24.08.2021

Blümel: Produktivitätsrat soll Wohlstand in Österreich sichern

Die Produktivität wächst laut Finanzministerium in Österreich langsamer als in anderen EU-Staaten. Ein Produktivitätsrat soll auch Umwelt und Gesundheit berücksichtigen.
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Finanzminister Gernot Blümel bei einem Treffen im Sommer 2021 © BMF
Finanzminister Gernot Blümel bei einem Treffen mit Startups im Sommer 2021 © BMF

Um den Wohstand in Österreich zu sichern, müsse die Produktivität steigern. So argumentiert das Finanzminsiterium die Einrichtung eines eigenen Produktivitätsrats, der beim Fiskalrat in der Österreichischen Nationalbank eingerichtet wird. Erster Präsident des Rats wird Christoph Badelt aufgrund seiner Position als Fiskalrats-Präsident. Drei Mitglieder des Rats sollen von der Regierung entsandt werden und je eines von Wirtschaftskammer und Arbeitskammer. Ein entsprechendes Gesetz wollte das BMF noch am 23. August in Begutachtung schicken.

Hintergrund des Produktivitätsrats ist eine Empfehlung des EU-Rats von 2016. Bisher gibt es in 18 weiteren EU-Ländern einen entsprechenden Rat oder Initiativen dazu, darunter etwa Deutschland, Frankreich, Italien oder Belgien.

Produktivitätswachstum niedriger

„In den vergangenen 20 Jahren war das Produktivitätswachstum in Österreich regelmäßig niedriger als in vergleichbaren Ländern wie den Niederlanden, der Schweiz oder Schweden. Höhere Produktivität hilft nicht nur dem Standort, sondern sichert auch die nachhaltige Finanzierung unseres Sozialstaates ab“, sagte Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) am Montag. „Nach dem pandemiebedingen Wirtschaftseinbruch wollen wir einen raschen und nachhaltigen Aufschwung ermöglichen. Gleichzeitig müssen wir langfristig die Produktivität in Österreich erhöhen, um Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern“.

Die Grünen pochen darauf, dass Produktivität nicht nur monetär gemessen werden dürfe. Der Produktivitätsrat werde dementsprechend nicht nur das Bruttoinlandsprodukt als Indikator heranziehen, sondern auch Faktoren wie Umwelt, Gesundheit oder Bildung heranziehen. Der Rat wird jährlich einen Bericht vorlegen, der konkrete Empfehlungen zu Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit enthalten soll.

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Johannes Ferner und David Feichter bilden nun zusammen die fiskaly-Führungsspitze | (c) fiskaly
Johannes Ferner und David Feichter bilden nun zusammen die fiskaly-Führungsspitze | (c) fiskaly

Fiskaly aus Wien wurde dieses Jahr von EY zum „Scaleup of the Year“ gekürt, wie brutkasten berichtete. Die Zahlen und Fakten zeigen, warum: Das 2019 gegründete Unternehmen wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 60 Prozent und ist profitabel. Es beschäftigt mehr als 150 Mitarbeitende, ist in acht EU-Ländern aktiv, betreut dort rund 1.900 B2B-Kunden mit mehr als einer Million POS-Systemen (Point of Sale) und ist Marktführer in Deutschland.

Nun verkündete das auf Fiskalisierung spezialisierte Unternehmen, das sich am „Sprung vom Scaleup zum etablierten Infrastrukturanbieter“ sieht, einen bedeutenden Neuzugang: David Feichter wird Co-CEO neben Johannes Ferner, der fiskaly gemeinsam mit Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz gegründet hat.

Vom „allerersten Kunden“ zum Co-CEO

Die Vorgeschichte ist dabei durchaus ungewöhnlich. Feichter war 2019 als CEO des deutschen POS-Anbieters orderbird der „allererste Kunde“ des Wiener Unternehmens. Damals verhandelte er den Deal mit Ferner. Erst in diesem Frühjahr gab Feichter die Führung von orderbird, mittlerweile Teil der Nexi Group, an Dirk Schmidt ab.

Die Doppelspitze soll fiskaly nun als „nächste Stufe der Unternehmensführung“ durch die nächste Wachstumsphase bringen. „Sich die Rolle des CEO zu teilen, ist eine strategische Entscheidung, die es uns ermöglicht, unsere sich ergänzenden Stärken optimal zu nutzen und das Wachstum fokussierter und strukturierter zu beschleunigen“, kommentiert Ferner. Und ergänzt: „Das ist ein Erfolg, auf den ich besonders stolz bin. Es ist ein Beweis dafür, dass in Österreich gemachtes Wachstum nach wie vor möglich ist.“

Weitere Akquisitionen geplant

Konkret soll Feichter den operativen Betrieb und die Skalierung der Organisation verantworten, während sich Ferner auf internationale Partnerschaften, Akquisitionen und die externe Repräsentation konzentriert. „Fiskaly hat sich eine starke Position im Bereich Transaction Compliance erarbeitet und das Ausmaß der Marktchance aufgezeigt. Unser Ziel ist es, diese Führungsposition weiter auszubauen und zu definieren, wohin sich die Kategorie als Nächstes entwickelt“, sagt Feichter.

Fiskaly kündigt zudem an, im Bereich M&A aktiv zu bleiben. Man baue auf der bisherigen Akquisitionsbilanz auf, „um schnell handeln zu können, sobald sich in Europa die richtigen Gelegenheiten bieten“. Bisher übernahm fiskaly die Deutsche Fiskal GmbH und Infrasec Sweden AB. 2024 hatte fiskaly mit Verdane einen großen Private-Equity-Investor an Bord geholt, der auch Kapital für Übernahmen bereitstellt.

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