05.11.2025
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Gründen mit Rückenwind: aws First Incubator unterstützt am Weg zum eigenen Startup

Der aws First Incubator der Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt junge Gründer:innen auf ihrem Weg von der Idee zum marktreifen Geschäftsmodell mit Finanzierung, Mentoring und einem starken Netzwerk für die frühe Gründungsphase. Wir haben mit Jacob Rieder, Projektleiter von re:customize, gesprochen, wie er das Programm optimal genutzt hat und seine Vision einer neuen, kreislauffähigen Mode damit entscheidend voranbringt.
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Jacob Rieder, Gründer von re:customize, profitiert vom Förderprogramm aws First Incubator | (c) re:customize

Der Weg von der ersten Idee zum eigenen Startup braucht Mut, Ausdauer und den Glauben an die eigene Vision. Einer, der diesen Weg gerade geht, ist Jacob Rieder. Mit seinem Projekt re:customize will er zeigen, dass Mode persönlicher, nachhaltiger und technologisch innovativer werden kann. Seine Idee: Stickerei als Co-Creation-Plattform neu zu denken und mit einem additiven Sticksystem Modeunternehmen eine neue Form der Individualisierung zu ermöglichen.

„Mich hat interessiert, wie man Kleidung kreislauffähig denken kann und wie daraus ein funktionierendes Geschäftsmodell entstehen kann“, erzählt Rieder. Aus ersten handgemachten Stickexperimenten entwickelte sich eine klare Vision: Stickerei als Technologie neu denken und Mode dadurch personalisierbarer, nachhaltiger und emotionaler machen. „Mir ist aufgefallen, dass Kleidung heute oft austauschbar ist. Ich wollte zeigen, dass Mode wieder persönlicher werden kann“, so Rieder.

re:customize ermöglicht Co-Creation-Experience

Der entscheidende Gedanke: Stickerei, die man flexibel hinzufügen oder austauschen kann, hochwertig, aber nicht endgültig. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte er eine Lösung, die klassische Sticktechnik mit digitalen Prozessen und additiver Print-Logik verbindet.

Das Ergebnis ist ein additives Sticksystem, das Motive auf Textilien aufbringt, ohne sie permanent zu verändern. Diese Co-Creation-Experience ermöglicht es Kundinnen und Kunden, Kleidungsstücke im Store oder online individuell zu gestalten. Das Geschäftsmodell folgt einem Hardware-as-a-Service-Ansatz: Modeunternehmen nutzen die Maschine samt Software im Abo – im Store oder im Fulfillment-Center.

Unterstützung durch den aws First Incubator

Als Rieder den aws First Incubator der Austria Wirtschaftsservice (aws) entdeckte, war re:customize noch in einer sehr frühen Phase. „Wir waren davor in kleineren Programmen, etwa im U:Seed Programm der Uni Wien oder im Digital iLab, aber aws First war dann der nächste logische Schritt.“

Das Programm richtet sich an angehende Gründerinnen und Gründer sowie Startups in der Vorgründungs- oder Frühphase. Es bietet Finanzierung, Mentoring und Zugang zu einem breiten Innovationsnetzwerk. Für re:customize war besonders die Kombination aus Förderung und inhaltlicher Begleitung entscheidend: “Man bekommt nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch kritisches Feedback, um das Geschäftsmodell zu schärfen. Für uns war das wertvoll, weil wir während des Programms unseren Ansatz weiterentwickelt haben – von der reinen Software hin zum ganzheitlichen Hardware-Service-Modell.“

Das Team erhielt eine Förderung von rund 49.000 Euro, ergänzt durch einen Eigenanteil von zehn Prozent. Insgesamt betrug das Projektvolumen rund 55.000 Euro. Gefördert werden beim aws First Incubator bis zu 90 Prozent der eingereichten Projektkosten, mit einem Gender Bonus sogar bis zu 100 Prozent beziehungsweise 55.000 Euro. Unterstützt werden Einzelpersonen oder Teams mit bis zu vier Mitgliedern, unabhängig von der Branche (siehe auch Überblick zu aktuellen Calls weiter unten).

Neben der finanziellen Förderung hebt Rieder vor allem das Lern- und Austauschformat hervor: „Alle Teilnehmenden sitzen im selben Boot. Es geht nicht um Konkurrenz, sondern darum, voneinander zu lernen. Das Programm schafft ein Umfeld, in dem man mutig sein kann und auch Fehler als Teil des Prozesses versteht.“

Als nächstes arbeitet das Team von re:customize an der offiziellen Unternehmensgründung und der Weiterentwicklung der Sticktechnologie bis zur Marktreife. Erste Pilotprojekte mit Modeunternehmen sollen zeigen, wie die Maschine direkt im Store oder im E-Commerce eingesetzt werden kann. Rieder fasst zusammen: “Ich kann allen empfehlen, sich darauf einzulassen, Feedback anzunehmen, den eigenen Ansatz weiterzuentwickeln und offen für neue Perspektiven zu sein. Das Programm gibt viel zurück, wenn man bereit ist, daran zu wachsen.”


aws First Incubator: Jetzt für aktuelle Calls bewerben

Wer selbst an einer Gründungsidee arbeitet oder den nächsten Schritt Richtung eigenes Startup gehen möchte, findet im aws First Incubator das passende Umfeld, um diese Vision umzusetzen. Das Programm bietet nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch intensives Mentoring und Zugang zu einem breiten Netzwerk aus Expert:innen, Investor:innen und anderen Gründer:innen. Für alle, die sich dafür interessieren, sind hier die wichtigsten Informationen zu den aktuellen Calls zusammengefasst:

Call 1: aws First Incubator – deutschsprachig

Einreichungszeitraum: 8. Jänner bis 28. Jänner 2026
Sprache: Deutsch
Zielgruppe: Personen im Alter von 18 bis 30 Jahren
Module:

  • Modul A: Für natürliche Personen (noch nicht gegründet)
  • Modul B: Für jung gegründete Unternehmen (maximal 6 Monate alt, maximal 10.000 Euro Umsatz)
    Förderung: Bis zu 90 Prozent der Projektkosten (maximal 49.000 Euro), mit Gender Bonus bis zu 100 Prozent beziehungsweise 55.000 Euro

Call 2: aws First Incubator – englischsprachig

Einreichung: Juni / Juli 2026
Sprache: Englisch
Zielgruppe: Personen ab 18 Jahren
Module: Gleich wie bei Call 1
Förderung: Bis zu 90 Prozent der Projektkosten (maximal 49.000 Euro), mit Gender Bonus bis zu 100 Prozent beziehungsweise 55.000 Euro

Der aws First Incubator richtet sich an Gründer:innen sowie Teams mit ein bis vier Personen aus allen Branchen. Zusatzpunkte gibt es für Projekte mit Frauen in wesentlichen Führungspositionen sowie für Vorhaben, die gesellschaftliche Herausforderungen (SDGs) adressieren.

Jetzt informieren und für den nächsten Call vormerken: https://www.aws.at/aws-first-incubator/

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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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