Bitpanda holt sich zweite MiCAR-Lizenz (man braucht eigentlich nur eine)
Nach der deutschen Aufsichtsbehörde BaFin gestern erteilt auch die maltesische Behörde MFSA dem Wiener Krypto-Unicorn Bitpanda eine MiCAR-Lizenz. Notwendig wäre das nicht.
Ob nun das MiCAR-Murmeltier bei Bitpanda täglich grüßt? Beim Wiener Krypto-Riesen wollte man offenbar auf Nummer sicher gehen und beantragte bei mehreren europäischen Aufsichtsbehörden eine MiCAR-Lizenz („Markets in Crypto Assets Regulation“ der EU, die Anfang 2025 inkrafttrat). Nach einer Übergangsfrist brauchen Krypto-Unternehmen diese, um in der EU tätig sein zu dürfen.
MFSA aus Malta folgt auf BaFin aus Deutschland
Erst gestern hatte das Unternehmen den Erhalt einer MiCAR-Lizenz durch die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, verkündet, wie brutkasten berichtete. Nun verlautbarte Bitpanda den Erhalt einer weiteren Lizenz durch die Malta Financial Services Authority (MFSA).
Eine MiCAR-Lizenz würde Bitpanda reichen
Notwendig wäre die zweite Lizenz freilich nicht. Schließlich ging es der EU bei MiCAR ja um die Schaffung eines einheitlichen Rahmens für Krypto-Unternehmen in der Union. Entsprechend berechtigt die Lizenz Unternehmen auch, EU-weit tätig zu sein. Unter der Annahme, das Bitpanda zumindest auch noch bei der heimischen Finanzmarktaufsicht FMA um eine Lizenz angesucht hat, vielleicht auch bei Behörden in weiteren EU-Ländern, könnten nun dennoch bald weitere Lizenzen folgen.
Demuth sieht Vertrauen durch Regulatoren bewiesen
Für Co-Founder und CEO Eric Demuth ist die zweite Lizenz in einem LinkedIn-Posting ein weiterer Beweis für das Vertrauen, das Bitpanda bei europäischen Regulatoren genießt. „Dieser Erfolg spiegelt das unglaubliche Engagement unseres Teams wider und unterstreicht das Vertrauen, das die Regulierungsbehörden in ganz Europa in uns setzen. Es stärkt auch unsere Position als Marktführer bei der Navigation durch die vielfältige und fragmentierte Regulierungslandschaft in Europa“, kommentiert er.
Bitpanda-Konkurrenz vielfach noch ohne Lizenz
Anlässlich der gestern kommunizierten Erteilung der MiCAR-Lizenz durch die BaFin hatte es von Demuth auch einen Seitenhieb auf die Konkurrenz gegeben: „Ein wichtiges Detail, das hervorgehoben werden muss: Diese Lizenz hat sofortige Gültigkeit – im Gegensatz zu den von anderen Krypto-Plattformen angekündigten In-Principle Approvals, die weder gültig sind noch überhaupt existieren.“
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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