01.12.2021

Brickwise: Immobilien-Plattform holt 3,1 Mio. Euro Seed-Investment

Angeführt wird die Runde vom Münchner Venture-Capital-Fonds yabeo. Brickwise startet mit seiner Plattform für Immobilien-Investments am 7. Dezember in den Vollbetrieb.
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Brickwise
(c) Brickwise - Die Brickwise Co-Founder Marco Neumayer, Klaus Pateter, Michael Murg und Valentin Perkonigg.

Brickwise will den Handel digitalisierter Immobilienanteile mit nur wenigen Klicks ermöglichen – und ist mit seiner blockchain-basierten Plattform, wie berichtet, Ende September in die Pre-Launch-Phase gestartet. Im Vorfeld des offiziellen Marktstarts in der kommenden Woche wurde nun der Abschluss einer 3,1 Mio. Euro schweren Seed-Finanzierungsrunde kommuniziert. Neben dem Münchner Venture-Capital-Fonds yabeo als Leadinvestor beteiligten sich aus Deutschland zwei Family Offices. Aus Österreich kommen das Beratungsunternehmen 42virtual sowie Business Angel Nikolaus Stadler von mantaray neu an Bord. Beide werden daneben auch strategische Partner.

Das nun aufgenommene Kapital will Brickwise ins Marketing und in die Weiterentwicklung des Produkts stecken. „Unsere Vision ist, Immobilieninvestments für jede:n einfach zugänglich zu machen. Denn wir sind davon überzeugt, die Welt wäre eine bessere, wenn jede:r die Möglichkeit hätte, einen Teil davon zu besitzen“, sagt Michael Murg, CEO und Co-Founder von Brickwise. „Der Abschluss der Seed-Finanzierungsphase ist für uns ein entscheidender Meilenstein zur Verwirklichung dieser Vision. Nicht zuletzt der Einstieg von yabeo kommt für uns als junges FinTech-Startup einer Art Ritterschlag der Branche gleich“.

„Das souveräne und talentierte Gründerteam und die klare Vision haben uns überzeugt“, sagt Magdalena Fichtl, Investment-Managerin von yabeo. „Wir sehen darin jede Menge Wachstumspotenzial, denn digitalen Handelsplattformen gehört die Zukunft. Wir freuen uns daher sehr, dass wir dieses innovative Unternehmen in die nächste Wachstumsphase begleiten dürfen“.

Digitale Immobilienanteile in blockchain-basiertem Register

Bei Brickwise werden Immobilien in kleine digitale Anteile zerteilt und in ein blockchain-basiertes Register übertragen, das wie ein digitales Grundbuch funktioniert. Im Unterschied zu Immobilien-Crowdfunding-Plattformen sind Investor:innen bei Brickwise Immobilieneigentümern wirtschaftlich gleichgestellt sind, wie Michael Murg in einem brutkasten-Interview im November erklärt hat. Investor:innen würden ihren Anteil an den laufenden Mieteinnahmen erhalten und auch zu 100 Prozent von der Wertentwicklung der Immobilien profitieren Zudem hätten Investor:innen auch Mitbestimmungsrechte und es gebe keine begrenzte Laufzeit, hatte Murg weiter erklärt.

Außerdem werden bei Brickwise ausschließlich Immobilien, die bereits gebaut sind, angeboten. Rechtlich betrachtet erwerben die Investor:innen ein auf einer Blockchain tokenisiertes Wertpapier.

Zuletzt sechsstellige Förderung von Wiener Wirtschaftsagentur erhalten

Vor der aktuelle Runde hatte Brickwise im Oktober eine sechsstellige Föderung der der Wiener Wirtschaftsagentur kommuniziert. Mit der Förderung soll ein Launchpad entwickelt werden, über das Verkäufer:innen Immobilien direkt auf der Brickwise Plattform platzieren können.

Bereits im Februar hatte das Untenrehmen ein ebenfalls sechsstelliges Investment erhalten. Neben den bei der aktuellen Runde an Bord gekommenen Investoren sind auch Herbert und Aaron Waldner von Riedergarten Immobilien an dem Startup beteiligt. Neben dem Finanzwissenschafter Murg zählen der Rechtsanwalt Klaus Pateter, der Compliance-Spezialist Marco Neumayer und der Blockchain-Experte Valentin Parkonigg zu den Gründern des Unternehmens.

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Cécile Deterre (Co-Founderin von Blue Planet Ecosystems) und Renaud Viot (CEO und Co-Founder des Startups Lynxia) führen La French Tech Vienna als Co-Präsident:innen | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Im Foyer der französischen Botschaft in Wien läuft an diesem Abend ein Gast auf vier Beinen über den Marmorboden. Auf seinem Rücken sitzt ein Kamerakopf, daneben ragt eine Funkantenne hervor. Im Hintergrund stehen drei Flaggen: die französische, die europäische und die österreichische.

Der Hausherr hält es an diesem Abend betont analog. „Ich muss sagen, meine Rede wurde nicht von ChatGPT geschrieben, sondern von Menschen“, sagt Botschafter Matthieu Peyraud zur Begrüßung. Dann wird er grundsätzlich: Technologische Souveränität lasse sich nur auf europäischer Ebene erreichen, kein Mitgliedstaat schaffe das allein.

Der Anlass für Roboter und Rede am 8. Oktober: der offizielle Start von La French Tech Vienna, laut Peyraud der ersten French-Tech-Community in Österreich. Sie ist Teil von La French Tech, einem Netzwerk mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Communities in Frankreich und weltweit, das großteils von Freiwilligen getragen wird.

Zwei Jahre Pilotphase

Neu ist die Initiative nicht. Sie lief zuvor unter dem Namen French Startups Vienna. Peyraud bezeichnet diese Phase in seiner Rede als „eine Art Pilotprojekt“. Seit rund zwei Jahren bringt sie französische und österreichische Gründer:innen, Forschende und Investor:innen zusammen.

Der französische Botschafter Matthieu Peyraud eröffnete am 8. Oktober den offiziellen Start von La French Tech Vienna in der Botschaft in Wien. Seine Botschaft: Technologische Souveränität gelingt nur auf europäischer Ebene. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

„Wir haben sehr klein angefangen, nur mit französischsprachigen Leuten, die mehr über Tech sehen und hören wollten“, sagt Renaud Viot im Gespräch mit brutkasten. Er ist Co-Präsident von La French Tech Vienna und CEO des Startups Lynxia. Er versteht die Initiative als Community: Die Mitgliedschaft ist kostenlos und steht österreichischen wie französischen Startups offen. „Wir verlangen nur, dass die Leute entweder neugierig auf Tech sind oder bereit, ihr Wissen über Tech zu teilen“, sagt er. Das Kernformat sind regelmäßige Events.

Souveränität als Leitthema

Inhaltlich steht der Abend im Zeichen technologischer Souveränität. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cybersicherheit, Halbleiter und Dateninfrastrukturen seien zu strategischen Gütern geworden, sagt Peyraud. Frankreich und Österreich hätten starke Forschungseinrichtungen wie das französische CNRS und das AIT Austrian Institute of Technology. Die gemeinsame Herausforderung sei, wissenschaftliche Exzellenz in globale Technologieführerschaft zu übersetzen. Zu oft gelinge es europäischen Innovationen nicht, im Tempo und in der Größe der internationalen Konkurrenz zu skalieren.

Als Beleg dafür, dass es anders geht, nennt der Botschafter Mistral AI. Die Übernahme des Linzer Startups Emmi AI durch Mistral AI zeige, wie Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Expertise bündeln. Sie unterstreiche zudem die technologische Stärke Österreichs.

„Noch nicht so sehr am Radar“

Wo es konkret hakt, schildert Arnaud Béasse. Der Managing Director von 1764 Advisory kümmert sich in der Community um die Investorenbeziehungen. „An erster Stelle möchte ich Investoren mit Startups verbinden“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Das gelte in beide Richtungen. Österreicher:innen nach Frankreich zu bringen, habe bisher sehr gut funktioniert. Die größere Aufgabe sei nun der umgekehrte Weg: französische Investor:innen auf das aufmerksam zu machen, was in Österreich entsteht. Das sei bei ihnen „noch nicht so sehr am Radar“.

Das österreichische Deep-Tech-Startup iono Robotics aus Linz hat mit dem WORKMATE den ersten humanoiden Arbeitsroboter „Made in Austria“ entwickelt. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Béasse nennt dafür mehrere Gründe. Größere Fonds würden oft mit Teams aus Deutschland auf Österreich schauen. „Das genügt nicht“, sagt er. Dazu komme bei manchen Venture-Capital-Fonds die Angst vor der Sprachbarriere. Bei Business Angels sei diese Hürde noch höher.

Seine Rolle sieht Béasse deshalb nicht nur im Vermitteln von Kontakten. Es gehe darum, Investor:innen auch beim Ökosystem und bei der Kultur zu begleiten. Aus französischer Sicht sehe man in Europa zuerst Spanien, Italien, Deutschland und die Benelux-Länder. Österreich müsse man erst aus dem Schatten von Deutschland und der Schweiz holen.

Acht Startups aus Frankreich und Österreich pitchten vor dem Publikum in der französischen Botschaft, abgestimmt wurde per Smartphone. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Chancen sieht er bei Corporate Venture Capital. Französische Konzerne seien in Österreich vertreten. Hier gebe es derzeit viele Innovationen in den Bereichen Defense und Dual Use, die für solche Gruppen interessant seien.

ABA will Brücke zwischen den Ökosystemen schlagen

Auf österreichischer Seite ist die Austrian Business Agency (ABA) eingebunden. Verena Gruber, Director Western Europe, ist außerordentliches Mitglied im Board der Community. Als Standortagentur der Republik sei die ABA dafür da, französische Startups dabei zu unterstützen, die Chancen in Österreich zu entdecken, sagt sie im Gespräch mit brutkasten. Mit La French Tech Vienna habe man nun „ein tolles Tool“, um Verbindungen herzustellen, bei Investments ebenso wie bei Kooperationen mit Corporates. Am Tag nach dem Launch standen laut Programm Besuche bei der ABA, der Wirtschaftsagentur Wien und ecoplus sowie eine Führung durch die AI Factory Austria (AI:AT) auf dem Plan.

Die Initiative ist noch sehr jung. Als Beispiel dafür, was möglich ist, nennt auch Gruber den Emmi-AI-Deal. Er zeige die Kompetenz Österreichs bei Industrial AI. „Das ist eine Nische, worauf wir uns auch sehr stark konzentrieren können“, sagt Gruber. Damit könne Österreich auch einen Beitrag zur europäischen Souveränität bei Technologie leisten.

Acht Startups auf der Bühne

Nach den Reden pitchen acht Startups, das Publikum stimmt per Smartphone ab. Aus Frankreich kommen Proxima, VirtualBrowser, PleIAs und Manabou, aus Österreich Cyberaci, Eustella, Prop Corn und Ablatic. Sechs der acht ordnet die Event-Website dem Thema Souveränität zu, von europäischen Sprachmodellen bis Cybersecurity.

Manche der französischen Startups sehen laut Renaud Viot einen Market Fit mit Österreich, andere suchen einen Partner vor Ort, wieder andere haben hier bereits Kund:innen. Die beiden Ökosysteme seien einander ähnlich, beide seien stark bei Spinoffs und in der Forschung. Gemeinsam könne man einander „zu Partnern statt zu Konkurrenten“ machen, sagt Viot.

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