29.08.2025
STRATEGIE

Biotech in Austria: Akademische Klauen versus Target-Strategie

In der Ausgründungsphase kann sich die österreichische Biotech-Szene sehen lassen – doch spätestens bei der Folgefinanzierung und dem Markteintritt beginnen die Probleme: Falsch verhandelte Term Sheets, ein plattformbasierter Fokus und mangelhafte oder fehlende Target-Strategien stellen Gründer und Gründerinnen solcher Startups oftmals vor Kernprobleme und können die Existenz gefährden. Die Lösung dafür: das akademische Denken sein lassen.
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Biotech, Biotech in Österreich
© Abundance Gate - Timur Topalgoekceli (l.) und Thomas Holzhuber von Abundance Gate.

Die Uhr tickt. Der nächste Telefonanruf trudelt ein. Geldgeber haben wenig Geduld und wollen Ergebnisse sehen; Zahlen. Und sie wollen wissen, wann das Produkt marktreif ist und in die Regale kann, oftmals mit dem Exit im Hinterkopf, um eingesetztes Kapital mit einer schmackhaften Rendite wiederzubekommen – wie es ihrer Logik entspricht und auch so im Term Sheet niedergeschrieben oder zumindest angedeutet ist. Geduld ist das ungeliebte Stiefkind der Startup-Szene – nicht zu Unrecht, denn Geschwindigkeit kann oftmals positive Effekte haben, wenn Startups flexibel, wachstumsstark, anpassungsfähig und (um den Begriff zu bemühen) innovativ agieren. Biotech allerdings hat als Teil der hiesigen Szene ein Problem damit – eines, das bereits bei der Ausgründung immanent wird und später schreckliche Konsequenzen zur Folge haben kann.


Dieser Text ist im brutkasten-Printmagazin von August 2025 “Schubkraft” erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


1,7 Mrd. € Umsatz

Laut dem Statista Research Department gewinnt der Sektor Biotechnologie in Österreich an Bedeutung. So stieg die Anzahl der Biotech-Unternehmen in der Republik bis 2024 auf 191 Firmen an; im Jahr 2012 waren es noch unter 100 Unternehmen. Insgesamt waren im Jahr 2024 in der Biotech-Industrie 3.316 Mitarbeitende beschäftigt. Rund zwei Drittel der Biotechnologieunternehmen sind im Bereich der Gesundheit bzw. Medizin angesiedelt, weitere Anwendungsgebiete sind die industrielle und landwirtschaftliche Biotechnologie sowie die Bioinformatik.

Im Vorjahr erwirtschaftete die Branche hierzulande rund 1,7 Mrd. € Umsatz – ein Plus von rund 68 Prozent seit 2020. Viele Unternehmen forschen im Bereich der medizinischen Biotechnologie und entwickeln Impfstoffe und andere Medikamente bis hin zu Zell- und Gentherapie. Wien gilt dabei als Zentrum und beherbergt etwa 15 Institute in den Feldern Molekularbiologie und Biotechnologie, darunter die BOKU mit mehreren Standorten, das AKH Wien, das Zentrum für Molekulare Biotechnologie und weitere Forschungseinrichtungen.

Diese starke akademische Basis in der Hauptstadt führt zu vielen Ausgründungen, oft mit kleinen Laborflächen von bis zu 500 Quadratmetern, wie Thomas Holzhuber, CEO des Biotech-Inkubators Abundance Gate, erläutert.

„Es gibt eine sehr hohe Förderquote durch Institutionen wie die FFG (Forschungsförderungsgesellschaft, Anm.) und die aws (Austria Wirtschaftsservice, Anm.), wodurch die Gründung von Unternehmen erleichtert wird. Die Fördervolumina reichen von kleinen Beträgen, 100.000 €, bis zu solchen in Millionengröße“, sagt er. „Viele Unternehmen gründen sich in Wien, forschen hier und bilden Mitarbeiter aus. Nach der Startphase werden jedoch oft intensivere Finanzierung und mehr Platz benötigt, um zu skalieren und zu wachsen.“ Außer Basel, Zürich, London oder Cambridge gebe es in Europa kaum vergleichbare Cluster-Orientierungen.

Ein wesentlicher Vorteil der Hauptstadt sei besonders die tiefe akademische Basis, verbunden mit einem aktiven Life-Sciences-Netzwerk. Stärken hat der Standort Wien insbesondere bei grundlegenden Forschungsergebnissen aus Bereichen wie mRNA-Technologien, CRISPR-Cas9 („Gen-Schere“) oder der Rückführung von Stammzellen zu Organoiden.

Biotech-Startups mit Plattform-Strategie

Um die späteren Schwierigkeiten zu verstehen, muss man jedoch wissen, dass viele Biotech-Startups von Anfang an eine sogenannte Plattform-Strategie verfolgen. Das heißt: Sie entwickeln etwa ein bestimmtes Molekül, das potenziell gegen verschiedene Krebsarten wirken könnte. Dann versuchen sie, gleichzeitig mehrere Indikationen oder Anwendungen zu etablieren.

„Diese Strategie hat ihren Ursprung im akademischen Denken. In der Wissenschaft sucht man möglichst viele Lösungsansätze, um das wissenschaftliche Risiko breit abzusichern“, erklärt Holzhuber. „Am Markt jedoch funktioniert diese Logik nicht: Investoren wollen fokussierte Targets, die klar auf eine konkrete Indikation oder Anwendung ausgerichtet sind. Plattformansätze gelten bei Investoren als schwer finanzierbar, da sie zu unspezifisch sind und hohe Folgeinvestitionen erfordern.“

Holzhuber und sein Co-Founder Timur Topalgoekceli wollen deswegen mit ihrem Inkubator Startups dabei helfen, sich von einer breiten Plattform-Logik hin zu klar abgegrenzten Targets zu entwickeln. Dies könne als Lösung auch bedeuten, dass ein Startup in mehrere Subunternehmen aufgeteilt und jedes „Target“ eigenständig weiterentwickelt und so für Investoren wesentlich attraktiver werde.

Falsch verhandelte Term Sheets

„Ich sehe immer wieder falsch verhandelte Term Sheets, die später katastrophale Folgen haben – vor allem, wenn es um Folgefinanzierungen geht. Schlechte Bedingungen können dazu führen, dass Unternehmen in späteren Runden nicht mehr attraktiv sind oder gar nicht erst weiter finanziert werden“, sagt Topalgoekceli.

Ein Beispiel war jüngst die Insolvenz des Wiener Biotechs Arkeon, das mittels Gasfermentation mit Archaea-Mikroben im Bioreaktor Kohlendioxid in Aminosäuren umwandelte.

Begonnen hatten die Probleme mit einer geplatzten Finanzierung im zweistelligen Millionenbereich im Juni 2024. Arkeon war damals breit aufgestellt: Das Startup wollte in seinem Verfahren aus CO₂ viele Aminosäuren fermentieren und damit auch gleich mehrere proteinreiche Produkte entwickeln. Dabei setzte man auf eine Portfolio-Strategie.

„Investoren und VCs suchen jedoch keine Portfolios, die haben sie selber“, sagt Holzhuber. Aus seiner Sicht wäre es strategisch sinnvoller gewesen, alle Ressourcen – Kapital, Team und Zeit – gezielt zu bündeln, um dann mit aller Konzentration für einen Innovationstransfer bereitzustehen. „Hier lag der Fokus (Anm.: kurz vor der Insolvenz als Rettungsversuch) auf einer Aminosäure und darauf, jene in Industrie-Volumen in Stabilität und Qualität herzuleiten. Am Ende wurde dann eine kleinere Finanzierungsrunde für zwei Jahre angestrebt, mit dem Blick auf die eine Säure und industrielle Pilotentwicklung. Diese Runde hat jedoch aufgrund der zurückhaltenden Investor:innen nur eine Quote von 80 Prozent erreicht. Damit war die Timeline für ein ausreichendes Ergebnis in Stabilität und Qualität nicht umsetzbar“, erklärt Holzhuber.

Arkeon-Founder Gregor Tegl erklärte die Situation im Juni gegenüber brutkasten in einem Statement folgendermaßen: „Letztlich sahen wir uns – angesichts der derzeit herausfordernden makroökonomischen Rahmenbedingungen (…) und eines zunehmend zurückhaltenden Investitionsklimas – zu diesem Schritt gezwungen.“

Eine Lehre, die man aus diesem Fall ziehen könnte: Plattformansätze mögen zwar wissenschaftlich spannend sein, doch für den Markt braucht es – als Vision von Anfang an – enge, klar definierte Targets, auf die man sich konsequent konzentriert.

Richtig aufgestellt statt Massenziele

Wie dieses Beispiel zudem verdeutlicht: Es sollte nicht zwangsweise die Strategie sein, den Biotech-Markt mit Fülle zu überschütten. Stattdessen empfiehlt es sich, ein tiefes technisches Verständnis zu entwickeln sowie Startups in diesem Bereich von Anfang an strategisch richtig aufzustellen – und sich prinzipiell von akademischen Klauen zu lösen.

„Wenn du an der Universität forschst, geht es in erster Linie darum, das wissenschaftliche Risiko zu minimieren“, erklärt Topalgoekceli. „Wenn man dann ein Startup gründet, kommt man in die Kommerzialisierungsphase, in der man zuallererst beweisen muss, dass das ursprüngliche Konzept beziehungsweise die Technologie auch tatsächlich marktfähig ist. Risikominimierung als einer der größten Brocken funktioniert hier zunächst über die Förderstellen und EU-Programme, also meist eigenkapitalfreie Finanzierungen. Sobald man aber in die Venture-Fonds-Phase eintritt, beginnt das Ticken der Zeit.“

Mit dieser Aussage spricht der Co-Founder jene Logik an, die Investor:innen mitbringen: Sie wollen in wenigen Jahren Ergebnisse sehen. Sie fragen nach Verkaufszahlen, obwohl sich Biotechs meist noch in präklinischen Phasen befinden, wo es um Reinheitsgrade, Stabilität und technische Skalierung geht. Sowohl Gründer:innen als auch Investor:innen sollten daher vorab wissen, dass es enorme Ressourcen braucht, sobald ein Unternehmen einen Plattformansatz verfolgt, also nicht nur ein einzelnes Wirkstoff-„Target“, sondern eine breite Technologie.

Bis zu zwölf Mio. € pro Programm

Allein in der präklinischen Phase könnten dafür fünf bis zwölf Mio. € pro Programm benötigt werden. „Oft sind bei Plattform-Startups gleich mehrere präklinische Programme – etwa sieben – nötig, um die volle Breite der Plattform zu zeigen“, sagt Holzhuber.

Warum Biotechs auf diesen breiten Ansatz setzen, liegt daran, dass viele Gründer:innen aus der Wissenschaft kommen und darin bestärkt werden, breit zu denken und viele Hypothesen gleichzeitig zu verfolgen. Was dabei übersehen wird: Die Industrie zeigt wenig Interesse an nicht target-orientierten Firmen. Holzhuber nennt es „Wahnsinn, was hier alles in der Forschung passiert“, und appelliert daran, in diesem Bereich einen Mindset-Shift zu vollführen: Statt nur Forschungsergebnisse zu sammeln und breit zu streuen, müsse die Denkweise stärker in Richtung Technologiereife (TRL – Technology Readiness Level) entwickelt werden; und Ergebnisse so aufbereitet, dass sie für die Industrie greifbar und sofort anwendbar sind.

„Forscher sprechen oft nicht gerne über ihre Fortschritte, weil sie sehr evidenzorientiert arbeiten. Dadurch wird es noch schwerer, ihre Arbeit nach außen hin verständlich und investierbar zu machen“, erklärt Holzhuber. Es müsse schlicht und einfach die Art und Weise, wie Gründer:innen aus der Forschung ihre Ergebnisse kommunizieren und strategisch aufstellen, grundlegend verändert werden, damit mehr Kapital in die Biotech-Szene fließt.

Maßnahmenpaket 2025–2027

In diesem Sinne hat die Plattform Biotech Austria, der Interessenverband der österreichischen Biotechnologiebranche, ein Maßnahmenpaket für die Jahre 2025–2027 vorgeschlagen; mit dem Ziel, die Voraussetzungen für Kapital, Infrastruktur und Forschung in der Biotechnologie substanziell zu verbessern und Österreich zu einem Zentrum für Biotechnologie-Innovation und Wettbewerbsfähigkeit zu transformieren.

Man richtet sich direkt an die Politik: „Die Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen wie beispielsweise in Frankreich, Großbritannien und den USA, die Investments auch für Versicherungen und institutionelle Anleger ermöglichen, wäre ein erster Schritt, um auch in Österreich mehr Kapital für die Biotechnologiebranche zur Verfügung zu stellen. Ein großes Potenzial für Investitionen bieten private Pensionsversicherungen, denen es ermöglicht werden sollte, bis zu fünf Prozent ihres Vermögens in innovative, nicht börsennotierte Unternehmen zu investieren“, liest man darin als Lösungsvorschlag.

Weitere Forderungen des Maßnahmenpakets umfassen die Optimierung der FlexCo-Gesetzgebung, eine verbesserte Umsetzung von Grundlagen in die unternehmerische Forschung sowie die Stärkung der Forschungsförderung im Bereich Life Sciences.

Learnings für die Biotech-Szene

So weit zur Finanzierungsfrage. Was jedoch bereits in der „Pre-founding“- und „Pre-funding“-Phase mitgedacht werden sollte, lässt sich in folgenden „Learnings“ zusammenfassen:

Man muss als Forscher:in von Anfang an geeignete Investor:innen bestimmen, die bereit sind, die gemeinsame Strategie mitzutragen. Term Sheets sollten auf Augenhöhe verhandelt werden, wie Holzhuber betont: „Gründer müssen die Mehrheit behalten, dabei aber das Interesse der Investoren verstehen; ebenso ihre Sprache und ihre Bedingungen.“

Zudem bedarf es eines klaren Plans mit dem Fokus auf eine wissenschaftlich-technologische Lösung:

„Das Investment muss ausreichen, um die ‚Runrate‘ für ‚diese eine Entwicklung‘ (Anm.: des Produkts) abzudecken, untermauert mit einem fundierten Businessplan und Meilensteinen für den ‚Use of Fund‘. Die wissenschaftliche Technologie und den damit verbundenen Business Case muss man in verständlicher Form aufbereiten, mit Geschäftsdynamik, SWOT-Analyse – Strengths, Weaknesses, Opportunities und Threats –, definierten Meilensteinen, einer ‚Runrate‘ und belastbaren Assets“, rät Holzhuber künftigen Gründer:innen, um als Biotech in Österreich zu bestehen.

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Cécile Deterre (Co-Founderin von Blue Planet Ecosystems) und Renaud Viot (CEO und Co-Founder des Startups Lynxia) führen La French Tech Vienna als Co-Präsident:innen | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Im Foyer der französischen Botschaft in Wien läuft an diesem Abend ein Gast auf vier Beinen über den Marmorboden. Auf seinem Rücken sitzt ein Kamerakopf, daneben ragt eine Funkantenne hervor. Im Hintergrund stehen drei Flaggen: die französische, die europäische und die österreichische.

Der Hausherr hält es an diesem Abend betont analog. „Ich muss sagen, meine Rede wurde nicht von ChatGPT geschrieben, sondern von Menschen“, sagt Botschafter Matthieu Peyraud zur Begrüßung. Dann wird er grundsätzlich: Technologische Souveränität lasse sich nur auf europäischer Ebene erreichen, kein Mitgliedstaat schaffe das allein.

Der Anlass für Roboter und Rede am 8. Oktober: der offizielle Start von La French Tech Vienna, laut Peyraud der ersten French-Tech-Community in Österreich. Sie ist Teil von La French Tech, einem Netzwerk mit nach eigenen Angaben mehr als 100 Communities in Frankreich und weltweit, das großteils von Freiwilligen getragen wird.

Zwei Jahre Pilotphase

Neu ist die Initiative nicht. Sie lief zuvor unter dem Namen French Startups Vienna. Peyraud bezeichnet diese Phase in seiner Rede als „eine Art Pilotprojekt“. Seit rund zwei Jahren bringt sie französische und österreichische Gründer:innen, Forschende und Investor:innen zusammen.

Der französische Botschafter Matthieu Peyraud eröffnete am 8. Oktober den offiziellen Start von La French Tech Vienna in der Botschaft in Wien. Seine Botschaft: Technologische Souveränität gelingt nur auf europäischer Ebene. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

„Wir haben sehr klein angefangen, nur mit französischsprachigen Leuten, die mehr über Tech sehen und hören wollten“, sagt Renaud Viot im Gespräch mit brutkasten. Er ist Co-Präsident von La French Tech Vienna und CEO des Startups Lynxia. Er versteht die Initiative als Community: Die Mitgliedschaft ist kostenlos und steht österreichischen wie französischen Startups offen. „Wir verlangen nur, dass die Leute entweder neugierig auf Tech sind oder bereit, ihr Wissen über Tech zu teilen“, sagt er. Das Kernformat sind regelmäßige Events.

Souveränität als Leitthema

Inhaltlich steht der Abend im Zeichen technologischer Souveränität. Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, Cybersicherheit, Halbleiter und Dateninfrastrukturen seien zu strategischen Gütern geworden, sagt Peyraud. Frankreich und Österreich hätten starke Forschungseinrichtungen wie das französische CNRS und das AIT Austrian Institute of Technology. Die gemeinsame Herausforderung sei, wissenschaftliche Exzellenz in globale Technologieführerschaft zu übersetzen. Zu oft gelinge es europäischen Innovationen nicht, im Tempo und in der Größe der internationalen Konkurrenz zu skalieren.

Als Beleg dafür, dass es anders geht, nennt der Botschafter Mistral AI. Die Übernahme des Linzer Startups Emmi AI durch Mistral AI zeige, wie Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern ihre Expertise bündeln. Sie unterstreiche zudem die technologische Stärke Österreichs.

„Noch nicht so sehr am Radar“

Wo es konkret hakt, schildert Arnaud Béasse. Der Managing Director von 1764 Advisory kümmert sich in der Community um die Investorenbeziehungen. „An erster Stelle möchte ich Investoren mit Startups verbinden“, sagt er im Gespräch mit brutkasten. Das gelte in beide Richtungen. Österreicher:innen nach Frankreich zu bringen, habe bisher sehr gut funktioniert. Die größere Aufgabe sei nun der umgekehrte Weg: französische Investor:innen auf das aufmerksam zu machen, was in Österreich entsteht. Das sei bei ihnen „noch nicht so sehr am Radar“.

Das österreichische Deep-Tech-Startup iono Robotics aus Linz hat mit dem WORKMATE den ersten humanoiden Arbeitsroboter „Made in Austria“ entwickelt. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Béasse nennt dafür mehrere Gründe. Größere Fonds würden oft mit Teams aus Deutschland auf Österreich schauen. „Das genügt nicht“, sagt er. Dazu komme bei manchen Venture-Capital-Fonds die Angst vor der Sprachbarriere. Bei Business Angels sei diese Hürde noch höher.

Seine Rolle sieht Béasse deshalb nicht nur im Vermitteln von Kontakten. Es gehe darum, Investor:innen auch beim Ökosystem und bei der Kultur zu begleiten. Aus französischer Sicht sehe man in Europa zuerst Spanien, Italien, Deutschland und die Benelux-Länder. Österreich müsse man erst aus dem Schatten von Deutschland und der Schweiz holen.

Acht Startups aus Frankreich und Österreich pitchten vor dem Publikum in der französischen Botschaft, abgestimmt wurde per Smartphone. | (c) Emma Brycove/Französische Botschaft in Österreich

Chancen sieht er bei Corporate Venture Capital. Französische Konzerne seien in Österreich vertreten. Hier gebe es derzeit viele Innovationen in den Bereichen Defense und Dual Use, die für solche Gruppen interessant seien.

ABA will Brücke zwischen den Ökosystemen schlagen

Auf österreichischer Seite ist die Austrian Business Agency (ABA) eingebunden. Verena Gruber, Director Western Europe, ist außerordentliches Mitglied im Board der Community. Als Standortagentur der Republik sei die ABA dafür da, französische Startups dabei zu unterstützen, die Chancen in Österreich zu entdecken, sagt sie im Gespräch mit brutkasten. Mit La French Tech Vienna habe man nun „ein tolles Tool“, um Verbindungen herzustellen, bei Investments ebenso wie bei Kooperationen mit Corporates. Am Tag nach dem Launch standen laut Programm Besuche bei der ABA, der Wirtschaftsagentur Wien und ecoplus sowie eine Führung durch die AI Factory Austria (AI:AT) auf dem Plan.

Die Initiative ist noch sehr jung. Als Beispiel dafür, was möglich ist, nennt auch Gruber den Emmi-AI-Deal. Er zeige die Kompetenz Österreichs bei Industrial AI. „Das ist eine Nische, worauf wir uns auch sehr stark konzentrieren können“, sagt Gruber. Damit könne Österreich auch einen Beitrag zur europäischen Souveränität bei Technologie leisten.

Acht Startups auf der Bühne

Nach den Reden pitchen acht Startups, das Publikum stimmt per Smartphone ab. Aus Frankreich kommen Proxima, VirtualBrowser, PleIAs und Manabou, aus Österreich Cyberaci, Eustella, Prop Corn und Ablatic. Sechs der acht ordnet die Event-Website dem Thema Souveränität zu, von europäischen Sprachmodellen bis Cybersecurity.

Manche der französischen Startups sehen laut Renaud Viot einen Market Fit mit Österreich, andere suchen einen Partner vor Ort, wieder andere haben hier bereits Kund:innen. Die beiden Ökosysteme seien einander ähnlich, beide seien stark bei Spinoffs und in der Forschung. Gemeinsam könne man einander „zu Partnern statt zu Konkurrenten“ machen, sagt Viot.

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