10.03.2020

„2 Minuten 2 Millionen“: Folge 6 mit einer der höchsten Bewertungen seit Show-Start

In der sechsten Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es diesmal um essbare Hautpflege, Skibrillen-Schutz und einen bifacialen Solarzaun. Zudem sorgte ein ehemaliger Pop-Star für eine der höchsten Firmenbewertungen seit Bestehen der Show.
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2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank - Ex-Papermoon-Sänger Christof Straub sorgte für eine der höchsten Firmenbewertungen der Show-Geschichte.
kooperation

Den Anfang von „2 Minuten 2 Millionen“, Folge 6,  machten Evelyn Poteschil und Paul Weitz, Gründer von alpine vju. Dabei handelt es sich um einen Skibrillenschutz, den man über die Skibrille drüber zieht. Das Material besteht aus elastischer Mikrofaser und einem Gummiband. Bisher gibt es 20 verschiedene Designs. Auch ein Online-Konfigurator ist in Planung – bisher konnten nur B2B-Kunden das Produkt personalisieren. Die Gründer forderten 50.000 Euro für 15 Prozent.

+++ Hier gibt’s mehr zu „2min2mio zu sehen +++

Die ersten in Europa

Kaum war der letzte Atemzug des ersten Pitches gesprochen, meinte Winzer Leo Hillinger, er kenne das Produkt schon. Das Gründer-Duo gab daraufhin zu, nicht alleine in der Branche zu sein; sie seien aber die ersten in Europa, die den Schutz anbieten würden. Danach erhielten die „2 Minuten 2 Millionen“-Juroren eigens auf sie abgestimmte Skischutze.

„Ein Marketing Game“

Weitz nannte in der folgenden Diskussion sein Vorhaben, sich als Marke zu platzieren „ein Marketing-Game“ und strich den Vorteil des „First Movers“ hervor. Auch würde ein Ersatzglas um die 90 Euro kosten, während ihre „goggle protection“ für rund zehn Euro zu erstehen sei.

Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Florian Gschwandtner beim Testen des Skibrillen-Schutzes von alpine vju.

Nicht patentierbare Idee

Ex-Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner stimmte zu, dass dieses Thema, dem sich alpine vju widmet, tatsächlich relevant sei. Er selbst habe in der letzten Skisaison zwei Brillen zerkratzt. Nachhaltigkeitsexperte Martin Rohla warf ein, dass eine der großen Ski-Hersteller das Produkt einfach kopieren könnte, ein Patent darauf sei ja nicht möglich.

Schutz kontraproduktiv

Die Gründer antworteten mit einem Vergleich: Weitz fragte, warum denn Handy-Hersteller keinen hochwertigen Schutzhüllen mitlieferten. Die Antwort: Es wäre, ähnlich wie beim Skibrillen-Hersteller, ökonomisch kontraproduktiv einen Schutz anzubieten. Man wolle ja, dass der Kunde alsbald wiederkehrt.

Ein folgenschweres Szenario

Bau-Tycoon Hans Peter Haselsteiner verabschiedete sich als erster potentieller Investor. Er zeichnete ein Szenario für das Startup, das sich bei Erfolg folgendermaßen abspielen würde: Ein Hersteller würde sich auftun, der auf den Schutz etwas Bekanntes wie zum Beispiel „Ski Amade“ darauf druckt und es um 50 Cent zur Tageskarte dazulegt.

Werbemittelfirmen als Kunden

Auch hier widersprach Weitz und drehte das Argument um. Gerade Ski Amade wäre bereits Partner und habe bei alpine vju produzieren lassen. Auch Werbemittelfirmen, die bei den großen Unternehmen unter Vertrag sind, kämen auf das Startup zu. Sogar ein großer Münchner Automobil-Hersteller kaufe bereits bei ihnen für Events ein.

Hohe Marge braucht keine Investoren?

Dieser Argumentationskette folgte Mediashop-Chefin Katharina Schneider und stimmte zu. Die STRABAG würde ja auch nicht selbst „Kugelschreiber“ produzieren, sondern zukaufen. Dies ließ Haselsteiner sinnierend schweigen. Gschwandtner riet danach dazu, sich auf das aktuelle Produkt zu fokussieren und andere Pläne, wie ein Schutz für Visierhelme hintanzustellen. „Branding“ und „time to market“ wären in dieser Phase essentiell. Er stieg jedoch aus, weil das Startup so gut sei und Geld mit – eigenen Angaben nach – einer Marge von bis zu 70 Prozent nicht brauche.

Produkt nicht schützbar

Schneider folgte, da das Produkt nicht zu ihr passe. Nachdem auch Rohla ausgestiegen war, meinte Hillinger, er traue sich nicht „drüber“. Das Produkt sei nicht schützbar. Kein Deal für alpine vju.

98 Prozent recurring customers

Die „2 Minuten 2 Millionen“-Jury dürfte sich als zweiten Auftritt über Christian Koder, Sebastian Podesser und Maximilian Mariel von Hakuma freuen. Die drei Freunde produzieren einen Eistee, der aus Matcha, Mango, Zitrone, Ingwer und Baobab (Früchte des afrikanischen Affenbrotbaums) besteht. Das Startup kann bereits auf einen Umsatz von 1.000.000 Euro zurückblicken. Und auf eine Kundenrückkehr von 98 Prozent. Die Forderung: 100.000 Euro für fünf Prozent Beteiligung.

Fast wie ein Energy-Drink

Matcha, so die Gründer, habe eine positive Wirkung auf den Körper. Das Getränk wirke schon fast wie ein Energy Drink, aufgrund des Inhaltsstoffes Teein. Die drei Gründer setzen bei allen Zutaten auf eine biologische Herkunft.

REWE-Ticket für Hakuma bei 2 Minuten 2 Millionen

Die Investoren nannten den Pitch „perfekt“ und zeigten Interesse am Produkt. Tech-Profi Gschwandtner meinte, er könne jedoch nicht helfen. Er werde Kunde, müsse aber aussteigen. Schneider schloss sich den Worten ihres Vorgängers an. Danach schaltete sich Markus Kuntke zu. Der Trendmanager hatte lobende Worte für die Gründer über und verteilte das REWE-Startup-Ticket, mit dem Hakuma bei Merkur und Billa platziert wird.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Hakuma konnte mit ihrem Pitch mehr als nur die Studio-Juroren begeistern.

Der hadernde Haselsteiner

Auch Rohla meinte, dass das Startup die 100.000 Euro nicht brauche. Sie wären schon sehr weit. Er ging vollen Lobes. Haselsteiner haderte mit sich selbst und murmelte in sich hinein: „Alles, nur keine Getränke“. Er attestierte dem Hakuma-Team „gut“ zu sein, auch das Produkt und der Auftritt wären hervorragend. Er verabschiedete sich dennoch und ließ Hillinger über.

400.000 Euro Medien-Budget?

Als jener sich zu Wort melden wollte, wurde er von Daniel Zech von 7 Ventures unterbrochen. Jener verteilt auch heuer wieder Medien-Budget und TV-Werbezeit an ausgewählte Startups. Er forderte zehn Prozent von Hakuma für 400.000 Euro Investment.

Der zähe Zech gibt nicht auf

Nun lag es am Winzer. Er nannte die drei jungen Männer „schlüssig“ und bot die gewünschte Summe ohne Verhandlung. Das Gründer-Trio nahm Hillinger sofort ins Boot. Zechs Angebot lehnten sie jedoch ab. Zehn Prozent Abgabe wären zuviel. Der Medien-Experte wollte nicht nachgeben und bot plötzlich 150.000 Euro für fünf Prozent Beteiligung. Er nannte die verminderte Bewertung einen „Rabatt“.  Schlussendlich einigte man sich auf 200.000 Euro für fünf Prozent. Zweifach-Deal plus Ticket für Hakuma.

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Schöne Haut und Gewichtsreduktion bei 2 Minuten 2 Millionen

Nach diesem Erfolg folgte Sabine Pittner auf der „2 Minuten 2 Millionen“-Bühne. Die Gründerin hat mit my beauty Line eine vollwertige Ersatz-Mahlzeit kreiert, die zusätzlich von Innen heraus die Haut aufbauen und stärken und zusätzlich das Gewicht reduzieren soll. Die gelernte Krankenschwester forderte 100.000 Euro für 20 Prozent Anteile.

Für schöne Frauen und essende Männer?

Ein Paket kostet rund 40 Euro und enthält zehn Mahlzeiten. Pittner nannte ihr Produkt mit dem Haut-Aspekt „einen Frauenthema“, wies aber auch darauf hin, dass man my beauty Line in kurzer Zeit als Mahlzeit fertigstellen könnte. Und deshalb auch für Männer geeignet sei. Hillinger erwähnte gleich, dass er in ein Protein-Soda investiert wäre und stieg aus.

Schneider hört Haselsteiner nicht richtig

Rohla lobte den Pitch, ging aber auch als potentieller Financiers. Er habe mit Kosmetik wenig zu tun. Gschwandtner erwähnte den brutalen Markt in der Beauty-Branche und stieg ebenfalls aus. Schneider wagte daraufhin eine unpopuläre Frage zu stellen und wollte von der Gründerin ihr Alter wissen. Die 53-jährige Pittner erzählte, dass sie ihr Produkt seit fünf Monaten selbst konsumiere. Die Mediashop-Chefin zeigte sich beeindruckt vom Aussehen der Founderin und bot die 100.000 Euro für 26 Prozent Anteile. Haselsteiner wollte sich bei seiner Vorgängerin anschließen, die sich anfangs aus akustischen Gründen verwirrt zeigte.

Erneut zwei Männer, die Schneider wollen

„Ich würde gerne hälftig mitmachen, wenn sie mich einladen. Wenn sie es aber alleine machen wollen, da sie mir schon einmal einen Korb gegeben haben, dann machen sie es halt allein“ sprach der Bau-Tycoon halb lächelnd und wartete ab. Rohla tat es ihm plötzlich gleich und wollte ebenfalls mitmachen. Nun lag es an der Dame des Studios, zu entscheiden.

Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank – Wie in der Vorwoche wollten sich zwei Investoren bei Katharina Schneider anschließen.

Die Geschäftsfrau bei 2 Minuten 2 Millionen

Schneider meinte, dass es in diesem Fall hauptsächlich um die Vertriebsunterstützung und Expertise ginge, die Mediashop alleine mit einbringen könne. Und schloss beide Herrschaften aus ihrem Angebot aus.

Der zweite Korb für Haselsteiner

Rohla versuchte sich noch scherzhaft als Testimonial zu bewerben, während Haselsteiner betonte, dies wäre bereits der zweite Korb. Pittner schritt ein, meinte sie schmeiße den beiden Investoren als Trost eine Home-Party und nahm ohne Zögern Schneiders Angebot an.

User als Musik-Aktionäre

Der vorletzte bei „2 Minuten 2 Millionen“ war Christof Straub, ehemaliger Papermoon-Sänger. Mit Global Rockstars hat er eine Plattform erschaffen, bei der User „Musik-Aktionäre“ werden können. Fans und andere Interessierte erhalten, wenn sie über die Seite in ein einzelnes Musikstück investieren, einen Anteil am Song. Das bedeutet, dass man für jeden bezahlten Stream, Download oder Tonträger eine kleine Summe bekommt. Und zwar für die Dauer des Copyrights, also 70 Jahre lang. Der Gründer forderte für fünf Prozent Anteile 600.000 Euro.

Der Pitch begann mit einem Lied seiner Tochter und ehemaligen Songcontest-Teilnehmerin ZOE, bei dem Moss, ein Global Rockstar-Künstler, seine Qualitäten am Keyboard und dem Schlagzeug live im Studio präsentierte. Danach zeigten sich die Juroren etwas rastlos, als sie einer der höchsten Firmenbewertungen in der Geschichte der Show hörten.

Zwei Millionen Euro ins Unternehmen gesteckt

Straub gab an, dass bis dato zwei Millionen Euro in dem Unternehmen stecken würden, man auf 160.000 registrierte User zurückblicken könne und auf der Plattform etwa automatisierte royalty-Auszahlungen implementiert habe. Alles zwei Jahre am Markt getestet. Der Umsatz belaufe sich auf 400.000 Euro seit 2017.

+++ Original+: Auch Florian Gschwandtners neuer Chef steigt bei Ski-Startup ein +++

N26-Co-Founder Tayenthal: „Global Rockstar ein digitales Label“

N26-Co-Founder und Gast-Juror Maximilian Tayenthal nannte das Unternehmen ein digitales Label und wollte wissen, warum ein Künstler überhaupt Global Rockstar nutzen solle. Straub betonte, dass im Vergleich zu anderen Plattenfirmen sein Unternehmen „wesentlich fairere“ Konditionen für Musiker anbiete.

Änderung des business-Modells 2017

Gschwandtner fragte nach, was man in den fünf Jahren seit Bestehen, neben der Software-Entwicklung, sonst noch getan habe. Der Gründer gab zu, dass sie zuerst auf ein falsches Geschäftsmodell gesetzt hätten und seit 2017 Global Rockstar in der derzeitigen Form führen würden.

Show-fremder Investor vor Einstieg

Danach gab es einen AHA-Effekt, als der Gründer seine bisherige Laufbahn als Pop-Sänger erwähnte und seine Musik-Erfahrung herausstrich. Hillinger nannte den Pitch herausragend und betonte den Fairness-Aspekt gegenüber dem Künstler, den er sehr schätze. Er wäre gern dabei, aber die Forderung sei ihm zu hoch. Daraufhin erklärte Straub, dass sie zu dieser Bewertung zurzeit der Aufzeichnung ein Investment abschließen würden. Es wäre nicht möglich, etwas gänzlich Unterschiedliches zu akzeptieren.

Vorsprung vor der Konkurrenz

Daraufhin stieg der zweite Gast-Juror Heinrich Prokop ebenfalls aus. Er verstehe das Geschäftsmodell nicht wirklich. Zudem habe er Ähnliches bereits gesehen. Daraufhin schaffte es Straub, Urgenz zu erzeugen, indem er erzählte, dass Global Rockstar die ersten weltweit mit einem solchen Businessmodell seien, Nachahmer aber bereits dreist darauf drängten, auch am Markt zu starten. Jene wären aber noch nicht „live“.

Disruptives Modell und Demokratisierung der Musik

Martin Rohla nannte das Modell disruptiv und eine Demokratisierung der Musik, die es Künstlern erlaube eine „Crowd“ zu finden, die die Produktion unterstütze. Er wäre dennoch aufgrund der Bewertung nicht dabei. So blieben nur noch zwei Juroren über.

Zu hohe Bewertung

Florian Gschwandtner stieg alsbald aus. Er wäre bei investierten Startups gerne Teil des Software-Teams, bei Global Rockstar sei dieses Service aber leider ausgelagert. Tayenthal zeigte sich daraufhin selbst als Künstler, der an einem Elektro-Album feile und die Art des Startups gut finde. Allerdings stieg auch er aufgrund der Bewertung aus. Kein Deal für Global Rockstar.

Photovoltaik-Zaun bei 2 Minuten 2 Millionen

Den Abschluss der sechsten Folge von „2 Minuten 2 Millionen“ bildeten Bernhard Stöckl und Robert Leitinger, von Elektronik Leitinger Photovoltaik. Sie haben abseits ihres Alt-Betriebs einen Photovoltaik-Zaun erfunden, der beidseitig Strom erzeugt. Für ihren patentierten „Bifacialen Solarzaun“ wollten die beiden Salzburger 200.000 Euro für 25 Prozent Beteiligung.

Baubewilligung ein Problem?

Anfänglich zeigte sich die Pitcher etwas nervös und vergaßen ihren Text. Hillinger warf danach ein, dass es mit Genehmigungen fürs Bebauen schwierig werden könnte. Stöckl entgegnete, dass – je nach Bundesland verschieden – ein Zaun unter 150 Zentimeter Höhe bewilligungsfrei sei. Ihr Produkt würde diese Kriterien erfüllen.

2 Minuten 2 Millionen, Martin Rohla, Leo Hillinger, Katharina Scheider, Hans Peter Haselsteiner, Florian Gschwandtner
(c) PULS 4/ Gerry Frank -Bernhard Stöckl und Robert Leitinger haben einen beidseitigen Photovoltaik-Zaun erfunden.

Besserer Auftritt nötig

Haselsteiner nannte den Zielmarkt des Startups eine Nische und stieg aus. Gschwandtner schloss sich an. Er und Schneider rieten den Beiden, sich in Zukunft besser auf Fragen vorzubereiten. Mit der bisherigen Entwicklung könne man ruhig selbstbewusster auftreten.

Rückkehr von Abkehr bei 2 Minuten 2 Millionen

Hillinger wollte auch nicht investieren, der USP am Produkt würde fehlen. So blieb Rohla über. Der Nachhaltigkeits-Experte bot 150.000 Euro für 25,1 Prozent. Während der Beratung der Erfinder bemerkte Hillinger im Studio seinen Gedankenfehler. Der Profit der Gründer von 60.000 Euro – bei 250.000 Euro Jahresumsatz – bezog sich allein auf den Solar-Zaun-Vertrieb, nicht auf den restlichen Elektro-Betrieb, der aber zur Disposition stand. Als er dies erkannte, wollte er doch mit einsteigen, was für Verwunderung, aber keine Ressentiments bei Rohla sorgte. Stöckl und Leitinger nahmen dankend beide Investoren an Board.


⇒ alpine vju

⇒ Hakuma

⇒ my beauty Line

⇒ Global Rockstar

⇒ Elektronik Leitinger Photovoltaik

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Europa-Chef von Philip Morris Marco Hannappel bei der Präsentation zum EU Economic Footprint 2026. © Philip Morris / Footprint study 2026

Die Solvay Library in Brüssel hat etwas festlich Anmutendes. Der Raum wird von indirektem Tageslicht durchflutet, dezentes künstliches Licht sorgt für eine heimelige Stimmung. Vorne stehen drei Talkshow-Sessel, der mittlere ist stark ausgeleuchtet. Auf ihm wird später der Europa-Chef von Philip Morris International, Marco Hannappel, Platz nehmen. Der weltweit führende private Tabakproduzent veranstaltet ein Event, bei dem er neben seiner EU-Wertschöpfung auch seine Transformation weg von herkömmlichen Zigaretten hin zu einer selbsternannten „rauchfreien Zukunft“ bewirbt. Wobei „rauchfrei“ hier E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel inkludiert.

Gleich vorweg: Philip Morris präsentiert in knapp 60 Minuten und auf 52 Seiten seinen EU Economic Footprint 2026, wobei die Daten von EY-Parthenon verarbeitet wurden. Die Marke, die zum Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsnetzwerk EY gehört, schreibt im Disclaimer: „Es ist wichtig darauf hinzuweisen, dass die Daten von uns nicht unabhängig geprüft oder verifiziert wurden. Daher übernimmt EYP keine Gewähr oder Garantie für die Richtigkeit, Zuverlässigkeit oder Vollständigkeit der von PMI bereitgestellten Daten.“ Wenig überraschend fällt der Bericht sehr gut für den Tabakriesen aus. Philip Morris International liefere über 300 Milliarden Euro Gesamtbeitrag zur EU und sei für rund 0,4 Prozent des EU-BIP verantwortlich.

Alternative Produkte wie E-Zigaretten als „die bessere Wahl“

„Die Nachfrage nach den Nikotinprodukten ist da. Natürlich ist es immer am besten, gänzlich auf Tabak- und Nikotinprodukte zu verzichten. Für erwachsene Raucherinnen und Raucher, die andernfalls weiter rauchen würden, sind rauchfreie Alternativen die bessere Wahl als das Fortsetzen des Zigarettenkonsums“, erklärt Philip Morris Austria. Seine Antworten erhält brutkasten von der Presseabteilung.

Philip Morris versucht daher, eine Branche neu zu denken, und das nicht seit gestern, wie brutkasten berichtete. IQOS, Philip Morris’ eigene Marke für Tabakerhitzer, wurde vor über zehn Jahren in den Markt eingeführt. „Wenn es um innovative Produkte geht, dann ist IQOS unsere wichtigste Plattform. Wir entwickeln sie ständig weiter in Richtung höherer Leistung und geringerer Emissionen“, sagt Hannappel gegenüber brutkasten. Neu sind jedoch die Dimensionen, die Philip Morris erreicht. Im vierten Quartal dieses Jahres werden laut eigenen Angaben bereits 50 Prozent der Nettoumsätze in Europa mit alternativen Produkten erwirtschaftet.

Technologieunternehmen Philip Morris

Philip Morris möchte sich weg vom klassischen Tabakunternehmen und Zigarettenhersteller hin zu einem Technologieunternehmen entwickeln (brutkasten berichtete). So betreibt Philip Morris in Portugal ein Zentrum für generative KI, um globale Geschäftsabläufe zu unterstützen, wobei KI-Technologien eingesetzt würden, um die Entscheidungsfindung zu verbessern, Prozesse zu automatisieren und die Unternehmensleistung zu steigern. Für Philip Morris ein wichtiger Schritt, um die Transformation umsetzen zu können.

Im April dieses Jahres gab Philip Morris die Umgestaltung eines Werkes in Berlin-Neukölln bekannt. Anstatt Zigaretten zu produzieren, wird hier an Zukunftstechnologien wie KI oder Robotik gearbeitet.

Europa beschreibt Philip Morris International in seinem Bericht als globalen Hub für „Innovation, Produktion und Export“. Sein Zentrum für Innovationen betreibt Philip Morris International im schweizerischen Neuchâtel, wo Wissenschaftler und Ingenieure an den alternativen Produkten arbeiten. 2,2 Milliarden sollen hier zwischen 2021 und 2025 in die Forschung und Entwicklung investiert worden sein.

Philip Morris und Startups

Der Tabakriese setzt auch auf innovative Ideen von Startups. In dem Projekt „Be Leaf – Be The Future“ entwickeln sie Lösungen in den Bereichen der Agrartechnologie, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Ein Beispiel ist das bayerische Startup Bioplasmar, das eine biologisch abbaubare Alternative zu herkömmlichem Kunststoff herstellt.

Auch in der österreichischen Startup-Szene ist Philip Morris aktiv. Im Mai diesen Jahres erwarb das Unternehmen mit seiner Tochter Aspeya 5,7 Prozent von Waterdrop im Zuge einer Finanzierungsrunde von insgesamt über 100 Millionen Euro.

Zielgruppe: Keine neuen Raucher:innen

„Wenn du bei uns in Wien in die Boutique gehst und sagst ‚Ich hätte gern das Produkt‘, dann ist die erste Frage, die dir gestellt wird: ‚Bist du volljährig'“, erklärt Philip Morris Austria. Auch online will man entsprechende Altersüberprüfungen durchführen. In Österreich arbeitete Philip Morris daher an einem Pilotprojekt zur Altersschätzung per Gesichtserkennung. Auch hier soll KI unterstützen.

„Wenn du volljährig bist, wirst du beraten. Aber nur, wenn du die zweite Frage auch mit ‚Ja‘ beantwortest, und zwar: ‚Sind Sie Konsument von Nikotin- oder Tabakprodukten?'“, heißt es von Philip Morris Austria. Man wolle nicht die Firma sein, über die Menschen mit dem Rauchen beginnen.

Kurzum: Philip Morris präsentiert sich als Unternehmen, das verantwortungsvoll mit sensiblen Themen wie Nikotin umgeht.

Der offene Brief von Frankreich und Co.

Ein Grund dafür kann der wachsende politische Druck sein. Am 6. Oktober schrieben sieben EU-Staaten rund um Frankreich und Spanien einen offenen Brief an den EU-Kommissar für Gesundheit und Tierschutz, Olivér Várhelyi. Sie sehen Regulierungslücken in der Produkt- und Werberichtlinie der Tabakindustrie. Daher fordern sie einen Stopp, neue Produkte „mit Hilfe von aggressivem Marketing und unbegründeten Behauptungen über ein geringeres Risiko auf den europäischen Markt zu bringen, mit dem Ziel, (junge) EU-Bürger zum finanziellen Vorteil der Industrie abhängig zu machen.“ Außerdem fordern die EU-Staaten für alle Produkte ein Aromenverbot sowie ein vollständiges Verbot von Nikotinbeuteln.

Hannappel hat mittlerweile auf dem Podium Platz genommen, seine Präsentation ist vorbei und er beantwortet Fragen von Journalist:innen aus ganz Europa. Angesprochen auf ein Nikotinbeutel-Verbot in Ländern wie z. B. Frankreich antwortet er: „Meiner Ansicht nach sind Verbote nie eine gute Option, weil dann in einigen Fällen illegale Märkte entstehen und man die Möglichkeit verliert, die Konsumenten zu erreichen.“

Das Event stand zwar im Zeichen des Economic Footprint, zeigt aber auch eine Firma, die versucht, sich an eine veränderte Welt anzupassen. Die Marschrichtung hin zu alternativen Produkten will man weiter verfolgen. Hannappel meint, ein solches Event jedes Jahr machen zu wollen, um ein besseres Verständnis in Europa zu erzeugen. Jedenfalls wird Philip Morris gespannt nach Brüssel blicken. Denn die nächste richtungsweisende Entscheidung der EU-Kommission bezüglich der geplanten Überarbeitung des Rechtsrahmens soll noch bis Ende 2026 fallen.


Transparenzhinweis: Die Reise- und Aufenthaltskosten wurden von Philip Morris Austria übernommen. Auswahl und Bewertung der Themen erfolgten unabhängig davon.

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„2 Minuten 2 Millionen“: Folge 6 mit einer der höchsten Bewertungen seit Show-Start

  • Den Anfang von „2 Minuten 2 Millionen“ machten Evelyn Poteschil und Paul Weitz, Gründer von alpine vju, die einen Skibrillen-Schutz herstellen.
  • Die „2 Minuten 2 Millionen“-Jury dürfte sich als zweiten Auftritt über Christian Koder, Sebastian Podesser und Maximilian Mariel von Hakuma freuen, die schlussendlich mehr als nur einen Deal ergattern konnten.
  • Bei my beauty Line handelt es sich um ein Hautpfelge-Produkt, das auch als Mahlzeit dienen kann.
  • Mit Global Rockstar können User in Musikstücke investieren.
  • Elektronik Leitinger Photovoltaik kann die Jury trotz Pitch-Schwierigkeiten begeistern.

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