11.09.2025
AUSZEICHNUNG

15 neue Social Enterprises mit „Verified Social Enterprise“-Label ausgezeichnet

Zum vierten Mal wurde das "Verified Social Enterprises"-Label im Auftrag des Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft (BMWET) verliehen. Mit den 15 neuen Auszeichnungen tragen nun bereits 60 Social Enterprises in Österreich dieses Label.
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Verified Social Enterprise
© Rauchecker-aws

Social Enterprises sind in Österreich sowohl Schlüsselakteur:innen für gesellschaftlichen und sozialen Wandel, aber auch für wirtschaftliche und nachhaltige Innovation. Sie verbinden unternehmerisches Denken mit sozialer Verantwortung. Um das Potential dieser Unternehmen zu unterstützen und deren Sichtbarkeit zu erhöhen, greift man auf das „Verified Social Enterprise-Label“ (VSE-Label) zurück. In Österreich werden derzeit rund 2.500 Unternehmen als Social Enterprises eingestuft.

Verified Social Enterprise für mehr Sichtbarkeit

Mit dem Ziel, Social Enterprises zu fördern und ihnen einen öffentlich anerkannten Nachweis für ihre Tätigkeiten zu bieten, wurde konkret vor rund drei Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) in Zusammenarbeit mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), dem Social Entrepreneurship Network Austria (SENA) und der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) das Label „Verified Social Enterprise“ entwickelt.

Für die Erlangung des Labels müssen Unternehmen eine Reihe von Kriterien erfüllen, wobei der gesellschaftliche bzw. ökologische Mehrwert ihrer Projekte besonders deutlich erkennbar sein muss.

Nach einer Prüfung und Eintragung in das öffentliche Register kann jede Social Enterprise – unabhängig von der Rechtsform – dieses Label offiziell führen. Diese Möglichkeit erstreckt sich gleichermaßen auf Unternehmen, Genossenschaften und Vereine. Es soll dazu beitragen, mehr Sichtbarkeit zu schaffen, eine leichtere Identifikation von Social Enterprises zu ermöglichen und gleichzeitig eine klare Abgrenzung gegenüber anderen Wirtschafts- und Sozialorganisationen sicherzustellen. Die klare Einordnung unterstützt zudem bei der gezielten Ansprache von Kund:innen, Partnerorganisationen und Investor:innen.

Die 15 neuen Verified Social Enterprises

UnternehmenBeschreibung
b.house gmbhEntwickelt modularen Wohnraum, der nachhaltig ist, sozial durchmischt und unter marktüblichen Mieten liegt.
Bros for Change gemeinnützige GmbHFördert Buben und junge Männer in schwierigen Lebenslagen durch Mentoring und Empowerment.
CARE ÖsterreichSetzt sich international für Armutsbekämpfung, Gleichstellung und Katastrophenhilfe ein.
FreyZein GmbHProduziert nachhaltige Kleidung aus umweltschonenden Materialien mit fairer Lieferkette.
GoForIt GmbHBegleitet Jugendliche und junge Erwachsene mit Programmen zur Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung.
HUMANA People to People ÖsterreichFinanziert Entwicklungsprojekte und stärkt Kreislaufwirtschaft durch Sammlung und Wiederverwertung von Kleidung.
Liimmi GmbHEntwickelt multifunktionale Baby- und Wohnprodukte mit zirkulärem Design, die über die Kindheit hinaus genutzt werden können.
magdas – Social Business der Caritas der Erzdiözese WienSchafft Arbeits- und Integrationsmöglichkeiten für Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte.
Miranda Mobile Learning OGEntwickelt mobile Lernlösungen für barrierefreie und flexible Weiterbildung in Bildungseinrichtungen und Unternehmen.
Pro Juventute Soziale Dienste GmbHUnterstützt Kinder, Jugendliche und Familien in belasteten Lebenslagen durch Betreuung, Beratung und Wohnangebote.
respondeco GmbHBegleitet Organisationen bei der Entwicklung wirkungsorientierter Strategien in sozialen und nachhaltigen Projekten.
sozKom GmbH & Co. KGRealisiert Projekte in Gemeinwesenarbeit und Partizipation, um lokalen Zusammenhalt und Teilhabe zu fördern.
Supaso GmbHEntwickelt digitale Lösungen für Pflege und Gesundheit, die Selbstbestimmung und Barrierefreiheit ermöglichen.
Vienna Hobby LobbyBietet kostenlose Freizeit- und Kreativkurse für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien.
VOI fesch GmbHVerwandelt Kunstwerke von Menschen mit Behinderungen in Designprodukte und fördert Inklusion.

Impact First

Die Antragstellenden müssen sich mit dem Label zur Umsetzung des sogenannten „Impact-First“-Gedankens verpflichten. Dieses Prinzip muss in den jeweiligen Gesellschaftsverträgen, Statuten oder Satzungen verankert sein. Nach erfolgreichem Antragsprozess und positiver Entscheidung werden die Social Enterprises im Unternehmensserviceportal sowie im A-Z Firmenregister aufgeführt.

Überreicht wurden die Verified Social Enterprise-Label von Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus im BMWET Elisabeth Zehetner, dem aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von SENA Lena Gansterer sowie der Vizepräsidentin der WKÖ Bettina Dorfer-Pauschenwein.

„Mit dem VSE-Label erhalten Social Entrepreneurs nicht nur mehr Sichtbarkeit, sondern auch eine offizielle Anerkennung für ihr Engagement im sozialen und nachhaltigen Wirtschaften. Die Auszeichnung unterstreicht die Bedeutung ihrer Arbeit für eine zukunftsfähige Gesellschaft. (…) Die prämierten Unternehmen zeigen eindrucksvoll, wie innovativ und verantwortungsbewusst Österreichs Wirtschaft agiert, indem sie nachhaltige und soziale Geschäftsmodelle entwickeln. Sie sind Vorbilder für unternehmerisches Handeln mit gesellschaftlichem Mehrwert“, sagen Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Verified Social Enterprise: Resilienz stärken

Und aws-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister ergänzt: „Die Weiterentwicklung des Verified Social Enterprise-Labels schafft die Grundlage, um innovative Sozialunternehmer:innen gezielt zu unterstützen. (…) In unseren gegenwärtigen Förderprogrammen erkennen wir eine zunehmende Fokussierung auf entscheidende gesellschaftliche, soziale und nachhaltige Lösungen. Darin steckt ein großes Potential, um gleichzeitig die gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Resilienz Österreichs zu stärken“.

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

GoStudent verfolgt weiter seine Offline-Strategie. Bereits 2022 hatte man Studienkreis übernommen – brutkasten berichtete. Der bereits 1974 gegründete Studienkreis galt als Deutschlands größtes Nachhilfeunternehmen mit bundesweit über 1.000 Lernzentren.

Im Mai 2025 vermeldete das Unicorn dann die Erweiterung seines Geschäftsmodells und den Plan, künftig verstärkt auf stationäre Nachhilfestandorte zu setzen – siehe hier.

GoStudent erweitert sich

„Das Franchise-Modell mit stationären Nachhilfestandorten, das wir in Deutschland übernommen haben, hat sich äußerst positiv entwickelt. Deshalb ist es für uns ein logischer nächster Schritt, dieses erfolgreiche Modell nun auf weitere europäische Länder auszuweiten, in denen wir bereits mit unserer personalisierten Online-Einzelnachhilfe aktiv sind“, erklärte damals eine Sprecherin des EdTechs die Gründe für diesen Schritt.

Heute schrieb GoStudent-Gründer Felix Ohswald per LinkedIn-Post, dass man bereits am 28. August den Kaufvertrag mit der Berlitz Corporation für die Berlitz Deutschland GmbH unterzeichnet habe und sich damit nun 50 Sprachzentren in ganz Deutschland, öffentlich geförderte Integrations- und berufliche Qualifizierungsprogramme, das Geschäft mit öffentlichen Institutionen, Sprachprüfungen und Zertifizierungen, ein breites Portfolio an Präsenzkursen für Privatkunden, die Rekrutierung internationaler Fachkräfte sowie Programme für Kinder und Jugendliche einverleibt habe.

Sprachkenntnisse im Fokus

Während Berlitz das Geschäft mit Unternehmenskunden und das Online-Sprachtraining weiterführt, ist die Berlitz Deutschland GmbH seit 1. September in einem separaten Unternehmen organisiert. Die Berlitz Deutschland GmbH bleibt dabei unter der Marke Berlitz und als Franchise-Partner der Berlitz Corporation bestehen. Der Abschluss der Transaktion wird bis zum Jahresende erwartet.

Hintergrund des Deals ist die Bedeutung von Sprachkenntnissen für den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt: Rund die Hälfte aller Arbeitgeber verlangt laut dem Unternehmen mindestens Deutschkenntnisse auf B2-Niveau. Die für öffentlich geförderte Sprachprogramme notwendigen Akkreditierungen wurden über zwei Jahrzehnte aufgebaut. Die operative Führung der Berlitz Deutschland GmbH bleibt bei Mattias Schwarz und dem bestehenden Team.

Drei Beobachtungen

Den Grund für diesen Schritt erläutert Ohswald aus drei Beobachtungen und zwei Hypothesen heraus: Erstens sei Deutsch das meistgebuchte Fach in der Nachhilfe: In der Grundschule werde Deutsch sogar häufiger gebucht als Mathematik – und das gelte für Kinder aller Herkünfte.

Zweitens zeige sich ein Zusammenhang mit der Demografie: In Städten und Kreisen, in denen viele Familien zu Hause mehr als eine Sprache sprechen, sei Deutsch häufiger Bestandteil der Nachhilfeverträge. Gleichzeitig würden Familien mit Zuwanderungsgeschichte laut Bildungsforschung seltener Nachhilfe in Anspruch nehmen, obwohl der Bedarf höher wäre.

Drittens zeige sich die Bedeutung von Sprachkompetenz auch in der Mathematik: Bei der zentralen Prüfung am Ende der zehnten Klasse in Nordrhein-Westfalen würde Sprachkompetenz 14 Prozent der Unterschiede in der Mathematikleistung erklären, während es bei sozialer Herkunft und Migrationshintergrund jeweils ein bis drei Prozent seien. Zwischen dem sprachlich schwächsten und stärksten Drittel der Schüler lag dabei mehr als eine Schulnote.

„Aus diesen Beobachtungen sind zwei Hypothesen geworden, und aus den Hypothesen eine Entscheidung. Sie fällt in einen Markt, dessen Etat der Bund 2027 fast halbieren will, und in Wochen, in denen der Bundestag genau darüber berät. Man kann das den falschen Moment nennen. Wir halten es für den richtigen und erklären, warum“, beschreibt Ohswald seine Gedanken.

Hypothese 1: „Die Arbeitswelt sortiert nach Sprache, bevor sie nach Qualifikation sortiert“

Die erste Sortierung beginne Ohswald zufolge bereits in der Schule. „2021 sprachen noch 62 Prozent der Viertklässler zu Hause immer Deutsch, zehn Jahre davor 84. Jedes vierte Kind verließ die Grundschule, ohne so lesen zu können, wie es die weiterführende Schule voraussetzt. Ein Kind, das zu Hause nie Deutsch spricht, liegt im Lesen 36 Punkte zurück, auch im Vergleich mit Kindern gleicher sozialer Herkunft. Ein Teil des Rückstands ist Armut. Ein Teil ist Sprache. Der zweite Teil ist der, den Bildung beheben kann“, betont Ohswald.

Die zweite Sortierung würde an der Tür zum Arbeitsmarkt stattfinden. Sie treffe Erwachsene, die neu kommen: „Die Hälfte der Betriebe verlangt bei Einstellungen immer mindestens B2, in Gesundheit, Bildung und Finanzen drei Viertel und mehr. Die andere Hälfte stellt auch darunter ein, im Gastgewerbe, in Lager und Verkehr, in der Leiharbeit. Die Sprachschwelle entscheidet nicht, ob jemand arbeitet. Sie entscheidet, in welchem Segment. In den reglementierten Berufen ist sie Zulassungsbedingung: Ärztinnen und Ärzte brauchen überall B2 und eine Fachsprachprüfung auf C1, Pflegekräfte B2, obwohl viele mit B1 einreisen“, erklärt der GoStudent-Gründer.

Als Beispiel führt Ohswald an, dass 72 Prozent der Geflüchteten aus der Ukraine über einen Hochschul- oder vergleichbaren Abschluss verfügen, doch nur fünf Prozent bei ihrer Ankunft gut Deutsch sprechen würden. Laut Studien seien es bessere Sprachkenntnisse, die die Einstellungsbereitschaft deutlich erhöhen, während fehlende Kinderbetreuung und nicht anerkannte Abschlüsse weitere Hürden darstellen. Sprache sei damit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass vorhandene Qualifikationen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sichtbar und nutzbar werden, so Ohswald.

Hypothese 2: Sprache hört nicht bei B1 auf

Der Integrationskurs – um auf seine zweite These zu kommen – zielt auf B1 ab. Für viele berufliche Wege seien jedoch weitergehende Sprachkenntnisse erforderlich, was für Ohswald bedeutet, dass auch nach dem Spracherwerb berufliche Weiterbildung schlicht ein wichtiger Schritt bleibe.

„Das IAB hat bei Geflüchteten gemessen, was nach dem Sprachkurs wirkt: Ein Sprachkurs mit Aktivierung bringt nach fünf bis sechs Jahren rund 3,5 Prozentpunkte mehr Beschäftigung“, zeigt sich der Founder auf LinkedIn überzeugt. „Eine geförderte Weiterbildung bringt rund 13 Prozentpunkte und etwa 800 Euro mehr Monatsbrutto. Sprache öffnet die Tür. Qualifikation bringt durch.“

All dies im Hinterkopf, scheint nun klar, was GoStudent mit der Berlitz-Übernahme möchte: Seine beiden Hypothesen in die Praxis übersetzen: Sprache als Schlüssel für Bildung und Arbeitsmarkt – und als Ausgangspunkt für den nächsten Schritt, die berufliche Qualifizierung, und sich weiter als stationärer Anbieter verfestigen.

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