23.05.2019

„CashQuizz“-Gründer wollen nach Exit mit neuer Softwarefirma „Dowosoft“ durchstarten

Die beiden österreichischen Gründer Philipp Wolschner und Daniel Döberl legten im Jahr 2017 mit ihrer Spiele-App"CashQuizz" einen erfolgreichen Exit hin. Mit dem Kapital haben sie 2018 das Software-Unternehmen Dowosoft gegründet, das sich auf die Digitalisierung von Corporates spezialisiert hat. Wir haben mit Wolschner über die Hintergründe gesprochen, warum sie damals das Unternehmen verkauft haben und welche Zukunftspläne er mit seiner neuen Firma hat.
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Dowosoft
(c) der brutkasten / Martin Pacher: Philipp Wolschner im Gespräch mit dem brutkasten

Mit Umwegen zum Erfolg, das ist in der Startup-Branche nichts Ungewöhnliches. Ein Musterbeispiel dafür liefern wohl die beiden österreichischen Gründer Philipp Wolschner und Daniel Döberl, die 2015 mit der App CashQuizz an den Markt gingen und spätestens seit einem Auftritt in der Startup-TV-Show „2 Minuten 2 Millionen“ im Jahr 2016 mit ihrer App einer breiteren Öffentlichkeit bekannt sind.

500.000 Euro Investment bei „2 Minuten 2 Millionen“

Damals konnten Wolschner und Döberl von Business Angels ein Investment von 500.000 Euro an Land ziehen. Darüber hinaus sicherten sie sich ein Medienvolumen in der Höhe von 200.000 Euro der österreichischen Sendergruppe ProSiebenSat.1 PULS 4, das sie später allerdings wieder absagten. Die App verzeichnete kurz nach der Ausstrahlung der TV-Show rund 10.000 Downloads, weitere 100.000 sollten in den nächsten Wochen und Monaten folgen.

+++ Die neue CashQuizz-App aus Wien belohnt Wissen mit Bargeld +++ 

Der Erfolg der App war jedoch nicht nur auf das große Medieninteresse zurückzuführen, sondern stand auch im engen Zusammenhang mit dem Spielprinzip von Cash-Quizz. Nutzer konnten nämlich durch das Beantworten von Fragen bis zu 100 Euro pro Tag gewinnen. Die App war so erfolgreich, dass sie auch am US-amerikanischen Markt reüssieren konnte.

Entscheidung „Weitermachen“ oder „Verkaufen“

Mit hohen Downloadzahlen ist es allerdings noch nicht getan, schließlich müssen am Ende des Tages auch die Umsätze stimmen. Und genau an diesem Punkt haben sich Wolschner und Döberl schwer getan. Wolschner erläutert gegenüber dem brutkasten durchaus selbstkritisch und mit einer Spur Ironie: „Die Nutzer haben am Ende mehr Geld gemacht als wir selbst.“ Die beiden Gründer standen vor der schweren Entscheidung „Weitermachen“ oder „Verkaufen“. „Wir hatten noch Cash für ein paar Monate und haben uns gedacht, entweder riskieren wir alles und gehen womöglich in die Insolvenz oder wir reduzieren die Fixkosten und suchen einen Partner für einen Exit“, so Wolschner.  

CashQuizz Exit

Die beiden Gründer entschieden sich für letzteres und konnten CashQuizz 2017 erfolgreich an einen US-amerikanischen Spieleentwickler verkaufen, dessen Namen allerdings nicht genannt werden darf. Auch über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Wolschner verrät jedoch, dass aufgrund des Exits genügend Kapital zur Verfügung stand, um eine neue Firma zu gründen – genauer gesagt Dowosoft, ein Software-Unternehmen, das sich auf die Digitalisierung von Corporates spezialisiert hat.

Know-How für Software Development erarbeitet

Die Gründung von Dowosoft erfolgte vor dem Hintergrund, dass sich Wolschner und Döberl zusätzliches Know-How in Sachen Software Development erarbeitet haben. „Ein Partner ist auf uns zugekommen und hat uns gefragt, ob wir ihm auch eine App und eine größere Website bauen können. Daraus ist schlussendlich ein ganzheitliches Digitalisierunsprojekt für den Auftraggeber entstanden, das wir erfolgreich umgesetzt haben.“

Und genau hier kommen die viel besagten Umwege in der Startup-Szene ins Spiel. Im Zuge ihres ersten Unternehmens CashQuizz erarbeiteten sich Wolschner und Döberl nicht nur Know-How im Bereich Software Entwicklung, sondern auch in Sachen UI/UX-Design und der Optimierung von digitalen Prozessen.

Digitalisierung als millionenschwerer Markt

Laut Wolschner ist der Aufholbedarf in Sachen Digitalisierung groß; es handelt sich um einen millionenschweren Markt. „Im Prinzip geht’s darum, dass wir alteingesessene Firmen fit für die Digitalisierung machen, damit sie wettbewerbsfähig bleiben. Dazu gehört unter anderem, dass wir ihnen helfen mit digitalen Lösungen ihre Painpoints zu lösen“, so Wolschner.

3D-Konfigurator für Betonbauteile und Stützwände

Als Referenz nennt er SW-Umwelttechnik, ein österreichisches Familienunternehmen, das sich auf die Fertigung von Betonbauteile und Stützwände spezialisiert hat. Hierfür wurde ein 3D-Konfigurator entwickelt, den die Sales-Mitarbeiter des Unternehmens nutzen, um auf einer Baustelle eine fertige „Re-Con Stützwand“ digital zu erstellen und anschließend sofort ins Backoffice schicken zu können. Damit werden die Daten automatisch ins interne System eingetragen und ein fertiges Angebot an einen Kunden erstellt. Folglich wurde der Sales-Prozess, der vorher ein bis zwei Tage in Anspruch nahm, auf fünf Minuten gekürzt und die Fehlerquote optimiert.

Dowosoft auf 10 Mitarbeiter angewachsen

In nur neun Monaten ist Dowosoft dank zahlreicher Projekte auf über zehn Mitarbeiter gewachsen. In diesem Tempo will Dowosoft in den nächsten drei Jahren auch weiter wachsen, mit dem langfristigen Ziel in Anlehnung an die Kundenzufriedenheit das „Amazon der Digitalisierung“ zu werden. Möglich sein soll dies durch die Weiterempfehlungen der zufriedenen Kunden und die enge Vernetzung in der Industrie. Wie Wolschner abschließend erläutert, sei Dowosoft  derzeit aufgrund des Wachstumskurses auf der Suche nach neuen Software-Entwicklern.


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Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane
Noxtua-Gründer Leif-Nissen Lundbæk und Manz-Geschäftsführerin Susanne Stein-Pressl | © Kidizin Sane

Das Berliner Legal-Tech-Scaleup Noxtua hat seine Series-C-Finanzierungsrunde mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen. Es ist die bislang größte Geldspritze für ein Rechts-KI-Unternehmen in Deutschland. Im Zuge der Kapitalerhöhung übernimmt der deutsche Fachverlag C.H.Beck die Mehrheit an dem Unternehmen, während die Wiener Manz’sche Verlags- und Universitätsbuchhandlung als neuer Investor einsteigt.

Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Manz, ordnet den Schritt in die Unternehmensgeschichte ein: „Seit mehr als 40 Jahren nimmt Manz eine Pionierrolle in der Digitalisierung des Rechtswesens ein“. Das Investment sei vor diesem Hintergrund eine konsequente Fortführung der eigenen Digitalisierungsstrategie. „Deshalb ist für uns die Investitionsrunde der nächste logische Schritt“, so Stein-Pressl.

Manz mit langer Digitalisierungs-Geschichte

Für den 1849 in Wien gegründeten Fachverlag fügt sich die Beteiligung in eine Reihe bestehender Innovationen ein. Manz führte bereits 1986 die Rechtsdatenbank (RDB) in Österreich ein und stellte Anfang 2025 mit „Genjus KI“ einen eigenen Rechercheassistenten vor. Seit 2025 kooperiert der Verlag zudem operativ mit Noxtua an der Lösung „Manz-Noxtua“, um Fachinformationen auf einer gemeinsamen Plattform zu bündeln.

Mit dem Einstieg will das Wiener Verlagshaus die Qualitätsstandards juristischer Inhalte auch im KI-Zeitalter sichern. „Vertrauenswürdige Inhalte der Rechtsverlage bilden dabei schon immer das Fundament, auf dem Rechtsexpertinnen und -experten in ganz Europa arbeiten und das es zu schützen gilt“, betont Stein-Pressl. Als Verlag sehe sich Manz als Garant für die Wahrung dieser Qualität.

Gesellschafterkreis von Noxtua formiert sich um

Die Mehrheit der Anteile liegt nach dem Abschluss der Runde bei C.H.Beck. Der Münchner Traditionsverlag war bereits im April 2025 bei der Series B als Hauptinvestor eingestiegen. Klaus Weber aus der Gesamtgeschäftsführung von C.H.Beck begründet die Aufstockung mit den Veränderungen im Markt: „Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“. Zudem betont er die strategische Ausrichtung der Partner: „Für uns als Traditionsverlag ist dieses Engagement gemeinsam mit Manz auch eine Investition in die Zukunft des Rechts“.

Parallel zum Wechsel der Mehrheitsbeteiligung wird die Gesellschafterstruktur neu geordnet. Bisherige Wagniskapitalgeber wie die Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund sowie Einzelinvestor Dominik Schiener scheiden als Eigner aus. Auch die Wirtschaftskanzleien CMS und Dentons geben ihre Anteile ab, verbleiben aber laut Unternehmensangaben als Ankerkunden. CMS hatte die Entwicklung der Software 2024 mitinitiiert.

Internationale Expansion

Noxtua wurde 2017 auf Basis von Forschung an der Universität Oxford und dem Imperial College London von Leif-Nissen Lundbæk und Michael Huth gegründet. Nach Unternehmensangaben beschäftigt das Scaleup derzeit rund 100 Mitarbeiter:innen an sechs europäischen Standorten – darunter Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg – und kommt auf mehr als 30.000 Nutzerinnen und Nutzer.

Das frische Kapital soll laut Aussendung vor allem in die Weiterentwicklung der spezialisierten Arbeitsbereiche sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen. Die Software deckt typische juristische Arbeitsabläufe wie Recherche, Analyse und Dokumentenerstellung ab und greift dabei auf Daten lizenzierter Fachverlage zurück.

Leif-Nissen Lundbæk, CEO und Gründer von Noxtua, kommentiert den Abschluss der Runde: „Wir entwickeln Noxtua basierend auf den exklusiven Inhalten führender Fachverlage vom ganzen Kontinent und haben so u.a. bereits Europas größte Rechtsdatenbank und Europas größtes Netzwerk unabhängiger Rechtsverlage aufgebaut“. Die Vertiefung der Partnerschaft ordnet er als Signal ein: „Die gemeinsame Investition von C.H. Beck und Manz in Noxtua ist deshalb auch ein starkes Zeichen an den Markt“.

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