17.04.2023

Alles vorbei? Das wurde aus dem Hype um Mastodon

Mastodon ist es nicht gelungen, den Vogel abzuschießen. Zumindest wenn man auf die Entwicklungen der aktiven Nutzer:innen blickt, bleibt Twitter unangefochten.
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Mastodon konnte Twitter nicht überflügeln. (C) jroballo - stock.adobe.com
Mastodon konnte Twitter nicht überflügeln. (C) jroballo - stock.adobe.com

Ein verhaltensauffälliger Milliardär kauft eine Social-Media-Plattform und löst unter den Nutzer:innen Bestürzung aus. Bereits am 25. April 2022, sechs Monate vor dem finalen Kauf von Twitter durch Elon Musk, planen einige User:innen ihren Absprung vom blauen Vogel.

Twitter-Sorgen ließen Mastodon abheben

„Und, was macht ihr so, wenn Musk Twitter kauft? Ab zu Mastodon?“, fragt der User hinter dem Profil „DerZuckerWaldi“ seine Follower:innenschaft. Als Musk Twitter ein halbes Jahr später tatsächlich kauft, werden derartige Vorhaben realisiert.

Das Chaos, das auf Twitter eigentlich zum Alltag gehört, stieg sprunghaft an. Viele Nutzer:innen kritisierten den neuen CEO des Unternehmens und machten sich über die Ausrichtung von Twitter Sorgen. Darüber hinaus suchten sie Alternativen, um ihre manchmal mehr, manchmal weniger tiefgründigen Ansichten über die Welt mit ihrer Gefolgschaft zu teilen.

Und weil Wanderpredigten nun schon seit knapp 2.000 Jahren außer Mode sind, tat sich das 2016 gegründete Mastodon als Alternative auf. Laut eigenen Angaben verzeichnete das soziale Netzwerk in dieser Zeit einen rasanten Zulauf. In den ersten zwei Wochen nach der Twitter-Übernahme von Musk meldeten sich knapp eine Million neuer User:innen auf Mastodon an.

Journalist:innen gesperrt, Journalist:innen getrollt

90.000 Nutzer:innen fügten im ersten Monat von Musks Twitter-Führerschaft ihre Mastodon-Konten in ihre Twitter-Bio ein, hinzu kamen 200.000 Tweets über die Konkurrenzplattform. Laut einem Bericht von Dewey Digital ist das „bei weitem der höchste Wert aller neuen sozialen Plattformen“.

Adam Davidson, ein Schriftsteller und Journalist, nutzte bereits Mastodon vier Jahre vor dem Führungswechsel in der Twitter-Geschäftsstelle. Der Unterschied zwischen den sozialen Netzwerken liegt für ihm auf der Hand. "Twitter monetarisiert im Grunde das Engagement, bei Mastodon habe ich das Gefühl, dass es wirklich auf Konversation ausgerichtet ist", wird Davidson im BusinessInsider zitiert.

Während Musk in einer Kurzschluss-Reaktion prominente Journalist:innen auf Twitter sperrte, dies aber gleich wieder aufhob, entstand bei Mastodon ein neuer Channel nur für Journalist:innen. Dabei war aber auch die aufstrebende Social-Media-Plattform mit Problemen konfrontiert. Nach der Einrichtung des Servers haben sich 184 Trolle angemeldet und die Konversationen gestört.

Aufstieg gestoppt, Abwärtstrend ebenso

Der Beliebtheit von Mastodon taten die Komplikationen zunächst keinen Abbruch. Am 3. Dezember 2022 sprengte Mastodon die Marke von acht Millionen Nutzer:innen. 2,5 Millionen Nutzer:innen waren aktiv. Unter aktiven User:innen versteht man jene, die mindestens einmal auf der Plattform eine Interaktion setzen.

Der Ärger auf Twitter über Musk stieg auch in den kommenden Wochen und Monaten, der Zulauf von Mastodon ebenso. Zum dritten Jahrestag des Sturms auf das Kapitol, bei dem Ex-US-Präsident Donald Trump via Twitter zum Aufruhr anstachelte, waren neun Millionen Nutzer:innen auf Mastodon gemeldet, 1,79 Millionen davon aktiv. Musk hatte zu dieser Zeit Trump indes "begnadigt" und entsperrte sein Profil.

Die Anzahl an Mastodon-Profilen nahm in den letzten Wochen und Monaten weiter zu. Mittlerweile zählt die Plattform laut eigenen Angaben elf Millionen Nutzer:innen. Die Zahl der aktiven Nutzer:innen ist dennoch rückläufig. Laut Daten des Mastodon-Servers sind derzeit 1,2 Millionen Nutzer:innen auf der Plattform aktiv, das entspricht weniger als der Hälfte vom Dezember-Wert. Twitter zählt zum Vergleich 1,3 Milliarden Konten, rund 370 Millionen werden als aktiv wahrgenommen. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2022 ist das jedoch ein erheblicher Rückgang. Damals waren noch 450 Millionen Nutzer:innen monatlich auf der Plattform aktiv.

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v.l. Matthias Schabetsberger, Managing Director Polestar Österreich, mit dem stellvertretenden schwedischen Botschafter Anders Lindgren. | © René Lueger

Der Ort war kein Zufall. „Wir sind eine schwedische Marke”, sagte Schabetsberger vor den Gästen in der schwedischen Botschaft, wo Polestar in Kooperation mit der schwedischen Handelskammer seit Jahren regelmäßig zu Gast ist. Neben Design, Performance und Nachhaltigkeit zahlten die Markenwerte stark auf gesellschaftliche Werte ein, die in Skandinavien hoch gelebt würden: Inklusion, Vielfalt, Gender Equality.

Wie schwedisch das Unternehmen ist, machte er an Zahlen fest: Von den etwas mehr als 2.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als zwei Drittel in Schweden. Entwickelt, abgestimmt und designt wird in Schweden, wo die Verbindung zur Schwestermarke Volvo nach wie vor eng ist. Entstanden ist Polestar vor rund zehn Jahren aus einem schwedischen Rennteam, mit einem klaren Bekenntnis zum reinen Elektroantrieb. “So wollen wir als kleine schwedische reine Elektroauto-Marke der Challenger sein für die große Automobilindustrie”, so Schabetsberger.

Der stellvertretende schwedische Botschafter Anders Lindgren nannte Polestar ein gutes Beispiel dafür, wie Innovation den Übergang zur Elektromobilität in praktische Lösungen übersetzt. Die Erfahrung Schwedens zeige, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit einander verstärken.

Fünf Jahre Polestar in Österreich: Jubiläumsempfang in der schwedischen Botschaft im 9. Wiener Bezirk. | © René Lueger

“Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup”

Im Gespräch mit brutkasten zog Schabetsberger eine Parallele zur Gründerszene. Polestar sei ein junges Unternehmen: “Wir waren ein Startup und sind jetzt ein Scaleup.” Diese Dynamik habe man bewusst gewählt, ebenso den Anspruch, Dinge anders zu denken als klassische Mitbewerber. Einen typischen Polestar-Fahrer gebe es nicht, die Marke sei über alle Altersklassen hinweg beliebt, mit einem relativ ausgeglichenen Anteil männlicher und weiblicher Kunden. Was sie verbinde: die Einstellung zur Elektromobilität und zu gesellschaftlichen Werten. Als skandinavische Marke sei Polestar Europas einzige rein elektrische Automarke.

Polestar ist darüber hinaus eng mit dem schwedischen Innovationsökosystem verbunden. In Göteborg ist Polestar Partner von MobilityXlab, einem Innovationshub am Lindholmen Science Park, der Tech-Startups mit Unternehmen wie Ericsson, Volvo Group und Zenseact zusammenbringt. Ursprünglich auf Mobilität und Konnektivität fokussiert, öffnet sich die Plattform seit September 2026 auch für weitere Industrien. Ausgewählte Startups arbeiten eng mit Polestar an Proofs of Concept, etwa für digitale Customer Journeys und das Erlebnis im Fahrzeug.

Quiet Luxury statt noch mehr Touchscreens

Auf die Frage nach dem Design antwortete Schabetsberger mit einem Begriff aus der Mode: Quiet Luxury. Für Polestar heiße das: “wir brauchen aus unserer Sicht nicht mehr, sondern besser”. Während viele Premiumhersteller im Innenraum mit Holz, Alu, Leder, vielen Lichtvarianten und immer mehr Bildschirmen arbeiten, gehe Polestar einen anderen Weg: klare Linien, reduziertes, funktionales Design. “Wir finden immer mehr Kunden, die in einer aufgeregten Welt mit ständig neuen Produkten und ständiger Veränderung genau dieses reduzierte Design, diesen Quiet Luxury schätzen.” Das Prinzip gelte auch für den Auftritt der Marke: “Man muss jetzt nicht unbedingt immer laut schreien, um gehört zu werden.”

Der Polestar 5 vor der schwedischen Botschaft in Wien: Der vollelektrische Grand Tourer ist das neue Flaggschiff der schwedischen Marke und leistet in der Performance-Version bis zu 650 kW. | © René Lueger

Weniger Bildschirme heißt dabei nicht weniger Technologie. Beim neuen Polestar 4 SUV zieht mit Google built-in der KI-Assistent Google Gemini ins Auto ein. Dank der engen Partnerschaft mit Google ist dieser sukzessive auch in weiteren Modellen verfügbar. Funktionen wie Vehicle-to-Load und ein Camping Mode kommen per Software-Update. Die Transparenz, die Schabetsberger betont, hat eine Zahl: Für den Polestar 4 SUV weist Polestar den CO2-Fußabdruck bis zum Werkstor aus, 20,2 Tonnen CO2-Äquivalent bei der Rear-Motor-Variante. Bis 2030 will Polestar die Treibhausgasemissionen pro verkauftem Fahrzeug halbieren, bis 2040 in der gesamten Wertschöpfungskette klimaneutral sein. Und Polestar Charge bündelt mehr als 1,25 Millionen Ladepunkte in Europa über ein Konto, inklusive Tesla Supercharger.

Von drei auf 13 Standorte

Gestartet ist Polestar in Österreich mit einem Direct-to-Consumer-Modell und einem Polestar Space in der Wiener Herrengasse, später kamen Graz und Linz dazu. Im Vorjahr wurde das Modell erweitert: Online bestellen geht weiterhin, zusätzlich können Kunden bei regionalen Partnern in einem Agentursystem Probe fahren, kaufen und das Fahrzeug ausgeliefert bekommen. Die Zahl der Standorte wuchs von drei auf 13, von Dornbirn bis Wien.

Dahinter steht eine Marktbeobachtung: Traditionell seien Flottenkunden die Early Adopter gewesen, in den vergangenen zwölf bis 24 Monaten komme das Wachstum aber vor allem von Privatkunden und Kleinunternehmen. Um sie in Vorarlberg, Tirol oder Salzburg zu erreichen, brauche es regionale Partner. Fünf Jahre nach dem ersten Polestar Space blickt Schabetsberger nach vorne, auf “weitere Jahrzehnte in enger Kooperation”.

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