12.04.2023

Azolla Ecosystems: Wiener Startup ermöglicht Aquaponik-Fischzucht in Restaurants

Das Wiener Startup Azolla Ecosystems rund um den österreichischen Industriedesigner Philipp Loidolt-Shen hat ein Aquaponik-System für Gastronomie und Supermärkte entwickelt. In einem geschlossenen Kreislauf werden Fische gezüchtet und Gemüse angebaut. Unter anderem setzt der Dogenhof in Wien auf das ausgeklügelte System.
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Philipp Loidolt-Shen von Azolla Ecosystems | (c) anteup.at

Österreich ist als Binnenland besonders von Importen abhängig, um den Bedarf der Bevölkerung nach Fisch zu decken. Der Selbstversorgungsgrad liegt hierzulande nämlich bei lediglich sieben Prozent. Die restlichen 93 Prozent müssen aus dem Ausland importiert werden. Würden wir nur einheimisch produzierten Fisch essen, wären die Ressourcen bereits Ende Jänner erschöpft, wie aktuelle Zahlen der gemeinnützigen Organisation Aquaculture Stewardship Council (ASC) zeigen. Für den Rest des Jahres würden die Supermarktregale nämlich leer bleiben. Der Fischerschöpfungstag wurde in Österreich 2023 übrigens bereits am 25. Jänner erreicht, einen Tag früher als noch im Vorjahr.

Azolla Ecosystems sieht Aquaponik als Teil der Lösung

Doch welche nachhaltigen Lösungen gibt es, um den Bedarf an Fisch in Österreich zu decken und Lieferketten dabei möglichst kurz zu halten? Eine Antwort darauf möchte der Wiener Industriedesigner Philipp Loidolt-Shen mit seinem Startup Azolla Ecosystems liefern. Bereits in seinem Studium Industrie-Design an der Universität für Angewandte Kunst in Wien beschäftigte sich Loidolt-Shen mit der Frage, wie eine nachhaltige Lebensmittelproduktion im urbanen Raum erfolgen kann.

Im Zuge seiner Recherchen stieß er schließlich auf Aquaponik. Dabei handelt es sich um eine Methode, die Fischzucht und den Gemüseanbau in einem geschlossenen Kreislauf vereint. Das Prinzip dahinter ist simpel: In einer Aquakultur leben Fische und produzieren für die Nutzpflanzen natürlichen Dünger. Umgekehrt reinigen die Pflanzen wiederum das Wasser. Somit werden zwei Lebensmittelsysteme kombiniert, die als sehr ertragreich gelten. Durch den nach außen hin abgeschlossenen Nährstoffkreislauf können zudem Umweltverschmutzungen im Lebensmittelanbau nahezu verhindert werden – anders als beispielsweise bei Zuchtlachs-Aquakulturen.

Die Aquaponik-Anlage im Dogenhof | (c) anteup.at

Essen dort produzieren, wo es konsumiert wird

Aquaponik-Anlagen sind an sich nichts Neues, wie Loidolt-Shen erläutert. Die Kunst besteht allerdings darin, derartige Systeme möglichst klein, ästhetisch ansprechend und zugleich auch wirtschaftlich zu gestalten. “Mir ging es in erster Linie um die Frage, wie wir die Lebensmittelproduktion in die Stadt verlegen können um Lieferketten möglichst kurz zu halten – also Fische und Kräuter dort zu produzieren, wo sie auch verspeist werden”, so der Gründer über den Leitgedanken hinter Azolla Ecosystems.

Das Becken verfügt über 600 Liter | (c) anteup.at

Nach mehreren Monaten Tüftelei war schließlich die Entwicklung für den ersten Prototypen abgeschlossen, der im Herbst 2022 im Restaurant Dogenhof im 2. Wiener Gemeindebezirk erstmals in Betrieb genommen und seither erfolgreich erprobt wird. In einem ca. 600 Liter fassenden Wasserbecken kann das Restaurant rund 100 Buntbarsche halten, die anschließend fachgerecht in der Küche betäubt, geschlachtet, direkt zubereitet und mit Kräutern aus demselben System garniert werden. “Die Fische können unter anderem mit Abfällen aus der Küche, wie Karottenschalen, gefüttert werden. Dadurch reduzieren wir auch das Problem des Fischmehls, das dem herkömmlichen Fischfutter beigemengt wird”, so Loidolt-Shen über den Kreislaufwirtschaftsgedanken, den er mit Azolla Ecosystems verfolgt.

Azolla Ecosystems setzt auf Design und Raumklima

Für den ausgebildeten Industriedesigner spielt die Ästhetik der Aquaponic-Systeme eine entscheidende Rolle. Kund:innen sollen dadurch eine Beziehung zur Herkunft ihrer Lebensmittel aufbauen können. Zudem lässt sich das Aquaponic-System in bestehende Interieur-Design-Konzepte integrieren. Dafür wurden die qualitativ hochwertigen Fischbecken und Begrünungs- elemente bzw. die vertikale Farm gemeinsam mit dem Wiener Designstudio ante-up entworfen.

Die an das Fischbecken gekoppelte vertikale Farm liefert eine Vielzahl an gesunden und geschmackvollen Kräutern für Gerichte, Tees und Cocktails. Zudem trägt sie durch das üppige Grün auch zu einer wesentlichen Verbesserung des Raumklimas bei.

Lastenfahrrad, Finanzierung & Piranhas

Im Hintergrund betreibt Loidolt-Shen in einem Hof im 20. Wiener Gemeindebezirk selbst eine etwas größere Aquaponik-Anlage, in der die Fische auf zirka 300 Gramm herangezüchtet werden. Anschließend werden die Buntbarsche per Lastenfahrrad zum Restaurant transportiert und in das kleinere Aquaponik-System übersiedelt.

Das System lässt sich intelligent in Restaurants integrieren | (c) anteup.at

„Eine Anlage, wie sie hier im Dogenhof steht, kostet rund 12.000 Euro”, so der Gründer. Doch nicht nur der Verkauf der Anlage wäre möglich, auch ein Mietmodell sei für Restaurants künftig denkbar. Zudem möchte Loidolt-Shen mit Azolla Ecosystems auch pro verkauften Fisch Einnahmen erzielen.

Derzeit befindet sich Loidolt-Shen in Gesprächen mit weiteren Restaurants, die künftig durch Azolla Ecosystems einen Schritt Richtung Selbstversorgertum gehen könnten. Zudem sei die Anlage prinzipiell auch für Supermärkte geeignet. Bislang finanzierte sich das Startup über den eigenen Cashflow und Förderungen – unter anderem wurde das 2021 gegründete Unternehmen auch von der Wirtschaftsagentur Wien unterstützt. Um die Produktion weiterer Anlagen sowie derer Versorgung mit ausreichend Fischen zu ermöglichen, bedarf es allerdings an Kapital. Dahingehend ist Loidolt-Shen auch offen für Gespräche mit potentiellen Investor:innen, die etwas zum Unternehmen beitragen können. Der Gründer hat auch bereits Pläne, die Anlage weiterzuentwickeln: “Künftig könnte man auch Piranhas in der Anlage züchten. Ich glaube, sie würden sich auf einer Speisekarte sehr gut machen.”


*Disclaimer: Das Startup hat den Beitrag im Zuge „Entrepreneurship Avenue 2021“ gewonnen.

Tipp der Redaktion

Startups aus Österreich liefern bereits seit mehreren Jahren Lösungen für die Landwirtschaft. Hier bieten euch einen Überblick über erfolgreiche Startups am Markt.

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Links Mitgründer von NXAI Sepp Hochreiter und Mitte rechts CEO von Neura Robotics David Reger | (c) Neura Robotics / NXAI

„Ein Roboter, der im Alltag und in der Industrie wirklich hilft, muss sich erinnern“, sagt David Reger, Gründer und CEO von Neura Robotics. Daher arbeitet sein Unternehmen mit dem Linzer Startup NXAI an der Merkfähigkeit von Robotern. „Gedächtnis und Erfahrungen sind die Voraussetzungen für Roboter, Aufgaben über viele Schritte zuverlässig zu lösen“, ergänzt Sepp Hochreiter, Gründer von NXAI.

Die Grundlage bietet Neura Robotics mit einem multimodalen Foundation-Modell, das Funktionen wie 3D-Sehen, Tastsinn und Audio mit einer Gedächtnisfunktion verbindet. Der Physical-AI-Stack von Neura Robotics wird mit einem xLSTM von NXAI, also einem künstlichen neuronalen Netz, verbunden. „xLSTM ist dafür gebaut, ist schnell, speichereffizient und kann den Zustand über lange Sequenzen halten“, sagt Hochreiter.

NXAI plant, ein eigenes Modell auf Basis der xLSTM-Architektur auf Neura Robotics‘ hauseigener Neuraverse-Plattform bereitzustellen. „Mit dem Neuraverse schaffen wir die Plattform, auf der auch andere starke KI-Ansätze ihren Weg in Roboter finden“, erklärt Reger.

Gesteigerte Effizienz

Ein Roboter arbeitet in Schleifen und verarbeitet permanent Wahrnehmungen, Entscheidungen und Handlungen. Laut Neura Robotics braucht er dafür Gedächtnis auf zwei Ebenen: das Arbeitsgedächtnis und das episodische Gedächtnis. Ein Roboter, der einen Prozess wiederholt ausgeführt hat, soll bei derselben Situation auf frühere Erfahrungen zurückgreifen können und so aus der Erfahrung handeln.

Die Roboter der Zukunft

Langfristig möchten die beiden Firmen, dass Roboter nicht nur einzelne Fähigkeiten ausführen, sondern über die Zeit Erfahrung aufbauen. Fähigkeiten, die Roboter aus der Interaktion mit der realen Welt lernen, sollen verbessert und auf andere Maschinen und Umgebungen übertragen werden.

From Science to Business

NXAI, gegründet vor drei Jahren, ist ein Deep-Tech-Unternehmen mit Sitz in Linz, das Lösungen für industrielle Anwendungen entwickelt. Die Firma versteht sich als Brücke zwischen Wissenschaft und Industrie. So möchte sie die eigene KI-Forschung in marktreife Produkte überführen. Im Mittelpunkt der Forschung stehen xLSTM-Modelle in den Bereichen Time Series und Robotics.

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