17.09.2025
AUSZEICHNUNG

Wiener Biotech-Startup Rockfish gewinnt BOKU-Preis – und warnt vor Abwanderungen

Das Wiener BOKU-Spin-off Rockfish holte sich den diesjährigen BOKU-Startup-Preis in Höhe von 3.000 Euro. Im Mai dieses Jahres wurde es außerdem mit dem S&B Award ausgezeichnet. Das Biotech forscht im Bereich des gesunden Alterns und will dem menschlichen Körper alternde Zellen entziehen.
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Vizerektor der BOKU für Forschung, Christian Obinger, überreicht den BOKU-Startup-Preis an zwei Co-Founder von Rockfish: Johannes Grillari und Ingo Lämmermann | Foto: Rockfish

Der BOKU-Startup-Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und wird jährlich an Startups verliehen. Ausgezeichnet wird die beste Startup-Idee mit BOKU-Bezug, die zur Gründung führte.

Dieses Jahr hat das Wiener Startup Rockfish den Hauptpreis des BOKU-Startup-Awards mit nach Hause genommen. Prämiert wurde das Biotech für seine Forschung im Bereich „Gesundes Altern“.

Rockfish gewinnt bereits zweiten Preis dieses Jahr

Gegründet wurde Rockfish von Ingo Lämmermann, Johannes Grillari, Otto Kanzler und Thomas Streimelweger im November 2021. Gründungspartner sind die BOKU, MedUni Wien sowie das Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie.

Das Startup ergattert damit nicht seinen ersten Preis. Bereits im Mai dieses Jahres wurde Rockfish mit dem S&B Award 2025 ausgezeichnet. Als Hauptsieger des Awards holte sich das Jungunternehmen ein Preisgeld des Rudolf Sallinger Fonds in Höhe von 20.000 Euro. Außerdem schaffte es Rockfish in die Top 3 der Kategorie „Spin-offs“ des österreichischen Gründerpreises Phoenix.

Gesundes Altern durch Tötung alter Zellen

Die Forschung des Startups spezialisiert sich auf Gesundheitsprobleme und Krankheiten, die vor allem im Alter auftreten. Das BOKU-Spin-off entwickelt dafür nämlich eine Behandlung, die gealterte Zellen gezielt entfernen können soll. Gealterte Zellen gelten nämlich als eine der entscheidenden Ursachen bei altersbedingten Krankheiten.

Bereits im Jahr 2021 holte sich Rockfish Bio die aws-Preseed-Förderung. Konkret hat das Gründungsteam rund um den Biotechnologen Lämmermann einen neuen Stoffwechselweg – zu Englisch „Pathway“ – identifiziert, der für diverse Zellalterungsprozesse verantwortlich ist. Dieser ist auch bei vielen altersbedingten Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Nierenerkrankungen überaktiviert.

Effektiv und ohne Nebenwirkungen

Im Fachjargon bedeutet das: Der von Rockfish identifizierte Pathway kann zur Entwicklung von sogenannten senolytischen Wirkstoffen eingesetzt werden. Eine senolytische Wirkung bedeutet die Fähigkeit zu haben, alternde Zellen zu zerstören. Genau darum dreht sich die Forschung des Startups.

Derartige Wirkstoffe, die alternde Zellen gezielt absterben lassen, sind im klinischen Gebrauch bereits täglich in Anwendung und zeigen meist auch nur sehr geringe Nebenwirkungen. Rockfish hat dazu nun einen Pathway identifiziert, der hohe Effektivität bei keinen oder nur sehr geringen Nebenwirkungen aufweisen und gesunde Zellen nicht schädigen soll.

Sprung in den Markt unterstützen, „sonst drohen Abwanderungen“

Johannes Grillari, Professor an der BOKU und Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Traumatologie sowie Mitgründer von Rockfish, hebt das große Potenzial von senolytischen Wirkstoffen hervor, fordert allerdings auch dementsprechende Rahmenbedingungen am Markt: „Innovative Forschung braucht sichere Rahmenbedingungen in Österreich.“ Startups müsse der Sprung von der Forschung in den Markt ermöglicht werden, so Grillari weiter. „Ansonsten drohen Abwanderungen ins Ausland solcher Branchen mit hohem Potential für den Wirtschaftsstandort.“

„Die Förderung von Forschung zahlt sich wirtschaftlich für den Standort aus“, bestärkt Ingo Lämmermann. „Daher muss Wissenschaftstransfer als strategisches Ziel nachhaltiger Standortpolitik etabliert werden“, so der Mitgründer weiter.


Infos zum BOKU-Startup-Preis

Startups müssen zur Qualifikation für den BOKU-Startup-Preis folgende Kriterien erfüllen:

  • Die Gründer:innen müssen an der BOKU studiert und mit ihrem erworbenen Wissen ein Startup gegründet haben.
  • Die Gründer:innen arbeiten oder haben an der BOKU gearbeitet.
  • Die Gründungsidee wurde mit BOKU-Expert:innen perfektioniert.

Prämiert werden „beispielhafte Leistungen bei der Entwicklung neuer Geschäftskonzepte“, heißt es vonseiten der BOKU weiter. Hierbei legt die Jury einen besonderen Wert auf Gründungen mit gesellschaftlichem Mehrwert oder dem Beitrag zur Erreichung der SDGs (Sustainable Development Goals).

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Startups im DefenseTech Bereich könnten einen Aufschwung erleben. (c) pexels

In Österreich unterliegen Rüstungsbetriebe strengen Export- und Herstellungskontrollen, primär geregelt durch das Kriegsmaterialgesetz und das Außenwirtschaftsgesetz. Um der Rüstungsindustrie die Arbeit zu erleichtern, will Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) die gesetzlichen Rahmenbedingungen nun lockern. Unsicherheiten sollten entfernt werden und Exporte schneller und einfacher über die Bühne gehen, so der Minister gestern gegenüber der „Zeit im Bild“ (ZIB) des ORF bei einem Besuch eines Rheinmetall-Werks in Wien. Die Finanzierung von Rüstungssaufträgen sei ein wesentliches Finanzierungsvehikel für heimische Industrie und Betriebe.

„Neutralität ist oberstes Gut“

Gleichzeitig sagte er, dass diese Schritte keinen Einfluss auf die Neutralität haben sollen. „Die Neutralität ist oberstes nationales Gut, das es zu schützen gilt. Wir dürfen aber durch die Neutralität nicht in eine Situation kommen, dass unsere Betriebe gewisse Aufträge nicht abarbeiten können.“

Ob sich die strikte Trennung von wirtschaftlichem Profit und militärischer Neutralität in Österreich in der Realität so aufrechterhalten lässt, wie es die Politik erhofft, bleibt angesichts der verankerten juristischen Hürden abzuwarten. Für die heimischen Startups und Unternehmen im Defense- oder auch Dual-Use-Bereich sind die geplanten Lockerungen jedenfalls eine Chance, sich auf dem europäischen Markt noch stärker zu etablieren.

Diskretion und Dual Use

Dass die Vereinbarkeit von wirtschaftlichem Potenzial und der Neutralität in Österreich nicht gerade einfach ist, wissen auch Founder:innen. Dem Thema DefenseTech wird in Österreich traditionell mit großer Diskretion begegnet. Kein Wunder, hat sich das Land schon vor 71 Jahren der Neutralität verpflichtet. Reine DefenseTech-Startups findet man hierzulande kaum, die meisten agieren im sogenannten „Dual Use“-Bereich. Das bedeutet, ihre Produkte lassen sich nicht ausschließlich im militärischen, sondern auch im zivilen Bereich einsetzen. Neben dem teils kritischen Ansehen der Industrie, gibt es weiters auch Strafen für Unternehmen, wenn deren Produkte für Kriegsparteien bereitgestellt werden.

3,3-Milliarden-Euro-Industrie

Trotz der strengen Auflagen leistet die Rüstungsindustrie in Österreich ihren wirtschaftlichen Beitrag: Laut Industriemagazin erwirtschaftet die Branche jährlich etwa 3,3 Milliarden Euro und damit 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und es haben sich in den letzten Jahren auch einige Startups im DefenseTech- oder verwandten Bereichen etabliert, die von den Lockerungen profitieren könnten. Viewpointsystem, CycloTech oder Drone Rescue Systems, um ein paar zu nennen – wohl gemerkt alle drei im genannten „Dual Use“-Segment.

Wie groß das Potenzial ist, das durch solche Lockerungen entfesselt werden kann, zeigt ein Blick über die Grenze. Im Nachbarland Deutschland boomt die DefenseTech-Branche. Erst gestern berichtete brutkasten über ein 1,6 Mrd. Euro schweres Investment in das Münchner KI-DefenseTech-Scaleup Helsing – der neue Deutschland-Rekord. Das Unternehmen für Drohnen und unbemannte Kampfflugzeuge wird nun mit 18 Mrd. US-Dollar bewertet. Zuvor holte der Münchner Drohnenhersteller Quantum Systems 1,2 Mrd. US-Dollar.

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