12.09.2025
LEADERSHIP

Buddhismus und Leadership: Was Gründer:innen von Buddha lernen können

Zwei Experten über die zeitlosen Führungsprinzipien des Buddhismus – und warum gerade Startup-Gründer:innen davon profitieren können.
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Bodo Schlegelmilch und Pipop Udorn. | © WU Executive Academy/Georg Wilke

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Was anfangs überraschend klingt, ergibt bei näherer Betrachtung durchaus Sinn: Gerade in Zeiten schneller Veränderung und hohen Drucks können die jahrtausendealten Lehren Buddhas wertvolle Orientierung für Führungskräfte bieten. Täglich komplexe Entscheidungen zu treffen und Teams durch unsichere Phasen zu führen benötigt sichere Führungsstrategien.

Zwei, die sich mit Buddhas Lehre auskennen, sind Bodo Schlegelmilch, Gründungsleiter der WU Executive Academy, und Pipop Udorn, Vizerektor der Thammasat-Universität in Bangkok. Udorn ist selbst buddhistischer Mönch und lebt nach den Lehren Buddhas; Schlegelmilch ist seit vielen Jahren freundschaftlich und beruflich mit ihm verbunden und beschäftigt sich intensiv mit den buddhistischen Prinzipien. Beide Experten sind überzeugt: Diese Prinzipien können helfen, bewusster, ausgeglichener und erfolgreicher zu führen.

Eine ungewöhnliche Freundschaft

Schlegelmilch erklärt den Ursprung der Verbindung zwischen ihm und Pipop Udorn: „Ich unterrichte schon seit über 20 Jahren in Thailand an der Thammasat University als Gastlektor und habe Pipop dort kennengelernt – zunächst als Dekan der Business School, später als Vizerektor. Er hatte immer eine sehr interessante Philosophie und hat sehr viel reflektiert, bevor er Entscheidungen gefällt hat.“

Was für Schlegelmilch besonders faszinierend war: Udorn war nicht nur ein guter Universitätsprofessor – er ging zwischen seinen Amtszeiten jeweils für mehrere Monate ins Kloster. Das sei in Thailand relativ üblich, sagt Schlegelmilch. Diese Praxis der bewussten Reflexion brachte Schlegelmilch, der an der WU Wien zu Markteintritts- und Marktexpansionsstrategien unterrichtet, auf eine Idee: Was kann eine Führungskraft vom Buddhismus lernen? Die Antwort darauf entwickelten Bodo Schlegelmilch und Pipop Udorn gemeinsam – mit nützlichen Erkenntnissen für die Startup-Welt.

Der Grundstein erfolgreicher Gründung

Eine Gründung verändere das Leben grundsätzlich sehr stark. „Die Gründer:innen sind gerade am Anfang wahnsinnig busy. Der Übergang zwischen Privatleben und Unternehmen verschwindet beinahe“, sagt Schlegelmilch. Hier komme das erste buddhistische Prinzip ins Spiel: Selbsterkenntnis. „Im Prinzip geht es darum, sich selbst zu erkennen. Ist das etwas, was ich tatsächlich will und möchte und auch glaube, dass ich das kann?“, sinniert Schlegelmilch. Udorn ergänzt aus buddhistischer Sicht: „Buddha lehrt dich, die Welt so zu sehen, wie sie ist. Alles hat eine Ursache und eine Wirkung. Wenn du möchtest, dass etwas geschieht, musst du eine Ursache finden und diese Ursachen so steuern, dass du das gewünschte Ergebnis erzielst.“

Der Mönch betont dabei die Bedeutung der inneren Haltung: „Damit Führungskräfte so etwas bewältigen können, muss es aus ihrem Inneren kommen. Es geht nicht um Fähigkeiten, die sie von außen erwerben, sondern um die Geisteshaltung, die ihre Worte und Handlungen bestimmt.“

Die Kunst der objektiven Entscheidung

Ein zentrales Problem vieler Gründer:innen sei die Emotionalität: Sie brennen so sehr für ihre Idee, dass oft emotionale Entscheidungen getroffen werden. Die buddhistische Lösung: emotionales Detachment. „Man muss sich dann wirklich bewusst die Zeit nehmen und die Größe haben, zu sagen: ‚Ich versuche jetzt, das mal mit ein bisschen Abstand zu sehen. Unsere Kund:innen sehen die Sache offensichtlich anders!‘“, so Schlegelmilch.

Udorn erklärt das Konzept wieder aus buddhistischer Sicht: „Was auch immer mit den Menschen um dich herum geschieht: Du musst darüber nachdenken, ob es den Regeln und Vorschriften entspricht, um Gerechtigkeit zu wahren. Denn wenn du nur dein Herz benutzt, könntest du das Startup ruinieren.“

Wichtig zu beachten: Detachment bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Es bedeute nicht, dass man sich um nichts mehr kümmern müsse; dass einem alles egal sei. Man versuche lediglich, Emotionen rauszunehmen und etwas als Außenstehende:r zu betrachten, um bessere Entscheidungen zu fällen, so Schlegelmilch.

Er rät Gründer:innen, sich immer wieder bewusst zurückzunehmen und sich zu fragen, was man bereits erreichen konnte. „Dabei sollten sich Gründer:innen auch selbst kritisch hinterfragen: nicht immer gleich den Fehler woanders suchen, sondern auch mal bei sich selbst anfangen“, so Schlegelmilch.

Buddhismus hilft Business

Beiden Experten ist wichtig, zu betonen, dass es hier keineswegs um religiöse Bekehrung gehen soll: „Business Schools sollten nach meinem Dafürhalten religionsfreie Räume sein – tolerante Räume, die Vielfältigkeit und unterschiedliche Weltanschauungen miteinander vereinen“, stellt Schlegelmilch klar. „Wir sind keine Prediger, die sagen: ‚Wenn Sie ein guter Gründer sein wollen, müssen Sie Buddhist werden!‘“

Ruhige Führung in turbulenten Zeiten

Was beide Experten eint, ist die Überzeugung, dass gerade in unserer schnelllebigen Zeit buddhistische Prinzipien wertvolle Orientierung bieten können. Udorn bringt es auf den Punkt: „Man muss nicht so gestresst sein, um erfolgreich zu sein. Man kann seine Arbeit erfolgreich erledigen und gleichzeitig glücklich sein.“


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„Walter“ kann Ziegel mit einem Gewicht von bis zu 52 kg heben © PORR/Jan Hrdý

Der Bauriese Porr testet auf einer Baustelle in Tschechien, wie weit sich das Mauern automatisieren lässt. Beim Wohnbauprojekt Kladno Living, rund 25 Kilometer westlich von Prag, setzt ein Roboter mit der Bezeichnung WLTR, intern „Walter“ genannt, tragende Wände und Wohnungstrennwände aus plangeschliffenen Akustikziegeln. Das Projekt umfasst fünf Gebäude mit 371 Wohnungen samt Garagenplätzen.

Im Testbetrieb hat das Unternehmen die Maschine bereits seit 2025. Sie hebt Ziegel mit einem Gewicht von bis zu 52 Kilogramm und positioniert sie laut Aussendung millimetergenau auf Basis des digitalen Projektmodells. Zwei Personen bedienen den 2,5 Tonnen schweren Roboter, der auf eine Reichweite von 3,5 Metern kommt und mit 1,5 kW auskommt. Die angegebene Produktivität liegt bei 7,5 Quadratmetern pro Stunde, maximal sind zehn möglich.

Planung ab Tag eins

Entscheidend war aus Sicht des Konzerns, dass „Walter“ schon zu Projektstart eingeplant wurde. Robotik auf der Baustelle verlange eine enge Abstimmung zwischen Planung, Statik, Auftraggeber und Baustellenteam, dazu eine eigene Logistik und ausreichend Bewegungsfläche. Die aktuelle Gerätegeneration schafft nach Angaben des Unternehmens nicht nur lange gerade Wände, sondern auch Ecken und Wandöffnungen.

Der Roboter mauert auf der Baustelle des Projekts Kladno Living in Tschechien © PORR/Jan Hrdý

„Bauen ist und bleibt ein People Business. Unser Ziel ist es nicht, Menschen zu ersetzen, sondern unseren Mitarbeitenden Werkzeuge an die Hand zu geben, die ihnen die besonders schweren Arbeiten erleichtern“, sagt Porr-CEO Karl-Heinz Strauss. Der Roboter arbeite unter Aufsicht geschulter Fachkräfte, der größte Nutzen liege im Übernehmen der körperlich anspruchsvollsten Tätigkeiten.

Zentrale Robotik-Einheit

Koordiniert werden Automatisierungsprojekte gruppenweit über das Team Construction Automation & Robotics (CAR), das robotergestütztes Mauern neben BIM, digitalem Baumanagement und datenbasierten Lösungen verantwortet. Jeder Anwendungsfall entstehe aus einem konkreten Bedarf der Baustelle. Die Erfahrungen aus Kladno sollen in weitere Projekte einfließen, kündigt Dušan Čížek, Geschäftsführer von Porr Tschechien & Slowakei, an. Neu ist die Stoßrichtung nicht: Im brutkasten-Interview „Irgendwann wird der Kranfahrer eine IT-Fachkraft sein“ argumentierte Strauss bereits, dass Robotik das Berufsbild am Bau verschiebt, statt es abzuschaffen.

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