24.03.2020

2 Minuten 2 Millionen Folge 8: „Der Teufel hat ihnen das Maß vertragen“

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um Kinderspielsteine, Pflege-Dienste und wie man sein Bier vor Wespen schützt. Zudem sorgte ein ehemaliger Flüchtling mit seiner Bildungs-App für Begeisterung unter den Investoren.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/Gerry Frank - Tina und Micha Dobetsberger hofften darauf mit "True Love" einen Investor zu ergattern.
kooperation

Den Anfang der achten Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ machte die Familie Dobetsberger mit „True Love“. Ihr Startup entwickelt handgemachte und zuckerfreie Müsli-Riegel als Nascherei. Der vegane Bio-Naturriegel ist in 16 unterschiedlichen Ausführungen erhältlich und kommt ohne Konservierungsstoffe, Palmöl oder Farbstoffe aus. Zudem ermöglicht der Müsliriegelkonfigurator im Onlineshop zusätzliche Geschmacksvarianten, die individuell zusammengestellt werden können. Die Gründer forderten 150.000 Euro für 20 Prozent Beteiligung.

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Guter Geschmack, aber eine Absage

Tina und Micha Dobetsberger haben seit 2017 rund 400.000 Euro Umsatz erwirtschaftet und möchten ihre Riegel österreichweit ausrollen. Nach den Kostproben im Studio meldete sich Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner zu Wort. Er, als nicht Riegel-Esser, zeigte sich verwundert, dass das Produkt gut schmecke. Er stieg dennoch aus.

Dreimal Nein bei „2 Minuten 2 Millionen“

Auch Mediashop-Chefin Katharina Schneider war voll des Lobes und ging dennoch, sowie Ex-Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, ohne Angebot. Winzer Leo Hillinger meinte, er sei bereits in ein Riegel-Unternehmen investiert und wollte deshalb bei True Love nicht dabei sein.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/Gerry Frank – True Love produziert vegane Bio-Naturriegel ohne Konservierungsstoffe und Palmöl.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Nachhaltigkeits-Experte Martin Rohla blieb also die letzte Hoffnung. Auch er hob den guten Geschmack hervor und meinte, die Gründer sollten die Produktion auslagern und sich um den Vertrieb kümmern. Beide wären großartig beim Darbieten und Erzählen ihrer Idee. Er bot 150.000 Euro für 26 Prozent. Deal für True Love.

Der Wespenschutz für Flaschen

Der zweite bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Amédé Stöckl. Der Erfinder hat mit TipClip einen Flaschenverschluss entwickelt, der von selbst auf- und zugeht. Das Produkt passe auf alle gängige Getränkeflaschen, mit und ohne Gewinde, sagt Stöckl. Und es schütze vor Insekten wie Wespen. Der Gründer forderte für seine Idee aus recyceltem Plastik 100.000 Euro für 15 Prozent.

Von B2B zu B2C

Stöckl gab zu, dass TipClip noch nicht patentiert sei, sich aber mitten im Prozess fürs Patent befinde. Verkauft wurden bis zur Aufzeichnung 28.000 Stück mit dem Fokus auf B2B, aber mit Plänen, den B2C-Markt zu erobern.

Zweifel am Produkt

Rohla zweifelte etwas an der Vertriebspower des Produkts – man würde sich TipClip einmal kaufen und jahrelang behalten. Auch Gschwandtner und Hillinger sahen kein Potential für den B2C-Markt. Es würde sich die nächsten Jahre nicht ausgehen, als Investor Geld zu verdienen, meinte der Winzer.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4/Gerry Frank – Bei TipClip handelt es sich um einen Flaschenverschluss, der Getränke vor Wespen und degleichen schützen soll.

Ein poetischer Investor

Schneider hatte indes einen Rat für den Gründer parat: sich auf den B2B-Bereich zu konzentrieren. Auch sie gab, so wie Rohla kein Angebot ab. Die Skalierungsmöglichkeit sei zu gering. Als letzter lehnte auch Haselsteiner ein Investment ab. Er sagte: „Bei der Bewertung hat ihnen der Teufel das Maß vertragen“ und ging. Kein Deal für TipClip.

Eine Rückkehr zu „2 Minuten 2 Millionen“

Die dritten auf der „2 Minuten 2 Millionen“-Bühne waren Hannes Frech – der bereits im Vorjahr das Startup Biobutton von Hannes Schmitz in der Show unterstützt hatte – und Stefan Friedrich mit Bioblo. Dabei handelt es sich um Spielbausteine, die zu 45 Prozent aus Holz, zehn Prozent aus Kreide und zu 45 Prozent aus recyceltem Plastik, das aus nicht mehr verwendbaren Mehrwegbechern gewonnen wird, bestehen.

Halbe Million gesucht

Das Produkt wurde gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) entwickelt und ist frei von Schadstoffen oder Zusatzstoffen wie Weichmachern gefertigt. Die Gründer verlangten für eine Beteiligung an ihrem Unternehmen, das 2018 als erster österreichischer Spielwarenhersteller überhaupt das „Österreichische Umweltzeichen“ erhalten hat, 500.000 Euro für 15 Prozent Anteile.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) Puls 4/Gerry Frank – Bioblo-Spielsteine von Stefan Friedrich und Hannes Frech wurden gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) entwickelt.

„Höchst-Risiko-Investment“

2018 stand bei Bioblo ein Umsatz von 740.000 Euro zubuche, der das Jahr drauf nah an die Million kommen sollte, so der Plan. Nachdem Haselsteiner relativ scharf die beiden Founder ins Kreuzverhör genommen hatte, was Firmenzahlen betraf, meldete sich Gschwandtner zu Wort. Eine Million Euro Umsatz wäre beeindruckend. Er ging trotzdem – so wie Hillinger – aufgrund der hohen Bewertung. Auch Rohla sah keinen Investment-Case, gratulierte aber zum Erfolg. Nachdem auch Schneider ausstieg, blieb nur Haselsteiner über. Er nannte das Startup ein „Höchst-Risiko-Investment“. Die Konkurrenz wäre in diesem Bereich sehr stark. Kein Deal für Bioblo.

AR-EduTech bei „2 Minuten 2 Millionen“

Der Jungunternehmer Arkadi Jeghiazaryan ist 2007 als Flüchtling nach Österreich gekommen und hat sich in den letzten zwölf Jahren einen Namen in der Entwicklerszene gemacht. Er möchte mit seiner App Areeka – durch Augmented Reality verknüpft mit gedruckten Materialen – Lernen und Erleben nachhaltig und spannend darstellen. Die AR-Plattform, von seinem Startup Amlogy entwickelt, bietet über 20 verschiedene Produkte an, etwa ein T-Shirt mit dem man den menschlichen Körper inklusive Organe scannen kann oder Schulbücher. Der Gründer forderte, unterstützt von Partner Sebastian, 200.000 Euro für zehn Prozent Anteile.

Über 1000 3D-Modelle

Nach einer Demonstration der Funktionsweise der App erwähnte der Gründer, dass das Unternehmen über eine Datenbank von über 1000 3D-Modellen verfüge, die man über Arreka nutzen könne. Geld verdient das Startup über eine jährliche Lizenz-Gebühr für Schulbuchverlage und den Verkauf jener 3D-Modelle. 2019 wurde ein Umsatz von 250.000 Euro angestrebt.

Zwei Business Angels bereits involviert

Als Hillinger hörte, dass der Gründer erst seit zwölf Jahren in Österreich sei und vorher kein Wort Deutsch beherrschte, sagte er „unfassbar“ und zeigte sich sichtlich beeindruckt vom jungen Mann. Jener erzählte indes von zwei Business Angels, die mit insgesamt sieben Prozent Anteilen beim Startup mit dabei wären. Bei einer Bewertung von einer Million Euro.

Weiter Geschäftsfelder im Sinn

Hillinger wollte daraufhin wissen, warum sich der Firmenwert in einem Jahr verdoppelt habe. Jeghiazaryan erklärte, dass die firmeneigene Technologie stark weiterentwickelt worden sei. Und, dass er damit auch andere Einsatzmöglichkeiten sehe und für die Zukunft Dinge plane, die nicht nur ums Lernen gingen.

Überraschendes Angebot bei „2 Minuten 2 Millionen“

Rohla als „Analog-Apostel“, wie er sich selbst nannte, stieg als erster aus, meinte aber, die Gründer wären unternehmerisch genau richtig eingestellt. Auch Haselsteiner ging damit d’accord, er wäre bloß nicht der Richtige für ein Investment. Danach erzählte Hillinger von seinen Plänen, eine virtuelle Weinwelt zu bauen. Er könne sich eine Zusammenarbeit vorstellen. Es folgte ein Angebot: 100.000 Euro für zehn Prozent.

 Hillinger, Gschwandtner, Schneider, Haselsteiner, Rohla, Kuntke, Zech, REWE, Startup
(c) Puls 4/Gerry Frank – Die App Areeka möchte durch Augmented Reality das Lernen spannender gestalten.

Ein Tech-Experte im Boot?

Tech-Experte Florian Gschwandtner erkannte sich im Gründer zum Teil wieder, kritisierte aber den mangelnden Fokus im Unternehmertum. Sie würden zu viele Dinge machen wollen. Und die Bewertung wäre zu hoch: Er wollte sich Hillinger jedoch beim Deal anschließen.

Verhandlungen bei „2 Minuten 2 Millionen“

Auch Schneider gab Preis, dass Mediashop daran arbeite, eigene Produkte zu animieren. Sie bot zwar kein Kapital, dafür aber eine Kunden-Partnerschaft an, die angenommen wurde. Danach gab es ein Gegenangebot für Hillinger und Gschwandtner: 140.000 Euro für zehn Prozent Beteiligung. Dies lehnten die beiden Investoren jedoch ab und rieten dazu, sich ihren vorigen Vorschlag nochmal zu überlegen. Jeghiazaryans Bauchgefühl sagte daraufhin „Ja“. Deal für Areeka.

Pflege-Agentur

Der Abschluss der achten Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ kam von Anette Glössl und Brendan Lenane. Mit a’nette hat die Gründerin ein Pflege-Konzept entwickelt, bei dem es darum geht, gebündelt alle Pflege-Dienste von Pflegestufe 1 bis 7 oder von der Begleitung bis zum Sterbe-Management anzubieten. Die Forderung: 450.000 Euro für 25,1 Prozent.

Auch bürokratisches Dienste im Sortiment

Die Vermittlungsagentur für 24-Stunden Betreuung und Pflege bietet in ihrem Sorglos-Paket auch Beratung über mögliche Zuschüsse, die Erledigung sämtlicher Formalitäten und Behördenwege oder die Organisation des Wechsels des Personenbetreuers.

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(c) Puls 4/Gerry Frank – Bei a’nette handelt es sich um eine Vermittlungsagentur für 24-Stunden Betreuung und Pflege.

Keine „Pitch-Verlängerung“ unter Haselsteiner

Als Lenane dazu ansetzen wollte eine Unternehmenswelt zu zeichnen, in der Firmen neben dem Fitnessraum und Betriebskindergarten auch an pflegebedürftige Mitarbeiter und deren Familien denken – und im Zuge einer B2B-Partnerschaft etwa mit a’nette ihren Angestellten dabei unter die Arme greifen – wurde er harsch von Haselsteiner unterbrochen: „Es heißt zwei Minuten, nicht zehn“, sagte der Baumeister.

„Keine Beratungs-Unternehmen“

Danach stieg Rohla aus. Er beteilige sich nicht an Beratungs-Unternehmen. Haselsteiner erkannte beim Startup kein Alleinstellungs-Merkmal. Und ging gleich mit. Gschwandtner machte es ebenfalls kurz und bündig und verabschiedete sich so wie Gast-Juror Heinrich Prokop.

Wieder das Bewertungsproblem

Und so blieb Leo Hillinger über, der große Expertise und Erfahrung in dem Bereich bewies. Er meinte, das Unternehmen würde sicherlich Erfolg haben; er selbst könne aber bei dieser Bewertung nicht investieren. Kein Deal für a’nette.


⇒ True Love

⇒ TipClip

⇒ Bioblo

⇒ Areeka

⇒ a’nette

⇒ PULS 4/2min2mio

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Die DropForce-Gründer Jakub Hamdard und Christian Mühl | (c) DropForce
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Es gibt für sie unzählige Einsatzmöglichkeiten, in den vergangenen Jahren dominieren sie aber vor allem eines: die Kriegsberichterstattung. Drohnen sind nicht nur zum Sinnbild für moderne Kriegsführung geworden, sondern auch zu einer Produktkategorie, die europäischen Scaleups mitunter Milliardeninvestments einbringt. Von dieser Kategorie ist das Wiener Startup DropForce aktuell noch weit entfernt, das Konzept, mit dem es antritt, ist aber durchaus ambitioniert und vor allem neu.

Drohne aus dem 3D-Drucker im Van oder Container

„Alle anderen Drohnen-Anbieter haben eine zentrale Fabrik und brauchen für den Bau einer Drohne meistens viel länger als nötig. Wir haben unsere Drohne so konzipiert, dass man sie von überall aus bauen kann”, sagt Jakub Hamdard. Er hat DropForce gemeinsam mit Christian Mühl gegründet. Beide bringen dabei Berufserfahrung aus dem Aerospace-Bereich mit.

Ein weiterer großer Unterschied zu anderen Anbietern: „Bei anderen Drohnen sind die Teile zusammengelötet. Daraus ergeben sich viele Fehlerquellen. Außerdem sind sie stark auf chinesische Bauteile angewiesen, die oft nicht halten, was sie versprechen”, so Hamdard. Die DropForce-Drohne kommt dagegen ohne Löten aus. Die Strukturteile und Module, etwa Kamera-Aufsätze, kommen aus dem 3D-Drucker; Platinen, Motoren und Propeller werden in Europa produziert und vom Startup als Bausatz dazugeliefert. „Man kann die Teile im 3D-Drucker aktuell in ca. 20 Minuten drucken und braucht dann zehn bis 15 Minuten, um die Drohne zusammenzubauen”, sagt der Gründer.

Und dieser Vorgang soll künftig eben nicht in einer einzelnen Fabrik, sondern in kompakten Einheiten direkt beim Kunden passieren, in einem Van oder Container, so die Vision. Denkt man an den DefenseTech-Bereich, heißt das: direkt an der Front. Die Vans bzw. Container sollen dann verkauft, die Produktion lizenziert werden. „Mit dem Van wäre man komplett mobil. Er kann direkt am Einsatzort innerhalb von Minuten Drohnen produzieren, die dann gleich losstarten können”, skizziert Hamdard.

So ein Einsatzort könnte etwa auch der Schauplatz einer Naturkatastrophe sein. In der Kundenansprache fokussiere man aber aktuell primär auf den Verteidigungsbereich. Dort will man, wenn alles nach Plan läuft, um den Jahreswechsel in die ersten Pilotprojekte starten.

Sechsstelliges Investment von BarnVentures und deutscher LNX GmbH

Bereits im Sommer holte sich DropForce für seine Expansionspläne auch ein Investment. BarnVentures rund um Filip Zganjer und die deutsche LNX GmbH stiegen mit einem sechsstelligen Betrag ein und sicherten sich jeweils 20 Prozent am Unternehmen. „Die Idee von einer dezentralen Massenproduktion im Baukasten-System hat mir so gut gefallen. Eine zentrale Produktionsstätte ist in Zeiten wie diesen gefährlich”, kommentiert Zganjer im Gespräch mit brutkasten. Das Startup unterstütze man nun nicht nur mit Geld, sondern auch durch Beratung.

Das Kapital sei bislang vor allem in die Weiterentwicklung, aber auch in Personalkosten geflossen, sagt Hamdard. Zudem sei man aktuell auch im Prozess der Patentanmeldung. Und auch an weiteren Drohnen-Modellen arbeite man bereits. Denn, so die Vision: „Kunden können sich später dann aus einem Portfolio genau die Drohnen aussuchen, die sie gerade brauchen. Wir haben schon einige Ideen, was man machen kann.”

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