WeAreDevelopers bringt 15-jähriges KI-Wunderkind Tanmay Bakshi in die Hofburg
Am 28. und 29. November findet in den Prunksälen der Hofburg die Wiener Auflage des WeAreDevelopers Congress statt. Mehr als 2000 Software-Entwickler behandeln vier Technologie-Bereiche: Artificial Intelligence, Cloud Computing, Blockchain und Internet of Things. Unter den 60 Vortragenden wird heuer auch der 15 Jahre alte Tanmay Bakshi sein, der als Pionier innerhalb der Thematik Künstlicher Intelligenzen gilt.
Die europäische Job-Plattform für Software-Entwickler WeAreDevelopers veranstaltet im November 2019 ihren sechsten Entwickler-Kongress in Wien. Dabei werden den Besuchern drei parallele Tech-Bühnen, eine “Business-Stage”, zahlreiche Workshops und Side-Events geboten. Als Highlight der heurigen Veranstaltung gilt der Auftritt von Tanmay Bakshi.
Der womöglich jüngste Meinungsmacher zum Thema künstliche Intelligenz ist trotz seines jugendlichen Alters (15 Jahre) einer der gefragtesten KI-Experten, Software-Entwickler und Berater von renommierten Technologie-Konzernen. Mit elf Jahren fiel zog er bereits die Aufmerksamkeit von IBM auf sich. Kurz danach wurde er selbstständiger KI-Berater.
Das Wunderkind hat zudem das System „AskTanmay“ und das weltweit erste von IBM Watson-unterstützte „Natural Language Question Answering System“ programmiert, sowie bereits sein erstes Buch (Hello Swift! IOS App Programming for Kids and Other Beginners) veröffentlicht. Außerdem teilt er auf der Video-Plattform Youtube seine Expertise über seinen Kanal „Tanmay Teaches“.
YouTube-Playlist: Tanmay Bakshi unterrichtet Swift
Europa-Chef von Tencent in Wien
Das indische KI-Talent ist einer von mehr als 60 Experten, die am „WeAreDevelopers-Congress Vienna“ teilnehmen werden. Zu den weiteren Speakern zählen unter anderem Leo Li Shiwei (Europa-Chef von Tencent), Siddha Ganju (Solution Architect, Nvidia Corporation), Or Levi (Data Science Team Lead, eBay), sowie Poker-Weltmeister Fedor Holz, der mit 27 Jahren bereits mehr als 40 Millionen Euro an Poker-Preisgeldern gewonnen hat.
Fedor Holz ist auch „finanziell und beratend“ an WeAreDevlopers beteiligt. Mehr dazu unter diesem Link.
In Museen und Bibliotheken weltweit lagern hunderttausende Inschriften und über eine Million Papyrusfragmente aus der Antike. Der Großteil des Materials ist fragmentarisch und schwer lesbar. „92 Prozent der Papyri warten bis heute auf ihre Entzifferung. Ein gigantischer, unerschlossener Schatz der Geschichte“, heißt es per Aussendung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Genau hier möchte Apollo ansetzen.
Apollo: „Neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe“
Entwickelt wurde das Large Language Model (LLM) in einer Kooperation zwischen der ÖAW und den europäischen KI-Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply. Am gestrigen Mittwoch präsentierten die Forschungspartner die erste Stufe des Apollo-KI-Systems, das ab sofort der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.
„Apollo zeigt, was europäische Zusammenarbeit leisten kann, wenn KI, die gezielt an wissenschaftliche Anforderungen angepasst werden kann, auf jahrhundertealtes wissenschaftliches Wissen trifft“, sagt Guillaume Lample, Co-Founder und Chief Scientist von Mistral. „Indem Mistrals Technologie dabei hilft, Texte wiederherzustellen, die seit zweitausend Jahren nur fragmentarisch überliefert sind, eröffnet sie ein neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe – und das ist erst der Anfang.“
600 Millionen Wörter
Die meisten Texte der Antike sind nur unvollständig überliefert und es fehlen einzelne Wörter oder sogar ganze Textpassagen. Das Sprachmodell Apollo könne fehlende Inhalte von Fragmenten eigenständig ergänzen und dabei helfen, das Verständnis und die historische Einordnung eines Schriftstückes zu verbessern.
Obwohl für das Training der KI in Altgriechisch nur 600 Millionen Wörter zur Verfügung standen – mehrere zehn Milliarden Wörter gelten üblicherweise als der Standard für LLMs – sei eigenen Angaben nach Apollo treffsicher.
„Bei einem vorhandenen Originaltext auf Papyrus erreicht das Modell bei maskierten, also bewusst versteckten Passagen eine Trefferquote von rund 80 Prozent“, erklärt Anna Dolganov, Forscherin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW und Mastermind hinter dem Projekt. Bei tatsächlich unbekannten Textlücken bewerteten internationale Fachexpert:innen, die das KI-System im Rahmen einer Blindstudie evaluiert haben, Apollos Vorschläge in 77 Prozent der Fälle als mindestens ebenso gut wie durch Menschen vorgenommene Ergänzungen und in 16–20 Prozent der Fälle sogar besser, heißt es.
Apollo erkennt Sprachstufen
Besonders beeindruckend sei zudem, wie präzise Apollo zwischen verschiedenen Sprachstufen des Griechischen unterscheiden kann, betont Dolganov: „Unser LLM kann mit vergleichsweise geringem Wissen über einen Kontext weitreichende Schlüsse ziehen. Anhand von Satzbau und Vokabular erkennt Apollo präzise, ob ein Text zum Beispiel aus Homers ‚Odyssee‘ stammt, und ergänzt ihn im passenden Sprachregister.“
Als Beweis zeigte Dolganov bei der Präsentation von Apollo etwa eine antike Geburtsurkunde, die vollständig rekonstruiert wurde. Zudem wurde eine beim Ausbruch des Vesuvs verkohlte Schriftrolle an entscheidenden Stellen „vollständig lesbar gemacht“. Und mit der Rekonstruktion einer fragmentarischen Inschrift aus dem Schwarzmeerraum hat sich der Forscherin zufolge belegen lassen, dass in einer bestimmten Region bereits römisches Recht galt. Die Aussendung sprach hierbei von einer „weitreichenden Erkenntnis, die durch einen Beleg für die römische Prostitutionssteuer untermauert wird.“
Weitere Stufen geplant
„Mithilfe der KI entsteht ein neues Bild der antiken Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, da sich viele Erkenntnisse erst aus der Masse der Dokumente ergeben – etwa bei Steuerquittungen“, präzisiert Dolganov.
Und Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ergänzt: „Apollo bringt die Erforschung von historischen Schriftstücken und Dokumenten in ein neues Zeitalter. Der Einsatz des neuen Sprachmodells wird völlig neue Forschungsfragen zulassen und unser historisches Wissen erweitern. Wir sind stolz, dass die ÖAW gemeinsam mit dem europäischen KI-Unternehmen Mistral diese wegweisende Technologie entwickelt hat. Für die Zukunft streben wir eine vertiefte Zusammenarbeit mit Mistral an.“
Der ersten Stufe des Modells sollen bald noch weitere folgen. „Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar“, wie Dolganov betont: Die KI soll künftig unerschlossene Papyri sowohl entziffern als auch rekonstruieren können. Geplant ist außerdem eine Erweiterung, mit der das Modell thematische und semantische Suchen in der gesamten griechischen Textüberlieferung durchführen sowie Parallelstellen suchen soll und so die passende Evidenz für Ergänzungsvorschläge gleich mitliefert.
Dolganov, die ÖAW und Mistral wollen jedoch bei Altgriechisch nicht aufhören. Aufbauend auf den Erfahrungen soll die KI künftig auch mit einem lateinischen Textkorpus trainiert werden. Dafür stehen dann rund zwölf Milliarden Wörter zur Verfügung. Was für das Projekt noch fehlt, sei ein passender Name.
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