15.04.2021

Die wichtigsten Fakten zu den „50 innovativsten Unternehmen 2021“

2021 sind weniger Firmen aus Europa unter den Top-Innovatoren. Es gibt einen Zusammenhang zwischen Innovation und Diversität.
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Apple
© Unsplash

Die Coronakrise hat auch die Liste der „innovativsten Unternehmen“ stärker in Bewegung gebracht als in den Jahren davor. Nur 33 Unternehmen im Ranking der „Most Innovative Companies of 2021“ der Boston Consulting Group waren bereits im Jahr davor in den Top 50. 17 der Top-Innovatoren sind neu in der Liste oder kehren nach Jahren wieder dorthin zurück. Wenig überraschend ist die Branche, die den frischen Wind bringt: Neun Pharmafirmen haben es in die Top 50 geschafft, dreimal so viele wie noch 2020 und drei davon sind komplette Newcomer in dem Ranking. In den Top 5 gibt es jedenfalls auch heuer keine Überraschung: Apple, Alphabet (Google), Amazon, Microsoft, Tesla.

Europa verliert 4 Top-Plätze

Europa stellt heuer vier innovative Unternehmen weniger in dem BCG-Ranking. Mit 11 Plätzen liegt Europa hinter dem Top-Performer USA. In die Top 10 schaffte es kein europäisches Unternehmen, auf Platz 11 folgt dann Siemens aus Deutschland. Aus US-Staaten kommen 27 Unternehmen, zwei mehr als im Jahr davor. BCG führt diesen Abstand vor allem auf Tech- und Software-Unternehmen zurück, bei denen die USA traditionell stark sind und die in der Coronakrise gut performt haben. China stellt heuer nur vier Firmen unter den innovativsten Unternehmen der Welt. Die Analysten gehen aber davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren stark ändern wird.

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Die „50 Most Innovative Companies of 2021“ © BCG

Diversity treibt Innovation

Die BCG hat sich heuer auch angesehen, in welchem Zusammenhang Innovation mit ausgewogenen Führungsteams steht. „Wenn es um Diversity und Innovation geht, gibt es die große Henne-Ei-Frage: Was kommt zuerst?“, sagt Johann Harnoss, BCG Associate Director und Co-Autor des Berichts. „Wir haben versucht, diese Frage zu klären, indem wir die spezifischen Daten herangezogen haben, die bis ins Jahr 2005 zurückreichen. Wir sehen einen eindeutigen Beweis dafür, dass es Diversity ist, die Innovation antreibt, und nicht so sehr die Innovation, die mehr Vielfalt anzieht.“

Bei den Faktoren, die Top-Innovatoren ausmachen, sieht BCG vor allem zwei Faktoren: Innovation wird durch die höchste Managementebene getrieben und die Zusammenarbeit zwischen Produktentwicklung und Sales ist stärker.

Top-Performance trotz Krise

Trotz Krise legten die Top-Innovatoren laut BCG auch eine gute wirtschaftliche Perfomance hin. „Die Top 50 aus der Zeit vor der Pandemie haben den MSCI World Index im vergangenen Jahr um beachtliche 17 Prozentpunkte übertroffen. Und selbst wenn man die erfolgreichen Tech-Giganten herausrechnet, schlagen die Top-Innovatoren den Index immer noch um 13 Prozentpunkte, was zeigt, dass Investitionen in Innovationen sowohl kurzfristige als auch langfristige Vorteile bringen, insbesondere in Krisenzeiten“, so Konstantinos Apostolatos, BCG Managing Director und Senior Partner und Mitverfasser der Studie

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Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives: Der erste Flug ihres modularen Satelliten ist für Q1 2029 geplant. | (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Wer heute im All etwas anderes vorhat als Erdbeobachtung oder Kommunikation, stößt schnell an eine Wand. „Wenn du irgendetwas im All machen willst, egal ob Experimente, Manufacturing, Datenspeicherung oder eine Plattform für Quantenkommunikation, dann hast du keine Infrastruktur“, sagt Lilly Eichinger, Gründerin und CEO von Satellives. „Es gibt kaum Plattformanbieter.“ Bisher führe der Weg für solche Missionen im Wesentlichen über die ISS. Deren Betrieb soll 2030 enden, kommerzielle Nachfolgestationen sind in Entwicklung, aber noch keine im Regelbetrieb.

In diese Lücke will das Tullner Startup. Der Ausgangspunkt war das Ergänzungsstudium Extended Studies on Innovation am Innovation Incubation Center (i²c) der TU Wien, wo Eichinger die Idee entwickelte. Kunst und Philosophie hatte sie vor ihrem Physik- und Architekturstudium in Wien studiert.

Der Leporello-Satellit

Das Produkt ist ein flacher Satellit, der aus einzelnen Einheiten besteht: den Tiles, jede fünf Zentimeter hoch und etwa so groß wie eine Pizzaschachtel. „Es sieht aus wie Kacheln, im Grunde wie Solarpaneele, die sich im Orbit entfalten“, sagt sie. „Aber es sind keine Solarpaneele. Es sind voll funktionsfähige Satelliten.“

Der Kniff steckt im Scharnier. Die Einheiten sind verbunden und übereinander gestapelt, ähnlich einem Leporello. Gestapelt passen sie in einen handelsüblichen CubeSat-Dispenser, was die Startkosten drückt. Im Orbit entfalten sie sich zu einer langen Kette: „Wir nennen sie Mosaics Satellites.“

Ein Mosaic von Satellives | (c) Satellives

Der technische Kernclaim betrifft Energie. Pro Einheit könne man bei gleichem Gewicht viermal so viel Energie speichern wie ein durchschnittlicher CubeSat, sagt Eichinger. Der Wert beruht auf eigenen Berechnungen und ist im Flug nicht demonstriert. „Das Einzige, was es im All unbegrenzt gibt, ist Energie.“ Nur lasse sie sich kaum nutzen: Bei CubeSats sei nicht das Einsammeln das Problem, sondern der fehlende Platz für Batterien. Wer energiehungrige Missionen fliegen wolle, habe deshalb nur schlechte Optionen. „Entweder du baust einen 50-Millionen-Dollar-Satelliten, was fast niemand kann, oder du kannst es nicht.“

Dazu kommt Modularität. „Die meisten Satelliten sind One-Trick-Ponys“, sagt Eichinger. An die Plattform lassen sich dagegen Produktionsboxen andocken. Zwei Tiles würden nach ihrer Rechnung reichen, um einen kleinen 3D-Drucker dauerhaft zu versorgen und gleichzeitig als Plattform für Quantenkommunikation oder Datenspeicherung zu dienen.

Flache Satelliten an sich sind nicht neu, das räumt Eichinger ein: Starlink stapelt sie längst, weil sich so Startkosten sparen lassen. Neu sei die Kombination aus flachem Formfaktor und echter Modularität. Das Patent dafür ist nach ihren Angaben bei der WIPO und in Österreich angemeldet, zunächst bewusst auf ihren Namen und nicht auf die Gesellschaft. Ende Juli wurde es an die Gesellschaft übertragen. Ab einem gewissen Punkt, sagt sie, mache staatsnahe oder fremdgehaltene IP ein Unternehmen für Investor:innen unattraktiv.

Gegen den Hype

Rechenzentren im Orbit sind für Satellives selbst ein Zielmarkt. Beim Hype darum bremst Eichinger trotzdem. „Alle sagen: Bringt die Datenspeicher ins All, dort ist es kalt. So funktioniert das nicht.“ Kühlung sei auch oben nötig. Wäre das der einzige Punkt, sagt sie, bräuchte es den Orbit gar nicht: „Warum bringt man die Daten dann nicht in die Arktis? Dort kann man sie kühlen.“ Der größte Engpass sei das Wärmemanagement: Im Vakuum lasse sich ein Rechenzentrum nur schwer kühlen. Dazu kämen Verarbeitung und Downlink per Laserkommunikation, beides brauche kontinuierlich hohe Energie. Ein riesiges und künftig sehr relevantes Geschäftsfeld sei es dennoch.

Satellives-Gründerin Lilly Eichinger im Gespräch mit brutkasten-Chefredakteur Martin Pacher. (c) brutkasten / Haris Dervisevic

Verglühen lassen will sie nichts. „Wir planen, zu 100 Prozent nachhaltig zu operieren.“ Der übliche Wiedereintritt am Missionsende erzeuge giftige Gase. „Okay, nicht ein einzelner CubeSat. Aber wenn es eine Million sind oder zehntausend im Jahr, dann summiert sich das.“ Beschädigte Tiles sollen stattdessen über einen Reentry-Service zurückkommen und recycelt werden.

Kapitalbedarf

Firmensitz ist Tulln, weil Satellives über das AplusB-Scale-up-Programm vom accent Inkubator begleitet wird, bis Ende Januar 2027. Das Headquarter soll langfristig in Wien liegen. Das Kernteam umfasst laut Website vier Personen: neben Eichinger als CEO ein Technical Co-Founder, ein Operations Co-Founder und eine weitere Person im Bereich Operations.

Der Kapitalbedarf: rund 1,6 Millionen Euro für 18 Monate. Die Hälfte davon soll aus Förderungen und von Business Angels kommen. „Wir arbeiten da gerade wirklich zehn Stunden am Tag dran“, sagt Eichinger. Erst mit dem Geld könne man Ingenieur:innen einstellen und vom Prototyping in den echten Bau wechseln. Dazu sucht das Startup 25.000 bis 50.000 Euro für die Patentanmeldung in weiteren Ländern.

Das Ziel: zwei Einheiten, erste On-Orbit-Demonstration in Q1 2029, die bereits Pilotkund:innen bedienen soll. Das Fernziel formuliert sie größer. „Österreich kann für Space das werden, was Estland für die Digitalisierung ist. Es ist ein kleines Land, niemand hätte erwartet, dass Estland zum digitalen Hub wird. Aber sie sind es geworden, und sie rocken es.“

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