16.06.2020

Blue Origin: Die heimliche Liebe von Amazon-Gründer Jeff Bezos

Jeff Bezos ist der reichste Mensch der Welt. Dies hat er Amazon zu verdanken - dem Online-Shopping-Giganten, der so erfoglreich agiert wie kaum ein zweiter Konzern. Dennoch ist das Einkaufsportal nicht das Lieblingskind des US-Milliardärs. Diesen Titel hat sich ein Unternehmen gesichert, das seit zwei Jahrzehnten existiert und ins All schielt: Blue Origin.
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Blue Origin, Jeff Bezos, SpaceX, Space
(c) Blue Origin - Mit Blue Origin möchte Jeff Bezos seinen Urenkeln ein Raumfahrt-Vermächtnis hinterlassen.

Jeff Bezos ist eine Persönlichkeit an der heutzutage niemand vorbeikommt. Der Amazon-Gründer ist regelmäßig in den Medien. Sei es weil seine „Nemesis“ Elon Musk immer wieder mit Angriffen gegen den Online-Händler auffällt, der fragwürdige Umgang seiner Mitarbeiter sich medial verbreitet, sein Vermögen wiederholt geschätzt wird, der Streaming-Dienst in aller Munde ist oder wenn Bezos den Philanthropen hervorholt und große Summen für den guten Zweck spendet. Weitaus seltener liest man von einer weiteren Leidenschaft des Milliardärs, die er bereits seit zwei Jahrzehnten ausübt: von der Space-Company Blue Origin.

+++ Wr. Neustädter Space-Startup Tumbleweed: Von der Garage bis zum Mars +++

Während SpaceX die letzten Wochen die Zukunft der Raumfahrt veränderte und die erste von einem Privatunternehmen gebaute und bemannte Raumfähre seit 39 Jahren (Space Shuttle) ins All sandte – oder damit wirbt, dass man Touristen mittels „ridesharing“ ab einer Million Dollar ins Weltall bringt, hört man von Bezos Space-Company, die Teil von Bezos Expeditions ist,  relativ wenig.

Blue Origin: Zwei Dekaden alt

Und das, obwohl Blue Origin für den Weltraumtourismus erschaffen wurde. Es war der September vor rund 20 Jahren, als das US-Unternehmen seine ersten Schritte tat und Raketenantriebssysteme und Trägerraketen entwickelte. Mit dem Motto „step by step“ ließ man sich drei Jahre Zeit, bis Bezos die Existenz der Firma öffentlich machte. Zehn Jahre später hatte der Amazon-Gründer eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen gesteckt und schlussendlich 2015 den ersten Testflug seines vertikalen Raumgefährts „New Shepard“ vollbracht.

„Verkauf von Amazon-Aktien“ für Blue Origin

Die Rakete erreichte damals eine Geschwindigkeit von Mach 3, wurde bis heute mehrere Male erfolgreich getestet und hat mit „New Glenn“ (nach dem ersten US-Astronauten John Glenn benannt) bereits einen Nachfolger, der „Payloads“ und Personen ins All befördern soll. Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert. Das war auch das Jahr, in dem sich das Unternehmen zum ersten Mal der Öffentlichkeit öffnete und die Produktionsstätte in Kent, Washington, für Journalisten zugänglich machte.

Video: Start und Landung der New Shepard im Jahr 2015

Jeff Bezos: Plan B für die Welt

Damals sagte Bezos, dass der Weltraum voller Ressourcen sei und dass die Erde einen „Plan B“ brauche, wenn etwas Schlimmes passiert. Und führte fort: „Es wird einfach ein unglaublich lustiger und inspirierender Teil der Zukunft der Menschheit sein, das Sonnensystem zu erforschen“.

Ein Jahr später vermeldete Bezos, dass Blue Origin den ersten zahlenden Kunden für Orbital-Satelliten an der Hand habe. Eutelsat wird voraussichtlich 2022 mit dem Start von TV-Satelliten auf den „New Glenn Orbital-Trägerraketen“ beginnen. Mittlerweile gesellten sich auch OneWeb und Mu Space als Kunden dazu.

Jeff Bezos, CEO von Amazon, Blue Origin, SpaceX,
(c) Amazon Photo – Amazon-Gründer Jeff Bezos muss sich viel Kritik – auch ökologische – gefallen lassen.

Buhlen um NASA

Heute kämpft Blue Origin mit Space X und Dynetics um einen NASA-Ausftrag. Die US-Behörde möchte mit ihrem Artemis-Projekt 2024 Menschen auf den Mond schicken (darunter eine Frau) und hat einen Contest unter den drei Unternehmen ausgerufen. Die konkurrierenden Firmen sollen jeweils einen Entwurf für einen „Mondlander“ vorlegen und werden dabei auch finanziell unterstützt: Blue Origin bekommt 579 Millionen US-Dollar, SpaceX 135 Millionen und Dynetics 253 Millionen.

„Mit diesen Auftragsvergaben treibt Amerika den letzten Schritt voran, der erforderlich ist, um Astronauten bis 2024 auf dem Mond zu landen, einschließlich des unglaublichen Moments, in dem die erste Frau die Mondoberfläche betreten wird“, sagt NASA-Administrator Jim Bridenstine.

Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren. SpaceX möchte dagegen sein Allzweck-Raumschiff „Starship“ verwenden, das angeblich auch für Mars-Missionen verwendet werden kann. Dynetics plant einen innovativen Lander, der mit jeder Rakete gestartet werden kann.

Kostensenkung durch Wiederverwertung

Bei allen drei Anbietern steht Kostensenkung im Vordergrund. Diese soll mit der Wiederverwertung von wichtigen Teilen der Trägerrakete und mit weniger Gewicht geschehen. Während der Transport von einem Pfund Materie (450 Gramm) in der Spaceshuttle-Ära knappe 25.000 US-Dollar kostete, so sind es heutzutage etwas mehr als 1200 US-Dollar, wie die NZZ berichtet.

Suborbitale Raumfahrt

Wie auch immer diese Ausschreibung ausgeht, Blue Origin CEO Bob Smith hat 2020 zu einem „arbeitsreichen Jahr“ erklärt. Axios zitierte den Geschäftsführer noch im Mai mit den Worten, dass es „drei oder mehr Flüge geben wird, bevor wir Leute fliegen“. Smith sagte zudem, der aktuelle Plan sei es, das noch heuer zu schaffen. Der Preis für einen Fluggast ist noch nicht offiziell verkündet worden, kann aber für die suborbitale Raumfahrt mit mehreren Hunderdtausend US-Dollar kalkuliert werden.

Jeff Bezos, Space, New Glenn
(c) Blue Origin – Jeff Bezos beim Testen der Kommunikationssysteme vor einem Raketenstart.

Tot, wenn Erfolg da

Wie erwähnt: Bezos verkauft seit drei Jahren immer wieder Amazon-Anteile, um Blue Origin finanziell zu fördern. Er sagte einst sinngemäß, er werde wohl tot sein, wenn die Früchte seiner Arbeit geerntet werden. Ein äußerst bemerkenswerter Satz, bringt man ihn mit einem schmeichelhaften Portrait der Plattform Medium in Verbindung.

Kritik am Amazon-Gründer

Man darf bei der Lobpreisung des Amazon-Gründers als Visionär nicht vergessen, dass der Milliardär regelmäßig unter starker Kritik steht. Amazons ökologischer Abdruck betrug 2018 44 Millionen Tonnen CO2. Daher hat der „reichste Mann der Welt“ im Frühjahr den „Bezos Earth Fund“ erschaffen und angekündigt, zehn Milliarden US-Dollar darin zu investieren. Allerdings ohne genau zu präzisieren wohin die Summe fließen soll.

Zudem wurden nach dieser Ankündigung kritische Stimmen der eigenen Mitarbeiter laut. Unter der Vereinigung namens „Amazon Employees for Climate Justice“ loben die Kritiker die Humanität von Bezos, fragen aber auch zugleich: „Wann wird Amazon aufhören, Öl- und Gasunternehmen dabei zu helfen, die Erde mit noch mehr Öl- und Gasbohrungen zu verwüsten? Wann wird Amazon die Verantwortung für die Lungen von Kindern in der Nähe seiner Logistikzentren übernehmen, indem man von Diesel- auf vollelektrische Lastwagen umsteigt?“.

Druck auf Amazon-Mitarbeiter

Andere Kritikpunkte umfassen den Umgang mit Lieferanten und Mitarbeitern während der Corona-Krise. Wie es auch die Washington Post schreibt, als zwei Angestellte nach kritischen Äußerungen zur Sicherheit im Job gefeuert wurden. Bereits vorher hatte die New York Post in einem Gespräch mit der ehemaligen Mitarbeiterin Maureen Donnelly aufgedeckt, welchen Verboten man als Amazon-Arbeiter unterliegt. Keine Getränke, außer Flaschen mit Wasser, keine Handys (was für Eltern ein Problem darstellt, da sie keine Notfallnummern an Schulen und dergleichen weitergeben konnten), Druck bei zu vielen Klopausen, 12-Stunden-Schichten, ohne die Möglichkeit der Konversation mit Kollegen.

Vierdimensionaler Blick auf die Zeit

Dies ist eine Seite des Amazon-Herrschers. Die andere Seite – und eher mit einem unternehmerischen Auge angeblickt – ist jene, die Mitte Mai der Autor Michael Simmons auf medium.com entwarf. Auf der Plattform wird behauptet, dass Menschen eines Schlags von Jeff Bezos „Zeit in 4D sehen“, der Rest der Menschheit sie „nur“ eindimensional wahrnimmt. Während die meisten CEOs generell Tage, Wochen oder Monate im Voraus denken, planen Visionäre in Dekaden oder sogar Jahrhunderten, heißt es.

Hohe „failure-Chance“

Nicht bloß das: Menschen wie Bezos stecken ihr Kapital in ihre Ideen hinein, die eine hohe „failure“-Wahrscheinlichkeit haben und dessen Ausgang sie gar nicht miterleben werden. Passend dazu Bezos Aussage: „Ich glaube an einen langen Zeitraum – ich denke dabei an ein paar Hundert Jahre. Ich bin von Jahr zu Jahr überzeugter, dass Blue Origin, die wichtigste Arbeit ist, die ich tue“.

Dieses Zitat, so Medium weiter, übe eine Faszination aus, da Bezos Steckenpferd, Amazon, zu einem der größten Unternehmen der Welt gehört; und weil Blue Origin – auch im Vergleich zu SpaceX – relativ unbekannt ist. Hier soll der US-Amerikaner seine weitsichtige Denkweise, um nicht zu sagen sein „future-mindset“ offenbaren, wenn er sagt: „Ich arbeite daran, weil, wenn wir es nicht tun, enden wir mit einer Zivilisation in Stasis“.

Eine Billion Menschen ins All

Damit spielt er auf die „baldige“ Energiekrise an, die der Welt bevorsteht und appelliert daran, die gesamte Erdoberfläche mit Solarzellen zu bedecken. Dieses „soon“ der Energiekrise beziffert Bezos mit ein paar Hundert Jahren, in denen der Mensch Lösungen für gesteigerte Bedürfnisse finden muss. Denn, wie er sagt: „Nehmen wir das Szenario, in dem wir ins Sonnensystem ziehen. Das Sonnensystem kann leicht eine Billion Menschen vertragen. Und wenn wir eine Billion Menschen hätten, hätten wir tausend Einsteins und tausend Mozarts und unbegrenzte Ressourcen und Solarenergie.“

Bezos plant ein Quartal drei Jahre voraus

Der weitere Text umschreibt, warum Bezos bereit ist Milliarden US-Dollar zu riskieren, bei Projekten dessen ROI Jahre in der Zukunft liegt. Und wie sein long-term-thinking Amazon geschärft hat. Angeblich arbeitet der Gründer – im Gegensatz zu anderen CEOs – nicht am nächsten Quartel, sondern an einem Zeitraum weiter in der Zukunft: „Wenn mir Freunde nach einer vierteljährlichen Gewinnmitteilung gratulieren, sage ich ‚danke‘, aber dieses Quartal wurde vor drei Jahren gebacken‘.  Ich arbeite jetzt an einem Quartal, das im Jahr 2021 stattfinden wird“.

Amazon nur Mittel zum Zweck?

Jeff Bezos wurde als Vieles bezeichnet: Philanthrop, Visionär, gieriger Turbokapitalist. Oft wundern sich Beobachter und Kritiker, warum der „reichste Mensch der Welt“ mit einem der erfolgreichsten Unternehmen der Weltgeschichte Logistikmitarbeiter nicht ausreichend entlohnt, warum er sie ausbeutet und gefährdet. Oder bei Kritik an Arbeitsbedingungen mit Diszplinierungsmaßnahmen droht. Eine Erklärung dafür findet sich vielleicht bei einem Querblick und mündet in einer einzigen Schlussfolgerung: Jeff Bezos ist Amazon egal.

+++ Elon Musk wollte Tesla-Fabrik trotz Lockdown-Verordnung wieder öffnen +++

Vielleicht nicht unbedingt egal, aber scheinbar ist der Online-Shopping-Riese für den Milliardär bloß ein Mittel zum Zweck. Jeff Bezos ist ein „Nerd“. Er steckt unglaublich viel Geld in TV-Fantasy-Produktionen wie „Wheel of Time“ (Das Rad der Zeit) oder einen „Lord of the Rings“-Ableger und gilt als Fan fiktionaler Literatur. Dazu gehört nicht bloß die visuelle Erschaffung mittelalterlicher Gesellschaften mit Magie und Schwert fürs TV, sondern auch der Blick nach oben.

Das Wie ist nicht wichtig?

Wenn Bezos wirklich das 4D-Mindset hat und wie er selbst sagt Blue Origin sein eigentliches Vermächtnis an seine Enkel, Urenkel und der Welt sein soll, dann erweist sich Amazon wohl nur als „Cash-Cow“ für eine größere Sache: Der Eroberung des Alls. In diesem Sinne zählen zweifelhafte Praktiken hinsichtlich Behandlung der Mitarbeiter nicht, die Gefährdung von Leben in einer Pandemie ist nur ein Nebenaspekt ausgerichtet auf ein Ziel, schlechte Entlohnung und Leiharbeiterschaft reihen sich da ebenso mit ein, wie ökologische und weitere Kritikpunkte am Konzern.

„Amazon wird sterben“ – Blue Origin überdauern

„Amazon wird sterben“ hatte Bezos im Laufe der letzten Jahre prophezeit. 2014 sprach er von nur ein paar Dekaden, die große Firmen überstehen, 2017 adressierte er seine Shareholder und sprach von einem schmerzlichen Niedergang und 2018 sagte er laut CNBC „Amazon ist nicht ‚too big to fail‘. Ich kann euch sogar versprechen, dass Amazon eines Tages scheitern wird.“

Bevor das Unternehmen untergeht, wird Bezos es (und alle Beteiligten) solange „ausschlachten“, wie es braucht, um Blue Origin immer wieder und stetig mit Kapital zu versorgen, um die Raumfahrt zu zähmen wie früher Pferde. Und dafür arbeiten, dass seine große Liebe ihn lange überdauert, wenn die Grenzen der Erde längst durchbrochen und er selbst von uns gegangen ist.


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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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AI Summaries

Blue Origin: Die heimliche Liebe von Amazon-Gründer Jeff Bezos

  • Während SpaceX die letzten Wochen die Zukunft der Raumfahrt veränderte und die erste von einem Privatunternehmen gebaute Raumfähre seit 39 Jahren ins All sandte – oder damit wirbt, dass man Touristen mittels „ridesharing“ ab einer Million Dollar ins Weltall bringt, hört man von Bezos Space-Company, die Teil von Bezos Expeditions ist,  relativ wenig.
  • Mit dem Motto „step by step“ ließ man sich drei Jahre Zeit, bis Bezos die Existenz der Firma öffentlich machte.
  • Zehn Jahre später hatte der Amazon-Gründer eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen gesteckt und schlussendlich 2015 den ersten Testflug seines vertikalen Raumgefährts „New Shepard“ vollbracht.
  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
  • Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren.
  • „Amazon wird sterben“ hatte Bezos im Laufe der letzten Jahre prophezeit.

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

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  • Mit dem Motto „step by step“ ließ man sich drei Jahre Zeit, bis Bezos die Existenz der Firma öffentlich machte.
  • Zehn Jahre später hatte der Amazon-Gründer eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen gesteckt und schlussendlich 2015 den ersten Testflug seines vertikalen Raumgefährts „New Shepard“ vollbracht.
  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
  • Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren.
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  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
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  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
  • Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren.
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Blue Origin: Die heimliche Liebe von Amazon-Gründer Jeff Bezos

  • Während SpaceX die letzten Wochen die Zukunft der Raumfahrt veränderte und die erste von einem Privatunternehmen gebaute Raumfähre seit 39 Jahren ins All sandte – oder damit wirbt, dass man Touristen mittels „ridesharing“ ab einer Million Dollar ins Weltall bringt, hört man von Bezos Space-Company, die Teil von Bezos Expeditions ist,  relativ wenig.
  • Mit dem Motto „step by step“ ließ man sich drei Jahre Zeit, bis Bezos die Existenz der Firma öffentlich machte.
  • Zehn Jahre später hatte der Amazon-Gründer eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen gesteckt und schlussendlich 2015 den ersten Testflug seines vertikalen Raumgefährts „New Shepard“ vollbracht.
  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
  • Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren.
  • „Amazon wird sterben“ hatte Bezos im Laufe der letzten Jahre prophezeit.

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Blue Origin: Die heimliche Liebe von Amazon-Gründer Jeff Bezos

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  • Mit dem Motto „step by step“ ließ man sich drei Jahre Zeit, bis Bezos die Existenz der Firma öffentlich machte.
  • Zehn Jahre später hatte der Amazon-Gründer eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen gesteckt und schlussendlich 2015 den ersten Testflug seines vertikalen Raumgefährts „New Shepard“ vollbracht.
  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
  • Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren.
  • „Amazon wird sterben“ hatte Bezos im Laufe der letzten Jahre prophezeit.

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Blue Origin: Die heimliche Liebe von Amazon-Gründer Jeff Bezos

  • Während SpaceX die letzten Wochen die Zukunft der Raumfahrt veränderte und die erste von einem Privatunternehmen gebaute Raumfähre seit 39 Jahren ins All sandte – oder damit wirbt, dass man Touristen mittels „ridesharing“ ab einer Million Dollar ins Weltall bringt, hört man von Bezos Space-Company, die Teil von Bezos Expeditions ist,  relativ wenig.
  • Mit dem Motto „step by step“ ließ man sich drei Jahre Zeit, bis Bezos die Existenz der Firma öffentlich machte.
  • Zehn Jahre später hatte der Amazon-Gründer eine halbe Milliarde US-Dollar in das Unternehmen gesteckt und schlussendlich 2015 den ersten Testflug seines vertikalen Raumgefährts „New Shepard“ vollbracht.
  • Seit 2016 arbeitet Blue Origin mit einem Budget von einer Milliarde US-Dollar jährlich, die Bezos mit dem Verkauf von Amazon-Aktien finanziert.
  • Blue Origin arbeitet dafür an einem dreistufigen Lander, der seine Motoren auf der Mondoberfläche abstellt, um die Last zu erleichtern, wenn es Zeit ist, zur Erde zurückzukehren.
  • „Amazon wird sterben“ hatte Bezos im Laufe der letzten Jahre prophezeit.