25.10.2021

100. Folge „Höhle der Löwen“: Wirbelnde Hände und finale Tränen

100 Folgen "Höhle der Löwen" fanden ihren Abschluss mit Blumenkonfetti, tanzenden Händen und einem Startup, das mit seiner Hausbau-Idee am Ende emotional wurde. Während ein weiteres kein Investment, aber etwas anderes erhielt.
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Höhle der Löwen, Talking Hands, Grundriss in Lebensgröße
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer - Maria Möller (l.) und Laura Mohn konnten über einen unerwarteten Erfolg jubeln.
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Es war Dienstag, der 19. August 2014. Julian Assange kündigt an, die Londoner Botschaft in Ecuador bald verlassen zu wollen. Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich haben einen Rechtsstreit mit der Bawag-PSK um Gebühren bei Krediten gewonnen. Ein Wiener Polizist, der im Entführungsfall Natascha Kampusch illegale Ermittlungen in einer niederösterreichischen Volksschule durchgeführt hatte, wurde am Wiener Straflandesgericht wegen Amtsmissbrauchs zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt. Und der ehemalige Vorsitzende der Chefredaktionen und Chefredakteur „Digital“ von Bild, Julian Reichelt, schreibt einen Kommentar mit dem Titel „Die Pressefreiheit ist unantastbar!“. Neben diesen Ereignissen geschah aber auch noch etwas anderes: „Die Höhle der Löwen“ startet mit ihrer ersten Folge im TV und bringt so die Startup-Szene in die Mitte der Gesellschaft.

100. Folge Höhle der Löwen startet mit Konfetti-Startup

99 Folgen später ist die magische Zahle 100 erreicht. Die Ehre des ersten Pitches der Jubiläumsfolge – die montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie wie alle anderen jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – gebührte dem Gründer-Trio Christoph Trimborn, Katia Filippenko und Philip Weyer. Mit Saatgutkonfetti bietet es die ökologische Alternative zu dem herkömmlichen Konfetti, das meistens aus Papier oder Kunststoff besteht.

„Saatgutkonfetti ist bunt, bio, vegan, TÜV-geprüft, kompostierbar und enthält Pflanzensamen“, erzählte Trimborn im Studio. „Wenn ich jetzt draußen Konfetti schmeiße, dann können daraus Blumen wachsen. Das wiederum bedeutet, dass man Heimat und Nahrung für Insekten und andere kleine Tiere schafft und somit einen kleinen Beitrag zum Erhalt der heimischen Biodiversität leistet.“

Höhle der Löwen, Saatgutkonfetti
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Katia Filippenko, Christoph Trimborn (M.) und Philip Weyer präsentierten mit Saatgutkonfetti Konfetti mit Pflanzensamen.

Ihre Mischungen beinhalten 24 heimische Pflanzenarten, wie z.B. Kornblume, Klatschmohn oder wildes Stiefmütterchen, müssen nicht vergraben und können ganzjährig ausgebracht werden. Das Konfetti besteht aus bio-zertifizierter Stärke und natürlichen veganen Farbstoffen. Für noch mehr Regionalität und Saisonalität gibt es verschiedene Editionen, wie etwa Schneekonfetti für weiße Weihnachten, „Cornercare“ zur Verschönerung unangenehmer Ecken oder Laubkonfetti für den Herbst. Das Ziel der Gründer: Das Thema Nachhaltigkeit mit viel Leichtigkeit und Freude nach draußen bringen. Um seine Produktionskapazitäten sowie Vertriebs- und Marketingmaßnahmen auszubauen, benötigte das Trio 200.000 Euro und bot zehn Prozent seiner Firmenanteile an.

Nach dem Pitch kam die Frage auf, an welchen Orten Saatgutkonfetti überhaupt nutzbar sei. Hochzeiten, gepflegte Rasen oder der Nachbars-Garten wären problematisch, wie Multi-Investor Carsten Maschmeyer anmerkte. Jener hatte das Gefühl, dass er und Weyer menschlich nicht zusammenpassen würden. Und ging relativ rasch ohne Angebot.

Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg erfuhr, dass die geplante Skalierung des Produkts sehr kapitalintensiv werden würde – die Gründer sprachen von zusätzlichen 600.000 Euro, um die Produktion zu automatisieren – und verabschiedete sich ebenfalls als potentieller Investor. Medien-Experte Georg Kofler tat es ihm gleich, weil er im Startup wirtschaftlich zu wenig Sattelfestigkeit sah.

Familien-Investorin Dagmar Wöhrl machte es kurz und einfach und ließ Ralf Dümmel über. Derjenige zeigte sich überzeugt, dass er „der Richtige“ sei und bot 200.000 Euro für 20 Prozent. Die Gründer kehrten nach kurzer Beratung mit einem Gegenangebot zurück. Für Dümmel waren die neu angeboten zwölf Prozent zu wenig. Der Löwe argumentierte mit viel Arbeit und der Aussicht auf „working capital“ und wollte 15 Prozent haben.

Diesmal dauerte die Beratung länger, sodass so mancher Löwe die Geduld verlor. Maschmeyer holte die Gründer auf die Bühne zurück, die mit einem letzten Gegenvorschlag aufwarteten: Zehn Prozent Anteile jetzt, die restlichen fünf, sollte Saatgutkonfetti in 10.000 Filialen vertreten sein. Deal mit Dümmel.

Starkoch Lohse in der „Höhle der Löwen“

Die nächsten in der „Höhle der Löwen“ waren Steve Müller und TV-Koch Christian Lohse. Gemeinsam mit dem Sternekoch präsentierte Gründer Müller sein entwickeltes Kochsystem, wie er erklärte: „DeWok steht für gesundes Kochen und bringt die Menschen wieder zusammen.“

Vor rund zehn Jahren war Müller einige Jahre beruflich in Asien tätig und lernte die dortige gesunde Küche und Kochkunst lieben. Dort entstand auch die Idee, ein Kochsystem zu entwickeln, mit dem jeder die Möglichkeit hat, sich gesund zu ernähren. Der Aufbau und die Auswahl der Materialien seines Produkts seien speziell aufeinander abgestimmt und durch die Temperaturverteilung in der Pfanne soll man vitamin- und nährstoffreich kochen können – nicht nur asiatische Gerichte, wie er sagt.

DeWok, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Steve Müller (r.) aus Köln mit seiner „selbsternannten“ Fondue-Revolution DeWok. Zum Pitch hatte er seinen Freund, den Sterne-Koch Christian Lohse, mitgebracht.

DeWok funktioniert ohne Strom und ist für Zuhause, zum Camping, am See, zum BBQ oder als Alternative zu Raclette und Fondue gedacht. Das Produkt gibt es als Doppelset für bis zu vier Personen und als Singleset für bis zu zwei Leute. Dafür wurden hochwertige Materialien wie Naturstein, lebensmittelgeprüfter Edelstahl und Massivholz verarbeitet. Die Forderung: 12,5 Prozent für 100.000 Euro.

Mit einer klassischen Asia-Pfanne des Starkochs im Bauch, inklusive DeWok-Sauce, beäugten die Löwen das Produkt und lobten die Haptik und Hochwertigkeit der Pfanne. Maschmeyer allerdings sorgte sich um die bisherigen Verkäufe, knapp 400 in einem Jahr und stieg aus.

Danach trafen sich die Damen der Löwenrunde, Wöhrl und Beauty-Queen Judith Williams, und berieten über ein Angebot. In der Zwischenzeit ging Rosberg, Dümmel aber bot 100.000 Euro für 20 Prozent.

Beiden Löwinnen machten anschließend das gleiche Angebot wie ihr Löwenkollege – Müller allerdings nahm den Investor mit ins Boot. Deal für DeWok.

Sprechende Hände in der „Höhle der Löwen“

„Wir kämpfen dafür, dass kein Kind aufgrund von Kommunikationseinschränkungen ausgeschlossen wird“, erklärten Maria Möller und Laura Mohn als nächste den Löwen: „Vielen Kinder, die nicht lautsprachlich sprechen können, hilft es mit Gebärden zu kommunizieren, also mit den Händen zu sprechen. Das Problem ist aber, dass Kinder, die nicht darauf angewiesen sind, die Gebärdensprache nicht kennen und so auch kein Austausch stattfindet.“

Es bestehe schnell die Gefahr, dass sich die betroffenen Kinder ausgeschlossen und nicht verstanden fühlen und so nicht richtig am Alltag teilnehmen. Rund jedes zehnte Kind in Deutschland lebe mit einer Kommunikationseinschränkung, erklärten die Gründerinnen. Dazu gehört Schwer- und Gehörlosigkeit, aber auch Autismus oder das Down-Syndrom können die Sprachfähigkeiten vermindern.

talking hands, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Maria Möller (l.) und Laura Mohn haben mit talking hands Daumenkinos für Gebärdensprache entwickelt.

Damit alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung, gemeinsam Gebärden lernen, hat das Gründer-Duo mit talkings hands eine neue Lernmethode geschaffen. Jedes seiner Daumenkinos steht für ein Wort und beinhaltet die entsprechende Gebärde. So können Bewegungen ohne technische Hilfsmittel gezeigt werden.

Wasserabweisender Umschlag und ohne giftige Farben

„Die Daumenkinos erwecken bei den Kindern eine Faszination, denn mit dem eigenen Daumen kann man Bilder zum Bewegen bringen”, so Möller. Mittlerweile gibt es über 100 Versionen ihres Produkts, alle haben einen wasserabweisenden Umschlag und sind ohne giftige Farben für Kinderhände geeignet.

Für die Gründerinnen ist Inklusion eine Herzensangelegenheit und die Daumenkinos sollen erst der Anfang sein. Ihre Vision: Ein Unternehmen aufbauen, dass durch innovative Lehrmittel Inklusion weltweit fördern kann. Um ihr Ziel zu erreichen, benötigten Maria Möller und Laura Mohn 100.000 Euro und boten dafür 15 Prozent der Firmenanteile.

Georg Kofler fand es hinreißend, wie spielerisch leicht Inklusion von den Gründerinnen gedacht wird. Rosberg hingegen sah sich nicht als richtiger Investor für das Startup. Danach erzählten Mohn und Möller von ihrer neuen Idee und den „Gamification-Ansatz“, den sie per App andenken. Auch eine Expansion in die USA wäre für die nächsten drei Jahre geplant.

Spendierbare Löwen

Wöhrl stieg aus, wollte aber mit ihrer „Emanuel Wöhrl-Stiftung„, nach ihrem verstorbenen Sohn benannt, für 10.000 Euro Bücher kaufen. Maschmeyer ging zwar ebenso ohne Angebot, versprach aber ebenfalls 10.000 Euro an Spenden. Kofler nannte die Initiative förderungswürdig und schloss sich als dritter Spender an. Schlussendlich versprach auch Williams 10.000 Euro. Zwar: Kein Deal für talking hands. Aber ein finanzieller Erfolg.

Händewaschen in der „Höhle der Löwen“

Die nächste in der „Höhle der Löwen“ war Katrin Klein. Die Gründerin weiß, dass die häufigsten Überträger von Krankheitserregern die Hände sind. Mit dem richtigen Händewaschen könnte also ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit geleistet werden. „Warum waschen sich dann über 90 Prozent der Menschen die Hände nicht richtig, wenn dies so wichtig für unsere Gesundheit ist?“, fragte sich die 50-Jährige. „Und wie soll ich vor allem Kindern erklären, etwas wegzuwaschen, was man gar nicht sieht?“

So kam die Gründerin auf die Idee, eine Seife mit Farbeffekt zu entwickeln. „Ich gestaltete meine Wohnung in ein kleines Labor um. Ich testete, mischte und probierte verschiedene Farb- und Inhaltsstoffe aus“, erklärte sie im Studio. Nach fast einem Jahr Entwicklungszeit mit professionellen Laboren präsentierte sie nun der Öffentlichkeit ihre „Blaue“ von colorsafe.

Waschen bis man (un)blau wird

„Die Seife funktioniert ganz einfach. Sie ist blau und zeigt an, ob man sich lückenlos die Hände gewaschen“, so Klein weiter erklärend. Das Produkt verdankt seine Farbe den pflanzlichen Inhaltsstoffen aus der Gardenia- und der Distelblüte, zudem ist die Naturseife vegan, hautneutral, ohne Tierversuche und „Made in Germany“. Mit einem Investment von 100.000 Euro für zehn Prozent wollte Klein vor allem die Produktionsmenge steigern und so den Verkaufspreis von knapp 15 Euro senken.

Händewaschend präsentierte die Gründerin ihren Pitch und bat die Löwen ebenfalls zur Handreinigung. Rosberg trat hervor, pumpte zweimal Seife heraus, schloss die Augen und merkte danach, dass er seinen Daumen und andere Stellen beim Waschen vernachlässigt hatte.

Der Ex-Rennfahrer sah das Produkt als für Kinder ideal, aber das Startup noch als zu „early stage“, um zu investieren. Wöhrl gefiel das Layout, würde aber nicht helfenckönnen, wie sie meinte. Glagau watr sich sicher, dass auch nach Corona das gründliche „Händewaschen“ bleiben werde. Er stehe für die Apothekenwelt, die die Gründerin bereits beschritten hatte und bot 100.000 Euro für 24 Prozent.

Kofler und Dümmel taten sich daraufhin zusammen und begannen laut zu denken. Sie boten schlussendlich 150.000 Euro für jeweils 15 Prozent. Nachdem sich die beiden Löwen-Blöcke argumentativ „bekämpften“, führte Wöhrl diesen Wettstreit zu Ende und entließ Klein, um sich zu beraten hinter die Bühne. Danach wurde Nils Glagau ins colorsafe-Boot geholt.

Grundriss in 3D

Die letzten beim Staffelfinale der „Höhle der Löwen“ waren Gissou Ataee, Lucas Nummer und Maximilian Mühlegg. Die drei möchten Quadratmeterzahlen und Baupläne zum Leben erwecken. Seit über vier Jahren waren die Founder in der Immobilienbranche tätig und verkauften hauptsächlich Neubauimmobilien. Oft konnten sich die Käufer anhand von Grundrissplänen oder 3D-Ansichten am Computer nicht vorstellen, wie ihr zukünftiges Zuhause aussehen und vor allem sich anfühlen kann, merkten sie schnell.

Grundriss in Lebensgröße, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Maximilian Mühlegg (l.), Gissou Ataee und Lucas Nummer erschufen mit Grundriss in Lebensgröße eine Grundriss-Projektionshalle.

Ihre Lösung: Grundriss in Lebensgröße. So soll den Kunden bereits vor der Fertigstellung von Neubauten ein realistischer Eindruck der späteren Wohnfläche geliefert werden. Mit acht Hochleistungs-Beamern, die an der Decke einer 600 Quadratmeter großen Halle in München angebracht sind, werden Grundrisse der Neubauimmobilien in Lebensgröße auf den Boden projiziert.

Bessere Vorstellungskraft

„Um sich alles noch besser vorzustellen, stehen echte Möbel und echte Wände auf Rollen vor Ort. Der Kunde kommt zu uns in die Halle und entdeckt zum allerersten Mal seinen geplanten Grundriss, bevor er überhaupt mit dem Bauen anfängt. Dann klären sich auch die üblichen Fragen wie, wo soll der Esstisch, wo soll die Küche stehen?“, erklärte Nummer die Vorteile seiner Idee.

Wand- und Möbel-Attrappen können je nach Wunsch auf dem Grundriss platziert werden. Dies ermögliche den Kunden, ein realistisches und räumliches Gefühl für den Grundriss zu bekommen. Neben der besseren Visualisierung soll auch der Geldbeutel geschont werden, so ein Teil des Pitches: „Denn mögliche Planungsfehler, die langfristig immer bereut werden, sind so im Vorhinein besser ersichtlich. Einen Küchenblock im Anschluss noch mal zu versetzen oder Leitungen noch mal neu zu legen, kann immens teuer sein“, so die Gründer weiter.

PDF des Grundrisses benötigt

Grundriss in Lebensgröße, das auch in Wien aktiv ist und in Innsbruck in Standortverhandlungen für eine Halle steckt, richtet sich sowohl an Endkunden – also private Bauherren – als auch an Haushersteller oder Immobilienanbieter, die Kunden ihre Neubauten besser darstellen wollen.

Die Vorgangsweise ist simpel. Im Voraus benötigen die Gründer einzig eine PDF-Datei des Grundrisses. Ataee meinte dazu: „Die Leute rennen uns im wahrsten Sinne des Wortes die Bude ein. Wir sind in Europa die ersten und einzigen, die diese Innovation anbieten.“ Um weiter expandieren zu können, forderte das Gründer-Trio 300.000 Euro und bot dafür 20 Prozent der Firmenanteile an.

Die Löwen zeigten sich nach dem Pitch teilweise überschwenglich und sahen die knapp 500 Euro pro Stunde, die das Startup verlange als tolle Investition. Von den Gründern ging ein derart großes Charisma aus, sodass sich nach der Fragerunde Teams unter den Löwen bildeten. Wöhrl und Glagau versus Williams und Maschmeyer. Dümmel nahm sich freiwillig heraus, weil es nicht sein Bereich sei.

Feuchter Entschluss in der „Höhle der Löwen“

Die Familien-Investorin und der Konzernchef boten 300.000 Euro für 30 Prozent. Williams und Maschmeyer offerierten denselben Betrag, wollten aber „nur“ 25.1 Prozent Anteile. Das Trio kehrte nach der Beratung zurück und erklärte emotional, dass es die „Höhle der Löwen“ seit dem ersten Tag schauen würde und nahm sichtlich emotionalisiert und mit feuchten Augen Williams und Maschmeyer ins Boot. Letzter Deal der zehnten Staffel der „Höhle der Löwen“ für Grundriss in Lebensgröße.

Anmerkung am Rande: Zum Finale verrieten die beiden Löwen Georg Kofler und Ralf Dümmel ihren gemeinsamen größten Deal. Seit dem 19.10.21 ist es offiziell: Die beiden Löwen-Kollegen vereinen ihre Kräfte und gehen demnächst als ein Firmen-Team an den Start. Dümmels Unternehmensgruppe „DS Produkte“ wird Teil der Aktiengesellschaft „The Social Chain“, in der Kofler Aufsichtsrat ist: „Mit großer Spannung blicken wir der nächsten Staffel entgegen“, warb Dümmel für die Startup-Show.

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V.l.n.r.: Damian Izdebski, techbold Gründer und Hauptaktionär; Matthias Stieber und Gerald Reitmayr, Vorstände der techbold technology group AG © techbold

Eine Geschichte, die das Leben schreibt: „Zwölf Jahre lang war ich ‚der mit der Pleite‘. Ab heute bin ich ‚der mit dem Comeback'“, sagt Damian Izdebski Freitagmorgen gegenüber brutkasten. Sein 2015 gegründetes Unternehmen techbold technology group AG wird von der deutschen accompio Gruppe übernommen – zu einer Bewertung von knapp 40 Millionen Euro, wie brutkasten in Erfahrung brachte. 2014 hatte Izdebski mit seinem damaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden müssen, was damals landesweit für Schlagzeilen sorgte.

28 Millionen Euro Umsatz im Mittelstand

Techbold ist auf IT-Outsourcing, Cloud-Lösungen sowie Cybersecurity für kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert. Über das letzte Jahrzehnt akquirierte das IT-Unternehmen ganze 18 Unternehmen, um seine Expansion voranzutreiben wie brutkasten engmaschig verfolgte. Nun wird techbold selbst zum Gekauften. Die entsprechenden Verträge wurden bereits unterzeichnet, der Vollzug steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständige Wettbewerbsbehörde, wie das Unternehmen heute morgen per Aussendung mitteilte.

Techbold beschäftigt mittlerweile mehr als 170 IT-Spezialist:innen an Standorten in Wien, Oberösterreich und dem Burgenland und betreut rund 1.400 Kund:innen. Zuletzt erwirtschaftete die IT-Firma einen Jahresumsatz von rund 28 Millionen Euro. Für Kund:innen sowie laufende Verträge des Wiener Unternehmens soll sich im Tagesgeschäft laut Unternehmensangaben nichts ändern.

Spektakuläres Comeback

Gründer Damian Izdebski, der 2025 die CEO Rolle zurücklegte und danach im Aufsichtsrat tätig war, meint gegenüber brutkasten: „Zum ersten Mal seit 25 Jahren weiß ich nicht, was als Nächstes kommt. Alle, die mich kennen, wissen: Das dauert nicht lange.“

Dem heutigen Erfolg geht eine weniger erfreuliche Geschichte voran. 2014 musste Izdebski mit seinem ehemaligen Unternehmen DiTech Insolvenz anmelden. Ein Schritt mit dem der Gründer sehr offen umgeht: „Beide Schlagzeilen habe ich mir selbst geschrieben – an der zweiten habe ich nur deutlich länger gearbeitet.“ Er fügt hinzu: „In Amerika ist eine Pleite ein Kapitel im Lebenslauf. In Österreich ein Urteil fürs Leben. Ich habe beschlossen, das Urteil nicht anzunehmen.“

Auch Investor und Aufsichtsratmitglied Hermann Futter freut sich vor allem für Izdebski: „Ich habe immer an Damian geglaubt und bin seit fast 20 Jahren mit ihm befreundet. Er hat allen bewiesen, dass man auch in Österreich scheitern und wieder aufstehen kann! Chapeau.“ Und auch für ihn als Investor habe sich der Exit ausgezahlt, so Futter gegenüber brutkasten.

Reaktionen aus dem Umfeld

An techbold beteiligt waren neben Hermann Futter unter anderem auch Niki Futter, Stefan Kalteis und Hansi Hansmann. Letzterer meint zur Übernahme: „Es war ein sehr erfolgreicher Exit, der sich für mich wirklich ausgezahlt hat. Techbold ist ein wachstumstarkes Unternehmen in einem großen Markt, welches auch ordentlich profitabel ist. Das macht die Firma natürlich zu einem attraktiven Übernahmeziel“

Auch Aufsichtsratmitglied Niki Futter, der die Position von 2017 bis 2025 besetzte, meldete sich auf Anfrage zurück: „Das ist ein ganz tolles Ergebnis und ich gratuliere dem Team rund um Damian ganz herzlich und wünsche alles Beste für die weitere Zukunft. Ich freu mich, dass ich dieses Unternehmen über acht Jahre im Aufsichtsrat begleiten durfte.“

Für die Verhandlungen holte sich Izdebski Unterstützung von Thomas Hillebrand und Nico Zaiser vom Wiener M&A-Spezialisten i5invest. „Ich würde mit Thomas und Nico von „i5invest“ jederzeit wieder ein Unternehmen verkaufen. Die Jungs sind so professionell und erfahren – ich durfte in den letzten Wochen so viel von ihnen lernen. Danke dafür!“, sagt er.

Buy-and-Build-Strategie der Käufer

Auf Käuferseite fügt sich die Übernahme in die Expansionsstrategie ein. Accompio agiert als Managed Security Service Provider und beschäftigt an 22 Standorten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien insgesamt rund 900 IT-Expert:innen. Von der Head of M&A bei accompio Katrin Wollinger-Zepf heißt es gegenüber brutkasten „Es war ein sehr effizienter und konstruktiver Prozess auf absoluter Augenhöhe.“

„Die Übernahme von techbold ist ein weiterer konsequenter Schritt in unserer Buy-and-Build-Strategie: Wir bauen systematisch die führende IT-Services-Plattform im DACH-Raum auf“, führt Georg Willig, CFO der accompio Gruppe, aus. Man suche für den Ausbau gezielt nach unternehmergeführten IT-Dienstleistern mit starker Marktposition und durch den Zukauf aus Wien baut die Gruppe ihre Präsenz in Österreich nun weiter aus.

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