06.12.2019

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein: „Diversität ist eine Bereicherung“

Ein Abend im Zeichen der Diversität: Beim Brain&Champagne-Event von Accenture und Avanade sprach Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein über die Vorteile diverser Teams, Frauenquoten und darüber, welche Reformen in Österreich noch nötig wären.
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Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein
Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein (re.) zu Gast bei Brain & Champagne. (c) Wenzel/BKA

„Diversität ist für uns als Unternehmen ein großes Anliegen“, sagt Michael Zettel, Country Managing Director Österreich von Accenture, im Rahmen der Brain & Champagne-Eventreihe, welche von Accenture gemeinsam mit Avanade veranstaltet wird. Diversity ist dabei kein reiner Selbstzweck, wie Zettel erläutert: „Denn diverse Teams bringen bessere Ergebnisse, und die Arbeit in diversen Teams macht mehr Spaß.“

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Ende November widmeten Accenture und Avanade einen ganzen Abend dem Thema Diversity – Stargast war dabei Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, die sich den Fragen von Michael Zettel und Christiane Noll, Country Managerin Avanade Österreich, stellte und Erfahrungen aus ihrer Zeit im Kanzleramt teilte.

VfGH als „Hüter der Diversität“

Der Konnex zwischen Bierlein und dem Thema Diversität ist allein deshalb naheliegend, weil der VfGH durch sein Urteil zur Ehe für alle laut Noll quasi als „Hüter und Enabler der Diversität“ gilt – Bierlein war Vizepräsidentin des VfGH, als das Urteil gesprochen wurde, laut dem ein Bescheid gegen gleichgeschlechtliche Ehen verfassungswidrig ist.

Generell, so erzählt Bierlein, interessiert sie sich für Menschen, spricht gerne mit ihnen. Auch Kunst ist eine Leidenschaft für sie – wiewohl sie in den vergangenen Monaten wenig Zeit hatte, Vernissagen zu besuchen. Von ihrer jetzigen Rolle sagt Bierlein, dass es „nie Teil meiner Lebensplanung war, Bundeskanzlerin zu werden“, zugleich erwähnt sie aber auch die Vorteile der aktuellen Expertenregierung: „Wir haben den Vorteil, dass wir keine Parteipolitik machen. Mit Vizekanzler Jabloner kann ich gut zusammenarbeiten, wir kennen uns noch aus dem Studium“, sagt Bierlein.

Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein: Diversität als Bereicherung

Und auch mit der Diversität klappt es im aktuellen Kabinett gut: 50 Prozent der Ministerposten sind von Frauen besetzt. „Ich halte Verschiedenheit in jeder Hinsicht für eine Bereicherung“, sagt Bierlein.

Braucht es daher in der Wirtschaft auch Frauenquoten, um diese Verschiedenheit zu forcieren? Bierlein hat ihre Meinung diesbezüglich im Lauf der Zeit geändert, wie sie erläutert: Anfangs habe sie geglaubt, dass es keine Quote braucht und dass Qualität sich durchsetzt – nun merke sie aber, dass diese Entwicklungen langsamer voranschreiten als erwartet. „Vielleicht braucht es also doch eine Quote“, sagt Bierlein: „Zugleich sollten Frauen jedoch nicht darauf reduziert werden.“

Vorfreude auf mehr Freizeit

Vor dem versammelten Brain & Champagne-Publikum erläuterte Bierlein auch, wie ihr Einzug ins Kanzleramt stattfand. Bundespräsident van der Bellen habe sie zu einem Gespräch eingeladen und sie gebeten, Bundeskanzlerin zu werden. „Das kann ich nicht“, war Bierleins Antwort gewesen – worauf van der Bellen antwortete, dies sei „die typische Antwort einer Frau“. „Darauf antwortete ich: ‚Nein, ein Mann würden genauso reagieren‘“, erzählt Bierlein und erntet dafür zustimmendes Gelächter vom Publikum. Schließlich habe sie sich aber entschieden, die Aufgabe anzunehmen – auch, weil sie diese Funktion als potenzielles Role Model gegenüber allen anderen Frauen unmöglich ablehnen konnte.

Hätte ihre Regierung nun noch mehr Zeit, dann würde sie Reformen im Bereich der Bildung, aber auch bei der Justiz – und hier vor allem beim Personal – angehen. Auch merkt Bierlein an, dass es in Österreich seit den 1990er-Jahren keine tiefgreifenden Verbesserungen bei Österreichs Verteidigungspolitik gegeben habe. Zudem stellt der demographische Wandel das Sozialsystem vor Herausforderungen – hier seien ebenfalls Reformen nötig.

Abschließend möchte ein Teilnehmer des Events wissen, welche weiteren Ziele  Bierlein verfolgt, wenn ihre Regierung von der neuen Koalition abgelöst wird. „Ich würde sagen, dass ich meinen Zenith erreicht, wenn nicht sogar überschritten habe“, sagt die Bundeskanzlerin, und lacht: Beruflich verfolge sie nun keine weiteren Ziele, sondern freue sich darauf, sich wieder „den schönen Dingen des Lebens zu widmen.“

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(v.l.) Michael Schöngruber, Hansi Hansmann, Samuel Brandstätter, Lisa Pallweber | © 3Folio

Nach der jüngsten Neustrukturierung im Management rund um CEO Samuel Brandstätter und CPO Michael Schöngruber (brutkasten berichtete) macht 3Folio nun mit einem neuen Investor auf sich aufmerksam: dem Hansmann Family Office. Das Krypto-Startup möchte durch diese Zusammenarbeit seine technologische Basis weiter skalieren und die Position bei professionellen und regulierten Marktteilnehmern ausbauen. Über die Höhe des Investments wurde Stillschweigen vereinbart. Die Zusammenarbeit soll aber über die Bereitstellung von Kapital hinausgehen: Erfahrung im Unternehmensaufbau, strategischer Austausch und Sparring bei der Skalierung sollen die nächste Entwicklungsphase von 3Folio begleiten. Das Unternehmen möchte „entlang konkreter Kundennachfrage nachhaltig und profitabel wachsen“.

„Mit Erfahrung und Netzwerk unterstützen“

„Digitale Assets werden Teil des Finanzsystems – und damit braucht es professionelle Infrastruktur für Accounting, Tax und Compliance. Sam, Michael und das Team haben dafür eine starke Basis geschaffen. Wir wollen sie jetzt mit Kapital, aber vor allem auch mit Erfahrung und Netzwerk dabei unterstützen, daraus einen europäischen Player zu bauen“, sagt Hansi Hansmann zu seinem neuesten Investment.

Brandstätter blickt über die österreichischen Grenzen hinaus: „Jetzt geht es darum, diese in ein international skalierbares Unternehmen zu übersetzen. Mit dem Hansmann Family Office gewinnen wir einen Partner, der Technologieunternehmen langfristig begleitet und mit uns an den entscheidenden Fragen für die nächste Wachstumsphase arbeitet.“

Europäische Ausrichtung

3Folio will sich als europäische Referenzplattform für Finance und Compliance im Digital-Asset-Markt etablieren. Österreich und Deutschland bilden dabei die ersten Schwerpunktmärkte. Das Fintech-Startup konzentriert sich auf Anwendungsbereiche wie Crypto Accounting & Taxation, bei denen Daten für buchhalterische und steuerliche Prozesse aufbereitet werden. Mit dem Investment des Hansmann Family Offices möchte 3Folio diese Bereiche weiterentwickeln und „die Voraussetzungen für weiteres europäisches Wachstum schaffen“.

3Folio richtet sich unter anderem an Crypto-Asset-Service-Provider und strukturiert Transaktionsdaten so, dass sie für Buchhaltung, steuerliche Verarbeitung und regulatorisches Reporting nutzbar werden. Die Plattform bildet die Daten- und Prozessbasis zwischen dem operativen Umgang mit digitalen Assets und den nachgelagerten Finance-, Compliance- und Reporting-Systemen. Im Mittelpunkt von 3Folio stehen nachvollziehbare Datenherkunft, konsistente Verarbeitung und prüfbare Ergebnisse.

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