01.09.2026
NEUSTRUKTURIERUNG

3Folio: Samuel Brandstätter wird neuer CEO und zweitgrößter Gesellschafter

Das Krypto-Startup 3Folio strukturiert sich neu. Investor Samuel Brandstätter übernimmt die Rolle des Chief Executive Officers und erhöht seine Anteile beträchtlich. Founder Michael Schöngruber wird CPO.
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3Folio
© 3Folio | Michael Schöngruber (l.) und Samuel Brandstätter von 3Folio.

Das 2022 von Michael Schöngruber und Peter Lehner gegründete FinTech-Startup 3Folio konnte im Gründungsjahr den Büronachbarn Blockpit mit Founder Florian Wimmer als Investor für sich gewinnen. Zwei Jahre danach vermeldete man den erfolgreichen Abschluss einer Seed-Finanzierungsphase mit einem Gesamtinvestment von über 700.000 Euro – brutkasten berichtete. Nun erweitert Founder Schöngruber die Geschäftsführung des Wiener Unternehmens und leitet damit eine Neustrukturierung ein: Samuel Brandstätter wird CEO und erhöht seine Beteiligung am Startup – Schöngruber wird CPO.

3Folio: Neue Eigentümer-Struktur

Die bisherige Eigentümerstruktur setzte sich laut wirtschaft.at wie folgt zusammen: Schöngruber hielt knapp mehr als 30 Prozent der Anteile, dicht gefolgt von Blockpit, das ebenfalls auf etwas mehr als 30 Prozent kam. Brandstätters Beteiligung lag dagegen bei unter einem Prozent. Wie der neue CEO brutkasten bestätigte, gab das Scaleup von Florian Wimmer nun einen beträchtlichen Teil seiner Anteile ab, „um die Neustrukturierung zu unterstützen“. Dadurch stieg Brandstätter mit einer Beteiligung von knapp unter 30 Prozent zum zweitgrößten Gesellschafter von 3Folio auf. Über die Höhe des Investments vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen.

Brandstätter übernimmt ab sofort die Verantwortung für das Gesamtunternehmen mit besonderem Schwerpunkt auf Commercial, Finance, Organisation, Internationalisierung und operativer Umsetzung. Schöngruber steuert weiterhin die Produktvision, Produktstrategie sowie die Innovations- und AI-Agenda.

Mit der erweiterten Führungsstruktur möchte 3Folio die Voraussetzungen für weiteres Wachstum schaffen. Im Fokus bleiben Steuerberatungskanzleien und ihre Klienten, insbesondere institutionelle Krypto-Investoren. Zugleich will das Startup künftig verstärkt MiCA-regulierte Kryptobörsen und Finanzdienstleister mit einer leistungsfähigen Infrastruktur für Accounting, Regulatory Reporting und Steuerprozesse rund um digitale Assets unterstützen.

Ziel: Neue Märkte

In den vergangenen knapp fünf Jahren hat 3Folio eine Plattform für die steuerliche, buchhalterische und regulatorische Verarbeitung digitaler Assets aufgebaut und im Markt validiert. Auf dieser Basis will das Unternehmen nun seine Position bei Steuerberatern, Crypto-Asset Service Providern (CASPs) und Finanzdienstleistern ausbauen und in weitere Märkte expandieren.

„Als Founder muss man erkennen, welche Fähigkeiten ein Unternehmen in der jeweiligen Phase braucht. Entscheidend ist, die richtigen Personen dort einzusetzen, wo sie den größten Hebel haben. Wir haben eine starke technologische Basis für institutionelle Akteure im Kryptomarkt geschaffen, die regulatorische Compliance von Beginn an mitdenkt. Jetzt wollen wir diese Technologie über Grenzen hinweg skalieren. Samuel bringt dafür genau die Erfahrung mit, die wir brauchen“, sagt Schöngruber.

Mit Brandstätter im Team könne sich der Gründer noch stärker auf jene Bereiche konzentrieren, in denen er für 3Folio den größten Wert schaffen kann: Produkt, Technologie und Innovation, erklärt er: „Wir haben tiefes technologisches und fachliches Know-how in den Bereichen Blockchain-Daten, Tax, Accounting und regulatorisches Reporting aufgebaut. Daraus ist eine Plattform entstanden, die konsequent auf die regulatorischen und operativen Anforderungen im Umgang mit digitalen Assets ausgerichtet ist. Samuel baut mit uns nun die Organisation, mit der wir diese Plattform international etablieren und skalieren können. Gemeinsam mit unserem Team entwickle ich das Produkt, mit dem wir diesen Markt gestalten und gewinnen wollen.“

3Folio-CEO hat Skalierbarkeit im Fokus

Brandstätter selbst verfügt über langjährige Erfahrung im Aufbau und in der Skalierung von B2B-Softwareunternehmen in regulierten Märkten. Er gründete den Governance-, Risk- und Compliance-Softwareanbieter avedos und entwickelte ihn zu einem Anbieter für Banken, Versicherungen und internationale Unternehmen. 2020 wurde avedos vollständig von der deutschen Softwaregruppe GBTEC übernommen.

„3Folio befindet sich an einem sehr spannenden Punkt“, sagt er. „Michael und das Team haben tiefes Produkt-, Technologie- und Markt-Know-how aufgebaut. Gleichzeitig verändert die zunehmende Regulierung den Digital-Asset-Markt grundlegend. Jetzt geht es darum, aus dieser starken Produktbasis ein international skalierbares RegTech-Unternehmen zu entwickeln.“

Die Wachstumsstrategie von 3Folio richtet sich an Steuerberater und Tax Professionals sowie an CASPs (Anm.: Crypto-Asset Service Providers) und Finanzdienstleister. Die Plattform bündelt im Detail Lösungen für Crypto Accounting und Taxation, regulatorisches Reporting wie DAC8 (Anm.: achte Änderung der EU-Amtshilferichtlinie, die seit dem 1. Januar 2026 den automatischen und grenzüberschreitenden Austausch von Daten über Krypto-Werte und Transaktionen zwischen den EU-Finanzbehörden regelt) und CARF (Crypto-Asset Reporting Framework). Zudem unterstützt 3Folio bei der Abwicklung der österreichischen Krypto-Kapitalertragsteuer sowie bei der Verarbeitung von Blockchain- und Transaktionsdaten.

Upstream Layer und AI

Damit will sich 3Folio von einer spezialisierten Anwendung zu einem technologischen Upstream Layer für Crypto Tax, Accounting und Regulatory Reporting entwickeln. Ein führender Krypto-Handelsplatz wurde nach Angaben des Unternehmens bereits als Kunde gewonnen; Gespräche mit weiteren Marktteilnehmern laufen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Produktstrategie liegt auf dem Einsatz von AI in Accounting-Prozessen. Dabei soll Künstliche Intelligenz nicht als isoliertes Feature verstanden, sondern tief in die bestehende Produkt-, Daten- und Fachlogik integriert werden. Die Grundlage dafür bilden die eigene Technologie, Datenmodelle, Transaktionslogiken sowie Know-how in der steuerlichen und regulatorischen Verarbeitung digitaler Assets. Gerade an der Schnittstelle zwischen heterogenen Blockchain-Daten, steuerlicher Logik und regulatorischen Anforderungen sieht das 3Folio-Team erhebliches Potenzial für Automatisierung und intelligente Assistenzsysteme.

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Prewave
Harald Nitschinger, Gründer von Prewave | (c) Prewave

Es nennt sich Quantified Resilience und soll zeigen, was Lieferkettenrisiken tatsächlich kosten. Das neue Portfolio des Wiener Startups adressiert die Risikolandschaft für globale Lieferketten, die sich seit Covid, der Chipknappheit sowie dem Krieg im Iran und in Russland verändert hat. Unternehmen haben in den vergangenen Jahren darauf reagiert und auf mehr Transparenz gesetzt, mehr Lieferanten überwacht und mehr Signale und Warnmeldungen verfolgt. Doch Einkaufsteams wollen nicht mehr Informationen, meint Co-Founder und seit Jänner alleiniger CEO Harald Nitschinger. „Sie wollen eine belastbare Entscheidungsgrundlage“, sagt er und bezieht sich auf eine Gartner-Studie aus 2026 mit dem Titel: „Market Overview for Supplier Risk Management Solutions.“ Teams, die ihre Zeit damit verbringen, schwer fassbare Risiken bei Sub-Tier-Lieferanten zu recherchieren und zu bewerten, hätten kaum Kapazitäten, um langfristige Resilienz aufzubauen.

Prewave: KI-Agenten übernehmen Recherche

Hier soll Quantified Resilience helfen, die globalen Risikodaten von Prewave mit den eigenen Daten eines Unternehmens zu verbinden, darunter Stücklisten, Lagerbestände, alternative Bezugsquellen und Umsatzzahlen. Spezialisierte KI-Agenten würden dann die Recherche übernehmen, Risiken priorisieren und deren mögliche finanzielle Auswirkungen auf das Unternehmen bewerten.

Ein Bestandteil des neuen KI-Portfolios heißt Prewave Respond und beinhaltet KI-Agenten, die Signale aus der gesamten Plattform bündeln und Risikosituationen danach ordnen, wie dringend Handlungsbedarf besteht. Risikomanager würden so auf einen Blick sehen, welche Situationen jetzt Aufmerksamkeit erfordern und welche warten können. Die Agenten lassen sich an die eigenen Prozesse und Prioritäten des jeweiligen Unternehmens anpassen.

Plattform zeigt Betroffenheit

„Die Bewertung einer Störung hat unser Risikoteam früher einen halben Tag gekostet, plus Abstimmung mit den Konzerneinkäufern, um die Auswirkungen auf die Lieferanten zu verifizieren“, erklärt Verena Rausch, Group Risk Manager bei der Vaillant Group, wie Prewave den Aufwand bei der Bewertung einzelner Störungen reduziert. „Beim Erdbeben von Kumamoto hat Prewave rund 50 aufgezeigte Lieferanten auf 11 eingegrenzt, die geprüft werden mussten, und einen unmittelbaren Produktionsstopp aufgezeigt. Das verkürzt den Zeitaufwand für jede Bewertung.“

Der Schlüssel zu dieser Priorisierung liege darin zu verstehen, was eine Störung für das Geschäft bedeutet. Die Prewave-Plattform kombiniert Informationen zu globalen Ereignissen, Lieferantenstandorten, Tier-n-Beziehungen und Rohstoffabhängigkeiten mit den eigenen Lieferketten- und ERP-Daten des Unternehmens. Sie zeige so, welche Lieferanten, Materialien oder Produkte tatsächlich betroffen sind.

Für Nitschinger ist Quantified Resilience der nächste Schritt im Umgang mit zunehmend komplexen Lieferkettenrisiken: „Unseren Kunden fehlt es nicht an Informationen. Im Gegenteil, sie werden mit Warnmeldungen, Ratings und Lieferanten-Updates überflutet. Wir geben ihnen jetzt Werkzeuge an die Hand, die diese Signale in eine konkrete Entscheidungsgrundlage verwandeln: Was verdient meine Aufmerksamkeit? Wo bin ich tatsächlich exponiert? Was steht finanziell auf dem Spiel? Und wo sollten wir Resilienz aufbauen, um die größte Wirkung zu erzielen? Quantified Resilience macht diese Zusammenhänge messbar und damit steuerbar.“

Resilienz von Kostenfaktor soll zur Investitionsentscheidung werden

Über die Priorisierung hinaus berechnet Prewave die finanziellen Auswirkungen einer Störung anhand von Daten wie Lagerbeständen, Stücklisten und Umsatz, heißt es. Damit soll die Resilienz von einem Kostenfaktor zu einer Investitionsentscheidung werden. Unternehmen könnten Ausgaben dorthin lenken, wo sie am meisten bewirken, und sie gegenüber Geschäftsführung und Vorstand mit belastbaren Zahlen untermauern.

Künftig will Prewave diesen Ansatz nutzen, um die Lieferketten seiner Kunden ganzheitlich und proaktiv zu optimieren. Prewave Optimise, ein weiteres Tool aus der „Quantified Resilience“-Strategie, das sich derzeit in der Beta-Phase befindet, soll zeigen, wo Absicherungen über das notwendige Maß hinausgehen und wo gefährliche Lücken bestehen. Ziel ist ein Lieferantennetzwerk, das Kosten und Resilienz entsprechend der individuellen Risikobereitschaft eines Unternehmens ausbalanciert.

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