12.01.2022

Back Market: Refurbed-Konkurrent holt sich halbe Milliarde Dollar Investment

Das französische Scaleup Back Market, das einen Marktplatz für refurbished-Produkte betreibt, schließt eine 510 Millionen US-Dollar-Finanzierungsrunde bei 5,7 Milliarden Dollar Bewertung ab.
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Back Market
Im Jahr 2014 gründeten Quentin Le Brouster, Thibaud Hug de Larauze, Vianney Vaute, das Unternehmen in Paris v.l.n.r.) | (c) Julie Glassberg

Ein Marktplatz für generalüberholte („refurbished“) Elektrogeräte, die wieder wie neu sind, aber deutlich günstiger und natürlich besser für den Planeten – brutkasten-Leser:innen ist dieses Modell natürlich vom aussichtsreichen heimischen Unicorn-Anwärter Refurbed bekannt. Ebendas macht auch ein französisches Scaleup – und ist mit bislang rund sechs Millionen Kund:innen Weltmarktführer: Back Market.

5,7 Milliarden US-Dollar Bewertung für Back Market

Das Unternehmen schloss nun seine Series E-Finanzierungsrunde ab. Satte 510 Millionen US-Dollar wurden zu einer Bewertung von 5,7 Milliarden US-Dollar hereingeholt. Das Investment folgt einer 335 Millionen US-Dollar-Runde im vergangenen Mai – hier die Gründer im brutkasten Earth-Interview dazu. Den Lead in der aktuellen Runde übernahm die Londoner Sprints Capital. Die Bestandsinvestoren Eurazeo, Aglaé Ventures, General Atlantic und Generation Investment Management zogen mit.

Mit dem Geld will Back Market vor allem die Expansion am US-Markt vorantreiben, wo das Scaleup bereits seit einiger Zeit aktiv ist. Hinzu kommen Japan und zahlreiche europäische Länder, darunter auch Österreich. Zum Vergleich: Refurbed aus Wien ist bislang neben Österreich nur in Deutschland, Italien und Polen tätig. In letzterem Markt agiert der französische Konkurrent dafür noch nicht.

Trotz Push für Konkurrenten eher positives Signal für Refurbed

Trotz des weiteren Pushs für den bereits übergroßen Mitbewerber kann das neuerliche Mega-Investment wohl eher als positives Zeichen auch für das Wiener Startup gewertet werden. Nicht nur der noch stark ausbaufähige Weltmarkt sondern auch das Interesse der Investment-Gesellschaften am Thema wächst sukzessive. Platz für mehrere Player ist im Mega-Markt Elektrogeräte – auch refurbished – definitiv gegeben. Refurbed stellte zuletzt in seiner Series B-Finanzierungsrunde im August 2021 54 Millionen US-Dollar auf – der brutkasten berichtete. Schon mit der nächsten Kapitalrunde könnte der Unicorn-Status erreicht werden.

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Die Atira-Co-Founder Florian Diegruber und August DuMont Schütte | (c) Atira
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Vertriebsprozesse von Industrieunternehmen sind komplex: Zwischen CRM (Customer-Relationship-Management) und ERP (Enterprise-Resource-Planning) müssen Sales Engineers, Rechtsabteilungen, technisches Fachpersonal und das Commercial Team zusammenarbeiten, zahlreiche Seiten an Spezifikationen sichten und individuelle Unterlagen erstellen, bevor ein Angebot eingereicht werden kann. Die übliche manuelle Angebotslegung dauert daher oft Wochen bis Monate. Eine Automatisierung durch KI liegt also auf der Hand, ist aber alles andere als trivial.

Einzelnes System reicht nicht

„Das Sales-Engineering ist einer der umfangreichsten Workflows in der industriellen Fertigung, der mit Software bisher nie wirklich automatisiert wurde. Derzeit ist betriebskritisches Fachwissen auf Mitarbeiter:innen, Dokumente und nicht miteinander vernetzte Systeme verteilt“, sagt Florian Diegruber, CEO und Co-Founder des Münchner KI-Unternehmens Atira, das das Problem mit seiner Plattform lösen will. Diegruber war zuvor bei Palantir, sein Co-Founder August DuMont Schütte bei Google.

„Die gängige Annahme ist, dass ein einzelnes System diese Herausforderung lösen kann – mit echtem Umsatzeffekt für alle Kunden. Doch das Wissen, das tatsächlich zum Erfolg eines Deals führt, stammt aus der eigenen Angebotshistorie des Unternehmens, einem Gedächtnis, das mit jedem Projekt wächst“, erklärt Benjamin Erhart, General Partner in das Münchner VC UVC Partners. Dieser investierte nun zum wiederholten Mal beim Münchner KI-Unternehmen.

Orchestriertes Multi-KI-Agentensystem als Lösung

Das Unternehmen setzt dabei auf ein Multi-KI-Agentensystem, das Industrieunternehmen End-to-End vom Screening eingehender Anfragen über die Lösungskonfiguration bis zur Erstellung technischer und kommerzieller Angebotsinhalte unterstützen soll. 2025 am Markt gestartet, betreut man aktuell 15 Kunden, darunter nach eigenen Angaben „globale Konzerne mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Jahresumsatz“. In ersten Projekten sei die Zeit für den Gesamtprozess um 80 Prozent reduziert worden, heißt es von Atira.

Nun schloss das Unternehmen seine Seed-Finanzierungsrunde über 15 Millionen US-Dollar ab. Den Lead übernahm dabei der US-VC Accel. Auch der Münchner Risikokapitalgeber UVC Partners, der sich in der Pre-Seed-Runde über 2,5 Millionen US-Dollar bereits beteiligt hatte, war wieder dabei. Hinzu kamen die Beteiligungsgesellschaften Fortino und Booom sowie die Einzelinvestor:innen Ann-Kristin Achleitner, Whirlpool-CEO Marc Bitzer, Markus Flik und Celonis-Co-Founder und Co-CEO Bastian Nominacher.

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