23.03.2026
FINANZIERUNG

afreshed: Millioneninvestment von Raiffeisen-Holding NÖ-Wien für Linzer Startup

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien übernimmt mit einem mittleren siebenstelligen Betrag 25,1 Prozent des Lebensmittel-Rettungs-Startups afreshed. Das Kapital soll unter anderem in die Deutschland-Expansion fließen.
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Die afreshed-Gründer mit dem Raiffeisen-Chef vlnr. Lukas Forsthuber, Maximilian Welzenbach, Michael Höllerer und Bernhard Bocksrucker | (c) afreshed
Die afreshed-Gründer mit dem Raiffeisen-Chef vlnr. Lukas Forsthuber, Maximilian Welzenbach, Michael Höllerer und Bernhard Bocksrucker | (c) afreshed

2021 in Linz von Maximilian Welzenbach, Lukas Forsthuber und Bernhard Bocksrucker direkt aus der Schule heraus gegründet, hat sich afreshed mit sogenannten „Retterboxen“ in den vergangenen Jahren in Österreich einen Namen gemacht. In den Boxen befindet sich Bio-Obst und Gemüse, das aufgrund optischer Normabweichungen nicht in den klassischen Handel gelangt, obwohl es qualitativ einwandfrei ist. Sie werden von einem zentralen Lager in Niederösterreich aus direkt an private und Unternehmens-Kund:innen geliefert. Bereits im Jahr 2023 konnte das Startup damit 4,7 Millionen Euro Umsatz erzielen, wie brutkasten damals berichtete. Mittlerweile beschäftigt man 25 Personen.

Raiffeisen-Holding NÖ-Wien kauft Viertel von afreshed

Nun soll der nächste Wachstumsschritt erfolgen. Das Startup will nicht nur sein Angebot in Österreich ausbauen, sondern auch in Deutschland starten. Dazu holte es sich jetzt ein Investment in mittlerer siebenstelliger Höhe von der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien, die damit 25,1 Prozent der afreshed-Anteile erwirbt. „Wir sind vorne mit dabei, wenn es darum geht, junge Unternehmen, die zu unserem Portfolio passen, zu unterstützen. Afreshed hat gezeigt, wie sich ein Geschäftsmodell von einer bemerkenswerten Idee hin zu einer vielversprechenden Zukunft entwickeln kann. Das hat uns überzeugt. Wir freuen uns, das Unternehmen bei seinem nächsten Schritt, die Expansion nach Deutschland, zu begleiten“, kommentiert (noch) Raiffeisen-NÖ-Wien-Generaldirektor Michael Höllerer.

„Strategischer Partner, der unsere langfristige Vision unterstützt“

„Mit der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien gewinnen wir einen starken strategischen Partner, der unsere langfristige Vision unterstützt. Unser Ziel ist es, zu einem der führenden Anbieter für gerettete Lebensmittel im deutschsprachigen Raum zu werden“, heißt es in einem Statement von den afreshed-Gründern. In den vergangenen Jahren habe man das Geschäftsmodell konsequent weiterentwickelt und stark in Digitalisierung sowie den Aufbau einer eigenen Frischelogistik investiert, durch die man das Unternehmen zu einem flächendeckenden Lieferdienst entwickeln konnte, heißt es vom Startup.

Auf langfristige Beteiligungen ausgerichtet

Die Raiffeisen-Holding NÖ-Wien ist kein klassischer Startup-Investor (brutkasten berichtete hier ausführlich). Die Beteiligungsgesellschaft ist im Gegensatz zu (Corporate-)VC-Fonds nicht Exit-orientiert, sondern auf langfristige Beteiligungen ausgerichtet. Im konkreten Fall wird afreshed Teil des Geschäftsfelds „Nahrungs- & Genussmittel“, wo die Holding Lebensmittelriesen wie Agrana und auch Startups wie Neoh im Portfolio hat.

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Gropyus, Berlin, Lichtenberg
© Gropyus

Es ist wohl eine der aufsehenerregendsten Insolvenzen in der heimischen Startup-Geschichte: Die auf automatisierten Hausbau spezialisierte Wiener Gropyus AG, die zuletzt im März dieses Jahres eine weitere in einer Reihe von Finanzierungen über je 100 Millionen Euro kommunizierte, vermeldet die Insolvenz mehrerer Tochtergesellschaften. Öffentliche Daten gibt es zu diesen Insolvenzen aktuell noch nicht – bislang ist nur bekannt, was Gropyus selbst per Aussendung kommuniziert.

Investorenzahlung laut Gropyus ausgeblieben

Demnach ist die Muttergesellschaft nicht insolvent. Auslöser für die Anträge bei den Tochtergesellschaften sei ein akuter Liquiditätsengpass. „Die Auszahlung einer vertraglich vereinbarten und bereits fälligen Investorenfinanzierung ist nicht wie geplant erfolgt, eine Überbrückung durch bestehende Gesellschafter reichte nicht für alle Gesellschaften aus“, heißt es vom Unternehmen. Die Verfahren sollen nun „einen geordneten rechtlichen Rahmen“ schaffen, um den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, Finanzierungslösungen umzusetzen und die Fortführung der betroffenen Gesellschaften zu ermöglichen. „Zugleich verschaffen sie die Zeit, die laufenden Gespräche mit bestehenden und neuen Kapitalgebern strukturiert zum Abschluss zu bringen“, heißt es in der Aussendung weiter.

CEO Erler: „Gropyus soll gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen“

Gründer und seit dem Abgang von Markus Fuhrmann im August alleiniger CEO Philipp Erler kommentiert: „Die Anträge sind kein Rückzug, sondern ein aktiver Schritt, um diese Substanz zu sichern und Gropyus neu aufzustellen. Unser Fokus liegt auf der Fortführung laufender Projekte, der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und einer tragfähigen Finanzierung, mit der frisches Kapital gezielt in Produktion und Projekte fließt. Die weit fortgeschrittenen Investorengespräche wollen wir schnell abschließen – noch vor Eröffnung der Verfahren. Unser Ziel ist klar: Gropyus soll gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen.“

Vergesellschaftungsdebatte in Berlin als Unsicherheitsfaktor

Trotz der dezidierten Begründung der Insolvenz mit der ausbleibenden Investoren-Zahlung verweist Gropyus in der Aussendung auch auf ein „deutlich verschärftes“ Marktumfeld. „Hohe Bau- und Finanzierungskosten belasten die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte, lange Planungs- und Genehmigungszyklen verzögern Projektstarts“, heißt es vom Unternehmen. Hinzu kämen politische und regulatorische Unsicherheiten, „insbesondere die aktuellen Debatten um die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin, einem wichtigen Markt für Gropyus“.

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