08.05.2026
TACEO

„Abliefern statt Oversellen“: Wie ein Grazer Startup Sam Altmans World-Projekt knackte

Das Grazer Startup Taceo beweist, dass technologische Exzellenz "Made in Austria" selbst die ambitioniertesten Projekte des Silicon Valley überzeugen kann. Im Interview gibt CEO Lukas Helminger der Redaktion Einblicke in die zweijährige Anbahnung mit Sam Altmans "World"-Projekt.
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Taceo
(v.l.) Taceo-CEO Lukas Helminger und Sam Altman.

Wenn es um die sichere Verarbeitung hochsensibler Daten geht, setzt die Tech-Welt zunehmend auf Post-Quanten-Kryptografie. Genau in dieser komplexen Nische arbeitet das Grazer Startup Taceo. Mit ihrer wegweisenden Technologie sicherten sie sich nicht nur ein Millioneninvestment aus dem Silicon Valley, sondern gewannen kürzlich auch Sam Altmans World-Projekt als wichtigsten Kunden, wie brutkasten bereits berichtete. Doch wie gelingt ein solcher Coup?

Abliefern statt Oversellen

„Es ist eigentlich sehr unspannend“, erzählt Lukas Helminger, CEO bei Taceo mit einem Schmunzeln. „Wir besuchen immer auch die größten akademischen Konferenzen für Blockchain-Technologie – und dort ist der Erstkontakt entstanden. Sehr zufällig, ein Wissensaustausch“, erzählt er weiter. Schnell wurde klar: World hatte ein konkretes Performance-Problem in der Infrastruktur, das bereits mehrere Firmen nicht lösen konnten. Taceo konnte genau hier ansetzen, doch es folgte ein zweijähriger Prozess der Vertrauensbildung.

Die Grazer starteten zunächst mit kleinen Forschungs-Grants und Consulting-Aufträgen, bei denen sie lediglich Sub-Teile der Infrastruktur lieferten. Erst nach und nach setzte das World-Projekt schließlich vollständig auf die Kerninfrastruktur des Startups. Es war ein zweijähriger Prozess des Vertrauens in uns und die Technologie“, sagt Helminger. Dabei wurde nie mit Sam Altman selbst gesprochen. Die Gespräche liefen stets mit einem technischen Mitglied des Gründungsteams, einem Kryptografie-Experten.

Die entscheidende Zutat? Laut Helminger war es schlussendlich Integrität. „Wir hatten eher das Problem des Understatements. Als europäisch-österreichisch ausgebildete Forscher neigt man dazu, zu understaten. Aber wenn man dann wirklich abliefert, wird das Vertrauen immer größer.“ Persönliche Working-Sessions und Besuche vor Ort taten ihr Übriges. Was World an Taceo zahlt, bleibt streng vertraulich: „undisclosed“, so Helminger knapp.

Die Silicon-Valley-Rutsche

Diese konsequente Leistung öffnete dem Startup letztlich die ganz großen Türen. Das World-Team war von der Grazer Technologie derart begeistert, dass sie für Taceo die direkte Intro zu US-Investoren legten. „Sie haben einfach gesagt: Die Leute haben für uns ein wirklich schwieriges Problem gelöst, was andere nicht konnten.“ Das Ergebnis: ein 5,5-Millionen-Euro-Investment, wie brutkasten berichtete.

Eine Randnotiz, die Bände spricht: Für die amerikanischen VCs war der österreichische Notarprozess komplettes Neuland. „Für die meisten war das ein Riesenhorror“, erinnert sich Helminger. Zum Notar, alles vorlesen lassen: in den USA schlicht unbekannt. „Es war für alle das erste Mal“, so Helminger weiter, aber man hat es schlussendlich trotzdem gemacht und direkt in die österreichische GmbH investiert.

„Proof of Human“: Das nächste große Geschäftsfeld

Der unmittelbare Fokus liegt in näherer Zukunft auf Wachstum durch Kunden, nicht durch Kapital. „Wir sehen gerade sehr viel Demand im Identity- und Private-Finance-Bereich“, sagt Helminger. „Deswegen ist jetzt der ganze Fokus für die nächsten Monate auf der Kundengewinnung, weil Fundraising-Prozesse immer sehr vom Core Business ablenken.“

Dass die Nachfrage steigen wird, davon ist Helminger überzeugt – nicht zuletzt wegen eines Mega-Trends, der gerade erst Fahrt aufnimmt: KI-Agenten. Wenn künftig Agenten autonom Flüge buchen oder Einkäufe tätigen, stellt sich die Frage der Identität und Haftung. „Proof of Human“ wird hier zur kritischen Infrastruktur. Taceo will sich dabei als Schutzwall für die sensiblen biometrischen Daten, die für diese Identitätsnachweise notwendig sind, positionieren.

Bekenntnis zum Standort

Trotz Silicon-Valley-Investoren und globalem Kundenstamm bleibt der Wunsch klar: in Österreich. „Wir sind alle österreichische Gründer – der Wunsch ist schon, hier zu bleiben, solange das irgendwie geht“, sagt Helminger. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter sind am Standort Graz, der Rest über Europa verteilt. Abwandern würde man nur, wenn die Unternehmensführung aufgrund der Rechtslage nicht mehr wie gewünscht möglich wäre oder wenn Kapital schlicht nicht mehr ins Land fließen würde.

Für die nächste Finanzierungsrunde hat Helminger zudem ein klares Nebenziel: „Wir würden uns wünschen, auch europäische, vielleicht sogar österreichische, Beteiligung zu haben.“ In den ersten beiden Runden war das aufgrund des Hochrisiko-Charakters der Technologie eher schwierig. Doch Helminger glaubt, dass sich das ändert: „Ich habe das Gefühl, dass in den letzten zwei, drei Jahren mehr Interesse da ist, auch von österreichischer Seite in diese Technologie zu investieren.“

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vlnr.: Lisa Fassl, Natascha Fürst und Florian Haas | (c) Viktoria Waba/brutkasten / Martina Trepczyk / brutkasten

Es ist wieder soweit: Die halbjährliche Trilogie der EY-Reports zur Startup-Finanzierung in Österreich wird mit der gewohnten Hiobsbotschaft komplettiert. Während die allgemeine Investment-Statistik Zyklen unterliegt, die sich in der langfristigen Betrachtung durchaus aufwärts bewegen, zeigt sich beim Female Startup Funding Index, den EY gemeinsam mit Female Founders und Fund F herausbringt, immer das gleiche Bild: Verbesserungen und Verschlechterungen passieren im Prozentpunkt-Bereich auf konstantem Keller-Niveau.

94,9 Prozent des Kapitals an rein männliche Teams

Die konkreten aktuellen Zahlen: Von den statistisch erfassten 472 Millionen Euro Risikokapital für österreichische Startups im ersten Halbjahr 2026 flossen 94,9 Prozent an rein männliche Founding-Teams, gemischte Teams erhielten 4,8 Prozent des Kapitals und rein weibliche Teams lediglich 0,3 Prozent; der Frauenanteil unter den Gründer:innen von Startups mit Investment im ersten Halbjahr liegt bei nur 13 Prozent; nur drei der 95 für den Index analysierten Startups mit Finanzierung haben ein ausschließlich weibliches Founding-Team; und bei Finanzierungen über zehn Millionen Euro gibt es kein einziges Gründungsteam mit weiblicher Beteiligung.

Fassl: „Der Aufschwung hat ein Geschlecht“

„2026 ist das Kapital zurück: 472 Millionen Euro Risikokapital für Österreichs Startups, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr, und so viele Finanzierungsrunden wie nie zuvor. Bei Frauen ist davon nichts angekommen. Während rein männliche Teams fast das gesamte Volumen einsammelten, gingen 0,3 Prozent des Geldes an rein weibliche Teams – rund 1,4 Millionen Euro im gesamten Halbjahr. Damit ist klar: Der Aufschwung hat ein Geschlecht“, kommentiert Lisa-Marie Fassl, Managing Partner von Fund F und Co-Gründerin von Female Founders.

Dass die Schieflage auch in einem starken Marktumfeld bestehen bleibt, habe mehrere Gründe, analysieren die Studienautor:innen: Große Finanzierungsrunden würden häufig von etablierten Venture-Capital-Fonds getragen, die auf bestehende Netzwerke, frühere Investmenterfolge und bekannte Muster zurückgriffen. Gleichzeitig zeige sich seit Jahren, dass Gründerinnen insbesondere beim Zugang zu Investorennetzwerken und großen Wachstumsfinanzierungen häufiger auf Hürden stoßen. Genau diese späten Finanzierungsphasen hätten jedoch den größten Einfluss auf die Verteilung des investierten Kapitals. „Das Problem beginnt nicht erst bei der Finanzierung, wird dort aber besonders sichtbar“, kommentiert Florian Haas, Head of Startup bei EY Österreich.

Fürst: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ“

Wie oben erwähnt, liegt der Frauenanteil unter den Gründer:innen jener Startups, die erfolgreich eine Finanzierung erhalten haben, bei rund 13 Prozent (31 von insgesamt 248 Gründer:innen). Eine weitere Aufschlüsselung: Von den insgesamt 95 erfassten Startups mit Investment im ersten Halbjahr, deren Gründungsteam bekannt ist, haben 72 ein ausschließlich männliches Founding-Team (76 Prozent), weitere 20 ein gemischtes Team (21 Prozent) und lediglich drei ein rein weibliches Gründungsteam (3 Prozent). Dabei handelt es sich um Factorymaker, Faund Social Dating Club und Recruitiverse.

Natascha Fürst, CEO von Female Founders, leitet daraus ab: „Die Zahlen widerlegen ein bequemes Narrativ: Es gründen genug Frauen – das Problem ist, wer von ihnen ans Kapital kommt.“ Die Studie zeige kein Problem an der Gründungsbasis, sondern ein strukturelles Versagen des Kapitalmarkts. „Und das lässt sich nicht wegdiskutieren“, so Fürst.

Lisa-Marie Fassl legt nach: „Noch nie saßen so viele Frauen in finanzierten Gründungsteams wie jetzt: 13 Prozent. Und trotzdem floss fast das komplette Kapital an rein männliche Teams. Mehr Frauen am Tisch heißt offensichtlich nicht mehr Geld für Frauen. Wer glaubt, dass das der nächste Aufschwung von selbst reguliert, hat die letzten vier Jahre die Augen zugemacht. Es wird Zeit, dass wir aufhören, eine rationale, wirtschaftliche Diskussion emotional zu führen. Denn als Standort lassen wir Rendite auf dem Tisch liegen, nachweislich, Jahr für Jahr.“

Keine Frau in Gründungsteams mit Investments über 10 Mio. Euro

Konkret lag bei Startups mit Finanzierungen bis zu einer Million Euro der Gründerinnenanteil bei 17 Prozent. Bei Finanzierungen zwischen einer und zehn Millionen Euro waren acht der insgesamt 75 Gründer:innen Frauen (11 Prozent). Bei allen analysierten Finanzierungen über zehn Millionen Euro bestanden die bekannten Gründungsteams ausschließlich aus Männern.

„Dass Gründerinnen bei kleineren Runden sichtbar sind, bei größeren Tickets aber praktisch verschwinden, zeigt sehr deutlich, wo die größte Herausforderung liegt: beim Zugang zu Wachstumskapital. Dort entscheidet sich letztlich, welche Unternehmen zu internationalen Champions werden“, analysiert Florian Haas.

Health-Sektor sticht positiv heraus

Deutliche Unterschiede beim Gender Investment Gap zeigen sich übrigens auch im Branchenvergleich: Hier sticht vor allem der Health-Sektor heraus, in dem insgesamt 17 Startups eine Finanzierung erhielten. Dort lag der Frauenanteil bei knapp 23 Prozent. Unter den insgesamt 48 Gründer:innen dieser Unternehmen befanden sich elf Frauen. Demgegenüber weisen mehrere technologieintensive Bereiche keine einzige Gründerin unter den finanzierten Startups auf, darunter SpaceTech/NewSpace, FinTech/InsurTech, Education, DefenseTech sowie ClimateTech/GreenTech/CleanTech.

„Gerade der Bereich Health zeigt, welches Potenzial entsteht, wenn unterschiedliche Perspektiven in Gründungsteams zusammenkommen“, kommentiert Natascha Fürst. „Vielfalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Innovationsfaktor. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel führen zu besseren Produkten, neuen Märkten und nachhaltigeren Unternehmen.“

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