23.09.2022

AR Technology: Investment für neues Startup von Greenstorm-Gründer mit AR-„Maus“

AR Technology aus Kufstein holt sich das Kapital vom vergangenes Jahr gestarteten Tiroler VC-Fonds Onsight Ventures.
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AR Technology sichert sich eine Seed-Finanzierung von Onsight Ventures
AR Technology sichert sich eine Seed-Finanzierung von Onsight Ventures | (c) AR Technology

Das kleine Gerät „Stylus XR“ soll – wenn es nach dem erst dieses Jahr gegründeten Tiroler Startup AR Technology geht, zur „Maus“ im AR-Bereich werden. Mit dem Gerät soll man in der Augmented Reality unter anderem präzise interagieren und messen, aber etwa auch Notizen hinterlassen können. Und laut Website arbeitet man bereits mit mehreren Autoherstellern, darunter VW, BMW und Nissan, sowie Industrieunternehmen wie Siemens oder ThyssenKrupp zusammen.

Trainingslösungen für die Industrie in der Augmented Reality

Und das ist nicht das einzige Produkt von AR Technology. Das Unternehmen bietet AR-Komplettlösungen im Industriesektor und rühmt sich dabei, Soft-, Hard- und Firmware aus einer Hand anzubieten. In einer Aussendung erklärt man: „Das Unternehmen erstellt industriespezifische Trainingsprogramme in der AR, in denen reale Werkzeuge durch einen Tracker angezeigt werden können. Dadurch können in der Realität unterschiedliche Szenarien virtuell, realitätsnah, ortsunabhängig und flexibel eingesetzt werden. Mit einer Kombination aus einer AR-Brille, Werkzeug-Tracking und der KI-unterstützten Software hat sich das Unternehmen auf das Training und die Entwicklung in Industrieunternehmen spezialisiert“.

AR-Schwesterunternehmen im Sicherheits-Bereich

Hinter dem Startup stehen Axel Schnaller und Richard Hirschhuber, dem zuvor mit dem E-Bike-Unternehmen Greenstorm ein großer Exit gelungen war. Die beiden betreiben an der selben Adresse in Kufstein mit MXR Tactics auch ein Schwesterunternehmen, das sich auf AR im Sicherheitsbereich spezialisiert hat – der brutkasten berichtete bereits. Zudem betreibt Hirschhuber mit Super Tracker noch ein Unternehmen in der Fahrrad-Branche.

Onsight Ventures steigt bei AR Technology ein

Mit AR Technology sicherten sie sich die beiden Gründer nun ein mittleres sechsstelliges Investment. Das Kapital kommt vom vergangenes Jahr gestarteten Tiroler VC-Fonds Onsight Ventures. Dieser ist auf Deep-Tech Startups spezialisiert und hat im Advisory Board Größen wie ARM-Gründer und Investor Hermann Hauser oder BioNTech-Co-Founder Christoph Huber.

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Die Gründer von versa: Jakob Logar, Maximilian Brehm und Elija Dentler (v. l.) | (c) webformance.agency

Ein schwieriges Kundengespräch, eine heikle Preisverhandlung oder eine verärgerte Kundin: Solche Situationen gehören in vielen Berufen zum Alltag. Doch wie bereitet man Mitarbeitende darauf vor? Klassische Kommunikationstrainings sind oft zeitaufwendig und bieten nur begrenzte Möglichkeiten, das Gelernte praktisch anzuwenden.

Genau hier setzt das Grazer Startup versa an. Das im Jänner 2026 gegründete Unternehmen hat eine KI-basierte Plattform entwickelt, mit der Mitarbeitende realistische Gesprächssituationen simulieren und anschließend individuelles Feedback erhalten können.

Gegründet wurde das Unternehmen von Jakob Logar, Elija Dentler und Maximilian Brehm. Die Idee entstand aus den beruflichen Erfahrungen der Gründer. Co-CEO Logar war rund 20 Jahre im Vertrieb tätig und absolvierte selbst zahlreiche Kommunikationstrainings. Diese seien zwar hilfreich gewesen, hätten aber meist nur wenig Raum für praktische Übungen geboten. „Da haben wir jetzt einfach gesehen, das was KI da möglich macht, ist eben diesen Flaschenhals der Rollenspiele aufzuheben“, erklärt Logar. Mitarbeitende könnten dadurch unabhängig von Trainer:innen oder Vorgesetzten Gespräche üben.

Von einem Forschungsprojekt zur KI-Plattform

Den Anstoß lieferte ein Forschungsprojekt am Grazer Know-Center. Dort wurde auf Anfrage der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht, ob sich Arzt-Patienten-Gespräche mit KI simulieren lassen. Ein erster ChatGPT-Prototyp zeigte Potenzial, aber auch technische Grenzen.

Heute kombiniert versa verschiedene KI-Modelle für die Szenarioerstellung, Sprachinteraktion und Auswertung. Unternehmen können eigene Unterlagen und Kundenprofile einbinden, um möglichst praxisnahe Trainingssituationen zu schaffen.

Doch warum braucht es dafür eine eigene Plattform statt ChatGPT? „Die Magie liegt eigentlich in der KI-Architektur und in der Agent-Orchestrierung“, sagt Logar. Anders als bei der Nutzung eines einzelnen Sprachmodells sollen die KI-Personas konsistent bleiben und die Auswertungen vergleichbar sein.

Eigene KI-Basismodelle entwickelt das Startup nicht. Stattdessen setzt es auf eine flexibel aufgebaute Architektur. „Wir verwenden immer das beste Modell“, so Logar. Neue Technologien könnten dadurch einzelne Komponenten ersetzen, ohne die gesamte Plattform verändern zu müssen.

Eingesetzt wird versa derzeit vor allem beim Onboarding neuer Mitarbeitender. Diese können vom ersten Kundentelefonat bis zur Preisverhandlung unterschiedliche Gesprächssituationen trainieren.

Das KI-Trainingsgespräch selbst erfolgt dann im Look eines Video-Calls. (c) versa Training GmbH

14 zahlende Kunden und bereits profitabel

Nur wenige Monate nach der Gründung zählt versa laut Logar rund 14 zahlende Unternehmenskunden. Darunter befinden sich eine große Bank und einer der größten deutschen Versicherer. Als Zielgruppe sieht versa nicht ausschließlich Großkonzerne. Interessant sei die Plattform grundsätzlich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitenden in kundenorientierten Rollen, etwa im Vertrieb oder Kundenservice.

Der Weg vom ersten Interesse zum Vertragsabschluss sei allerdings nicht immer kurz. Besonders bei größeren Unternehmen würden rechtliche Prüfungen rund um den Einsatz von KI den Verkaufsprozess verlängern.

Finanziert wurde das Startup bislang ausschließlich aus Eigenmitteln. Das Stammkapital von 10.000 Euro brachten die drei Gründer selbst auf. Auf die Frage, wann das Unternehmen profitabel werden wolle, antwortet Logar: „Wir sind schon profitabel.“

Förderabsage als Wendepunkt

Ursprünglich hatte das Gründerteam auf eine aws-Seedförderung gehofft. Nach einem Pitch im Frühjahr 2026 folgte jedoch die Absage. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gründer ihre bisherigen Jobs bereits gekündigt. Trotz des Rückschlags beschlossen sie weiterzumachen. „Wir haben dann aber den Entschluss gefasst, weiterzumachen, weil die Idee so gut ist“, erzählt Logar. Die Absage habe das Team letztlich stärker auf den Markt fokussiert.

Aktuell ist versa in der Science Park Graz Academy und arbeitet im Grazer Unicorn. Zunächst will das Startup aus eigener Kraft weiterwachsen und einen mittleren sechsstelligen Umsatzbetrag erreichen. Für die spätere Skalierung werden Partner gesucht.

Dabei denkt das Team von Beginn an international. „Wir haben ja keine sprachlichen Restriktionen“, erklärt Logar. Erste Kunden aus Deutschland hat versa bereits gewonnen. Langfristig will das Unternehmen vor allem dort wachsen, wo der Bedarf an skalierbaren Kommunikationstrainings besonders groß ist.

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