02.11.2021

Brickwise: Wie die Blockchain-Plattform für Immobilien-Investments funktioniert

Das österreichische Immobilien-Investment-Startup Brickwise hat im September seine Pre-Launch-Phase gestartet und zuletzt auch eine sechsstellige Förderung der Wiener Wirtschaftsagentur erhalten. Der brutkasten hat CEO und Mitgründer Michael Murg dazu befragt.
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Brickwise
(c) Brickwise - Die Brickwise Co-Founder Marco Neumayer, Klaus Pateter, Michael Murg und Valentin Perkonigg.

Das Grazer Startup Brickwise will den Handel digitalisierter Immobilienanteile mit nur wenigen Klicks ermöglichen. Dazu werden Immobilien in kleine digitale Anteile zerteilt und in ein blockchain-basiertes Register übertragen. Im Februar kommunizierte das Unternehmen, wie berichtet, bereits ein sechsstelliges Investment. Nun folgte eine ebenfalls sechsstellige Föderung der der Wiener Wirtschaftsagentur. Außerdem hat Brickwise mit 30. September seine Pre-Launch-Phase gestartet. Im November soll die Plattform in den Vollbetrieb wechseln. Grund genug für den brutkasten, bei Brickwise-CEO Michael Murg nachzufragen, was bisher alles passiert ist, wie die Plattform genau funktioniert und was bei Brickwise noch geplant ist.

brutkasten: Ende September ist die Pre-Launch-Phase auf der Plattform gestartet. Die ersten Investments in tokenisierte Immobilien sind laut Aussendung dabei schon getätigt worden. Was ist euer erstes Resümee?

Michael Murg: Wir haben bereits mehrere hundert registrierte und auch legitimierte Investor:innen auf unserer Plattform. Letzteres ist vor allem deshalb von großer Bedeutung, weil wir als Finanzdienstleister alle User anhand von Ausweisdokumenten identifizieren müssen, bevor Investments getätigt werden können. Der enorme Zulauf und auch das positive Feedback freuen uns natürlich sehr. Insbesondere die zahlreichen Interaktionen und der enge Austausch mit unseren User:innen begeistert uns.

Wir versuchen gerade von den ersten User:innen besonders viel zu lernen, um unsere App und das Dienstleistungsangebot zu optimieren. Interessant ist für uns die Beobachtung, dass viele Investor:innen automatisch davon ausgehen, dass sie zuerst Geld auf ihren Account überweisen müssen. Bei Brickwise gibt es aber auch die Möglichkeit via Kreditkarte (und bald auch Apple Pay und Google Pay) und damit unmittelbar nach der Registrierung zu investieren.

Wie viele Immobilien aus welchen Städten sind aktuell auf der Plattform schon vorhanden und wie viele sollen es beim Start im November werden?

Wir befinden uns aktuell noch in der Pre-Launch Phase, in der wir uns bewusst Zeit nehmen um unsere App, die Experience und auch die Auswahl der Immobilien auf der Plattform, auf Basis des Userfeedbacks zu optimieren. Während dieser Phase gibt es jeweils Wohnungen in Graz und Wien auf der Plattform.

Für den Start später im November haben wir eine gut gefüllte Pipeline an Immobilien mit einem Gesamtwert im zweistelligen Millionenbereich, die wir Schritt für Schritt auf die Plattform stellen werden. Diese Immobilien werden zu Beginn vor allem in den großen Städten im Osten Österreichs sein.

Ganz grundlegend gefragt: Was sind die wichtigste Unterschiede zwischen Brickwise und anderen Plattformen, die Investments in Immobilien ermöglichen, wie z.B. Rendity?

Der größte Unterschied ist, dass Investor:innen bei Brickwise Immobilieneigentümern wirtschaftlich gleichgestellt sind. Konkret heißt das, alle Investor:innen erhalten ihren Anteil an den laufenden Mieteinnahmen und profitieren auch zu 100 Prozent von der Wertentwicklung der Immobilie, eben wie ein:e Immobilieneigentümer:in.

Obendrauf haben die Investor:innen auch Mitbestimmungsrechte, z.B. bei Themen zu Hausverwaltung, Instandhaltung oder Vermietung. Eine begrenzte Laufzeit gibt es ebenfalls nicht. Wenn man nicht mehr in die Immobilie investiert sein möchte, kann man den Anteil einfach wieder verkaufen…genau so wie wenn man direkt eine Immobilie gekauft hätte. Nur einfacher, mit viel geringeren Transaktionskosten und schneller.

Bei den klassischen Crowdfunding Plattformen geben die Investor:innen lediglich einen Kredit, genau genommen ein Nachrangdarlehen, das verzinst wird. Investiert wird also nicht nur in eine Immobilie, sondern in ein Immobilienprojekt mit entsprechenden Projektrisiken, operationellen Risiken und auch Marktrisiken, wie dem Zinsrisiko. Außerdem gibt es bei Brickwise ausschließlich Immobilien die tatsächlich existieren, das heißt bereits gebaut, sind.

Bei Brickwise werden Immobilien in kleine digitale Anteile zerteilt und in ein blockchain-basiertes Register übertragen, das wie ein digitales Grundbuch funktioniert. Wie wichtig ist es für Brickwise, dies blockchain-basiert umzusetzen? Verwendet Brickwise eine eigene private Blockchain oder setzt man auf eine Public Blockchain auf?

Wir setzen auf eine eigene permissioned Blockchain, d.h. sie ist öffentlich, aber nur Investor:innen, also Brickwise User und alle Immobilien können eine Node betreiben. Erst durch die Blockchain wird die Tokenisierung der Immobilien bzw. der Immobilienanteile möglich – sie ist also ein zentrales und entscheidendes Element. Da die Blockchain bei Brickwise die Funktion eines digitalen Grundbuchs hat und Transaktionen sicher, schnell, energieeffizient und vor allem unabhängig von etwaigen anderen Markteinflüssen stattfinden sollen, war es für uns eine logische Entscheidung nicht auf eine andere Blockchain aus der Kryptowährungswelt aufzusetzen.

Brickwise nützt die Blockchain als Technologie im Hintergrund, als User bekommt man davon eigentlich nichts mit – außer man möchte das. Die Schnittstellen sind offen und wir stellen auch Dokumentationen für Dritte zur Verfügung, aber sie soll nur der Tokenisierung von Immobilien dienen. Mit Kryptowährungen haben wir nichts am Hut und es ist bei Brickwise auch nicht möglich mit Kryptowährungen zu bezahlen, außer Kryptowährungen werden irgendwann ein offizielles Zahlungsmittel, aber davon ist im Moment wohl nicht auszugehen.

Wenn ich bei Brickwise in eine Immobilie investiere, was genau erhalte ich dann im juristischen Sinn – einen Token?

Ja, genau. Rechtlich betrachtet handelt ist sich um ein auf einer Blockchain tokenisiertes Wertpapier. Für dieses Wertpapier wird eine eigene international gültige Wertpapieridentifikationsnummer (ISIN) durch die Österreichische Kontrollbank vergeben. Diese ISIN ist auch gleichzeitig die einzigartige Bezeichnung des tokenisierten Wertpapiers auf der Blockchain und somit sind alle Immobilien mit der Blockchain verknüpft. So kann jeder Wechsel und der Besitz von Anteilen zu jeder Zeit auf dem Brickprotocol (die Blockchain) nachgewiesen werden – und das absolut fälschungssicher.

Das Wertpapier verbrieft die Substanz der Immobilie, das Recht auf den Nettoüberschuss aus den laufenden Mieteinnahmen, hat unendliche Laufzeit, beteiligt die Investor:innen zu 100 Prozent am Überschuß eines etwaigen Liquidationserlöses und kann durch die Emittent:in nicht ordentlich gekündigt werden. Dadurch ergibt sich die wirtschaftliche Gleichstellung zu Immobilieneigentümer:innen für die Investor:innen, diese müssen sich aber nicht um die Verwaltung der Immobilie kümmern.

Ein besonderes Highlight: Die digitalen Immobilienanteile werden auch in das Grundbuch eingetragen. Das gab es so noch nie… aber darüber werden wir in Kürze mehr berichten.

Brickwise hat kürzlich eine sechsstellige Förderung im Rahmen des Förderprogramms Innovation der Wiener Wirtschaftsagentur erhalten, mit der nun ein Launchpad entwickelt werden soll, über das Verkäufer:innen Immobilien direkt auf der Brickwise Plattform platzieren können. Wie platzieren Verkäufer:innen derzeit Immobilien auf der Plattform und wie wird sich dieser Prozess mit dem Launchpad verändern?

Aktuell können sich Interessent:innen die eine Immobilie auf der Brickwise Plattform platzieren, also tokenisieren, wollen bei uns melden. Das sind in der Regel Immobilienunternehmen, -entwickler oder -makler oder Bauträger:innen. Wir haben einen strengen Kriterienkatalog der definiert, welche Immobilien auf der Plattform gelistet werden dürfen und wie diese Beschaffen sein müssen. Entspricht eine Immobilie diesen Kriterien folgt eine Due-Dilligence-Prüfung, bei der unter anderem ein gerichtlich beeideter Sachverständiger den Zustand der Immobilie überprüft und ein Gutachten anfertigt, das wir allen Investor:innen in der Brickwise-App zur Verfügung stellen.

Durch das neue Launchpad können alle Immobilienverkäufer:innen, also sowohl gewerbliche also auch private ihre Immobilien direkt selbst tokenisieren und das Ganze wird so einfach sein, wie ein Inserat auf einer der großen Anzeigenplattformen, wie willhaben oder Immoscout24 zu schalten.

Für das Launchpad ist eine KI-basierte Datenerfassung inklusive Virtual Reality Capturing vorgesehen – was ist da genau darunter zu verstehen, wie funktioniert das genau?

Beim Verkauf von Immobilien sind zwei Dinge besonderes relevant: der Preis und eine ansprechende Vermarktung. Genau darum geht es hier: mittels KI erhalten potenzielle Immobilienverkäufer:innen oder jene die ihre Immobilie tokenisieren wollen, eine Bewertung ihrer Immobilien. Das Virtual Reality Capturing ermöglicht es auf einfache Art und Weise, konkret mit dem eigenen Smartphone, ein 3D-Modell der Immobilie zu kreieren, über das dann die Investor:innen die Immobilie über die Brickwise-App virtuell besichtigen können.

Was sind neben dem offiziellen Launch im November eure Pläne für die nächsten Monate – oder auch langfristiger gesehen?

Unsere Vision ist, Immobilieninvestments für jede:n einfach zugänglich zu machen, denn wir sind davon überzeugt, die Welt wäre eine bessere, wenn jede:r einen Teil davon hätte. Daher werden wir nach dem erfolgreichen Marktstart bereits im ersten Halbjahr 2022 nach Deutschland expandieren um unseren Plan, der größte Immobilien Marktplatz Europas zu werden, zu verwirklichen. In den nächsten Jahren planen wir mit einem Handelsvolumen von über einer Milliarde Euro und werden damit eines der nächsten österreichischen Unicorns 😉

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Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Impression vom VERBUND Venture Day 2026 | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Von der Innovation zur Skalierung und von der Skalierung zu einem stärkeren Europa“ mit diesem einen Satz könne man das große Ziel für den europäischen Energiesektor zusammenfassen, sagt VERBUND-X-Geschäftsführer Franz Zöchbauer in seinen einführenden Worten zum VERBUND Venture Day 2026, der erstmals beim neuen Energy-Launchpad-Partner WU Wien stattfand. „Wir haben die Lösungen, aber es dauert zu lange, bis sie am Markt sind. Wir müssen skalieren, aber kein Player kann das alleine. Es braucht ein Ökosystem und hier zählen die Menschen“, so Zöchbauer.

Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Franz Zöchbauer | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Die Zusammenarbeit im Ökosystem als Motto beim VERBUND Venture Day ist nicht neu, der Diskurs, in den das Motto dieses Jahr eingebettet ist, durchaus: Auch hier dominiert das große Thema europäische Souveränität. Der Titel des diesjährigen Events lautet „Scaling Beyond Borders“.

10,25 Billionen Euro für die Energiewende

Zöchbauer drückt die Ambition hinter der eingeforderten Skalierung in Zahlen aus: Es brauche Schätzungen zufolge 10,25 Billionen Euro, um das Energiesystem Europas bis 2040 zu transformieren. „Das ist 70 mal das Volumen des Marshallplans oder das Volumen von 25 Jahren globale VC-Investments“, so der VERBUND-X-Geschäftsführer. Es handle sich also um eine epochale Investment-Chance. Doch er erinnert: „Zahlen ändern die Welt nicht. Menschen tun es.“

Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Achim Kaspar | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Dabei sei die Energiewende keineswegs nur ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, betont VERBUND-COO Achim Kaspar in einer Panel-Diskussion unter dem Titel „Owning the Future“: „Wir sind an einem Wendepunkt. Man liest jeden Tag von Problemen beim Transport fossiler Energieträger. Wir müssen auf erneuerbare umsteigen.“ Für VERBUND sei dabei schon lange klar: „Wir wollen nicht das nächste Kodak werden.“

„Es laufen mehrere Energiewenden parallel“

Diese europäische Sicht auf die Energiewende setzt Angela Wilkinson, CEO des World Energy Council, im Panel und bei ihrer Keynote in die globale Perspektive: „Es laufen mehrere Energiewenden parallel. In Europa geht es um den hundertprozentigen Umstieg auf erneuerbare Energieträger. Im nahen Osten etwa geht es um Technologien, um den CO2-Ausstoß auch mit fossilen Energieträgern auf Null zu bringen.“

Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Angela Wilkinson | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Bei der Souveränität gehe es letztlich um die Möglichkeit, sich seine Abhängigkeiten auszusuchen, „nicht um teuren Isolationismus“, meint Wilkinson. Was ihr insgesamt fehle, sei eine kollektive Vision für eine bessere Zukunft. „Wir haben klare Ziele bei der CO2-Reduktion, aber keine gemeinsame positive Perspektive. Wir haben die Energiewende zwar an die Wall Street gebracht, aber nicht auf die Hauptstraße, wo die Menschen sind.“

Konsequenter Fokus auf die Kund:innen

Darum, wie die Transformation direkt zu den Menschen gebracht werden kann, ging es in einem Talk von VERBUND-CEO Michael Strugl und Greg Jackson, Gründer von Octopus Energy. Strugl sieht das britischen Unternehmen dabei als Vorbild: „Octopus ist ein echter Champion, wenn es um Kundenservice geht.“ Als er Jackson zum ersten Mal nach dessen Geschäftsmodell gefragt habe, sei die Antwort denkbar simpel gewesen: „Ich will den Kunden weniger verrechnen.“ Dieser konsequente Fokus auf die Kund:innen sei der Schlüssel, sagt Strugl.

Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Michael Strugl | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Viele Energieunternehmen würden Kund:innen bisher nur als reine Abnehmer verstehen, meint Jackson. Octopus setze stattdessen auf radikale Vereinfachung und digitale Flexibilität: „Statt schwer lesbarer, regulierter PDFs nutzen wir einfache E-Mails, auf die man direkt antworten kann.“ Diese Kundennähe gepaart mit intelligenter Steuerung – etwa beim Laden von Elektrofahrzeugen – sei der Treiber für das rasante Wachstum des Unternehmens. Für Strugl ist das eine klare Orientierung für die gesamte Branche: „Innovatoren und Disruptoren helfen uns dabei, das gesamte System in ein erneuerbares, dezentrales und digitalisiertes Energiesystem zu verwandeln.“

Tragende Rolle für Gründer:innen – Unis entscheidend

Es sind also nicht nur Politiker:innen und Verantwortliche in Energiekonzernen, sondern auch Gründer:innen, die bei der Energiewende eine tragende Rollen spielen. Hier wiederum sind die Universitäten entscheidende Akteure, wie Franz Zöchbauer am Panel gemeinsam mit WU-Wien-Rektor Rupert Sausgruber und TU-Wien-Rektor Jens Schneider erläutert. „Es gibt im Energiesektor so viel Potenzial, aber man braucht nicht nur viel Geld sondern auch die Ideen“, bringt es Schneider auf den Punkt.

Jens Schneider (l.) und Rubert Sausgruber (r.) | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

„Starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“

Dass natürlich auch die Politik ihren Beitrag leisten muss, um die Skalierung über die Grenzen hinaus zu ermöglichen, erörtert Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner in ihrer Keynote. Man müsse die Herausforderung angehen, Startups in Europa zu halten. „Wir haben starke Gründer:innen, aber viele Hindernisse am Weg“, sagt Zehetner und spricht nicht nur das bekannte Thema Wachstumskapital, sondern unter anderem auch die Ausgründungsbedingungen für universitäre Spinoffs an.

Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine
Elisabeth Zehetner | (c) VERBUND / elephant and porcelaine

Als konkrete Maßnahmen – teils auf europäischer, teils auf nationaler Ebene – nennt die Staatssekretärin etwa den European Scaleup Fund und den heimischen Dachfonds und die Notwendigkeiten, die europäische Kapitalmarktunion zu stärken und die Mitarbeiter:innenbeteiligung auch durch steuerliche Anreize weiter zu verbessern. Denn letztlich sei das Ziel – ganz getreu dem Motto des Venture Days – klar: „Erfinde dein Produkt hier, bau dein Unternehmen hier und skaliere hier, aber verkaufe dein Produkt in die ganze Welt.“

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