13.10.2023

atmoky: Grazer Startup bringt 3D-Sound auf Standard-Kopfhörer

Surround-Sound mit 08/15-Kopfhörern - das macht die Software des Grazer Startups atmoky möglich. Bislang überzeugte es damit vor allem im Gaming-Bereich. Die Vision geht aber weit darüber hinaus.
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Drei der vier atmoky-Gründer: Markus Zaunschirm, Clemens Amon und Daniel Rudrich | (c) M. Kanizaj
Drei der vier atmoky-Gründer: Markus Zaunschirm, Clemens Amon und Daniel Rudrich | (c) M. Kanizaj

Man kennt es aus dem Kino oder von gut ausgestatteten Heimkinos oder Gaming-Plätzen. Surround-Sound braucht für gewöhnlich mehrere, richtig platzierte Boxen oder spezielle Kopfhörer. Doch all diese Hardware ist gar nicht nötig, wenn man die richtige Software hat. Eine solche hat das vierköpfige Gründerteam des Grazer Startup atmoky mehrere Jahre lang an der TU Graz und der Kunstuni Graz entwickelt.

„Audio ist im digitalen Raum generell unterrepräsentiert“

2020 starteten Markus Zaunschirm (CEO), Daniel Rudrich (CTO), Clemens Amon (Head of Growth) und Christian Schörkhuber (Head of Product) dann ihr Unternehmen. „Wir wussten damals, wir müssen mit dem, was wir entwickelt haben raus“, erzählt Clemens Amon im Gespräch mit dem brutkasten. „Audio ist im digitalen Raum generell unterrepräsentiert. Da ist viel Platz. Es gibt grafisch fantastische Welten mit Mono-Sound“.

„Spatial Audio“ am 08/15-Stereo-Kophörer

Atmoky bringt „Spatial Audio“ auf jeden 08/15-Stereo-Kophörer – mit Spezial-Kopfhörern von Apple, Samsung, Bose und Co, die die Rotation des Kopfes erkennen, ist noch mehr möglich. Klänge kommen mit dem System des Startups nicht mehr nur von links oder rechts, sondern aus jeder beliebigen Richtung – auch oben, unten und hinten – und aus jeder beliebigen Distanz. Und sie hören sich dabei so an, wie sie im jeweiligen (simulierten) Raum klingen sollten. „Das menschliche Gehör kann nach vorne die Position einer Schallquelle auf einen Grad genau erkennen. Deshalb fühlt sich der Sound, den man im virtuellen Raum heute im Normalfall bekommt, völlig unnatürlich an“, sagt Amon.

Promotion-Video von atmoky mit Sound-Probe (Kopfhörer aufsetzen)

Atmoky lieferte Sound-Technologie für Shooter-Spiel „Breachers“

Den Start machte das Startup mit seinem Produkt unter anderem im Gaming-Bereich. Besonders stolz ist das Team auf den Einsatz seiner Software beim VR-Shooter-Spiel „Breachers“. Dabei begibt sich das, inklusive Gründer, je nach Besetzung, sechs- bis achtköpfige Team in einen Markt mit mächtiger Konkurrenz.

Google, THX und Oculus als Konkurrenz

„Es gibt Spatial Audio-Systeme von Unternehmen wie Google, THX und Oculus. Aber das sind alles Standard-Lösungen. Wir positionieren uns mit unseren zehn Jahren Forschung im Hintergrund im hochqualitativen Segment“, sagt Amon. „Und wir bekommen die Rückmeldung, dass unser System am besten externalisiert, also das Gefühl vermittelt, dass die Geräusche von außerhalb des Kopfes kommen“. Gerade größere Game-Studios, die Sound-Design-Agenturen beauftragen oder eigene Abteilung dafür haben, würden sich daher für atmoky entscheiden.

Atmoky strebt Richtung Zoom und Co

Und es soll auch nicht beim Gaming-Bereich oder Wellbeing-Anwendungen wie „portal.app„, wo man ebenfalls auf das System setzt, bleiben. „Wir haben Anfang des Jahres erkannt: Am meisten Aufholbedarf gibt es in der Sprachkommunikation, das heißt etwa bei Online-Meetings oder bei virtuellen Messen. Der Status quo fühlt sich extrem unnatürlich an. In einem Zoom-Meeting hört man alle Leute aus der gleichen Richtung. Wenn sie gleichzeitig sprechen, wird es schwer“, sagt Amon. Spatial Audio soll hier etwa der „Zoom-Fatigue“ entgegenwirken.

„communication platform as a Service“

Im neuen Anwendungsfeld will atmoky auch neben dem bislang genutzten Lizenz-Modell ein weiteres Geschäftsmodell etablieren, das noch stärker skalierbar sein soll. Beim „communication platform as a Service“-Modell wird nach genutzten Minuten abgerechnet. Neben der Online-Kommunikation will das Startup damit auch in anderen Bereichen, etwa bei Metaverse-Anwendungen oder Webgames Fuß fassen. In einer virtuellen Welt, die bald gelauncht werden soll, wurde das System bereits integriert – in jener des ebenfalls in Graz ansässigen Startups arrival.space.

Hohe sechsstellige aws-Finanzierung für atmoky – Kapitalrunde geplant

Zur Finanzierung der nächsten Schritte, in Rahmen derer auch das Team ausgebaut werden soll, holte atmoky sich kürzlich eine hohe sechsstellige aws-Förderung. „Und wir peilen für kommendes Jahr eine Finanzierungsrunde an“, verrät Amon. Er sieht sein Unternehmen gut gerüstet für einen „extrem schnell wachsenden Markt“.

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Die Eye-Tracking-Brille von Viewpointsystem kommt im Rahmen des EU-Projekts Manufactor in der Industrie zum Einsatz | (c) viewpointsystem
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Einarbeitungszeiten um mehr als 35 Prozent und Fertigungsfehler um 20 Prozent reduzieren; gleichzeitig das Vertrauen der Mitarbeitenden in die eigenen Fähigkeiten um mehr als 20 Prozent steigern und die körperliche und mentale Belastung senken – das sind die ambitionierten Ziele des Projekts Manufactor.

Mit sechs Millionen Euro von Horizon Europe gefördert

14 Partner aus zehn EU-Ländern sind daran beteiligt, darunter Universitäten wie TU Darmstadt (Deutschland) und Universität Uppsala (Schweden), Industriebetriebe wie Hitachi Energy Sweden und Volkswagen Autoeuropa (Portugal) und Startups wie u-sense.it (Italien) und Viscando (Schweden). Mit dem oberösterreichischen Maschinenbauer Fill und dem Wiener Datenbrillen-Startup Viewpointsystem sind auch zwei österreichische Unternehmen bei dem im Rahmen von Horizon Europe mit sechs Millionen Euro geförderten EU-Projekt dabei.

Zusammenführung mehrerer Technologien

Um die zuvor genannten Ziele zu erreichen, sollen im Rahmen des auf drei Jahre angesetzten Forschungs- und Entwicklungsprojekts mehrere Technologien zusammengeführt werden und ein validierter Prototyp entstehen: tragbare Sensoren, XR-Brillen, Eye Tracking, 3D-Bildsensoren, KI-Agenten und Human Digital Twins. „Zusammen liefern sie Informationen über die körperliche und kognitive Situation der Mitarbeitenden und ermöglichen eine situationsgerechte Unterstützung direkt am Arbeitsplatz. Im Mittelpunkt stehen dabei der Mensch und die Frage, wie Technologie ihn bei seiner Arbeit bestmöglich unterstützen kann“, heißt es von Projektpartner Viewpointsystem in einer Aussendung.

Vom Eye-Tracking zum „Human Digital Twin“

Das Wiener Startup steuert als einer von vier zentralen Technologiepartnern eine Weiterentwicklung seiner Eye-Tracking-Brille bei. Die Eye-Tracking- und Kameradaten der Brille sollen im Projektverlauf mit weiteren Sensordaten zusammengeführt werden. Daraus soll ein Echtzeitbild der körperlichen und kognitiven Situation von Mitarbeitenden, also ein sogenannter „Human Digital Twin“ entstehen. KI-Agenten sollen diese Informationen dann nutzen, um die Unterstützung an die jeweilige Situation anzupassen, etwa durch Audioanweisungen oder direkt in der XR-Brille eingeblendete Informationen.

„KI kann ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen“

„Wirklich adaptive Unterstützung beginnt damit, den Menschen hinter der Aufgabe zu verstehen. Eye Tracking gibt uns in Echtzeit Aufschluss über die Aufmerksamkeit und kognitive Belastung eines Menschen“, erklärt Frank Linsenmaier, CTO von Viewpointsystem. „Auf dieser Grundlage kann KI ihre Unterstützung an die Person und die jeweilige Situation anpassen und damit über eine reine Automatisierung von Assistenz hinausgehen.“

Test in der Next World Factory von Fill

Getestet wird das unter anderem bei Industriepartner Fill, konkret im firmeneigenen Ausbildungs- und Lernzentrum Next World Factory. Im Projekt soll untersucht werden, wie adaptive, KI-gestützte Assistenz den Kompetenzerwerb beschleunigen und die sichere Anwendung im Arbeitsalltag unterstützen kann. Martin Muik, Forschung und Entwicklung bei Fill, nennt auch den Fachkräftemangel als Grund für das Projekt. „Mit Manufactor wollen wir erproben, wie intelligente Assistenz das Lernen individueller, effizienter und motivierender gestalten und Menschen dabei unterstützen kann, ihr Potenzial bestmöglich zu entfalten.“

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