Austrospace gewinnt Infineon und R-Space als neue Mitglieder
Austrospace wächst: Mit Infineon, R-Space, Pidso und Isee Space stoßen gleich vier neue Unternehmen zur Interessenvertretung der österreichischen Raumfahrtindustrie hinzu.
Austrospace, die Interessenvertretung der österreichischen Raumfahrtindustrie, verzeichnet einen bedeutenden Mitgliederzuwachs: Mit Infineon (einem weltweit führenden Anbieter von Halbleiterlösungen für Power Systems), dem Wiener Neustädter Startup R-Space, Pidso und Isee Space treten gleich vier neue Unternehmen dem Verband bei. Als internationaler Technologiekonzern gilt besonders der Beitritt Infineons als starkes Zeichen für die strategische Bedeutung der Raumfahrt in Österreich.
Infineon als „Werkbank“ von Siemens
„Der Einstieg eines global agierenden Unternehmens wie Infineon zeigt, dass Raumfahrt längst kein Nischenthema mehr ist, sondern ein zentraler Zukunftsbereich mit enormem Potenzial für Forschung, Technologie und Wirtschaft“, erklärt Austrospace-Präsident Dieter Grebner.
Peak-Technology-Gründer Dieter Grebner ist auch Austrospace-Präsident. | (c) Antje Wolm
Infineon begann in Österreich Ende der 1960er Jahre in Villach mit nur 24 Mitarbeiter:innen als verlängerte Werkbank von Siemens. Heute beschäftigt das Unternehmen in Österreich über 6.000 Mitarbeiter:innen, davon 2.500 in Forschung und Entwicklung. Im deutschsprachigen Raum hat der Konzern mit der Infineon Technologies AG im Raum München, Augsburg, Erlangen, Duisburg, Hannover, Regensburg und Karlsruhe beziehungsweise mit der Infineon Technologies Austria AG in Villach, Graz, Linz und Wien Standorte etabliert.
500 Millionen Euro Budget?
Mit großer Erwartung blickt Austrospace auf die bevorstehende ESA-Ministerratskonferenz in der kommenden Woche. Die österreichische Raumfahrtgemeinschaft erwartet ein klares politisches Bekenntnis Peter Hanke, Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, – insbesondere durch die Bereitstellung eines Budgets von 500 Millionen Euro für die kommenden drei Jahre.
„Kein nice to have“
„Ein starkes Budget ist entscheidend, um Österreichs Rolle in der europäischen Raumfahrt zu sichern und weiter auszubauen“, so Grebner weiter. „Deutschland macht es mit einem Rekordbudget für die Raumfahrt vor. Unsere Unternehmen sind bereit – jetzt braucht es auch den politischen Willen. Es muss uns allen klar werden: Raumfahrt ist kein ’nice to have‘, sondern ein Schlüssel zur Zukunft unseres Landes. Ohne Satellitenkommunikation, Navigation und Erdbeobachtung gibt es keine moderne Infrastruktur – und keine Krisenresilienz. Gleichzeitig schaffen wir hochqualifizierte Arbeitsplätze im so wichtigen Export und setzen ein klares Zeichen gegen die Abwanderung von Talenten. Raumfahrt ist Standortpolitik – und Österreich muss jetzt mutig vorangehen.“
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Fünf Jahre Polestar in Österreich: Warum die schwedische Marke nicht laut sein muss, um gehört zu werden
Drei weiße Polestar vor der schwedischen Botschaft in Wien-Alsergrund, drinnen die schwedische Fahne: Polestar Österreich hat sein fünfjähriges Bestehen im Schwedenhaus gefeiert. Managing Director Matthias Schabetsberger erklärte im Gespräch mit brutkasten, warum sich die Marke als Challenger der Autoindustrie versteht, was skandinavischer Minimalismus mit “Quiet Luxury” zu tun hat und wie Polestar mit Startups zusammenarbeitet.
Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.
Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.
Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.
“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”
Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.
Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.
Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens
Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”
Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.
Von drei auf 13 Standorte
Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.
Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.
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