26.05.2020

Bikemap-GF Natmessnig: „Zeiten des Rads als reine Wochenendbeschäftigung sind vorbei“

Die Fahrrad-Navi-Plattform Bikemap hat mit seiner Bewertung von zehn Millionen Euro für Aufregung bei "2 Minuten 2 Millionen" gesorgt. Und für noch mehr erhobene Augenbrauen, als sie drei Millionen Euro Werbe-Budget von 7 Ventures ablehnten. Geschäftsführer Matthias Natmessnig erklärt, wieso er diese Bewertung als fair empfindet und was andere Scale-ups mit der Absage ans Medien-Budget zu tun haben.
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(c) Kelag/Daniel Waschnig - Bikemap-CEO Matthias Natmessnig mit Astrid Koger, Head of Marketing.

Das Finale der siebten Staffel von „2 Minuten 2 Millionen“ endete beinahe wie gemalt: Das letzte Startup forderte zwei Millionen Euro für 20 Prozent Anteile. Doch „Nomen war hier nicht Omen“ und Bikemap erhielt kein Investment. Auch Daniel Zechs Angebot von drei Millionen Euro Werbe-Budget für 25 Prozent Beteiligung wurde von Geschäftsführer Matthias Natmessnig abgelehnt.

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„Media for Equity-Deals“ unpassend für Bikemap

„Bereits im Vorfeld der Sendung habe ich mich intensiv mit österreichischen Scale-Ups unterhalten, die auch mit ‚Media for Equity‘-Deals gearbeitet haben. Für uns war schnell klar, dass so ein Modell nicht zur aktuellen Unternehmensphase beziehungsweise sehr internationalen Umsatzstruktur von Bikemap passt. Organisch Wachsen heißt für uns mit einem überlegenen Produkt Mehrwert für den User bringen – und so monatlich mehrere hunderttausend Downloads zu generieren“, sagt der Geschäftsführer.

Neuausrichtung 2018; Mobile & Subscription

Bikemap existiert seit 2014 und hat sich vor über zwei Jahren neu ausgerichtet. Gründer Christoph Hinterplattner hat das Unternehmen durch die Fahrrad-Saisonen 2015 bis 2017 geführt und es aufgebaut. Erst mit dem Fokus-Shift 2018 auf Mobile und „Subscription“ war dem Team klar, es braucht einen Führungswechsel. Und Natmessnig übernahm das Lenkrad. „Christoph ist nach wie vor Shareholder und wir stehen in regelmäßigem Austausch“, sagt er.

„b2b-Sales sollen andere machen“

Die letzten beiden Jahre von Bikemap waren gekennzeichnet durch den strikten Fokus auf die Kernkompetenzen wie Natmessnig weiter ausführt: „Wir sind ein kleines Team von in erster Linie Software-Entwicklern, deshalb war klar, b2b-Sales sowie ‚Affiliate-Modelle‘ sollen besser andere machen. Bikemap brilliert mit einer Fahrradnavigation und Karte am Smartphone, die auf ‚User Generated-Content‘ aufbaut und weltweit mit minimalen Grenzkosten skalierbar ist. Mit diesem Modell machen wir von Wien aus in über 70 Ländern und auf zwölf Sprachen Umsätze. Auch in Zukunft werden wir zu vielen vermeintlich guten Ideen bewusst ‚Nein’” sagen, um den Fokus zu wahren“, sagt er.

Hohe Bewertung stößt Investoren vor den Kopf

Eines dieser „Neins“ war beim Finale von „2 Minuten 2 Millionen“ zu sehen, doch bereits vorher gab es Aufregung. Bikemap hatte sich gleich zu Beginn des Pitchs mit einer zwei Millionen-Forderung für 20 Prozent Firmenabgabe bei den Investoren vorstellig gemacht – und damit etwa Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner irritiert, bei dem man das Gefühl hatte, er würde das Startup gerne sofort wieder hinauskomplimentieren.

„User Generated Navigation“ mit hohem Potential

Natmessnig und sein Team denken heute noch, dass ihr Angebot an die TV-Juroren legitim war. „Das Thema Fahrrad wird gerne unterschätzt, doch ich bin davon überzeugt, im Bereich ‚User Generated Navigation‘ liegt ungeahntes Potential“, sagt der Entrepreneur und verweist auf ein Beispiel aus den USA.

Moovit für 900 Millionen US-Dollar verkauft

Wie Techcrunch Anfang Mai berichtete, akquirierte Intel das israelische Startup Moovit für rund 900 Millionen US-Dollar. „Insofern war die damals ausgerufene Bewertung eine mehr als faire Einladung, am massiven Wachstum im Fahrrad-Segment zu partizipieren“, so Natmessnig weiter.

Hauptgesellschafter Speedinvest

Ein weiterer diskursiver Punkt, den Haselsteiner in der Show aufgriff, war, dass Hauptgesellschafter Speedinvest (über 48 Prozent Beteiligung) nicht diese geforderten zwei Millionen selbst finanziere. „Bikemap und Speedinvest marschieren seit 2015 Seite an Seite. Wir sind Teil von Si2, ein Seed-fokussierter VC-Fonds. Der kann und will keine ‚Series A follow-ons‘ anführen“, erklärt Natmessnig.

Neue Bikemap-Features

Auch ohne Investment und „Paid Marketing“ scheint die Fahrrad-App auf dem richtigen Weg zu sein. Neue Features beinhalten: Optimiertes Routing für Rennrad und Mountainbike, spezielle weltweite Fahrrad-Karten, 3D-Routenvorschau, Dark Mode, Bikecomputer-Ansicht oder auch Siri-Shortcuts.

„Ein bis zweimal pro Monat gibt es eine neue Version in den App-Stores. Wir arbeiten laufend an der Verbesserung der bestehenden Funktionen und Entwicklung von neuen Features. Regelmäßig setzen wir die am häufigsten gewünschten Funktionen aus der Community um. Gerade sind wir an einem großen spannenden ‚Release‘ dran, welcher monatelange Planung und Umsetzung erfordert hat“, erklärt Natmessnig, der mit dem bestehenden Bike-Boom eine große Vision für Bikemap im Sinn hat.

Fahrrad durch Corona-Krise neu entdeckt

„Befeuert durch die immer beliebter werdenden e-Bikes sind Radfahrer mittlerweile regelmäßig mit Smartphone-Halterung sowie Zusatz-Akku unterwegs. Die Zeiten des Rads als reine Wochenendbeschäftigung sind definitiv vorbei“, zeigt sich Natmessnig überzeugt

„Das nächste Ziel ist es, den vielen Millionen Menschen weltweit, die im Rahmen der Corona-Krise das Fahrrad (wieder-)entdeckt haben, eine praktische und zugängliche Navigationslösung zu bieten. Langfristig ist das Ziel, dass wird dafür keine separate Bikemap-App mehr ausspielen, weil wir direkt in Google Maps integrieren“.


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(v.l.) Wholomics-Geschäftsführer Patrick Strasser und Maximilian Schneider | © Wholomics GmbH

Es ist wohl eine der schockierendsten Nachrichten, die man erhalten kann: Diagnose Krebs. Dabei werden verschiedenste Krebsarten oftmals erst in späten Stadien erkannt, was die Überlebenschance stark verringert. Das soll sich bald ändern. Die beiden Wholomics-Gründer Patrick Strasser und Maximilian Schneider entwickelten einen Test, der mit hoher Genauigkeit verschiedene Krebserkrankungen bereits im Stadium eins feststellen können soll.

“Heutzutage zählt es als Durchbruch, wenn ein Medikament für Krebspatienten im Stadium vier eine sechs Monate längere Überlebensdauer erzielt. Allerdings hätte man einen viel größeren Impact, wenn man Krebs einfach früher erkennen könnte”, erklärt Wholomics-CEO Strasser im brutkasten-Interview. Denn bei den meisten Krebsarten, die man bereits im Stadium eins erkennt, hätten die Patienten eine “5-Jahres-Überlebensrate von über 90 %”. Im Stadium drei bzw. vier falle die Überlebenschance rapide ab. 

Daher entwickelten Strasser und Wholomics-CTO Schneider einen Test, der darauf ausgelegt ist, mehrere Krebsarten bereits in frühen Stadien aus einer einzigen Blutprobe zu erkennen. Der Test analysiert diverse Veränderungen im Blutserum, also der Flüssigkeit im Blut, die mit einer frühen Tumorentwicklung in Zusammenhang stehen können. Die Ergebnisse einer Validierungsstudie sind vielversprechend, denn der Wholomics-Test erkannte eigenen Angaben zufolge 38 von 40 Krebserkrankungen im Stadium eins, darunter Darm-, Magen- und gynäkologische Tumore. Die Intellectual Property der Methode liegt bei Wholomics. Eine erste Version des Tests, der Wholomics Multi-Cancer Check, ist bereits über eine Partnerfirma, Novogenia, erhältlich. Strasser und Schneider möchten sich aber darauf konzentrieren, den Test in der breiten Bevölkerungsmasse einsetzen zu können.

Vom Forscher zum Unternehmer

Die beiden Wholomics-Gründer kennen einander seit ihrem Studium an der TU München und fassten gerade wissenschaftliche Publikationen zusammen, als ihnen die Idee für einen neuen Test zur Krebsfrüherkennung kam. Die Umstellung vom Forscher zum Unternehmer beschreibt der Biochemiker Strasser als “leicht”. Dennoch stellt ihn das Unternehmertum vor einige Herausforderungen. “Als Startup-Founder lernt man im Endeffekt nie aus. Das heißt, jeden Tag, jede Woche gibt es neue Dinge, die man sich selbst beibringen oder die man lernen muss“, erklärt Strasser und ergänzt: “Ein Founder hat mir mal gesagt, die wissenschaftliche Grundlage ist sozusagen das A und O deines Unternehmens. Aber 80 Prozent werden dann im Endeffekt auf der Business-Seite durchgesetzt.”

Wholomics wurde bisher mit dem aws First Incubator und der Forschungsprämie unterstützt. Aktuell befindet sich das Unternehmen in der zweiten Finanzierungsrunde und ist noch auf der Suche nach Investoren. Strasser und Schneider wollen die Runde im letzten Quartal dieses Jahres schließen. “Wir suchen nicht nur nach Geldgebern, sondern eben auch nach strategischen Partnern, die z. B. im Bereich Diagnostik Erfahrung haben”, sagt Strasser. Mit der Entwicklung ihres Startups zeigt sich der Biochemiker zufrieden, auch wenn der Standort Österreich seine Schwierigkeiten mit sich bringe. Die Regulierungen in der EU erschweren laut dem Krebsforscher jedem Diagnostik-Startup den Start.      

Das Ziel sind 2027 die USA, aber ohne FDA-Approval

Zudem brauche es in der EU hohe Investments, um ein medizinisches Produkt auf den Markt zu bringen. “Da muss man dann abwägen, wie die tatsächliche Marktzugangslage ist. Und die ist in Österreich oder im DACH-Raum generell etwas schwieriger”, erklärt Strasser, der mit Schneider den Großteil von Wholomics besitzt. Der Blick der beiden Österreicher richtet sich daher über den großen Teich. Sie arbeiten aktuell in den USA an der Eröffnung eines sogenannten CLIA-Labors. Dadurch soll der Test zur Krebsfrüherkennung als “Lab Developed Test” in den Vereinigten Staaten 2027 auf den Markt gebracht werden können. Er werde somit firmenintern validiert und könne anschließend an Privatpersonen weiterverkauft werden. Ein FDA-Approval sei dann nicht mehr nötig.

Wholomics als die nächste Generation der Krebsfrüherkennungstests

“Im Endeffekt wollen wir quasi die nächste Generation von Multi-Cancer Early Detection Tests auf den Markt bringen. Der größte Unterschied zwischen uns und anderen Anbietern ist, dass wir einfach sehr hohe Frühstadien-Erkennungsraten haben”, sagt Strasser. Langfristig will sich Wholomics am Markt als “First Line Diagnostic” platzieren, also als eine erste Reihe an Untersuchungen, die bei Krebsverdacht durchgeführt werden. Diese Tests sollen dann von Versicherern rückerstattet werden. Als potentielle Kunden beschreibt Strasser in den USA zu Beginn unter anderem Ärzte, später auch Krankenkassen, wobei man den Test immer unter ärztlicher Begleitung durchführen muss.

In Zukunft kann es mehrere unterschiedliche Use-Cases für Wholomics geben, wie z. B. einen Stratifizierungstest. Durch diese Tests werden Personen in klare Gruppen eingeteilt. Dadurch kann in der Medizin einer Person die passende Behandlung verschrieben werden. “Im Endeffekt laufen alle diese Use-Cases darauf hinaus, dass eine Blutprobe analysiert wird und wir das molekulare Profil nach Krebs-Signaturen untersuchen”, sagt Strasser.

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AI Summaries

Bikemap-GF Natmessnig: „Zeiten des Rads als reine Wochenendbeschäftigung sind vorbei“

  • Bikemap existiert seit 2014 und hat sich vor über zwei Jahren neu ausgerichtet.
  • Bikemap hatte sich mit einer zwei Millionen-Forderung für 20 Prozent Firmenabgabe bei den Investoren vorstellig gemacht – und damit etwa Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner irritiert, bei dem man das Gefühl hatte, er würde das Startup gerne sofort wieder hinauskomplimentieren.
  • Natmessnig und sein Team sind heute noch davon überzeugt, dass ihr Angebot an die TV-Juroren legitim war.
  • Wie Techcrunch Anfang Mai berichtete, akquirierte Intel das israelische Startup Moovit für rund 900 Millionen US-Dollar.
  • „Insofern war die damals ausgerufene Bewertung eine mehr als faire Einladung, am massiven Wachstum im Fahrrad-Segment zu partizipieren“, so Natmessnig weiter.
  • Neue Features beinhalten: Optimiertes Routing für Rennrad und Mountainbike, spezielle weltweite Fahrrad-Karten, 3D-Routenvorschau, Dark Mode, Bikecomputer-Ansicht oder auch Siri-Shortcuts.

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