16.03.2023

Applai.me: KI-Tool von GoStudent-Mitarbeiter hilft bei Bewerbungsschreiben nach

Als "Schummeln" will Gründer Konstantin Lobanov Applai.me nicht verstanden wissen. Auf der Plattform Product Hunt bekommt die Anwendung derzeit jedenfalls viel Zuspruch.
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Konstantin Lobanov will mit Applai.me beim Bewerbungsprozess nachhelfen
Konstantin Lobanov will mit Applai.me beim Bewerbungsprozess nachhelfen | Foto beigestellt

Bei einer Bewerbung die richtigen Worte zu finden ist nicht immer einfach. Dabei folgen die Anforderungen der Arbeitgeber:innen klaren Regeln, ist sich Konstantin Lobanov sicher. Seine KI-Anwendung Applai.me braucht zwei Zutaten, dann soll sie maßgeblich bei der Bewerbung helfen: Die Job-Ausschreibung und den aktuellen Lebenslauf. Auf deren Basis optimiert sie den CV auf die Keywords der Ausschreibung, generiert ein Motivationsschreiben, das die Anforderungen perfekt treffen soll, und liefert sogar noch wahrscheinliche Job-Interview-Fragen zum Üben dazu.

Ist das nicht Schummeln?

Aber ist das nicht Schummeln? „Nein“, meint Lobanov, der im Hauptberuf Product-Mitarbeiter beim Wiener Unicorn GoStudent ist, gegenüber dem brutkasten. Der Job-Interview-Fragen-Generator sei lediglich eine Hilfe zur Vorbereitung der Bewerber:innen. Die CV-Optimierung passiere bei Applai.me nicht „auf Basis irgendwelcher imaginärer Dinge, sondern hilft einem zu sehen, ob der Lebenslauf passt und, falls nicht, was sinnvollerweise geändert werden sollte, um die Chancen zu erhöhen“.

Und der Motivationsschreiben-Generator? „Das kann man wohl am ehesten mit Schummeln in Verbindung bringen“, räumt der Gründer ein. Aber: „Wir befinden uns in einer Realität, in der generative KI, insbesondere ChatGPT, für jeden verfügbar ist“. Es seien aber nicht alle gut im „prompten“, also darin, die richtigen Eingaben für die KI zu machen. „Applai.me ist für jeden einfach zu benutzen. Es ermöglicht jedem, großartige Bewerbungsschreiben zu verfassen, nicht nur denjenigen, die am besten mit ChatGPT umgehen können“, sagt Lobanov. Seine Anwendung demokratisiere diesen Prozess also eher.

Erfolg für „Nebenjob“ Applai.me auf Product Hunt

„Kurzfristig denke ich, dass es den Leuten helfen wird, den Bewerbungsprozess zu beschleunigen und nicht Stunden mit dem Schreiben von Motivationsschreiben zu verbringen, die in 50 Prozent der Fälle nicht von einem Personalverantwortlichen geöffnet werden. Langfristig wird sich zeigen, dass der derzeitige Recruiting-Prozess nicht mehr zeitgemäß ist und geändert werden muss“, schätzt der Applai.me-Gründer. Denn insbesondere in der aktuellen Situation am Arbeitsmarktgebe es Bedarf, Prozesse zu hinterfragen und zu verbessern.

Applai.me basiert übrigens auf GPT 3.5 von OpenAI. „Ich nutze eine Kombination aus verschiedenen Prompts, um ein optimales Ergebnis zu erzielen“, erklärt Lobanov. Auf der Plattform Product Hunt, kommt die Anwendung jedenfalls gut an. Dort wurde sie von den User:innen auf den vierten Platz in der Kategorie „Product of the Day“ gewählt. Ob daraus ein Startup wird, lässt der Gründer aber noch offen: „Ich mache das als Nebenjob. Ich kann mir aber vorstellen, dass dieses Projekt expandiert und sich mit meinem vollen Einsatz zu einem ganzen Startup entwickelt“.

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Die notarity-Gründer (vlnr.): Alexander Gugler, Sebastian Wodniansky, Jakobus Schuster, Max Pointinger | (c) Alexander Schindler

Im Sommer 2021 ging das Wiener LegalTech-Startup notarity mit einem klaren Produktversprechen an den Start: die Online-Abwicklung notarieller Dienstleistungen einfacher und angenehmer zu machen. Damit konnte im Heimatmarkt Österreich bald ein signifikanter Anteil der Notariate überzeugt werden, nicht aber die Notariatskammer, die über eine Tochtergesellschaft ein eigenes Angebot in dem Bereich hat. Es kam zu einem jahrelangen Rechtsstreit – brutkasten berichtete zuletzt über das Urteil in zweiter Instanz.

Rund 2.000 internationale Unternehmen als Nutzer

Unter anderem deswegen fokussiert notarity seit Jahren auf das internationale Geschäft. Schon Anfang 2024 verkündete man, mehr als die Hälfte des Umsatzes im Ausland zu erzielen. Mittlerweile sind es mehr als 70 Prozent, wie es nun vom Startup heißt. Dabei lege man einen besonderen Fokus auf internationale Konzerne.

Aktuell würden knapp 2.000 internationale Unternehmen mit großteils mehr als 500 Beschäftigten notarity für digitale Notariatsakte nutzen. Dazu zählen internationale Wirtschaftskanzleien wie DLA Piper und Baker McKenzie. Die Zahl digitaler Dokumenten-Beglaubigungen für internationale Unternehmen, Kanzleien und institutionelle Kunden über die Plattform habe sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht.

Mit Umsatzverdopplung Break-even erreicht

So sei zuletzt auch eine Verdopplung des Umsatzes im Jahresvergleich gelungen. „Damit haben wir den Break-even erreicht und den entscheidenden Schritt vom wachstumsstarken Startup zum profitablen Global Champion gemacht“, kommentiert Co-Founder und CEO Jakobus Schuster. Rund 400 Notar:innen hätten mittlerweile mehr als eine Viertelmillion digitale Beglaubigungen über die Plattform abgewickelt, monatlich seien es derzeit rund 10.000.

Zu den wichtigsten Märkten außerhalb der EU zählen das Vereinigte Königreich, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Schweiz. „Mit dem Erreichen der Gewinnzone schaffen wir die Grundlage, um unsere internationale Expansion künftig aus einer Position finanzieller Stärke voranzutreiben“, so Schuster.

Novelle der Notariatsordnung 2020 als Anstoß

Möglich hat das alles auch die heimische Rechtslage gemacht. Mit einer 2020 beschlossenen Novelle der österreichischen Notariatsordnung wurde die Basis für Online-Notariatsdienstleistungen im Inland geschaffen. Mittlerweile gelten elektronische Beglaubigungen von Unterschriften über notarity in mehr als 100 Ländern. „Unser Produkt entstand unter hohen regulatorischen, datenschutzrechtlichen und sicherheitstechnischen Anforderungen.

Genau diese Standards werden heute international immer wichtiger und haben uns den Eintritt in regulierte Märkte erheblich erleichtert“, sagt Schuster und gibt das Ziel aus: „die weltweit führende Infrastruktur für digitale Beglaubigungen internationaler Unternehmen bereitzustellen und diese Position in weiteren Märkten auszubauen.“

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