01.03.2022

„2 Minuten 2 Millionen“: Felix Ohswald steigt bei PetTech ein

In dieser Folge von "2 Minuten 2 Millionen" ging es um Tiergesundheit, Putzen mit Abwasser und ein Fahrrad-Abo. Zudem zeigte ein Startup seine Lösung gegen laufende Kindernasen, während ein anderes über 60-Jährige ins Auto locken will.
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2 Minuten 2 Millionen, Schneider, Aniveri, Ohswald
(c) Puls 4/Gerry Frank - Aniveri konnte Felix Ohswald als Investor mit an Board holen.
kooperation

Die ersten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Stephan Ziegler und Philipp Eder. Sie haben mit Eddi Bike ein neuartiges Leihkonzept für Fahrräder entwickelt. Über ein monatliches oder jährliches All-Inclusive-Abo können sich Nutzer dauerhaft ein Fahrrad mieten. Direkt vor die Haustür geliefert. Im Abopreis ist zudem die Wartung und Reparatur inkludiert, die innerhalb von 48 Stunden gewährleistet wird. Die Forderung: 350.000 Euro für zehn Prozent Anteile.

(c) Puls 4/ Gerry Frank – Ein Abo-Fahrrad bei „2 Minuten 2 Millionen“.

In dem Rad-Startup sind unter anderem bereits Niki Futter und Farbod Sadeghian investiert. Es verfügt über aktuell 500 Abonnenten und plant eine Ausweitung in andere Städte. Nach einem kurzen Gespräch über das Konzept und den Reparaturservice schaltete sich Martin Rohla per Green-Screen zu. Er verteilte das Nachhaltigkeit-Ticket von Goodshares, das eine Beratung durch den Investor, TV-Präsenz sowie 5.000 Euro der fair-finance beinhaltet. Danach musste das Eddi-Team das Studio jedoch ohne Investment verlassen.

Rotznasen bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Corinna und Thomas Seeberger. Ihr Picco Pocket ist ein mechanischer Nasensauger für Kinder. Er passt in jede Hosentasche und lässt sich mit einer Hand bedienen. So geht’s: Auslöser drücken, ein- bis zweimal kräftig nach unten schütteln und langsam zusammendrücken. Da das Produkt auslaufsicher sei, müsse die Entleerung und Sterilisation des Nasensaugers nicht direkt im Anschluss nach dem Absaugen erfolgen. Durch einen Handgriff wird das Nasensekret im Lagerbehälter bis zur nächsten Reinigung verwahrt. Bisher gibt es ein paar Prototypen aus dem 3D-Drucker. Die Forderung: 60.000 Euro für 20 Prozent.

(c) Puls 4/ Gerry Frank – Picco Pocket: Eine Abhilfe gegen Linder-Rotznasen?

Nachdem kurz die Produktionsstätte ein Thema war und herauskam, dass in etwa Vorarlberg zu produzieren achtmal teurer sei als in Fernost, bewies Philipp Maderthaner erneut sein Talent zur Ungeschicklichkeit und zerstörte das Vorführobjekt. Zu einem Cash-Deal kam es danach nicht, jedoch meinte Mediashop-Chefin Katharina Schneider, sie würde gerne nochmal ins Gespräch mit den Gründern kommen, sobald deren Startup nicht mehr so „early stage“ sei.

PetTech bei „2 Minuten 2 Millionen“

Die nächsten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Michaela Hösele und Remo Taferner. Ihr Startup Aniveri, das sie mit Markus Nachbagauer und Ideengeberin Ulrike Walther gegründet haben, sammelt verschiedene Daten der Tiere und kann damit individuelle Haustierprofile erstellen. Eine Künstliche Intelligenz rechnet im Hintergrund unter anderem Aktivitätsdaten, Fütterung, Medikation und Laborwerte einer Haarmineralanalyse zusammen und gibt den Besitzer:innen individuelle Empfehlungen, um etwaige Mängel oder Schadstoffbelastungen des Haustieres auszugleichen. Die Forderung: 200.000 Euro für 20 Prozent.

(c) Puls 4/ Gerry Frank – Ein Startup für Haustiervorsorge bei „2 Minuten 2 Millionen“

Konkret: Das Startup liefert seinen Kund:innen auf Basis eines im Labor untersuchten Test-Kits, für das Hund oder Katze ein Haarbüschel abgeschnitten werden muss, und einigen online beantworteten Fragen, zwei Reports. Der erste enthält eine Analyse zum aktuellen Gesundheitszustand des Tiers, in der etwa auch auf Schwermetallwerte oder die Versorgung mit Mineralstoffen eingegangen wird. Im zweiten Report bekommen Nutzer:innen einen Plan für Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel – in Kooperation mit Tierärzten.

Nach vier Absagen, bot schlussendlich GoStudent-Gründer Felix Ohswald 100.000 Euro für zehn Prozent. Die Gründer zögerten keine Sekunde und nahmen an. Deal für Aniveri.

Ein Seniorenmobil um 1 Euro

Die vorletzten bei „2 Minuten 2 Millionen“ waren Markus und Iris Kaufmann. Sie haben mit Mobil 60+ ein Sozialprojekt auf die Beine gestellt, das sich an Senioren und deren Mobilität wendet. Entstanden ist die Idee 2019 in Kaprun. Es ist kurz gesagt, ein Senioren-Taxi, das von ehrenamtlichen Fahrern gesteuert wird. Der Ablauf: Mit einem Euro pro Fahrt und einem Anruf beim Seniorenmobil-Fahrer wird der Fahrgast abgeholt und zum gewünschten Ort (Kurzstrecken) gefahren. Die Jahresmitgliedschaft im Verein beträgt zehn Euro im Jahr. Die Forderung für den Rollout auf andere Gemeinden: 20.000 Euro für 20 Prozent.

(c) Puls 4/ Gerry Frank – Iris und Markus Kaufmann kümmern sich um Senioren-Mobilität.

Nachdem die Gründer geklärt hatten, dass es neben dem ökonomischen und mobilen Aspekt auch um das „Miteinander“ (Senioren für Senioren) geht, schaltete sich Martin Rohla zu und verteilte das Goodshares-Ticket. Er bot zudem die 20.000 Euro für 20 Prozent. Deal für Mobil 60+.

Abwasser-Reiniger bei „2 Minuten 2 Millionen“

Den Abschluss bei „2 Minuten 2 Millionen“ gebührte Georg Grassl und Tanja Baric. Beide vertraten im Studio Cycle-Gründer Sunny Bhasin und stellten ihr Reinigungsmittel vor. Es besteht zu 90 Prozent aus recycelten Rohstoffen aus der Abwasserbehandlung. Konkret wird durch Fermentierung aus Klärschlamm biologische Essigsäure und durch Destillation Wasser gewonnen. Der Rest besteht aus Naturseife, Duftstoffen wie ätherischen Ölen und Zitronensäure. Mit diesem Konzept wird für die Herstellung des Produkts kein sauberes Wasser verwendet. Die Flasche selbst ist aus recyceltem Kunststoff. Die Forderung: 500.000 Euro für zehn Prozent.

(c) Puls 4/ Gerry Frank – Tanja Baric und Georg Grassl zeigten den Investoren einen nachhaltigen Reiniger.

In zwei Jahren am Markt konnte das Startup 200.000 Euro Umsatz machen. Das Kapital würde für Marketing und Awareness-Schaffung benutzt werden. Nach vier Absagen zeigte dann schließlich Schneider Interesse und bot, eine gründliche „Due Dilligence“ vorausgesetzt, eine Vertriebskooperation an.

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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