16.01.2018

CES 2018: Die globale Bühne der Innovation

Georg Fürlinger, Technologiebeaufragter bei Außenwirtschaft Austria und Co-Direktor von Open Austria im Silicon Valley war auf der CES Las Vegas 2018 und hat für uns seine Highlights aufgeschrieben.
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CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger

Auch dieses Jahr fand die alljährliche Consumer Electronics Show (kurz CES) in Las Vegas, im US-Bundesstaat Nevada, statt. Auf der weltweit größten Fachmesse für Unterhaltungselektronik stellten mehr als 4.000 Technologiefirmen ihre neuesten Technologie- und Produktinnovationen vor und fast 200.000 Besucher aus der ganzen Welt waren bei der Messe im Glücksspiel-Paradies zu Besuch. Auf mehr als 240.000 Quadratmetern befanden sich unter den Ausstellern Technologie-Riesen wie etwa Samsung, LG, Google und Amazon, aber auch mehr als 600 Startups, die oft zum ersten Mal ihre Produkte der Öffentlichkeit präsentierten. Auch zahlreiche österreichische Unternehmen präsentierten ihre Innovationen – mehr dazu unten. Darüber hinaus fanden auf der CES Las Vegas an jedem Tag zahlreiche Vorträge und Podiumsdiskussion statt, die sich mit neuesten technologischen Entwicklungen befassen und einen Einblick in die spannendsten Zukunftstrends boten.

+++ CES: Österreich als einer von 13 Innovation Champions +++

Die aktuellen Technologie-Trends 2018

Aufgrund der großen Anzahl von ausstellenden Firmen und der unterschiedlichen Produkte, die sie präsentieren, wurden diese verschiedenen Technologie-Gruppen zugeordnet, sogenannten Marketplaces. Diese reichen von Drohnen, selbstfahrenden Autos, IoT Infrastruktur, Künstlicher Intelligenz, Schlaf-Technologie (SleepTech) und Sport Technologie bis hin zu Smart Home und Smart Cities.

Walter Koren, ehem. Leiter der Außenwirtschaft Austria und nun neuer Wirtschaftsdelegierter in Los Angeles, fasst seine Eindrücke zusammen: „Sprache ist das neue Interface wenn es um die Bedienung von Geräten geht. Im Bereich der Authentifizierung werden Passwörter durch Gesichtserkennungs-Technologien ersetzt. Selbstfahrende Autos werden schon nächstes Jahr in den USA Realität.“ Darüber hinaus wird die fünfte Generation von mobilen Netzwerken den Mobilmarkt aufmischen. Der nächste Telekommunikations-Standard wird es ermöglichen, einen zweitsündigen Film in weniger als 5 Sekunden herunterzuladen. Mit jetzigem Technologiestandard (4G) würde es länger als 5 Minuten dauern. Es wird spannend zu sehen, welche neuen Services und Geschäftsmodelle sich daraus entwickeln werden.

CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: Infografik zum 5G-Netz

Österreichische Unternehmen nutzen globale Bühne

Eine positive Überraschung für Österreich waren die Studienergebnisse der „International Innovation Scorecard“, die am ersten Tag der Konferenz vom Organisator der CES Las Vegas, der Consumer Technology Association (CTA) , präsentiert wurden: Österreich wurde als einer von 13 Innovation Champions angeführt. Dieser Platzierung wollten die vertretenen österreichischen Unternehmen gerecht werden. Zu finden waren diese sowohl in der großen Ausstellungshalle als auch im Startup-Bereich „Eureka Park“.

Petwalk Solutions

Petwalk Solutions ist ein österreichischer Hersteller von automatischen Türen für Haustiere. Die petWALK Haustiertüren kombinieren Luftdichtheit, Wärmedämmung und hohen Schutz gegen Eindringlinge durch einen automatischen Türöffner und kontaktlosem Zutrittskontrollsystem. Die Firma vertreibt ihr Produkt bereits erfolgreich auf dem internationalen Markt und ist nun dabei auch verstärkt im US-Markt aufzutreten.

SanSirro

SanSirro bietet unter ihrer neuen Marke QUS, Smarte Kleidung wie etwa ein T-Shirt, welches Körperdaten, wie etwa Herzschlag und Kalorienverbrauch, misst und sie an die Smartphone App sendet und entsprechend auswertet. Der CEO Hannes Steiner freut sich, „das weltweit erste waschbare Smart Textil auf den Markt zu bringen“.

CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: SanSirro-CEO Hannes Steiner

Tractive

Tractive produziert GPS Wearables und Apps für Besitzer von Hund und Katz. Durch ihre Technologie ist es möglich immer genau zu sagen wo sich das Haustier zur Zeit befindet. „Wir sind nun bereits zum sechsten Mal auf der CES vertreten und nutzen die Anwesenheit vor allem um uns mit neuen Partnern und Distributoren zu treffen, sowie neue Partnerschaften einzugehen, meint Michael Hurnaus, CEO von Tractive.

Playbrush

Playbrush ist die erste Zahnbürste die Zahnhygiene mit Videospielen verbindet. Der Zahnbürstenaufsatz passt auf jede herkömmliche Zahnbürste und bringt Kindern das Zähneputzen spielend bei. Mittels Bewegungen der Zahnbürste werden Spiele in der Playbrush Handy App gesteuert und sorgen dafür, dass das Kind lange und gründlich genug Zähne putzt. „Playbrush ist nun zum dritten Mal auf der CES vertreten um hier Retail-Partner kennen zu lernen und unsere Distributionskanäle weltweit auszuweiten“, sagt COO Matthaeus Ittner. Das Startup verkauft sein Produkte zurzeit vor allem in Österreich, Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

… und noch mehr österreichische Unternehmen auf der CES Las Vegas

Weiterer österreichische Firmen, die ebenfalls auf der CES Las Vegas 2018 vertreten waren sind unter anderem, in alphabetischer Reihenfolge:

  • ams AG ist der weltweit führende Anbieter für Design und Herstellung von fortgeschrittenen Sensor-Lösungen, Schnittstellen und ähnlicher Software für Smartphones, Mobilgeräte, Smart Homes und Gebäude, industrielle Automation, Medizintechnik und vernetzte Fahrzeuge.
  • AVL ist der größte unabhängige Hersteller von Kraftübertragungssystemen mit Verbrennungsmotoren, Geräteausstattung und Testsystemen. Die Firma hat Ende letzten Jahres die steirischen Exportpreis in der Kategorie Grossunternehmen gewonnen.
  • Bitmovin ist ein österreichischer Anbieter für Video Infrastruktur Lösungen. Produkte wie der API gesteuerten Cloud-basierenden Video Entschlüsselung Service und der HTML5 Player für MPEG-DASH und HLS, ermöglichen Nutzern verschiedenste Inhalte auf jeglichen Geräten und Browsern ohne Buffering abzuspielen.
  • Infineon Technologies Austria AG ist Teil der Infineon Technologies AG, einem deutschen Hersteller von Halbleiter- und Systemlösungen für den Automobil-, Industriesektor wie auch für Chipkarten und Sicherheitssysteme.
  • Medicus AI übersetzt kryptische Gesundheitsdaten (Blutwerte, lebenswichtige Organe etc.) in ein einfach zu verstehendes visuelles Erlebnis mit personalisierten Empfehlungen.
  • MLINE produziert mobile Accessoires und ist eine der führenden Firmen im Bereich von Accessoires für Smartphones und Tablets. Der Fokus liegt auf Entwicklung, Produktion und Vertrieb von hochqualitativen Mobil-Accessoires wie etwa Hüllen, Bildschirmschutz und Aufladegeräte.

Wie bereits auf Brutkasten berichtet, waren auch TTTech, USound und Mikme erfolgreich auf der CES unterwegs. Von weiteren österreichischen Unternehmen ist weiter unten die Rede.

Eigener Pavillion für Design- und Produktionspartner

Dieses Jahr eröffnete die CES einen neuen Ausstellungsbereich, den „Design & Source Space“. Der vom Internetriesen Alibaba gesponserte Ausstellungsbereich wurde zum Austausch zwischen Gründern und Produzenten konzipiert. Mehr als 700 Unternehmen bzw. Spezialisten im Bereich Design, Verpackung und Produktbeschaffung, vor allem aus Asien waren dort anzutreffen. „Es ist eine Sache, eine gute Idee zu haben“ meint Karen Chupka von CES. „Aber diese Idee in Produktform und auf den Markt zu bringen passiert nicht über Nacht. Dieser neue Bereich bietet Firmen die Möglichkeit sich zu vernetzen und sich über Optionen bzgl Produktherstellung zu informieren“.

CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: Der Design Pavillion

Autos und Mobilitätskonzepte der Zukunft

Die CES Las Vegas hat sich über die letzten Jahre auch immer mehr zu eine Bühne für neue Entwicklungen im Automobilbereich entwickelt und zählt weltweit, gemessen an der Ausstellungsfläche im Automotiv-Bereich allein, zu den fünf grössten Automessen. Daher wird die CES Las Vegas von Automarken genutzt, um dort ihre neuesten Konzepte der Welt vorzustellen. Wie auch in vielen anderen Technologiebereichen waren vor allem asiatische Firmen stark präsent.

Das von ehemaligen BMW-Ingenieuren gegründete und in China ansässige Unternehmen Byton, will bereits nächstes Jahr seine „Smart Intuitive Vehicle“ in China auf den Markt bringen. USA und Europa sollen dann ein Jahr darauf folgen. Mehr Informationen sind in diesem Artikel zu finden.

Toyota präsentierte eine Palette an neuen Concept Cars, unter anderem die Concept-i Serie. Ein zentrales Feature ist Yui, der Artificial Intelligence Assistent. Yui ist darauf spezialisiert sich wie ein Beifahrer zu verhalten und gibt etwa Tipps zu Restaurants, Aktivitäten in der Nähe, sowie Infos zu Wetter und Kleiderwahl. Die Präsentation der Demo Version des Concept-i Ride soll während der olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 stattfinden. Neben den Privat-PKWs wird auch das Konzeptauto “e-Palette” präsentiert welches als Gemeinschaftsauto genutzt werden kann, wie beispielsweise zum Ride-Sharing, Carpooling oder auch als mobiles Büro oder Hotelzimmer.

Toyota Concept-i Serie CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: Toyota Concept-i Serie
CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: Toyota e-Palette

Neue Technologien erobern die Luft

Einigen Innovationen nach zu urteilen, findet der Individualverkehr nun auch seinen Weg in den Luftraum. Die US-Firma Workhorse hat ihren leistbare Helikopter Surefly vorgestellt. Das deutsche Unternehmen Volocopter baut den ersten bemannten, voll-elektrischen Senkrechtstart-Hubschrauber. Das Unternehmen kooperiert mit Intel und möchte mit ihrem Volocopter 2X das wachsenden Mobilitätsproblem, v.a in Ballungsräumen, lösen und den Luftverkehr für die breite Masse leistbar machen.

Doch auch im umbenannten Flugbereich – Stichwort Drohnen – wurden eine Vielzahl von neuen Produkten ausgestellt. Speziell auch in diesem Bereich waren es vor allem wieder asiatische Hersteller, wie der chinesische Marktführer DJI, die ihre Neuheiten den Besuchern präsentierten. Angefangen bei den Produkten für Experten, wie der Matrice 600 oder Ronin Serie, gab es auch ein breites Spektrum an Drohnen von unterschiedlichen Herstellern für den Freizeitbereich zu erkunden.

Volocopter CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: Der Volocopter

VR und AR im Zentrum der Aufmerksamkeit

Neue Produkte im Bereich Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) waren auch in diesem Jahr wieder eine der Hauptattraktionen. VR ermöglicht den Nutzern via speziellen Brillen ganz in die virtuelle Welt einzutauchen. Bei AR wird die reale Welt mit zusätzlichen Informationen virtuell angereichert (“augmented”). Dies passiert ebenfalls über spezielle Brillen, oder aber durch das Wahrnehmen der Umgebung über die Kamera des Smartphones.

Es war vor allem ein Trend in Richtung AR zu sehen, da ausgewählte Anwendungsbereiche bereits konkreten Ergebnisse sehen lassen. Laut Steve König (CTA) hilft es zum Beispiel Ärzte bei der Behandlung ihrer Patienten. Im industriellen Bereich seien Einsparungen von 25 Prozent in der Produktion bzw Effizienzsteigerungen von 15 Prozent im operativen Bereich möglich.

Bei VR sind vor allem Innovationen auf der Content-Ebene zu beobachten. Es geht darum, möglichst reale, immersive Erfahrungen zu kreieren, die die Nutzer vergessen lassen, wo ihr Körper zur Zeit wirklich ist. Neben großem Interesse in der Unterhaltungsindustrie (Gaming, Hollywood, etc) will nun auch Facebook die Möglichkeit bieten, mit Freunden im virtuellen Raum zu interagieren. Facebook Spaces befindet sich derzeit im Beta-Stadium. Aber auch im Medizinbereich verspricht man sich interessante Anwendungsmöglichkeiten von VR. Ein Beispiel ist das Projekt Bravemind an der University of Southern California (USC) bei der VR eingesetzt wird um posttraumatische Belastungsstörungen zu behandeln.

Österreichische AR & VR Innovation

Auch aus Österreich waren zwei Unternehmen im AR / VR Bereich vertreten. Exchimp ist spezialisiert sich auf 360° Videos und bietet Virtual Reality Erfahrungen für Sport, Tourismus, Architektur und viele weitere Sektoren an. Laut Stefan Ponsold, CEO von SunnyBAG und Exchimp, hat u.a. der bekannte Schokoladenhersteller Zotter erst unlängst 150 Stück bestellt. Geplant ist, dass die Gäste der Schokoladen-Produktionsstätte bei Riegersburg virtuell die Heimat der verarbeiteten Schokolade in Bolivien erleben können.

Wikitude ist die führende unabhängige Augmented Reality (AR) Plattform für Smartphones, Tablets und Smart Glasses. Das AR Software Entwicklungs Kit kombiniert Instant Tracking Technology, Objekt- und Bilderkennung und Geo-Positionierung. Zu den Kunden zählen unter anderem die Honeywell, Washington Post, Disney und das Times Magazin in den USA, sowie Media Markt und Andritz in Österreich.

Weitere Neuheiten für die virtuelle Welt

Die Firma Luci, von ehemaligen Hollywood-Managern gegründet, präsentiert eine neue Virtual Reality Brille, die „Immersion-on-demand“ verspricht. Das Ziel der Firma ist es eine kompakte, leichte VR-Brille mit idealem Tragekomfort zu produzieren, welche den Kunden in eine extrem hochauflösende und farbenfrohe 2D oder sogar 3D 4K Welt eintauchen lässt. „Um den Anwendern wahre, kräftige, emotionale Geschichten bieten zu können, müssen wir uns zuerst einmal von der Limitierungen der Hardware lösen“, erklärt dazu ein Mitarbeiter von Luci auf der CES Las Vegas.

Smart Home

Der koreanische Konzern LG war stark vertreten bei der diesjährigen CES Las Vegas. Im Bereich der Haushaltsgeräte wurde CLOi vorgestellt, ein zentraler Hub, der es erlaubt, Geräte zentral – via Sprachsteuerung – zu bedienen. Mittels CLOi kann beispielsweise der Geschirrspüler eingeschalten, der Herd und das Backrohr gesteuert, Musik abgespielt oder der Staubsauger gestartet werden. Auch der neue „LG InstaView ThinQ“ Kühlschrank kann sowohl durch CLOi gesteuert werden als auch mittels Amazon Alexa oder eines 29-inch Touchscreens.

CES Las Vegas LG InstaView
(c) Georg Fürlinger: LG InstaView

Fernsehen 4.0

Eindruck hinterlässt auch der “LG OLED Canyon”, bestehend aus 246 LG Open Frame OLED Displays, welcher den Besucher durch starke Farben und hohe Auflösung in unterschiedliche Welten – Canyon, Wald von Redwood Bäumen oder eine Eiswüste – eintauchen lässt.

Auch Samsung war mit einer Starken Präsenz vertreten und stellte den ersten anpassbaren 146-inch TV, The Wall, zur Schau. Dank der MicroLED Technik können weitere Teile gekauft werden, um die Größe des Fernsehers individuell anzupassen.

LG Canyon CES Las Vegas
(c) Georg Fürlinger: LG Canyon

Fahrrad-Technologie aus Italien

Auch im Bereich der Sporttechnologie waren einige Firmen vertreten. HiRide, ein italienisches Startup, stellte sein Smart Bike vor. Artificial Intelligence ermöglicht dem Fahrrad, sich an verschiedenste Straßenverhältnisse anzupassen. Das Federsystem des Fahrrads erkennt Schlaglöcher und Unebenheiten, sowie Unterschiede im Gelände oder Trittfrequenz und passt die Federung in Echtzeit dementsprechend an. Durch ein kompaktes Steuerungssystem an der Lenkstange des Fahrrads, lassen sich die Stoßdämpfer steuern bzw. ein- und ausschalten. Zusätzlich kann das Federsystem eine Verbindung zu Smartphone, Tablet oder PC erstellen und Leistungsstatistiken übertragen. Derzeit wird die neue Technologie ausschließlich bei Rennrädern angewandt, doch ist bereits im nächsten Jahr eine Ausweitung auf den Mountainbike-Bereich geplant.

+++ Wiener Mikme holt sich Award bei der CES 2018 +++


Der Autor

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Georg Fürlinger ist Technologiebeaufragter bei Außenwirtschaft Austria, der Internationalisierungsagentur der Österreichischen Wirtschaft, sowie Co-Director von Open Austria. Er ist bei mehreren Initiativen involviert die den Austausch zwischen Österreich und Silicon Valley fördern und unterstützt österreichische Firmen und Forscher dabei, im US-Markt Partner bzw. Kunden zu finden. Zuvor forschte er im Rahmen seiner Dissertation am Austrian Institute of Technology und an der TU Wien (Der Einfluss von Sozialkapital auf die Entwicklung universitärer Spin-off Unternehmen in den USA und Europa). Er publizierte zu den Themen Innovations- und Gründer-Ökosysteme und ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

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fluctus, aws
© fluctus - Anna Kurpierz und Christian Sattlecker von fluctus.

Der Bedarf an Bandbreite und enormen Datenvolumina steigt rasant. Doch während der globale Ausbau der physischen Infrastruktur voranschreitet, hinkt die digitale Verwaltung oft hinterher. Gerade kleine Regionen und lokale Netzerrichter stünden vor großen Herausforderungen. Zudem arbeiten mittelständische und große Unternehmen häufig mit starren, unzureichenden Systemen, denen es an Flexibilität fehlt, so die Erfahrung des fluctus-Gründerduos Anna Kurpierz und Christian Sattlecker.

fluctus mit End-to-End

„Wir haben bei unseren Projekten festgestellt, dass der österreichische Ausbau oft große Lücken hinterlässt – kleinen Regionen und Netzbetreibern fehlt der Zugang zu zukunftsträchtigen Technologien“, sagt Kurpierz. Um diese Lücken zu schließen, hat das oberösterreichische Startup ein von Grund auf neues Management-System für „Open-Access-Netze“ entwickelt.

Dabei setzt fluctus auf ein „New-Generation Open-Access-Tool“, das den Datenaustausch zentralisiert abwickelt. Das System funktioniert als reine „Zero-Touch“-Anwendung.

„Wir sind derzeit die Einzigen, die am europäischen Open-Access-Markt eine komplett zentralisiert managebare End-to-End-Lösung (E2E) anbieten“, erklärt die Gründerin weiter. „Da sämtliche Marktbegleiter von den Kunden eine Implementierung der Logiken in deren Netz voraussetzen.“

Der entscheidende Vorteil für Kunden sei hierbei, dass im Gegensatz zu Konkurrenzprodukten Netzbetreiber keine komplexen Logiken mehr selbst in ihr eigenes Netz implementieren müssten.

Wettbewerb steigern

„Ziel unseres Systems ist der Zugang zu einem offenen Netz für alle Breitbandteilnehmer“, so die Founderin weiter. „Einerseits wird damit der Wettbewerb unter den ‚Internet Service Providern‘ gesteigert und verbraucherseitig entsteht zudem ein Nutzen aus qualitativ hochwertigen Produkten, ein großer Pool aus Anbietern und Produkten sowie niedrigere Preise. Durch die Entstehung eines Polypols auf der Angebotsseite und den daraus entstehenden größeren Markt ergeben sich intensivere Preis- und Qualitätswettbewerbe.“

Zudem würden offene Netze einen fairen Zugang für alle Anbieter ermöglichen und an jedem Anschluss einheitliche Prozesse sowie technische Mindeststandards garantieren.

„Unser Produkt ist im Wesentlichen ein System für den Glasfaserausbau und -betrieb, welches als zero-touch Anwendung realisiert wird. Durch das ‚New-Generation Open Access Tool‘, welches den Datenaustausch zentralisiert abwickelt, kann eine vergleichbare Angebotslandschaft wie im Mobilfunk geschaffen werden – neben bestehenden Internet-Providern werden auch neue Anbieter im selben Netz entstehen“, erklärt Kurpierz. „Dies führt zu größerer Angebotsvielfalt, wettbewerbsfähigen Preisen und einer höheren Anschlussquote. Es entstehen somit auch neue Möglichkeiten für Discounter, Energy-Drink-Giganten bis hin zur kleinen IT-Firma, im Netz anzubieten.“

Zielgruppen von fluctus

Die Kernzielgruppe von fluctus umfasst Netzbesitzer (wie regionale Infrastrukturbetreiber) sowie große Technologieunternehmen. Ein typischer Use-Case ist der Zusammenschluss bislang getrennt strukturierter Regionen. Durch die Zentralisierung von Netz- und Betriebsprozessen sollen bestehende Infrastrukturen effizienter genutzt und neue Internet-Service-Provider nahtlos integriert werden.

Monetarisiert wird die Technologie über Dienstleistungs- und Wartungsverträge. Nach dem Prinzip „Grow with your business“ bietet fluctus drei flexible Modelle an, die ein E2E-Deployment und den laufenden Betrieb über das hauseigene OSS/BSS-Management-System umfassen. Die Preisgestaltung ist nach Unternehmensgröße gestaffelt. Zusätzlich wird pro Projekt beziehungsweise pro „Point of Presence“ (POP) eine Projektpauschale verrechnet, die sich nach der Größe des Projekts richtet.

Hürden überwunden

Die Entwicklung einer derart tiefgreifenden Technologie ist kapital- und ressourcenintensiv. Das Gründerteam stand beim Aufbau vor massiven Hürden, wie Kurpierz erklärt: „Die Entwicklung und Herstellung unseres Produktes hat hohe Investitionen, sogenannte CAPEX, erzeugt und unzählige Tests erfordert. Erschwerend kommt hinzu, dass es am Markt wenig ausgebildetes Personal in diesem Bereich gibt – die interne Weiterbildung in dieser Nische ist enorm zeitintensiv und führt daher zu höheren Kosten.“

© fluctus – Das fluctus-Team.

Einen entscheidenden Durchbruch hierbei brachte aws Seedfinancing – Deep Tech. Die Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) trug maßgeblich zur Marktreife der Technologie bei, wie die Gründerin erklärt. Zudem konnte das Startup das aws-Netzwerk nutzen, um strategisch wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Mit einer fertigen Technologie im Rücken sind die nächsten Meilensteine klar definiert. In den kommenden Jahren möchte sich fluctus als etablierte Größe im DACH-Raum positionieren. Gleichzeitig treibt das Unternehmen die Erschließung weiterer internationaler Märkte voran.


Disclaimer: Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt

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