09.02.2026
WIRTSCHAFTSSTANDORT

Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak: „Startups einzubinden ist das Um und Auf“

Interview. Von KI in der Verwaltung über Startup- und Spin-off-Förderung bis hin zur Bewerbung um eine AI-Gigafactory: Wiens Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak spricht über aktuelle Innovationsprojekte und strategische Vorhaben der Stadt. Auch die Ansiedlung von Krypto-Firmen und der Ausbau des Life-Science-Standorts stehen im Fokus.
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Barbara Novak | (c) brutkasten
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In Wien werden derzeit mehrere größere Technologie- und Innovationsprojekte parallel vorangetrieben, die unter anderem im Regierungsprogramm der Stadtregierung aus SPÖ und Neos verankert sind. Dazu zählen Initiativen im Bereich Künstliche Intelligenz, Maßnahmen zur Förderung von Startups und universitären Spin-offs sowie der geplante Ausbau des Life Science Centers und die Bewerbung um eine europäische AI-Gigafactory (brutkasten berichtete).

Im Vorfeld der Wiener Innovationskonferenz, die am Mittwoch im Wiener Rathaus stattfindet, haben wir mit Wiens Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak über die Innovationsaktivitäten der Stadt Wien gesprochen – über KI-Projekte, Startup- und Spin-off-Förderung, die Ansiedlung von Krypto-Firmen sowie über strategische Infrastrukturvorhaben.


brutkasten: Bereits in ihrer KI-Strategie aus dem Jahr 2019 hat die Stadt Wien Künstliche Intelligenz als zentrales Zukunftsthema definiert. Welche konkreten KI-Use-Cases werden derzeit in der Wiener Verwaltung umgesetzt?

Barbara Novak: Jede Form von neuer Technologie ist natürlich etwas, das in Wien und in der Verwaltung sehr rasch ankommt. Wir waren ja schon bei den Anfängen des E-Governments sehr gut aufgestellt und hatten immer eine sehr engagierte IT-Truppe, die sich früh mit neuen Technologien beschäftigt hat. 

Aktuell versuchen wir vor allem, unsere bereits digitalisierten Prozesse mit KI weiter zu verfeinern und zu beschleunigen. Wir arbeiten zum Beispiel an Projekten wie der digitalen Baueinreichung, die mit starker KI-Unterstützung funktioniert. Dabei geht es darum, Daten zu erfassen, abzugleichen und Genehmigungsprozesse effizienter zu gestalten. Das sind klassische Verwaltungsabläufe, die dadurch deutlich schneller werden.

Wir setzen KI auch in Bereichen ein, in denen es sehr viele gleichartige Prozesse gibt, etwa dort, wo viele Bescheide erstellt werden müssen. Gerade in der Bescheiderstellung unterstützt KI bereits. Darüber hinaus nutzen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Wien KI auch im Arbeitsalltag, zum Beispiel für die Erstellung unterschiedlicher Textsorten. Das funktioniert gut und wird gut angenommen.

Inwieweit werden Startups in diese KI-Strategie der Stadt eingebunden – auch vor dem Hintergrund technologischer Souveränität?

Das ist ein ganz zentraler Punkt. Die Wirtschaftsagentur Wien hat hier schon seit vielen Jahren eine Förderschiene im Bereich Digitalisierung und hat KI sehr rasch in ihre Programme integriert. Es wurden zahlreiche Projekte aus der Unternehmerschaft unterstützt, sowohl von Startups als auch von etablierten Unternehmen, die ihre Produkte weiterentwickeln.

Wien hat zudem seit Jahren eine gut funktionierende Startup-Szene, die sich gerade im KI-Bereich sehr dynamisch entwickelt. Viele Förderungen kommen auch vom Bund, etwa über AWS oder die FFG. 

Was wir als Stadt zusätzlich beitragen können, ist, Räume zu schaffen, in denen Startups, etablierte Unternehmen und Wissenschaft noch stärker zusammenkommen. Diese drei Komponenten braucht es, um nachhaltige Innovationen zu schaffen, und genau hier wollen wir stärker vernetzen.

Barbara Novak, Amtsführende Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales | (c) brutkasten

Gibt es dafür konkrete Vorhaben?

Ein Beispiel dafür ist das Life Science Center, in dem KI eine zentrale Rolle spielt, insbesondere für die Life-Science- und Pharmaindustrie. Dort wird Raum für Forschung geschaffen, in enger Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen. Gleichzeitig sollen Startups dort ihre ersten Schritte machen können, und auch große, etablierte Pharmaunternehmen werden an einem Standort zusammengeführt.

Wien gilt bekanntlich als starker Life-Science-Standort. Wo liegen die USPs im Vergleich zu Städten wie München, Kopenhagen und Zürich?

Wien punktet vor allem mit zwei Faktoren. Erstens sind wir eine große Universitäts- und Fachhochschulstadt mit hoher Forschungsdichte, insbesondere in der Grundlagen- und angewandten Forschung. Die Forschungsquote ist die höchste österreichweit. Zweitens verfügen wir über qualifizierte Arbeitskräfte, auch mit einem hohen Frauenanteil. Das ist für den Life-Science-Bereich entscheidend. Große Investitionen, etwa von internationalen Pharmaunternehmen wie Boehringer Ingelheim oder Takeda, stärken den Standort zusätzlich.

Das Life Science Center Vienna soll Forschung und Verwertung stärker verbinden. Wie sieht das konkret aus?

Das Life Science Center ist ein Ecosystem, in dem Life Sciences und KI zusammengeführt werden. Es entstehen Labor- und Forschungsflächen, gleichzeitig werden Startups angesiedelt, die von Beginn an von etablierten Unternehmen begleitet werden. Die Boehringer Ingelheim Stiftung hat bereits einen großen Teil der Flächen angemietet. Ziel ist es, Vernetzung zu schaffen und Innovationen schneller in marktfähige Produkte zu bringen.

Ein weiteres Projekt ist das KICK-Lab. Inwieweit werden in diesem KI-Labor der Stadt Wien auch Startups eingebunden?

Startups einzubinden ist in allen Projekten und Programmen das Um und Auf. Es geht darum, den Link zwischen Forschung, Innovation und praxisnaher Umsetzung sicherzustellen. Neue Produkte entstehen genau an dieser Schnittstelle. Was wir künftig noch stärker brauchen, ist Unterstützung in der Scaleup-Phase. Also nicht nur bei der Gründung, sondern auch dann, wenn es um Markterweiterung und Wachstum geht. Hier sehen wir noch zusätzlichen Bedarf.

Wien wird sich auch um eine AI Gigafactory bewerben. Es gibt europaweit mittlerweile sehr viele Bewerbungen. Warum sollte Wien den Zuschlag bekommen?

Wien ist in mehrfacher Hinsicht ein sehr guter IT-Standort. Wir haben hier eine große Branche, die stetig wächst und hohe Wertschöpfung sowie Beschäftigung bringt. Das schafft ein gutes Umfeld für eine solche Gigafactory. Wir wissen außerdem, dass der Bedarf an Rechenzentrumsleistungen in den kommenden Jahren massiv steigen wird. Viele bestehende Rechenzentren kommen in eine Phase der Erneuerung und Re-Investition. Gleichzeitig wächst der Bedarf insbesondere im Zusammenhang mit KI und zukünftigen Technologien wie der Quantentechnologie.

Ein wesentlicher Vorteil Wiens ist die Infrastruktur. Wir verfügen über stabile Stromnetze, was nicht überall selbstverständlich ist. Außerdem haben wir ein geschlossenes Fernwärmenetz in sehr hoher Qualität. Das ist ein echtes Asset, denn es gibt nur wenige Städte oder Regionen mit einem solchen System. Bei einer AI Gigafactory fällt sehr viel Abwärme an, mit der bis zu 200.000 Haushalte versorgt werden könnten. Das wäre ein wesentlicher Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme und stellt eine klassische Win-win-Situation dar.

Darüber hinaus haben wir starke Partnerschaften im CEE-Raum und gute Kooperationen mit anderen Städten, die uns auch ihre Unterstützung für die Bewerbung zugesichert haben.

Die KI-Gigafactory ist mit enormen Investitionen verbunden. Medien berichten, dass etwa ein Drittel davon von der öffentlichen Hand kommen soll. Wie steht es hier um die Investionsbereichtschaft der Stadt Wien?

Das werden wir uns sehr genau ansehen. Die Rahmenbedingungen haben sich seit dem ersten Informationscall im Sommer deutlich verändert. Die finalen Unterlagen liegen noch nicht vor, da der offizielle Call erst starten wird.

Klar ist: Investitionen der Stadt wird es geben, insbesondere im Bereich der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur. Darüber hinaus geht es auch um die Abnahme von Rechenzentrumsleistungen, die wir wiederum als Förderung an Fachhochschulen, Universitäten, Unternehmen und Startups weitergeben wollen. Über konkrete Größenordnungen an Investitionen kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussagen treffen.

Barbara Novak im Gespräch mit Martin Pacher, stv. Chefredakteur von brutkasten | (c) brutkasten

Im vergangenen Jahr gab es einen Rekord bei Förderanträgen. Woran liegt das?

Einerseits wird sehr viel gegründet in Wien. Der Frauenanteil bei Gründungen steigt, und es findet sehr viel Innovation statt. Andererseits sehen wir auch eine hohe Bereitschaft, wieder zu investieren – etwa in Nahversorgung, Gewerbe, aber auch in innovatives Handwerk. Es ist viel Bewegung und Motivation da, und wir freuen uns, dass die Wirtschaftsagentur Wien hier als Partnerin stark angenommen wird.

Wie stellt man sicher, dass diese Gründungen auch nachhaltig weitergeführt werden?

Förderungen sind immer mit Bedingungen verbunden, aber es gehört auch dazu, Risiko einzugehen. Gerade bei Startups kann man nicht immer garantieren, dass ein Business Case aufgeht. Aber das ist Teil einer Lernkultur. Wichtig ist, dass man Innovation ermöglicht und auch bereit ist, in frühen Phasen Risiko zu tragen.

Ein wichtiges internationales Event ist die ViennaUP. Welche Bilanz ziehen Sie in Bezug auf die Ansiedlung?

Die ViennaUP ist ein echter Leuchtturm im Startup- und Technologie-Eventbereich. Viele Unternehmen haben dort Partnerinnen und Partner gefunden oder ihre Innovationen präsentieren können. Nicht alle bleiben dauerhaft in Wien, aber wir schaffen eine Bühne, auf der Matching zwischen Ideen, Startups, Business Cases und Investorinnen und Investoren möglich wird. Das ist ein großer Mehrwert.

Wien entwickelt sich zunehmend zu einem Krypto-Standort. KuCoin, Bitget und andere Plattformen kommen nach Wien und eröffnen hier ihren EU-Sitz. Wie nehmen Sie diese Entwicklung aktuell wahr?

Tatsächlich siedeln sich viele Krypto-Unternehmen in Wien an. Das liegt vor allem an klaren regulatorischen Rahmenbedingungen. Wien bietet Stabilität und Sicherheit in einem Bereich, der international noch sehr volatil ist. Das macht den Standort attraktiv. Wir stehen auch im direkten Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Branche und relevanten Netzwerken.

Abschließend: Wo soll Wien als Innovationsstandort im Jahr 2030 stehen?

Ich möchte, dass Wien in den Spitzentechnologien First Mover ist – etwa in den Life Sciences, in der Quantentechnologie und in Nachhaltigkeits- und Umwelttechnologien. Wien hat durch starke Daseinsvorsorge hervorragende Voraussetzungen, um neue Technologien zu testen und umzusetzen. Wenn wir es schaffen, bei diesen Entwicklungen früh dabei zu sein, sichern wir nachhaltiges Wachstum und hohe Lebensqualität.

Wie zufrieden sind Sie mit der Unterstützung des Bundes bei Innovationsthemen?

Ich bin sehr zufrieden, dass es die Industriestrategie gibt und dass Spitzentechnologien klar adressiert werden. Jetzt geht es darum, diese Strategien konsequent umzusetzen – etwa über den FTI-Pakt. Die Richtung stimmt absolut.


Event-Tipp der Redaktion:

Die Wiener Innovationskonferenz bringt am 11. Feber 2026 Entscheidungsträger:innen aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft zusammen – vor Ort im Wiener Rathaus und online.

Unter dem Motto „Zukunft gestalten – Digital. Menschlich. Nachhaltig“ stehen die aktuellen Fragestellungen rund um die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Wien im Mittelpunkt. Wo liegen die großen Hindernisse? Welche Beispiele an mutigen Neuerungen gibt es?

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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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