28.04.2020

2 Minuten 2 Millionen-Juror Florian Gschwandtner: „Scheiterten damit bereits bei Adidas“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" konnte man Fahrräder aus Bäumen bewundern, sich per Klick "verheiraten" und ohne Mischmaschine mischen. Zudem ermöglichte ein Startup, sich mit Fußballprofi Christian Fuchs zu messen, während ein anderes einen neuen Diät-Trend ins Spiel brachte.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4 / Gerry Frank - Winzer und begeisterter Sportler Leo Hillinger beim Testen des "Lifestyle Bikes".
kooperation

Am Anfang ging es bei „2 Minuten 2 Millionen“ um die Liebe: Constantin Witt-Dörring und Roland Voraberger wollen mit Hochzeit.click das Planen von Hochzeiten erleichtern und für Übersicht und Transparenz am Hochzeitsmarkt sorgen. Mit ihrer Plattform möchten sie zukünftigen Hochzeitspaaren nicht nur durch Dienstleisterprofile und Bilder von bereits abgehaltenen Hochzeiten die richtige Inspirationsquelle sein. Sie schlagen den Usern währenddessen auch in Echtzeit die passenden Anbieter aus ihrer Datenbank vor und bieten die direkte Vermittlung an. Sie forderten 150.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung.

+++ 2 Minuten 2 Millionen Folge 3: Gschwandtner folgt Gründern hinter die Bühne +++

Hochzeit ist „High involvement project“

Nach dem Pitch wollte Mediashop-Chefin Katharina Schneider ein wenig die Beweggründe dafür wissen, warum angehende Ehepaare die Plattform nutzen. Die Gegenfrage von Witt-Döring, ob sie verheiratet sei, überraschte sie etwas. „Das ist hier gar nicht relevant“, meinte sie nach kurzem Schweigen und erfuhr, dass das Startup eines der größten „high involvement project“ im Leben der Menschen plane – und ihnen Stress abnehme.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4 / Gerry Frank – Roland Voraberger und Constantin Witt-Döring wollen mit ihrem Startup das Heiraten erleichtern.

Leo Hillinger bereits Kunde von Hochzeit.click

Danach ging es um die Präzisierung des Geschäftsmodells und den Umsatz. Die Gründer konnten 150.000 Euro erwirtschaften. Als Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla sicher ging, ob er verstanden habe, wie Hochzeit.click funktioniere – Unternehmen, Fotografen und Locations bezahlen das Startup für eine bessere Listung auf der Plattform -, platzte plötzlich einer seiner Kollegen heraus und sagte: „Einer davon ist Leo Hillinger.“

Der nichtzahlende Kunde Leo Hillinger

Man erfuhr, dass der Winzer Hillinger zwar gelistet, aber kein zahlender Kunde sei, man müsse noch darüber mit ihm reden, meinte Witt-Döring. Auch die Stadtflucht Bergmühle von Martin Rohla habe bisher über die Plattform 38 Buchungen erhalten. Nach diesen Informationen über die Juroren, erklärten die Gründer, sie hätten neben der Listung noch das Ziel ein Provisions-Model einzuführen.

Ein Angebot bei „2 Minuten 2 Millionen“ für Hochzeit.click

Für Bauherr Hans Peter Haselsteiner war das Thema des Startup nicht sein Metier und er ging, ebenso wie Schneider, als potentieller Investor. Rohla hingegen machte ein Angebot: 200.000 Euro für 25,1 Prozent.

2M2M-Jury: Keine Bereitschaft zuzuhören

Tech-Profi Florian Gschwandtner sah viel Potential und wollte sich, wie schlussendlich auch Hillinger bei seinem Vorgänger anschließen. Nach kurzer Beratung versuchten die Gründer ein Gegenangebot zu äußern, wurden aber rasch von Hillinger gestoppt. Die Investoren hätten sich abgesprochen und würden kein Gegenangebot akzeptieren. Auch der zweite Versuch der Founder, die Ohren der Investoren zu erreichen, wurde unsanft abgelehnt. Eine Entscheidung müsse jetzt fallen, so der Tenor. Es kam, wie es kommen musste: Gedrängte Gründer lehnten Investoren ab. Kein Deal für Hochzeit.click.

Lifestyle Bike: Räder aus Bäumen bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der zweite bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Steffen Ortner, Erfinder von Lifestyle Bike. Der Gründer stellt E-Bikes aus heimischen Harthölzern, Obstbäumen und auch Weinreben her. „Je älter ein Baum, desto edler das Bike“, sagt Ortner: „Jedes Produkt ist ein Einzelstück und reine Handarbeit aus Vollholz“. Der gelernte Tischler forderte 350.000 Euro für 25 Prozent Firmenanteile an Lifestyle Bike.

Gründer: „Kann Vertrieb nicht stemmen“

Hillinger meinte, das Fahrrad sei wunderschön und war hin und weg, bis er und der Rest der Jury den Verkaufspreis eines Lifestyle Bikes zu hören bekam: über 3000 Euro. Der Gründer machte während des Auftritts des Öfteren klar, er könne den Vertrieb nicht stemmen (bisher zwei verkaufte Räder) und bräuchte noch Hilfe und andere Dinge, wie einen Online-Konfigurator auf der Webpage.

Lifestyle Bike: Ein Unikat aber kein Investment-Case?

Während Hillinger Proberunden im Studio drehte, erklärte Ortner, dass jedes von ihm geschaffenes Bike ein Unikat sei. Haselsteiner sagte, das Lifestyle-Rad wäre ein Nischenprodukt aber kein Investment-Case. Gschwandtner stimmte zu.

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Listung von Lifestyle Bike auf Shöpping.at

Rohla reihte sich ein und meinte, Ortners Rad sei ein Kunstwerk, aber die Skalierung sei nahezu unmöglich. Schneider machte dem Gründer Mut und riet dazu, die richtige Zielgruppe zu finden. Nach dieser Absage meldete sich Daniel Zech von 7 Ventures zu Wort, der auch heuer wieder Medien-Budget an die Startups verteilt. Er sagte, dass sein Unternehmen ein Beteiligungsprojekt von der Österreichischen Post halte. Shöpping.at stehe für heimische Erzeugnisse und es wäre für den Gründer möglich, auf der Plattform gelistet zu werden. Um dessen Vertriebswege zu verbreitern.

Ortner: Künstler statt Unternehmer?

Ortner erzählte danach von seiner Malerei, womit er Geld fürs Startup verdient habe, und dass seine Eltern gegen die Idee des Lifestyle-Bikes gewesen sind. Man merkte die künstlerische und zugleich kämpferische Ader des Gründers, der zwar Probleme, hatte im „ökonomischen Sprech“ seine Idee zu vermarkten, aber mit der Zeit immer mehr beeindruckte. So sehr, dass Haselsteiner plötzlich wissen wollte, wie viele Stück Räder Ortner in der Woche herstellen könne. Zehn Stück war die Antwort.

Crowdfunding für Lifestyle Bikes

Leo Hillinger verglich das Rad mit einem Porsche und einem Flugzeug – er könne aber nicht investieren, da er Elite-Händler (Mountainbikes) sei. Rohla machte dann doch ein Angebot: Er brachte Crowdfunding ins Spiel, das neben Kapital auch eine Breitenwirkung mit sich bringe. Investor und Gründer machten Pläne, da etwas zu starten. Dennoch, kein Deal für Lifestyle Bike.

CanMixx: Plane zum Mischen

Bei CanMixx von Wolfgang Hierzer und Jürgen Grandits handelt es sich um eine Plane, die als Alternative zur Mischmaschine gedacht ist. Die Idee: Die „1,5 Meter x 1,5 Meter“ große Plane auseinanderfalten und das trockene Mischgut in die Mitte geben. Jede Person greift je zwei Haltegriffe. Dann ein Drittel des benötigten Wassers zugeben. Durch wechselseitiges Anheben der Plane im Kreuzverfahren Mischgut und Wasser mischen, bis das Wasser aufgenommen wurde. Solange nachfüllen, bis gewünschte Konsistenz erreicht ist. Mit dabei ist ein Netz zum Sieben. Die Forderung der Gründer: 200.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Wolfgang Hierzer und Jürgen Grandits haben zu „2 Minuten 2 Millionen“ eine Plane und ein Sieb mitgebracht.

Zu hohe Produktionskosten bei CanMixx

Baumeister Hans Peter Haselsteiner forderte eine Vorführung und meinte danach, der Zement wäre anständig durchmischt. Die Plane mit bestehendem Gebrauchsmusterschutz habe viele Vorteile. Der Lärm der Mischmaschine würde entfallen, man brauche zudem kein Wasser oder Strom. Hillinger war der erste, der ausstieg. Er könne nicht helfen. sagte er. Gschwandtner folgte nach. Rohla fand die Lösung zwar großartig, meinte aber, man müsse billiger (20 Euro Produktionskosten) produzieren. Er ging ebenso wie seine Vorgänger.

Haselsteiner: „Für den Massenmarkt“

Katharina Schneiders Lieblingswort in dieser Staffel und eines, das sie gerne verwendet, ist Problemlöser. Dies träfe auf CanMixx zu. Sie zeigte sich begeistert und bot 75.000 für zehn Prozent Beteiligung. Haselsteiner erkannte danach Gründer Grandits von einem gemeinsamen Bau-Projekt in Moldawien wieder. Er nannte das Produkt einen „Klassiker für den Massenmarkt“, es müsse aber maximal die Hälfte der angestrebten 49 Euro kosten. Er empfahl, das Angebot seiner Kollegin anzunehmen. So kam es. Deal für CanMixx.

Low-Carb-Knuspermüsli Tulipans bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die Gründer von Tulipans, Julia und Leo Tulipan, waren die nächsten, die ihr Glück bei „2 Minuten 2 Millionen“ versuchen durften. Die Food-Bloggerin und Buchautorin („Der Keto Kompass“ (Keto: eine kohlenhydratlimitierte, protein- und energiebilanzierte und deshalb fettreiche Form der diätetischen Ernährung)) hat mit ihrem Startup ein Low-Carb-Knuspermüsli entwickelt.

Das Müsli gibt es in den zwei Geschmacksrichtungen Nuss- oder Kakao-Crunch. Dabei setzt das Gründer-Duo ausschließlich auf Nüsse, Kokosnuss und Saat, echte Gewürze und einen natürlichen Zuckerersatz, ohne zugesetztem Zucker. Zudem haben sie in ihrem Produktportfolio eine Haselnuss-Kakao-Creme und den sogenannten Keto-Coffee . Sie forderten 50.000 Euro für 7,5 Prozent.

„Tulipans macht satt“

Nach der Kostprobe meinten die Gründer, ihr Produkt sei im Vergleich zur Konkurrenz ein „echtes Lebensmittel“, das satt mache, und dass sie sich aktuell in der Marktaufbereitung befänden. Gschwandtner, Schneider und Rohla stiegen relativ rasch aus, gratulierten aber zum Pitch. Winzer Hillinger sah ebenfalls keine Möglichkeit zu helfen.

Tulipans, 2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Investorin Katharina Schneider präsentiert das Buch der Food-Bloggerin und Gründerin Julia Tulipan.

Ticket und Cash bei „2 Minuten 2 Millionen“

Als Haselsteiner überlegte, mischte sich Markus Kuntke per Zuschaltung ein. Der Trendmanager verteilt auch heuer wieder das REWE-Startup-Ticket. Er meinte, im Gegensatz zu anderen Produkten aus der Branche schmecke ihr Produkt wirklich gut. Er lud sie ein, sich im Handel listen zu lassen. Danach bot Haselsteiner 50.000 Euro für zehn Prozent Anteile. Deal für Tulipans.

Kräftemessen bei For Sports

Die letzten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren der ehemalige Spitzensportler Matthias Stelzmüller (Shorttrack) und Marc Payer mit For Sports. Dabei handelt es sich um ein neuartiges Trainingssystem, das sich der Dynamik des Körpers widmet sowie Schnell- und Sprungkraft fördert. Mittels am Boden liegenden Sensoren, die auf  Druck reagieren und einer Messplatte für Agilität. Als Unterstützung für den Pitch nahmen die Gründer Sebastian Eitenberger, Hockeyweltmeister, mit ins Studio. Das Gerät sei für den Leistungssport konzipiert, könne aber auch in Schulen zum Einsatz kommen, sagten die Gründer. Die Forderung: 100.000 Euro für zehn Prozent Firmenanteile.

For Sports, Rapid, Rapid Wien, Mattersburg, Christian Fuchs, Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Eines der drei Elemente zur Verbesserung und Messung der eigenen Dynamik, Leucht-Sensoren, von For Sports.

Mit Christian Fuchs vergleichen

Die Erfindung löst den Gründern zufolge zwei Probleme: Die Monotonie des Trainings auflösen und bisher schwer bis kaum messbare Daten mit der Kraftmessplatte aufzeichnen. Die Hardware ist mit der App verbunden, wodurch alle Ergebnisse auf einer Vergleichsplattform hochgeladen werden. Man könne sich bei Fußballeinheiten sogar mit dem englischen Premier-League-Meister und Ex-ÖFB-Kapitän Christian Fuchs messen, sagen die Gründer. Aktuell teste man das Produkt in Kooperation mit SK Rapid Wien und dem SV Mattersburg, sowie mit Helge Payers Tormannschule. Zudem habe man über die Wirtschaftskammer Österreich in China „einige Interessenten“ gewinnen können.

Dreiteiliges System

Nach einer Demonstration mit dem Hockeyweltmeister fassten die Gründer auf Nachfrage erneut ihr komplettes und aus drei Teilen bestehendes System zusammen und erklärten: Die einzelnen Sensoren werden am Boden in gewissen Abständen aufgelegt und leuchten auf. Sie sollen im Training so schnell wie möglich per Handdruck abgedreht werden. Die Messplatte zeigt an, mit welcher Kraft man abspringt und ob man dabei eine etwa „Dis-Balance“ aufweist. Beim dritten Produkt handelt es sich um eine Torwand mit einsetzbaren Messpunkten.

Der geheimnisvolle Lionel Messi

Gschwandtner erzählte von Adidas und Lionel Messi und wie sie mit einer Sensor-Jacke Daten erfassen konnten. Er wollte darauf hinaus, dass dieses Produkt scheiterte, weil die Spieler nicht transparent sein wollten. Die Antwort der Gründer darauf: For Sports könne Daten anonymisieren. Zudem wäre der Plan, monatlich ein berühmtes Testimonial gegen User antreten zu lassen. Mit Rapid befände man sich bereits in Gesprächen darüber.

Ein Fehlschuss bei „2 Minuten 2 Millionen“

Florian Gschwandtner legte danach Fuß an und wollte die Torwand treffen. Dies misslang dem Ex-Runtastic-Gründer und er nahm schnell wieder Platz. Und kam auf die Produktionskosten (400 Euro) und andere Zahlen zu sprechen. Man erfuhr, dass der Verkaufspreis des Produkts rund 1300 Euro beträgt, Lizenzgebühren für diverse Modelle bei 20 Euro liegen.

Dreimal „Nein“ für For Sports

Martin Rohla, als überzeugter Nicht-Sportler, gab zu, dass er anfangs so gar nicht an das Produkt geglaubt, seine Meinung aber mit der Zeit geändert habe. Er stieg dennoch aus. Haselsteiner nannte das Konzept „gut durchdacht“, ging aber ebenso ohne Angebot, wie auch Schneider.

Netzwerkausbau mithilfe eines „2 Mintuen 2 Millionen“-Jurors

Florian Gschwandtner und Leo Hillinger blieben über. Der Winzer stieg aus, weil ihm die Bewertung zu hoch war. Der Tech-Profi wiederum meinte, das System sei „multisports-fähig“ und das monatliche Einkommen ein Pluspunkt, an dem man aber noch feilen müsse. Der Negativpunkt wäre jedoch seine Erfahrung mit einem High-Tech-System, das abgelehnt worden war. Dies sei der Grund, warum er sich aktuell nicht traue einzusteigen. Er würde den Gründern jedoch Kontakte zu „ligaportal.at“ zusichern. Einer Plattform, die auch hochklassige Vereine beliefert. Kein Deal für For Sports.


⇒ Hochzeit.click

⇒ Lifestyle Bike

⇒ CanMixx

⇒ Tulipans

⇒ For Sports

⇒ Puls 4/ 2Min2Mio

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Ed Prinz | Foto: Ed Prinz / Hintergrund Canva

Wer in den vergangenen Jahren auf Wiener Blockchain-Events unterwegs war, ist an Ed Prinz kaum vorbeigekommen. Seit fast acht Jahren gestaltet er die Blockchain- und Web3-Landschaft als Berater, Projektleiter und Organisator. Neben der Umsetzung zahlreicher Education-Events, Workshops und Meetups verantwortete er unter anderem die Vienna Blockchain Week und unterstützte Unternehmen bei der Entwicklung von Blockchain-Projekten. „Nur wenn man darüber spricht, nimmt man den Menschen die Ängste“, sagt Prinz über seine Motivation, Wissen zu vermitteln und die Community zusammenzubringen. Mit seinem Unternehmen neob hat der Wiener Gründer nun allerdings ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das mit Token und Settlement Layern nur noch die technologische DNA teilt: Agentic AI.

Der Umweg über das Weinviertel

Der Einstieg in das Thema erfolgte über den Kryptomarkt. Gemeinsam mit seinem Team entwickelte Prinz zunächst moonlytics.ai, ein KI-basiertes Portfolio-Management-System für Crypto Asset Manager. Daraus entstand später moonboard.ai, eine Analyseplattform für Krypto-Investoren, die mithilfe mehrerer KI-Agenten Social Media, Markt- und Liquiditätsdaten sowie Nachrichten auswertet und daraus verschiedene Scoring-Modelle für die Identifikation aussichtsreicher Krypto-Assets berechnet.

Die eigentliche Wendung brachte dann eine Anfrage aus dem Freundeskreis: Ein befreundeter Winzer aus dem Weinviertel wollte einen Webshop. Das neob-Team baute den Shop und setzte obendrauf, was es ohnehin schon konnte: einen KI-Agenten. So entstand der „AI Sommelier“ von stich.wine, ein Assistent, der Kund:innen im Webshop berät, Weine empfiehlt und bis zum Kaufabschluss begleitet. Mit dem Projekt wollte man auch international sichtbar werden, etwa auf der Weinmesse ProWein in Düsseldorf und beim Meininger Award.

Der Zeitpunkt war günstig, wie Prinz einräumt: Die Weinbranche steckt angesichts sinkenden Konsums in den USA und Europa in einer Krise. Eine innovative Lösung, die neue Kaufanreize schafft, sei entsprechend gut angekommen.

In wenigen Minuten zum eigenen KI-Agenten

Aus dem Proof of Concept ist eine Plattform geworden: bitpull.ai. Unternehmen erstellen dort laut Prinz in wenigen Minuten einen eigenen KI-Agenten und passen ihn auf ihren Use Case an, ganz ohne Programmierkenntnisse. Danach ist der Agent überall dort im Einsatz, wo Kunden anklopfen: auf der Website, am Telefon mit eigener Rufnummer, auf WhatsApp und Telegram bis hin zur E-Mail. Er beantwortet wiederkehrende Anfragen, bucht Termine oder leitet an die richtige Stelle weiter: rund um die Uhr, in über 90 Sprachen und, wie Prinz betont, „immer freundlich und geduldig“.

Die Zielgruppe sind vor allem KMU: der Friseursalon, die Kfz-Werkstatt, die Tierarztpraxis, das Hotel. Beim Vertrieb setzt Prinz auf den denkbar direktesten Weg: Er spricht Unternehmer:innen an, denen er ohnehin begegnet, und zeigt ihnen eine Live-Demo. „Die meisten verstehen sofort, worum es geht, und haben selbst gleich wieder hundert neue Ideen“, erzählt der Gründer. Ergänzt wird der persönliche Verkauf durch Vertriebspartner, die mit Provisionen zwischen 15 und 30 Prozent beteiligt sind, sowie Affiliate-Programme. In einem nächsten Schritt sollen Kaltakquise und Meta Ads dazukommen.

Am Markt ist neob damit freilich nicht allein: Voice- und Agenten-Lösungen für KMU sind derzeit eines der am dichtesten besetzten Felder im AI-Bereich. Prinz reklamiert für bitpull.ai dennoch ein Alleinstellungsmerkmal: Man sei aktuell einer der wenigen Anbieter, der Agenten-Erstellung samt Knowledge Base über mehrere Kanäle in wenigen Minuten ermögliche, bei einer Marge von 90 Prozent, so seine Darstellung.

Bootstrapped, mit Mentor an der Seite

Finanziert ist das alles bislang aus eigener Tasche. „Ich war schon lange in der Berufswelt tätig und hab mir ein kleines Pölsterchen zur Seite gelegt“, sagt Prinz. Externe Investoren gibt es keine, und aktuell auch keinen akuten Bedarf: Das nächste Etappenziel für 2026 sind 100 zahlende Kunden, danach soll die Marke von 1.000 Kunden fallen.

Begleitet wird Prinz dabei von einem prominenten Mentor: Peter Augustin, einer der Internet-Pioniere des Landes. Augustin gründete 1996 gemeinsam mit Michael Gredenberg den Internetprovider Inode, der aus kleinsten Anfängen zum größten privaten Provider Österreichs heranwuchs und Ende 2005 für einen kolportierten dreistelligen Millionenbetrag an UPC verkauft wurde. Zuletzt war Augustin vor allem als Web3-Investor aktiv, unter anderem gemeinsam mit dem von David Teufel aufgesetzten Fonds Tigris Web3.

Die ersten vier Jahre führten Gredenberg und Augustin Inode komplett zu zweit, ohne Mitarbeiter. „Da kriegst du einfach die besten Learnings“, erinnert sich Augustin: „Du hast deine Technik, du hast dein Produkt und du verkaufst.“ Das Projekt von Prinz erinnere ihn stark an die eigene Anfangszeit im Internet-Boom: „Du hast kein Branchenlimit. Du kannst es einem Anwalt verkaufen, einem Arzt, einer Autowerkstatt, einem Architekten.“ Der Bedarf sei damals wie heute praktisch zu hundert Prozent vorhanden gewesen, man habe nur den Markt einfangen müssen: „Genau in der Phase sind wir jetzt.“

Investiert ist Augustin bei neob übrigens nicht, wie beide betonen. Die Beziehung sei freundschaftlich, Augustin coacht. Perspektivisch sieht er sich aber durchaus auf der Investorenseite, „wenn es eines Tages dazu kommen sollte“. Momentan sei das schlicht nicht notwendig: „Das Produkt verkauft sich von selber.“

Die wichtigste Lektion aus dem Mentoring? Für Prinz ist es der Fokus auf den Vertrieb: Wer Product-Market-Fit finden wolle, müsse in erster Linie lernen, das eigene Produkt selbst zu verkaufen, und über das direkte Kundenfeedback prüfen, ob es überhaupt ein konkretes Problem löst.

AI Act als Pflichtprogramm, Krypto als Geduldsspiel

Beim Thema Regulierung gibt sich Prinz gelassen: Dieses sei von Anfang an mitgedacht worden. Die Transparenzpflichten des EU AI Acts (Art. 50) setze die Plattform standardmäßig um: Anrufer wie Website-Besucher werden zu Beginn jeder Interaktion darauf hingewiesen, dass sie mit einem KI-System sprechen, im Gespräch selbst ebenso wie in schriftlicher Form. Auch beim Datenschutz orientiert sich bitpull.ai an europäischen Standards: Die Verarbeitung erfolgt DSGVO-konform auf Servern in der EU, Auftragsverarbeitungsverträge stellt das Unternehmen seinen Kunden standardmäßig bereit. Eine Übergabe an einen menschlichen Mitarbeiter bleibt (je nach Konfiguration) jederzeit möglich.

Und die alte Heimat Krypto? Dort sieht Prinz ein gespaltenes Bild: Auf institutioneller Seite gebe es dank Regulierung immer mehr Adoption, auf der Retail-Seite komme davon derzeit wenig an. Es fehle schlicht an sinnvollen Produkten mit guter Usability, und „es hat ziemlich oft verbrannte Erde gegeben, weil viele sehr viel Geld verloren haben“.

Vorerst gehört die Aufmerksamkeit des Gründers also den Agenten. Aktuell ist neob bewusst breit aufgestellt, um herauszufinden, welche Branche und welche Nische am besten funktioniert. Danach, so der Plan, geht es spitz hinein.

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2 Minuten 2 Millionen-Juror Florian Gschwandtner: „Scheiterten damit bereits bei Adidas“

  • Constantin Witt-Dörring und Roland Voraberger wollen mit Hochzeit.click das Planen von Hochzeiten erleichtern und für Übersicht und Transparenz am Hochzeitsmarkt sorgen.
  • Der Erbauer eines Baum-Rades zeigt sich mehr als Künstler statt Unternehmer.
  • Mischmaschinen-Alternative lässt Haselsteiner grübeln.
  • Low-Carb Food-Startup möchte vom neuen Diät-Trend prfitieren.
  • Unternehmen lässt Kraft- und Dynamik-Vergleiche mit Sportlern zu.

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