NFTs sind tot? Sieht man auf die Kursentwicklung von Bored Ape Yacht Club, den NFTs von Gustav Klimts Kuss und weitere, liegt dieser Befund nahe. Doch die Non-Fungible Token kann man nicht nur als (missglückte) Wertanlage nutzen. Dass es tatsächlich auch nützliche Usecases für die Technologie gibt, beweist das Wiener Startup B.A.M Ticketing – der brutkasten berichtete bereits Anfang des Jahres anlässlich eines Millioneninvestment.
NFT Ticket soll Fälschung und Wucher verhindern und zusätzliche Benefit bieten
Das Unternehmen nutzt NFTs als Fälschungssichere Tickets für Konzerte und Co, die auch nicht einfach zu Wucherpreisen weiterverkauft werden können. Davon sollen nicht nur Fans sondern vor allem auch die Künstler:innen profitieren, die dadurch einen größeren Anteil an der Wertschöpfung bekommen können. Zudem bietet das Blockchain-basierte Ticket einige weitere Möglichkeiten – etwa Informationsaustausch und Kommunikation zwischen Künstler:innen und Fans, oder Benefits, die mit Erwerb des NFTs dauerhaft gewährt werden können.
„Mit unserer Technologie lösen wir nicht nur die bekannten Industrieprobleme Ticketbetrug und Schwarzmarkthandel, sondern bringen als einer der ersten Anbieter weltweit eine zukunftsweisende Lösung für alle Künstler, Veranstalter und Kulturinstitutionen auf den Markt“, meint Georg Müller, CEO von B.A.M Ticketing. Man generiere „ein Win-Win-Win-Szenario abseits monopolitischer Systeme“ für Fans, Veranstalter:innen und Künstler:innen.
Erster Einsatz in Österreich bei Konzert in Gasometer
Nun kam das System von B.A.M erstmals auch in Österreich zur Anwendung – konkret bei der 20 Jahr-Feier der Drum’n’Bass-Musiker Mainframe Recordings im Gasometer. Dabei wurden auch die Möglichkeiten zusätzlicher Benefits genutzt, wie Daniel Fürst-Zoffel von Mainframe Recordings erklärt: „Die NFT-Tickets fungieren in Zukunft auch als Membership-Token für lebenslangen Zugriff auf neuen und exklusiven Mainframe Content. Damit generiert Mainframe nicht nur einen komplett neuen Mehrwert für alle Fans, sondern zeigt auch wie Fan-Engagement in Zukunft funktionieren kann“.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
„Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“: Wie Michael Dobersberger Startups US-fit macht
Michael Dobersberger bringt bei Open Austria österreichische Gründer:innen in den globalen Tech-Hotspot Silicon Valley. Im Gespräch mit brutkasten erklärt er, welche Kulturunterschiede entscheiden und warum Österreicher:innen beim Pitchen umdenken müssen.
Das Silicon Valley ist nach wie vor das unangefochtene Epizentrum der globalen Tech-Welt. Ein Großteil des weltweiten Risikokapitals ist in der Region rund um San Francisco gebündelt. Für europäische Startups birgt der Markteintritt in den US-amerikanischen Raum jedoch erhebliche kulturelle wie strukturelle Hürden. Genau an dieser Schnittstelle setzt die Arbeit von Michael Dobersberger an. Brutkasten hat ihm einen Tag lang in San Francisco über die Schulter geschaut.
Als Co-Direktor der Initiative Open Austria, einem Joint Venture der Wirtschaftskammer Österreich und des Außenministeriums, fungiert Dobersberger als strategischer Sparring-Partner vor Ort. Während die WKÖ-AußenwirtschaftsCenter in New York und Los Angeles das operative Tagesgeschäft im Exportgeschäft abwickeln, konzentriert sich das AußenwirtschaftsCenter in San Francisco unter seiner Leitung auf spezialisierte Formate.
„Ich sehe meine Aufgabe darin, Startups ready für das Silicon Valley zu machen, damit sie einen gewissen Startvorteil gegenüber anderen europäischen Startups haben“, erklärt Dobersberger im Gespräch. Sein Aufgabengebiet umfasst gezieltes Startup-Coaching für den US-Markteintritt sowie Innovation Scouting für etablierte Großunternehmen. Die Nachfrage ist hoch: „Allein heuer habe ich schon über 260 Unternehmen in einem meiner Programme gehabt.“
Die kulturellen Gräben zwischen europäischen und US-amerikanischen Entrepreneurship-Zugängen erlebt Dobersberger täglich. Während hierzulande Risiken oft im Vordergrund stehen, herrscht in Kalifornien eine ausgeprägte Optimierungskultur.
Den zentralen Unterschied im Denkansatz bringt Dobersberger pragmatisch auf den Punkt: „In den USA heißt es: ‚Es kann funktionieren, wenn …‘, während in Europa oft gesagt wird: ‚Das funktioniert nicht, weil …‘“. Es gehe keineswegs darum, kritische Einwände zu ignorieren, sondern Geschäftsideen konstruktiv zu bewerten und Chancen in den Mittelpunkt zu rücken.
Schnelligkeit und ein realistischer Blick auf Fehler
Ein entscheidender Erfolgsfaktor am US-Markt sei die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Du musst nicht besser sein, du musst schneller sein“, betont Dobersberger. Wer rasch am Markt testet, gewinnt wertvolles Feedback und kann Mitbewerber überholen.
Ergänzt wird dieses Tempo durch den vielzitierten Umgang mit dem Scheitern, der jedoch häufig missverstanden werde. Fehler seien zwar Teil der Lernkurve, dürften das Unternehmen jedoch nicht ruinieren. „Fail fast, fail often – and keep the price to a minimum“, bringt es Dobersberger auf den Punkt. Das bedeutet übersetzt so viel wie: „Scheitere schnell, oft und halte die Kosten dabei auf einem Minimum.“
Präzision fordert der Experte auch beim Markenauftritt und Produktstart. Zu langes Perfektionieren im Stillen sei gefährlich: „Wenn du nicht irgendwann sagst: ‚Mein erstes Produkt war so peinlich‘, dann bist du zu spät an den Markt gegangen“, veranschaulicht er eindrücklich.
Auch in der Kommunikation rät Dobersberger zu einer radikalen Vereinfachung. Statt technischer Details müsse in den ersten Sekunden das zugrundeliegende Problem im Fokus stehen. Dobersberger nutzt dafür das Bild einer umgekehrten Matrjoschka-Puppe.
„Die erste Matrjoschka ist die wichtigste – das ist dein Why“, erklärt er. Ziel der ersten 40 Sekunden sei es nicht, das gesamte Produkt zu erklären, sondern Neugier zu wecken und Folgetermine zu sichern. Wer zu tief ins Technische abgleite, verliere das Gegenüber rasch.
Menschen investieren in Menschen
Zudem entscheide die Persönlichkeit des Gründerteams oft mehr als die Technologie selbst. Das Feedback internationaler Investor:innen zeichne hier ein klares Bild: „Die Investoren investieren zu 90 Prozent ins Team und zu zehn Prozent in die Technologie.“ Starken Gründerpersönlichkeiten traue man eher zu, Märkte zu erschließen und Geschäftsmodelle bei Bedarf anzupassen.
Mit diesem ganzheitlichen Ansatz, von der Schärfung der Story bis hin zur Vernetzung vor Ort, unterstützt Dobersberger heimische Gründer:innen dabei, im Silicon Valley nachhaltig Fuß zu fassen.
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