapplied Sciences eine Technologie entwickelt, bei der bis zu 100 Personen eine für sie individuell personalisierte Nachricht auf nur einem einzigen Display zur gleichen Zeit sehen können. Dies ist sogar ohne eine Augmented Reality Brille oder dem eigenen Smartphone möglich. 

Derzeit wird am Flughafen in Detroit in Beta-Test durchgeführt, um Rückschlüsse für die weitere Entwicklung zu gewinnen. Noch Ende des Jahres soll Parallel Reality dann auf den ersten Flughäfen ausgerollt werden. Leider nicht für Flugreisende, aber immerhin für Mitarbeiter hat Delta Airlines in Zusammenarbeit mit Sarcos Robotics ein Exoskelett vorgestellt. Dies soll genutzt werden, um schwere Gegenstände heben und leichter zu transportieren zu können. Derzeit finden erste Tests an ausgewählten Flughäfen statt.

IBM Quantum

Ein weiterer Kooperationspartner von Delta Air Lines ist IBM. Prominent vertreten in der Central Hall im Las Vegas Convention Center war der Quantum Computer von IBM ein regelrechter Blickfang. Auf der CES 2020 gab IBM bekannt, dass ihr neuester 28-Qubit Quantencomputer sein Ziel erreicht hat, das Quantenvolumen.

Wurde im Vorjahr noch ein Quantenvolumen von 16 erzielt waren es heuer 32. Bereits seit 2017 gelingt es IBM, das Quantenvolumen jedes Jahr zu – ein wichtiges Ziel der Quantenindustrie im Allgemeinen. Denn je höher das Quantenvolumen ist, desto komplexere Probleme können von Quantencomputern gelöst werden. Des Weiteren gab IBM bekannt, dass Delta Air Lines, Anthem, Goldman Sachs und Wells Fargo an ihrem Netzwerk IBM Q teilnehmen werden, um mit mehr als 100 anderen Unternehmen an praktischen Anwendungen für den Quantencomputer zu arbeiten.

(c) Fürlinger

Neon

Schon vor Beginn der CES gab es einen Hype um Neon, ein geheimnisvoller Avatar, entwickelt von der Samsung-Tochter Star Labs. Bei Neon handelt sich um virtuelle Personen, die vollständig am Computer erzeugt werden und in Echtzeit (Latenz ca. 20 Millisekunden) autonom reagieren sollen. Grundlage der Avatare ist die Software Core R3 und Spectra. Es wurde erklärt, dass die drei Rs für Reality, Realtime und Responsive stehen und eine erste Betaversion Ende 2020 auf der Neonwelt vorgestellt werden soll.

Erste Experimente in diese Richtung fanden bereits im Oktober 2018 statt, das Projekt Neon ist jedoch erst vier Monate alt. Aufbauend auf Unmengen von Daten von realen Personen mit diversen Hintergründen sollen Mimik, Gestik und andere Körperbewegungen in das System geladen werden. Ziel ist es eine lebensähnliche, virtuelle Version von Menschen zu erstellen, die durch Interaktion mit Menschen lernen und ihr Verhalten anpassen.

Derzeit besitzen die Avatare jedoch noch kein Memory oder Intelligenz und auch auch das Business Model hinter Neon steht auch noch nicht fest. Es wird spannend zu sehen sein, in welchen Bereichen die virtuellen Personen als erstes ihren Einsatz finden.

(c) Fürlinger

Tactsuit

Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Mit TactSuit können Gamer die Bewegungen, Vibrationen und Soundeffekte eines Spiels so erleben, als ob sie wirklich dort wären. Möglich wird dies aufgrund von 40 Vibrationsmotoren, welche auf der Vorder- und Rückseite des Anzugs verbaut sind. Mithilfe von Bluetooth wird der TactSuit mit einem PC oder Tablet verbunden und kann bis zu zehn Stunden genutzt werden, bevor man den verbauten Akku wieder aufladen muss. Aber nicht nur für Gamer bietet der TactSuit eine neue Erfahrungen, sondern auch für Musikliebhaber. bHaptics zeigte auf der CES eine Sairento VR Demo, welche es ermöglichen soll, Musik fühlbar wahrzunehmen.

 

Omron

Omron Automation, ein japanisches Unternehmen, hat auf der CES einen Tischtennis spielenden Roboter (Forpheus) vorgestellt, welcher auf einer neuen AI-Technologie basiert. Das System von Forpheus beobachtet während des Spiels seinen Kontrahenten und kann mit den gesammelten Informationen Rückschlüsse auf seine Fähigkeiten bzw. seinen körperlichen Zustand ziehen. Da der Roboter seine Fähigkeiten an das Gegenüber anpassen kann, ist der Bot sowohl für Experten, als auch für Anfänger geeignet. Schlussendlich handelt es sich bei Forpheus um einen Trainer, welcher nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch das emotionale Verhalten des Gegenspielers beurteilen kann.

Huawei Mate X

Neben einigen anderen Herstellern hat auch Huawei auf der CES ihr neuestes, faltbares Smartphone Mate X ausgestellt. Laut Huawei sollen seit Marktstart im November 2019 bereits mehr als 200.000 Stück des Smartphones verkauft worden sein. Erhältlich ist das Mate X derzeit nur in China, ob sich dies in den nächsten Monaten ändern wird gab Huawei nicht bekannt. Dies hängt wohl auch von der weiteren Entwicklung der Handelssituation zwischen China und der USA ab. Laut ersten Berichten arbeitet Huawei jedoch schon an einer überarbeiteten Version des Mate X, welches mit dem hauseigenen Kirin 990 Chipsatz ausgestattet werden soll. Ob bei der neuen Version die Google Services wieder on-board sein werden ist auch noch nicht bekannt.

Nreal

Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Die Brille ist etwas klobig, dennoch nicht so sperrig und schwer (88 Gramm) wie zum Beispiel eine HTC Vice Cosmos oder Oculus Go. Mithilfe der Brille kann man u.a. virtuelle Bildschirme aufrufen (bei Bedarf auch mehrere), sie nach Belieben verschieben und die Größe verändern. Besonders überraschend war die Bildqualität, welche durchaus mit einer Magic Leap 1 mithalten kann. Die Brille hat keinen eigenen on-board Prozessor verbaut.

(c) Fürlinger: Earl Schaffer, Aussenwirtschaft Austria, beim Ausprobieren der Nreal Brille

Focus Fun

Eine zunehmende Anzahl an Firmen beschäftigen sich mit sogenannter “Brain-Computer Interface” Technologie. Mithilfe dieser können Gehirnströme von Sensoren auf der Kopfhaut bzw. von ins Gehirn implantierten Sensoren aufgezeichnet und in digitale Signale transformiert werden.

BrainCo hat auf der CES ein Stirnband namens FocusFun präsentiert, mit dem man messen kann, wie stark sich jemand fokussiert. Vorgeführt wurde dies auf der CES mit Hilfe eines Carrera ähnlichen Autorennspiels. Dafür wurden den Testpersonen Mathematikaufgaben gestellt, je stärker man sich dann konzentrierte, um die Aufgabe zu lösen, desto schneller wurde das Auto auf der “Carrerabahn”. Als weiteres Einsatzgebiet für dieses Stirnband nennt BrainCo die Schulen. Lehrer sollen erkennen können, wann sich Schüler sehr stark anstrengen oder eher entspannt sind.


Über Georg Fürlinger

Georg Fürlinger.

Georg Fürlinger ist Technologiebeaufragter bei der Außenwirtschaft Austria, die Internationalisierungs- und Innovationsagentur der österreichischen Wirtschaft, sowie Co-Director des Open Austria Büros in San Francisco. Er unterstützt österreichische Startups und etablierte Unternehmen bei ihrer US-Markteintrittsstrategie sowie beim Technologie-, Partner- und Investoren-Scouting. Zuvor forschte er am Austrian Institute of Technology im Bereich innovativer Ökosysteme und arbeitet mit dem Startup Accelerator StartX der Stanford Universität zusammen. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

 

 

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Fedor Holz | (c) Haris Dervisevic / brutkasten
Fedor Holz | (c) Haris Dervisevic / brutkasten

Mit Anfang 20 führte er die Poker-Weltrangliste an und erspielte insgesamt Preisgelder im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Doch nach nur wenigen Jahren widmete sich Fedor Holz anderen Herausforderungen. Seine zwei Startups gründete der deutsche Wahl-Wiener in der österreichischen Hauptstadt. Als Investor stieg er bei rund 30 Startups und 20 Fonds ein. Die daraus gewonnene Expertise setzt er nun gemeinsam mit seinem Freund und Geschäftspartner Christoph Zöller im Fund of Funds „Drafted Ventures“ mit Sitz im deutschen Heidelberg um. Im Interview erzählte uns Holz mehr über seine Beweggründe und seine Strategie.


brutkasten: Du hast als Poker-Spieler internationale Bekanntheit erlangt . Vor zehn Jahren hast du dann zum ersten Mal ein Unternehmen gegründet. Wie war das damals?

Fedor Holz: Genau, da war ich sehr unerfahren. Ich war Anfang 20 und wir hatten eine ganz typische Startup-Reise. Ich habe mit dem Pokern aufgehört und meine erste Firma gegründet: Primed Mind. Das war sehr ähnlich zu Headspace [Anm. bekannte Meditations-App], die eine starke Konkurrenz waren. Wir hatten eine sehr gute Anfangs-Traction. Dann haben wir die Series A nicht bekommen, das Blatt aber noch gedreht und die Firma profitabel gemacht, bevor ich den Großteil meiner Anteile verkauft habe.

Die zweite Gründung, Pokercode, folgte 2019. Das war ein ganz anderer Hintergrund und rund um meine eigene Brand aufgebaut. Aus dem anfänglichen Masterclass-Kurs wurde ein breiteres Produkt und schließlich eine Mitgliedschaft. Kurzfristig hat uns das Umsatz gekostet, langfristig hat es das Produkt deutlich besser gemacht. Das Team führt das heute komplett eigenständig und ich bin seit zwei Jahren operativ nicht mehr involviert.

Du hast in dieser Zeit aber auch Einzel-Business-Angel-Investments in Startups gemacht, oder?

Ich habe mittlerweile wirklich viele Investments gemacht. Ich schätze es sind etwa 30 Direktinvestments und 20 Fondsinvestments über die letzten zehn Jahre.

Und nun gründest du selbst einen VC-Fonds, genauer gesagt einen Fund of Funds. Was kannst du uns dazu erzählen?

Das ist aus meiner eigenen Investmentstrategie heraus gewachsen. Als ich mit Anfang 20 sehr viel Geld beim Pokern verdiente, verspürte ich einen großen Druck, dieses Vermögen sinnvoll anzulegen. Aktien und Private Equity wirkten auf mich etwas altbacken, Venture Capital schien mir dagegen viel näher an den Gründern zu sein – in deren Rolle ich mich potenziell auch selbst sah.

Über die letzten zehn Jahre habe ich als Investor und Gründer viel gelernt. Beim Pokern ist es sehr wichtig, Vergleichswerte zu kalibrieren: Was ist gut, was ist herausragend? Genau diese Vergleichswerte fehlten mir anfangs. Erst mit der Zeit habe ich besser einschätzen können, wie ein wirklich guter Founder oder Investor aussieht. Heute liegt meine Messlatte hoch. Ich möchte viele gute potenzielle Investments sehen und nur die besten daraus auswählen.

Dabei habe ich gemerkt, dass für mich Fondsinvestments sinnvoller sind. Mit einzelnen Direktinvestments bin ich weit weg von einer statistisch relevanten Strategie. Deshalb habe ich gemeinsam mit meinem guten Freund Christoph Zöller unseren Dach-Fonds Drafted Ventures gestartet. Wir haben gerade unser First Closing mit 15 Millionen gezeichnet; das Hardcap liegt bei 25 Millionen. Wir werden jeweils rund eine Million Euro in etwa 20 der besten frühphasigen Venture-Capital-Fonds investieren. Wenn diese wiederum in je 20 Companies investieren, haben wir ein Portfolio von 400 Startups. Das bringt eine hervorragende Streuung und ermöglicht es, eine deutlich diversifiziertere VC-Allokation zu haben.

Heißt das, du wirst keine Direct Investments in Startups mehr machen?

Teilweise ja, wir schließen es nicht komplett aus. Wir machen über unseren Fonds gezielte Co-Investments in Portfolio-Companies unserer Fondsmanager. Ein Beispiel ist unsere Beteiligung an Conduct AI, die für alte SAP-Systeme einen „Explainable Layer“ mit KI bauen. Da ein uns sehr naher Fonds dort der erste Investor war, hatten wir früh tiefe Einblicke und Vertrauen auf beiden Seiten. Wir investieren hier nicht in der Pre-Seed-Phase, sondern in wachstumsstarke Firmen mit Millionenumsätzen.

Private Ausnahmen, die nicht in dieses Profil passen, mache ich weiterhin über eigene Vehikel. Das ist aber nur noch ein kleiner Teil, da mein Fokus auf dem Fonds liegt.

Wie bist du als Privatinvestor? 30 Portfolio-Companies können ja extrem viel Arbeit sein. Wie aktiv bist du da involviert?

Man muss bedenken, dass sich das über einen langen Zeitraum aufgebaut hat und manches auch schon abgeschrieben ist. Ich pflege zu zwei oder drei Gründern eine sehr enge Beziehung mit regelmäßigem Austausch. Bei den restlichen bin ich eher passiv und bringe mich nur ein, wenn konkrete Themen oder Probleme aufkommen.

Wird euer Fund of Funds in Europa oder global investieren?

Wir zielen auf 50 Prozent Europa und 50 Prozent USA ab, mit einer kleinen Allokation für spannende Märkte wie Lateinamerika, Israel oder Indien. Da wir extrem return-getrieben sind, suchen wir weltweit nach den absolut besten Early-Stage-Investoren.

Ein wichtiges Kriterium: Wir investieren nur in Fonds unter 100 Millionen Dollar Volumen. Außerdem schließen wir Fonds mit einem Investmentkomitee (IC) aus. Unsere These basiert auf der herausragenden Qualität einzelner Manager. In Komitees entsteht oft Bias; häufig setzt sich einfach die lauteste Person durch oder es werden nur „sichere“, konsensfähige Deals durchgewunken. Bridgewater analysiert nicht umsonst seine Meetings mit KI, um diesen Bias zu vermeiden. Deshalb fokussieren wir uns auf Solo-GPs oder Zweier-Teams, wo die finale Entscheidung direkt bei den Managern liegt. Strukturell bedeutet das, dass diese Fonds meistens zwischen 10 und 50 Millionen groß sind, mit wenigen größeren Ausnahmen.

Sind da viele First-Time Fund Manager dabei?

Ja, von unseren bisherigen neun Commitments sind drei First-Time Manager. Wir investieren grundsätzlich in keine Fonds, die älter als die dritte Generation sind. Über 10 bis 15 Jahre einen absoluten Top-Dealflow aufrechtzuerhalten, ist ein ziemlicher Grind. Zudem ist Venture Capital auch eine Altersfrage: Der Zugang zur jeweils nächsten Founder-Generation ist ein eigener Skill, den nicht jeder über 15 Jahre hält. 

Was ist dabei euer eigener Wettbewerbsvorteil, eure Edge?

Unsere Edge ist, dass wir einen starken Dealflow haben und oft den Aufwand betreiben, den andere scheuen. Ich kenne nicht viele europäische Investoren mit exzellenten US-Connections, weil das ständige Präsenz vor Ort erfordert. In Amerika sind die Intensität und die „Capital Velocity“ – die Geschwindigkeit, mit der sich Geld bewegt – viel höher. 

Wenn beispielsweise ein 24-Jähriger aus dem OpenAI-Umfeld einen 10-Millionen-Fonds auflegt und Top-Leute investieren, wollen wegen des Signaling-Effekts plötzlich viele andere rein. In solchen stark umkämpften Situationen geht es nur über echte Beziehungen und Schnelligkeit. Diesen extremen Wettbewerb auf der LP-Seite gibt es in Europa selten.

Gehen andere LPs das Ganze vielleicht manchmal zu unprofessionell an?

Viele Investoren machen Investments nicht in Vollzeit und investieren in vereinzelte Startups oder Fonds aus ihrem nahen Umfeld. Dementsprechend fehlt es oft an Dealqualität und Diversifikation. Wenn dann nicht ein glücklicher Treffer dabei ist, dann geht die Motivation weiter zu investieren leider oft verloren. Das ist völlig verständlich, niemand macht das nebenbei gut – genau die Lücke wollen wir schließen.

In dieser Größenordnung, wo wirklich alles am GP liegt, kann man das wahrscheinlich mit der Seed-Phase eines Startups vergleichen…

Der Vergleich passt sehr gut. Das Durchschnittsalter unserer Manager liegt zwischen 28 und 35 Jahren. Sie brauchen den Biss eines Gründers, aber eben auch schon echte Erfahrung und Kompetenz. Wir mögen Ex-Founder, die zehn Jahre operativ gearbeitet haben und jetzt zum Beispiel Biotech-Startups in Boston scouten. Aber auch ehemalige Investoren von Top-Fonds wie Sequoia, die sich selbstständig machen, passen in unser Profil.

Sind auch Leute mit Domänenexpertise, zum Beispiel ein ehemaliger Top-Manager in der Pharmaindustrie, gute Fund Manager?

Ein bestimmtes Profil garantiert noch keinen Erfolg. Das Wichtigste ist, dass der Manager einen sehr hohen Qualitätsanspruch hat, mit den Foundern connecten kann und ihre Sprache spricht. Ein Investor, der frische MIT-Absolventen sucht, braucht einen anderen Zugang als jemand, der in etablierte „Second Time Founder“ Mitte 30 investiert.

Das zeigt, dass es ein extremes „People Business“ ist…

Absolut, aber Soft Skills sind am Ende nur Multiplikatoren. Die Basis ist opportunistisches Denken und die Fähigkeit, Qualität schnell zu erkennen. Die Qualitäten eines guten Investors unterscheiden sich von denen eines guten Gründers.

Hummingbird Ventures, die über mehrere Fondsgenerationen fantastische Returns erzielen, suchen zum Beispiel ganz gezielt nach „unbequemen“, edgy Gründern, mit denen man vielleicht nicht unbedingt ein Bier trinken gehen möchte, die aber sofort zur Sache kommen. Als Investor musst du nicht unbedingt 70 Stunden arbeiten, sondern kannst in 40 fokussierten Stunden viel Wert für dein Portfolio liefern. Die einzelnen Investmententscheidungen sind ausschlaggebend. Außerdem ist es ein hartes Signaling- und Reputations-Spiel, bei dem du im Wettbewerb mit anderen Investoren die besten Deals gewinnen musst.

Beurteilst du die Fondsinvestments ausschließlich nach dem potenziellen Return, oder gibt es technologische Spezifikationen, etwa dass ihr nur in KI oder Quantencomputer investiert?

Wir investieren hauptsächlich in Frontier-Technologie-Fonds und achten dabei primär auf zwei Säulen: die Investmentfähigkeit des Managers und strukturelle Vorteile.

Erstens brauchen wir Manager, die dank eines großen Erfahrungsschatzes Qualität sofort erkennen, sich aber nicht blind in Startups verlieben, sondern gleichzeitig das Pricing im Blick behalten. Wenn du 500 Optionen siehst, macht es einen enormen Unterschied, ob du auf einer Bewertung von 15 oder 30 Millionen investierst. Zudem müssen die Manager in der Lage sein, mit wenig Zeiteinsatz großen Wert zu stiften, etwa durch hochkarätige Introductions für neue Mitarbeiter oder zu guten Funds für Follow-on-Runden.

Zweitens suchen wir immer nach strukturellen Marktvorteilen. Das kann ein geografischer Vorteil sein, wie etwa in Boston: Dort gibt es Top-Talente, aber einige der großen Tier-1-VCs haben ihren Fokus auf San Francisco gelegt, wodurch die Bewertungen im direkten Vergleich niedriger sind. Ähnliches gilt für Indien, wo exzellent ausgebildete Tech-Talente günstig zu finden sind. Bringst du so einen Founder in die USA, hast du sofort einen potenziellen Bewertungs-Uplift. Solche strukturellen asymmetrischen Vorteile wollen wir sehen – so wie Y Combinator extrem günstig an gute Assets kommt, weil ihre Finanzierungsstruktur ihnen einen riesigen Wettbewerbsvorteil bietet.

Wie macht ihr bei kleineren Fonds, die kaum Marketingbudgets haben, überhaupt das Sourcing? Wie findet ihr die global?

Marketing spielt bei uns keine relevante Rolle. Zu 70 Prozent läuft das über direkte Relationships. Die Incentives sind perfekt aligned: Wenn unsere GPs einen anderen brillanten Fondsmanager treffen, stellen sie ihn uns vor. Auf der LP-Ebene sind sie ja keine Konkurrenten. Wir bekommen durch unser Netzwerk von mehreren Dutzend Leuten so viele gute Intros, dass wir unsere Pipeline straff managen und den Großteil absagen müssen.

Ist das eine aktuelle Dynamik, dass es mehr spezialisierte kleine Fonds geben wird und nicht mehr so große Strukturen?

Zum Teil schon, aber kleine Fonds haben es aktuell auch sehr schwer beim Fundraising, weil die Qualität heute viel härter hinterfragt wird. Wer heute in Deutschland einen 100- bis 200-Millionen-Fonds für Series-A-Runden auflegt, konkurriert bei Top-Startups direkt mit amerikanischem Geld.

Da stellt sich schnell die Frage nach der echten Edge. Generalistische Fonds haben oft kein starkes Signal mehr im Markt und Investoren werden skeptisch, wenn nach zehn Jahren die Rendite ausbleibt. Venture Capital verzeiht Mittelmäßigkeit nicht: Ein durchschnittlicher Fonds liefert am Ende nur die Rendite des Aktienmarkts oder weniger, allerdings mit deutlich höherem Risiko. Nur die echten Outlier bringen die Performance, für die sich das Risiko lohnt. Genau deshalb ist Selektion alles und genau das ist unser Fokus.

Wer sind die LPs bei euch?

Ohne Namen zu nennen: Es ist ein Mix aus erfahrenen Unternehmern – Leuten, die selbst Firmen aufgebaut und verkauft haben –, Family Offices und Menschen aus unserem langjährigen Umfeld, die unsere Entwicklung von Anfang an verfolgt haben. 

Zum Abschluss: Was hast du als Ziele definiert?

Mein Ziel ist es, mittelfristig einen zweiten größeren Fonds aufzulegen. Ich möchte das aber nicht künstlich aufblähen; wir wollen die Entscheidungen so lange wie möglich zu zweit oder maximal zu dritt treffen und dafür einfach größere Tickets schreiben und uns stetig weiterentwickeln.

Für unsere Investoren wollen wir das Maximum herausholen. Wir als GPs haben 1,5 Millionen Euro eigenes Geld investiert und haben eine Hurdle Rate von 8 Prozent eingebaut. Das heißt, erst wenn unsere Investoren mehr als 8 Prozent jährliche Rendite machen, greift unsere Gewinnbeteiligung überhaupt. Mich würde selbst kein Vehikel interessieren, bei dem den Leuten nur Gebühren aus der Tasche gezogen werden. Es ist absolut leistungsorientiert: Wenn wir einen guten Fonds bauen, haben alle Spaß – wenn nicht, dann eben nicht.

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AI Summaries

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. „Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

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