15.02.2022

Schramböck: „Fehlen von Schlüsselkräften größte Gefahr für den Standort“

Vor zwei Jahren wurde die ABA von einer Betriebsansiedlungsagentur zu einer Standortagentur ausgebaut. Nun zogen Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und ABA-Geschäftsführer René Tritscher eine Zwischen-Bilanz.
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Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck © der brutkasten - Rot-weiß-rot-karte - aba
Margarete Schramböck | © der brutkasten

Als großen Erfolg sieht Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck den vor rund zwei Jahren erfolgten Umbau der ABA von einer reinen Betriebsansiedlungsagentur zu einer umfassenden Standortagentur bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit ABA-Geschäftsführer René Tritscher. Im Kernbereich Betriebsansiedlung („Invest in Austria“) ist 2021 mit 364 Ansiedlungen internationaler Unternehmen die zweithöchste Anzahl in der 40-jährigen Geschichte erreicht worden. Sehr positiv wertet die Ministerin auch die Zahlen in den zwei Teilbereichen „Work in Austria“, also die Unterstützung heimischer Unternehmen beim Anwerben ausländischer Fachkräfte, und „Film in Austria“.

Rot-Weiß-Rot-Karte: 2021 beriet ABA 474 Unternehmen

Die ABA unterstützt mit „Work in Austria“ Unternehmen bei der Rot-Weiß-Rot-Karten-Antragstellung. Als Testimonial führt Geschäftsführer Tritscher das Krypto-Startup Coinpanion an, das mit Hilfe der Agentur mittlerweile fünf IT-Fachleute aus Drittstaaten nach Österreich holte. Insgesamt habe man vergangenes Jahr 474 Unternehmen in Sachen Rot-Weiß-Rot-Karte bzw. Blaue Karte der EU beraten, heißt es von der ABA – mit einer Erfolgsquote von 90 Prozent. „Wir sehen uns als Vermittler und nicht als Gegner der Behörden“, betont Tritscher. Wichtig sei es, dass Unternehmen sich möglichst frühzeitig und jedenfalls vor der Antragstellung bei der Agentur melden. Zudem betreibt Work in Austria auch eine Jobbörse auf der aktuell mehr als 2500 Stellenangebote für internationale Arbeitskräfte zu finden sind. „Die Jobbörse wird sehr intensiv genutzt. Über sie wurden bereits 1700 konkrete Bewerbungen generiert“, sagt Tritscher.

Ministerin Schramböck hebt die Wichtigkeit ausländischer Fachkräfte für heimische Unternehmen hervor. „Unternehmen verlieren bereits Umsätze, weil ihnen Schlüsselkräfte fehlen. Sie können Aufträge nicht annehmen – das ist nicht im Sinne der Unternehmen und auch nicht des Standorts und der Wirtschaftsministerin“, sagt sie. „Der Fachkräftemangel stellt aus meiner Sicht die größte Gefahr für den Standort dar. Er kann die größte Wachstumsbremse für Österreich werden“. Die ABA biete mit ihrer Hilfeleistung für Unternehmen einen pragmatischen Ansatz.

Geplante Verbesserungen bei Rot-Weiß-Rot-Karte: „Nächster Schritt sind Gespräche“

Auf die Frage eines Journalisten, ob denn auch Verbesserungen bei der als sehr komplex und bürokratisch geltenden Antragstellung der Rot-Weiß-Rot-Karte geplant sind, antwortet die Ministerin: „Es steht im Regierungsprogramm, dass sie verbessert werden soll“. Es sei auch schon etwas passiert: konkret das Wegfallen des Passus „ortsübliche Unterkunft“. Der „nächste Schritt“ seien nun Gespräche mit Innenministerium und Arbeitsministerium für weitere Änderungen. Solche seien etwa beim Punktesystem angedacht, sagt Schramböck.

Zum Bereich Betriebsansiedlung liefert Tritscher mehrere statistische Details. Die 364 internationalen Unternehmen, die 2021 gemeinsam mit den Regionalgesellschaften betreut wurden, investieren zusammen 1,24 Milliarden Euro in den Standort und schaffen 3.403 Arbeitsplätze. Die größte Branche war dabei IT, Telekom & Software gefolgt von wirtschaftsnahen Dienstleistungen. Mit Abstand wichtigstes Herkunftsland bleicbt Deutschland gefolgt von Italien und der Schweiz. Als Gründe, warum es verhältnismäßig wenige nordamerikanische und asiatische Ansiedlungen gibt, nennt Tritscher viel längere Vorlaufzeiten und höhere bürokratische Hürden.

Schramböck: „Ohne ABA kein Chris Hemsworth in Österreich“

Film in Austria ist der kleinste der drei Bereiche der ABA. Insgesamt wurden 2021 sechs internationale Filmprojekte nach Österreich geholt und damit laut ABA sechs Millionen Euro an Zusatzausgaben generiert. „Der touristische Werbeeffekt ist hier noch nicht eingerechnet“, betont Tritscher. Zuletzt wurde fand ein aufwändiger Action-Dreh für eine Netflix-Produktion mit dem australischen Schauspieler Chris Hemsworth im 22. Bezirk in Wien statt. Dazu Schramböck: „Was hat Hemsworth mit der ABA zu tun? Sehr viel!“. Das Wirtschaftsministerium habe dabei auch 1,4 Millionen Euro aus Förderungen beigesteuert. In 14 Tagen seien dann mehr als fünf Millionen Euro vom Filmteam am Standort ausgegeben worden. „Ohne ABA kein Chris Hemsworth in Österreich“, so die Ministerin.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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