28.11.2016

Byrd startet in Wien Weihnachtskooperation mit der Post

Die Zusammenarbeit entstand aus der Innovation to Company Challenge der Wiener Wirtschaftskammer. Pünktlich mit Start der Kooperation launcht Byrd auch eine Android-App und erweitert das Abholgebiet auf ganz Wien.
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(c) Byrd: Byrd-Team (v.l.n.r.): Michael Innerhofer, Petra Dobrocka, Christoph Krofitsch, Alexander Leichter, Sebastian Mach

Wer heute (Montag, 28.11) eine Wiener Post-Filiale betreten hat, hat es vielleicht schon gesehen: Auf den Infoscreens wird eine Weihnachtsaktion mit dem Paketstartup Byrd beworben. Heute hat die Kooperation, die aus der Innovation to Company Challenge entstanden ist, offiziell begonnen. Bis zum 20 Dezember kann der Paket-Abholdienst von Byrd nun für die Sondergebühr von 2,90 Euro pro Paket in Anspruch genommen werden – dazu kommen noch Versandkosten, die die Byrd-App berrechnet.

+++ Video-Interview: Petra Dobrocka, CMO und Christoph Krofitsch, COO von byrd +++

Großes Werbebudget von Post und bei Pro7-Gruppe

Neben den Infoscreens promotet die Post die Aktion auch auf der Website, im Newsletter und – wie sollte es anders sein – mit Postwurfsendungen. Gesamt beläuft sich die Marketing-Unterstützung der Post wohl auf einen Gegenwert im niedrigen sechsstelligen Bereich. Sie ist auch, soweit bislang bekannt, einziger Gegenstand der Kooperation seitens des Großunternehmens. Ein zusätzliches Werbebudget von 25.000 Euro bei der Pro7-Gruppe, das byrd im Sommer beim 7Ventures Pitch Day gewann, werde ebenfalls zur Promotion der Aktion genutzt, sagt Byrd-CMO und Co-Founderin Petra Dobrocka.

Redaktionstipps

Pünktlich: Android-App und Abholung in ganz Wien

Rechtzeitig zum Start der Kooperation präsentierte Byrd auch zwei weitere Neuerungen. Erstens steht ab Heute eine Android-App zur Verfügung – davor war der Dienst nur für iOS Verfügbar. Zweitens wurde das Abholgebiet auf ganz Wien erweitert, bislang hatten noch einige Außenbezirke gefehlt. Diese Neuerungen wurden, so Dobrocka, aus eigener Kraft gestemmt und wurden nicht im Rahmen der Kooperation von der Post unterstützt. „Durch die Deadline hatten wir aber eine klare Motivation, schnell und effizient dorthin zu arbeiten“, erzählt Dobrocka. Ohne Post-Kooperation hätte es mit der Android-App und der Erweiterung des Abholgebiets vielleicht noch ein bisschen gedauert.

+++ Dossier: Corporate Innovation +++

Hoffnung auf Push und mögliche weitere Kooperationen

Dobrocka hofft nun, dass die Aktion dem Startup nochmal einen ordentlich Push gibt. Schon nachdem der Sieg bei der Innovation to Company Challenge verkündet worden war, seien einige Firmen auf Byrd zugekommen, die durch den Wettbewerb auf das Startup aufmerksam geworden waren. In einigen Tagen sei dann wohl absehbar, wie gut die Weihnachtsaktion mit der Post laufe. Schon vor einigen Wochen hieß es vom Großunternehmen, dass man mit Byrd auch eine Kooperation in Ost- und Südosteuropäischen Ländern in Erwägung ziehe.

+++ Video: Byrd am Bits & Pretzels 2016 +++

 

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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