08.04.2025
WIRTSCHAFTSWACHSTUM

CEOs for Future: Energiewende soll Wirtschaftsstandort sichern

Muss die Wirtschaft schrumpfen, damit die Klimaziele eingehalten werden können? In einem Szenario gelingen Wachstum und Klimaneutralität. Das Konzept stammt vom Climate Business Circle, einem Kooperationsprojekt der CEOs for Future.
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Peter Weinelt (Generaldirektor Wiener Stadtwerke), Christiane Brunner (Vorständin CEOs for Future), Haimo Primas (CEO Holcim Österreich)
Peter Weinelt (Generaldirektor Wiener Stadtwerke), Christiane Brunner (Vorständin CEOs for Future), Haimo Primas (CEO Holcim Österreich) | Foto: CEOs for Future / Martin Hron

Wirtschaftswachstum darf nicht länger Umwelt, Klima und soziale Grundlagen gefährden – darin sind sich inzwischen viele einig. Doch global ist Wachstum weiterhin eng mit dem CO₂-Ausstoß verknüpft: Wo die Wirtschaft wächst, steigen meist auch die Emissionen. Einige Länder schaffen bereits eine teilweise Entkopplung – dank erneuerbarer Energien und Elektrifizierung. Manchmal liegt das aber auch daran, dass klimaschädliche Prozesse ins Ausland verlagert wurden.

Muss die Wirtschaft also schrumpfen, damit die Klimaziele eingehalten werden können? Der Climate Business Circle, ein Kooperationsprojekt der CEOs for Future, präsentiert ein Szenario für Österreich, in dem Industriewachstum und Klimaneutralität gemeinsam gelingen sollen.

Dekarbonisierung und Elektrifizierung

„Die Energiewende ist die Basis für die ökologische und die wirtschaftliche Frage“, sagt Christiane Brunner, Vorständin von CEOs for Future und Initiatorin des Climate Business Circle. Gemeinsam mit dem Generaldirektor der Wiener Stadtwerke und dem CEO von Holcim Österreich stellt sie ein Szenario für die nächsten 15 Jahre vor. Der Climate Business Circle nennt ihn Energiezielbild 2040.

Seine Essenz: Alle Sektoren sollen dekarbonisiert werden, anstelle fossiler Energieträger tritt Elektrizität. In den Bereichen Haushalte und Gewerbe sowie Transport soll höhere Effizienz für weniger Energieverbrauch sorgen. Die eingesparte Energie fließt dann in den Bereich Industrie – der laut Plan dann sogar weiter wachsen kann. Entkoppelt natürlich.

In dem Szenario steigt der Stromverbrauch enorm, der CO2-Ausstoß fällt signifikant, und der Gesamtenergieverbrauch sinkt zumindest ein wenig. Letzteres wegen der Effizienzsteigerung.

Gesamt-Endverbrauch nach Sektoren in Österreich in TWh laut Energiezielbild des Climate Business Circle | Grafik: APG / Climate Business Circle

Für die Finanzierung wollen die Strateg:innen auch selbst in die Tasche greifen. Die Mitgliedsunternehmen von CEOs for Future sind bereit, gemeinsam 45 Milliarden Euro in konkrete Dekarbonisierungsprojekte zu investieren.

Kritik und Ausblick

Nur: Ob das Konzept aufgeht, muss sich erst zeigen. Der Climate Business Circle hat ein Szenario, aber keinen Fahrplan präsentiert. Das Szenario basiert einerseits auf Erneuerbaren Energien: Von ihnen sollen jährlich mehr in Österreich selbst erzeugt werden. Andererseits setzt die Idee auf Effizienz. Konkret heißt das, das beispielsweise immer weniger Energie benötigt wird, um einen Kubikmeter Raum zu beheizen.

Gleichzeitig steigt der Wohnbedarf. Menschen wohnen in immer größeren Wohnungen. Und immer mehr Menschen leben in Österreich. Das bedeutet auch mehr Wohnraum, der beheizt werden muss – und kann entsprechend die Effekte der Effizienz schmälern, weil die Zahlen, mit denen man den Input multiplizieren muss, immer größer werden.

Auf wie viel Wohnraum jemand wohnt oder wie viele Autos, selbst wenn es elektrische sind, ein Haushalt besitzt, entscheiden immer noch Menschen, und nicht die Industrie. Der Climate Business Circle verweist hier auf Incentives: Preisanreize oder Convenience wären Beispiele dafür. Wer sie am Ende setzen wird, bleibt offen.

CEOs for Future wollen Versorgungssicherheit für den Wirtschaftsstandort

Der Wirtschaftsstandort jedenfalls soll laut Climate Business Circle von solch einem Szenario profitieren. Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, verweist hier vor allem auf die Versorgungssicherheit und infolge stabile Kostenplanung. Gaspreise beispielsweise unterliegen starker Volatilität, die Abhängigkeit von externen Produzenten kann diese Preisschwankungen verstärken.

Die Wiener Stadtwerke wollen bis 2040 deswegen die Fernwärme dekarbonisieren. Der Anteil der Fernwärme an der Raumwärme soll bis dahin von etwa 42 auf 56 Prozent steigen. In den kommenden Jahren wird das Unternehmen Bohrungen durchführen, um warmes Wasser aus bis zu 3.000 Metern Tiefe zu gewinnen und mittels Wärmepumpentechnologie in das Fernwärmenetz einzuspeisen. Die Energie, die daraus gewonnen wird, soll ein ganzes Gaskraftwerk ersetzen. Und weitere Maßnahmen sind geplant.

Ob das Dekarbonisierungs-Szenario auch dort greift, wo der Climate Business Circle keinen Einfluss hat, ist fraglich. Fest steht aber: Jeder Schritt in Richtung Dekarbonisierung hilft jedenfalls dem Klima.

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Niceshops
© Niceshops -Firmensitz Niceshops.

Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Niceshops, der Betreiber von rund 30 Nischen-Online-Shops in unterschiedlichen Produktkategorien in bis zu 18 Sprachen, einen Umsatz von 97,3 Millionen Euro und ein EBITDA von rund fünf Millionen Euro. Der Umsatz stieg damit um 23,6 Prozent, das EBITDA um 38,3 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Während der österreichische Handel laut Wirtschaftskammer Österreich im ersten Halbjahr 2026 inflationsbereinigt um 0,7 Prozent schrumpfte, entwickelte sich Niceshops gegenläufig.

Niceshops: „Nicht um jeden Preis“

„Wir wachsen nicht um jeden Preis. Dass unser EBITDA deutlich stärker steigt als der Umsatz, zeigt, dass wir unsere Prozesse mit dem Wachstum skalieren können und gleichzeitig unsere Margen verbessern“, sagt Geschäftsführerin Carina Hödl. „Gerade in einem Marktumfeld, in dem viele Händler mit rückläufigen Umsätzen und Margendruck kämpfen, ist diese Entwicklung ein deutlicher Beleg für die Stärke unseres Geschäftsmodells.“

Die aktuellen Zahlen markieren eine Erholung nach den schwierigen Jahren 2022 und 2023. Anfang 2024 musste Niceshops rund 90 der damals etwa 450 Mitarbeiter:innen abbauen. Das entsprach rund einem Fünftel der Belegschaft – brutkasten berichtete.

Der Weg aus der Krise erforderte erhebliche Einschnitte. Geschäftsführer Christoph Schreiner beschrieb die Lehren daraus im Mai im Podcast 123C unter anderem als Mischung aus „Größenwahn und Respekt vor dem Mitbewerber“ und sprach gar von 130 Kolleg:innen, die gehen mussten. Folglich setzte das Unternehmen dabei auf eine intensive Restrukturierung gemeinsam mit den finanzierenden Banken.

2025 erfolgreichstes Geschäftsjahr

2025 folgte das bislang erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte: Niceshops erzielte 169 Millionen Euro Umsatz und rund acht Millionen Euro EBITDA. Für 2026 hat das Unternehmen erstmals mehr als 200 Millionen Euro Umsatz als Ziel ausgegeben.

„Unser mittelfristiges Ziel ist klar. Wir wollen unser operatives Tagesgeschäft aus einem starken eigenen Cashflow finanzieren und damit aus eigener Kraft weiter wachsen“, beschreibt Firmengründer und Geschäftsführer Roland Fink die strategische Stoßrichtung.

Trotz der Erfahrungen aus der Krise investiert Niceshops weiter in seine Infrastruktur. Im Juli erwarb das Unternehmen am Standort Saaz ein 23.000 Quadratmeter großes Grundstück. Damit sollen zusätzliche Möglichkeiten für die Weiterentwicklung der Logistik geschaffen werden.

Niceshops arbeitet an Robotiklösungen

Parallel bereitet Niceshops den gezielten Einsatz von Automatisierungs- und Robotiklösungen vor. Eine vollständige Automatisierung des Standorts ist in der aktuellen Unternehmenskommunikation nicht als Ziel formuliert; vielmehr spricht man von einem gezielten Einsatz entsprechender Technologien.

Auch im firmeninternen Portfolio gibt es Wachstumsimpulse. 3DJake bleibt innerhalb der rund 30 von Niceshops betriebenen Shop-Welten der größte Umsatzbringer. Das Unternehmen bezeichnet den Spezialisten für 3D-Druck als europäischen Marktführer im Onlinehandel seines Segments. Mit Peganto hat das Unternehmen im laufenden Jahr zudem einen weiteren Online-Shop auf den Markt gebracht.

DACH dominiert

International bleibt der DACH-Raum die umsatzstärkste Kernregion, wie aus der Aussendung hervorgeht. Gleichzeitig entwickeln sich die Märkte außerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz laut Niceshops noch dynamischer. Das größte relative Wachstum verzeichnete das Unternehmen zuletzt in Ungarn – genaue Zahlen dazu werden jedoch nicht genannt. Bis zum Frühjahr 2027 sollen zwei weitere Länder erschlossen werden.

Schreiner abschließend dazu: „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass neue Märkte und Shop-Konzepte in die bestehende Technologie- und Logistikstruktur effizient integriert werden können.“

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