20.11.2025
VENTURE BUILDING

Bosch verkauft Corporate-Startup

Bosch verkauft sein 2016 gestartetes 3D-Druck-Corporate-Startup Bosch Advanced Ceramics an die japanische Sintokogio Gruppe.
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Nach der Vertragsunterzeichnung zwischen Bosch und Sintokogio | (c) Bosch
Nach der Vertragsunterzeichnung zwischen Bosch und Sintokogio | (c) Bosch

In der Startup-Welt ist er vielfach das große Ziel, doch auch beim Venture Building in großen Corporates ist er eine Option: der Exit. Das zeigte nun der deutsche Industrie-Gigant Bosch. Er verkaufte sein 2016 mit dem hauseigenen Venture Builder Bosch Business Innovations als CeriX gegründetes Corporate-Startup Bosch Advanced Ceramics an den japanischen Fertigungs-Riesen Sintokogio.

Aktuelle Diskussion im Venture Building

Der Schritt fügt sich in eine aktuelle Diskussion im Bereich Venture Building, der in der brutkasten-Serie „Corporate Venturing“ dieses Jahr mehrfach diskutiert wurde: ein stärkerer Fokus auf die Nähe zum Kerngeschäft im Aufbau von Corporate-Startups.

Denn obwohl Bosch ein sehr vielschichtiges Portfolio an Tech-Produkten hat – etwa als Auto- und Industriezulieferer, Heizungsspezialist oder Hersteller von Werkzeugen, Garten- und Haushaltsgeräten – bewegt sich das Corporate-Startup in einem aktuell im Kerngeschäft nicht vertretenen Bereich: Keramik-Produktion.

Starkes Wachstum in den vergangenen Jahren

Konkret setzt Bosch Advanced Ceramics auf 3D-Druck hochkomplexer Spezialbauteile, etwa für Medizintechnik, Halbleiterfertigung sowie Luft- und Raumfahrt. Zwischen 2023 und 2024 gelang damit nach Angaben des Unternehmens ein Umsatzwachstum von 160 Prozent, gefolgt von einer weiteren Steigerung um 116 Prozent zwischen 2024 und 2025.

Der Kaufpreis bei der nun erfolgten Übernahme wurde nicht genannt. Die elf Mitarbeiter:innen sollen übernommen werden bzw. haben entsprechende Angebote erhalten; das Service soll unverändert bestehen bleiben. „Advanced Ceramics war von Anfang an ein Beleg für unseren Ansatz: Technologie früh erkennen, ein starkes Team aufbauen und mit industrieller Tiefe skalieren“, kommentiert Axel Deniz, CEO von Bosch Business Innovations. „Der Exit zeigt, dass unsere Ventures eigenständig wachsen – technologisch führend, wirtschaftlich tragfähig und mit Wirkung über die Bosch-Welt hinaus.“

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(c) Startups for Europe
(c) Startups for Europe

Bislang wurde Startup-Europa durch zwei Organisationen auf europäischer Ebene vertreten: Das European Startup Network (ESN) fungierte primär als Dachverband der nationalen Startup-Organisationen wie etwa AustrianStartups in Österreich. Allied for Startups, dessen Netzwerk auch mehrere außereuropäische Organisationen umfasst, trat als Interessensvertretung für Startup-politische Anliegen auf EU-Ebene auf. Nun schlossen sich die beiden Verbände zu „Startups for Europe“ mit Sitz in Brüssel zusammen.

„Europa zum besten Ort der Welt zu machen, um ein Unternehmen zu gründen, zu skalieren und im Wettbewerb zu bestehen“

Die Mission sei mutig und einfach: Europa zum besten Ort der Welt zu machen, um ein Unternehmen zu gründen, zu skalieren und im Wettbewerb zu bestehen, heißt es in einer Presseaussendung zum Start. In dieser werden einmal mehr die bekannten Probleme europäischer Startups thematisiert: mangelndes Risikokapital, Bürokratie, Fragmentierung und die aus all dem resultierende Abwanderung von Startups. „Das ist kein Schicksal, sondern ein Regelwerk – und Regeln können neu geschrieben werden“, konstatiert man bei Startups for Europe.

„Durch den Zusammenschluss machen wir aus der Erfahrung von Tausenden Gründer:innen echtes politisches Gewicht. Europa hat alles, was es braucht, um führend zu sein. Jetzt muss es seine Gestalter:innen bauen lassen“, kommentiert Simon Schaefer. Der bisherige Allied-for-Startups-Präsident ist nun Präsident von Startups for Europe. Schaefer war auch Co-Initiator der Initiative EU-INC. Ein weiterer Co-Initiator, der gebürtige Österreicher Andreas Klinger, ist nun auch Teil des neu gebildeten Vorstands von Startups for Europe – ebenso wie AustrianStartups-CEO Hannah Wundsam.

Wundsam: „Wir können es uns nicht mehr leisten, nur innerhalb unserer Landesgrenzen zu denken“

Wundsam kommentiert auf brutkasten-Anfrage: „Die EU-INC-Initiative hat gezeigt: Echte Reformen in Europa brauchen eine starke, klare Stimme von außen. Wir können es uns nicht mehr leisten, nur innerhalb unserer Landesgrenzen zu denken. Auch nicht in der Politik. Die Rahmenbedingungen für Startups werden in Brüssel gesetzt. Deshalb müssen wir unsere Kräfte bündeln und gemeinsam unüberhörbar sagen, was sich ändern muss, damit Europa der Ort wird, an dem die Zukunft gebaut wird.“

Konkrete und übergeordnete Ziele altbekannt

Die Umsetzung der paneuropäischen Rechtsform EU Inc. ist auch – wie nicht anders zu erwarten – eines der zentralen konkreten Anliegen der neuen Dachorganisation. Daneben nennt man den European Innovation Act, die Spar- und Investitionsunion und die Regulierung von KI und dem digitalen Bereich als konkrete Bereiche, die priorisiert werden sollen. Die übergeordneten Ziele überraschen ebenso wenig: ein echter europäischer Binnenmarkt für Startups, mehr verfügbares Kapital und das Ziel, Frontier-Technologien tatsächlich am Kontinent zu Größe zu bringen.

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