25.10.2021

100. Folge „Höhle der Löwen“: Wirbelnde Hände und finale Tränen

100 Folgen "Höhle der Löwen" fanden ihren Abschluss mit Blumenkonfetti, tanzenden Händen und einem Startup, das mit seiner Hausbau-Idee am Ende emotional wurde. Während ein weiteres kein Investment, aber etwas anderes erhielt.
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Höhle der Löwen, Talking Hands, Grundriss in Lebensgröße
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer - Maria Möller (l.) und Laura Mohn konnten über einen unerwarteten Erfolg jubeln.
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Es war Dienstag, der 19. August 2014. Julian Assange kündigt an, die Londoner Botschaft in Ecuador bald verlassen zu wollen. Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich haben einen Rechtsstreit mit der Bawag-PSK um Gebühren bei Krediten gewonnen. Ein Wiener Polizist, der im Entführungsfall Natascha Kampusch illegale Ermittlungen in einer niederösterreichischen Volksschule durchgeführt hatte, wurde am Wiener Straflandesgericht wegen Amtsmissbrauchs zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt. Und der ehemalige Vorsitzende der Chefredaktionen und Chefredakteur „Digital“ von Bild, Julian Reichelt, schreibt einen Kommentar mit dem Titel „Die Pressefreiheit ist unantastbar!“. Neben diesen Ereignissen geschah aber auch noch etwas anderes: „Die Höhle der Löwen“ startet mit ihrer ersten Folge im TV und bringt so die Startup-Szene in die Mitte der Gesellschaft.

100. Folge Höhle der Löwen startet mit Konfetti-Startup

99 Folgen später ist die magische Zahle 100 erreicht. Die Ehre des ersten Pitches der Jubiläumsfolge – die montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie wie alle anderen jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – gebührte dem Gründer-Trio Christoph Trimborn, Katia Filippenko und Philip Weyer. Mit Saatgutkonfetti bietet es die ökologische Alternative zu dem herkömmlichen Konfetti, das meistens aus Papier oder Kunststoff besteht.

„Saatgutkonfetti ist bunt, bio, vegan, TÜV-geprüft, kompostierbar und enthält Pflanzensamen“, erzählte Trimborn im Studio. „Wenn ich jetzt draußen Konfetti schmeiße, dann können daraus Blumen wachsen. Das wiederum bedeutet, dass man Heimat und Nahrung für Insekten und andere kleine Tiere schafft und somit einen kleinen Beitrag zum Erhalt der heimischen Biodiversität leistet.“

Höhle der Löwen, Saatgutkonfetti
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Katia Filippenko, Christoph Trimborn (M.) und Philip Weyer präsentierten mit Saatgutkonfetti Konfetti mit Pflanzensamen.

Ihre Mischungen beinhalten 24 heimische Pflanzenarten, wie z.B. Kornblume, Klatschmohn oder wildes Stiefmütterchen, müssen nicht vergraben und können ganzjährig ausgebracht werden. Das Konfetti besteht aus bio-zertifizierter Stärke und natürlichen veganen Farbstoffen. Für noch mehr Regionalität und Saisonalität gibt es verschiedene Editionen, wie etwa Schneekonfetti für weiße Weihnachten, „Cornercare“ zur Verschönerung unangenehmer Ecken oder Laubkonfetti für den Herbst. Das Ziel der Gründer: Das Thema Nachhaltigkeit mit viel Leichtigkeit und Freude nach draußen bringen. Um seine Produktionskapazitäten sowie Vertriebs- und Marketingmaßnahmen auszubauen, benötigte das Trio 200.000 Euro und bot zehn Prozent seiner Firmenanteile an.

Nach dem Pitch kam die Frage auf, an welchen Orten Saatgutkonfetti überhaupt nutzbar sei. Hochzeiten, gepflegte Rasen oder der Nachbars-Garten wären problematisch, wie Multi-Investor Carsten Maschmeyer anmerkte. Jener hatte das Gefühl, dass er und Weyer menschlich nicht zusammenpassen würden. Und ging relativ rasch ohne Angebot.

Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg erfuhr, dass die geplante Skalierung des Produkts sehr kapitalintensiv werden würde – die Gründer sprachen von zusätzlichen 600.000 Euro, um die Produktion zu automatisieren – und verabschiedete sich ebenfalls als potentieller Investor. Medien-Experte Georg Kofler tat es ihm gleich, weil er im Startup wirtschaftlich zu wenig Sattelfestigkeit sah.

Familien-Investorin Dagmar Wöhrl machte es kurz und einfach und ließ Ralf Dümmel über. Derjenige zeigte sich überzeugt, dass er „der Richtige“ sei und bot 200.000 Euro für 20 Prozent. Die Gründer kehrten nach kurzer Beratung mit einem Gegenangebot zurück. Für Dümmel waren die neu angeboten zwölf Prozent zu wenig. Der Löwe argumentierte mit viel Arbeit und der Aussicht auf „working capital“ und wollte 15 Prozent haben.

Diesmal dauerte die Beratung länger, sodass so mancher Löwe die Geduld verlor. Maschmeyer holte die Gründer auf die Bühne zurück, die mit einem letzten Gegenvorschlag aufwarteten: Zehn Prozent Anteile jetzt, die restlichen fünf, sollte Saatgutkonfetti in 10.000 Filialen vertreten sein. Deal mit Dümmel.

Starkoch Lohse in der „Höhle der Löwen“

Die nächsten in der „Höhle der Löwen“ waren Steve Müller und TV-Koch Christian Lohse. Gemeinsam mit dem Sternekoch präsentierte Gründer Müller sein entwickeltes Kochsystem, wie er erklärte: „DeWok steht für gesundes Kochen und bringt die Menschen wieder zusammen.“

Vor rund zehn Jahren war Müller einige Jahre beruflich in Asien tätig und lernte die dortige gesunde Küche und Kochkunst lieben. Dort entstand auch die Idee, ein Kochsystem zu entwickeln, mit dem jeder die Möglichkeit hat, sich gesund zu ernähren. Der Aufbau und die Auswahl der Materialien seines Produkts seien speziell aufeinander abgestimmt und durch die Temperaturverteilung in der Pfanne soll man vitamin- und nährstoffreich kochen können – nicht nur asiatische Gerichte, wie er sagt.

DeWok, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Steve Müller (r.) aus Köln mit seiner „selbsternannten“ Fondue-Revolution DeWok. Zum Pitch hatte er seinen Freund, den Sterne-Koch Christian Lohse, mitgebracht.

DeWok funktioniert ohne Strom und ist für Zuhause, zum Camping, am See, zum BBQ oder als Alternative zu Raclette und Fondue gedacht. Das Produkt gibt es als Doppelset für bis zu vier Personen und als Singleset für bis zu zwei Leute. Dafür wurden hochwertige Materialien wie Naturstein, lebensmittelgeprüfter Edelstahl und Massivholz verarbeitet. Die Forderung: 12,5 Prozent für 100.000 Euro.

Mit einer klassischen Asia-Pfanne des Starkochs im Bauch, inklusive DeWok-Sauce, beäugten die Löwen das Produkt und lobten die Haptik und Hochwertigkeit der Pfanne. Maschmeyer allerdings sorgte sich um die bisherigen Verkäufe, knapp 400 in einem Jahr und stieg aus.

Danach trafen sich die Damen der Löwenrunde, Wöhrl und Beauty-Queen Judith Williams, und berieten über ein Angebot. In der Zwischenzeit ging Rosberg, Dümmel aber bot 100.000 Euro für 20 Prozent.

Beiden Löwinnen machten anschließend das gleiche Angebot wie ihr Löwenkollege – Müller allerdings nahm den Investor mit ins Boot. Deal für DeWok.

Sprechende Hände in der „Höhle der Löwen“

„Wir kämpfen dafür, dass kein Kind aufgrund von Kommunikationseinschränkungen ausgeschlossen wird“, erklärten Maria Möller und Laura Mohn als nächste den Löwen: „Vielen Kinder, die nicht lautsprachlich sprechen können, hilft es mit Gebärden zu kommunizieren, also mit den Händen zu sprechen. Das Problem ist aber, dass Kinder, die nicht darauf angewiesen sind, die Gebärdensprache nicht kennen und so auch kein Austausch stattfindet.“

Es bestehe schnell die Gefahr, dass sich die betroffenen Kinder ausgeschlossen und nicht verstanden fühlen und so nicht richtig am Alltag teilnehmen. Rund jedes zehnte Kind in Deutschland lebe mit einer Kommunikationseinschränkung, erklärten die Gründerinnen. Dazu gehört Schwer- und Gehörlosigkeit, aber auch Autismus oder das Down-Syndrom können die Sprachfähigkeiten vermindern.

talking hands, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Maria Möller (l.) und Laura Mohn haben mit talking hands Daumenkinos für Gebärdensprache entwickelt.

Damit alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung, gemeinsam Gebärden lernen, hat das Gründer-Duo mit talkings hands eine neue Lernmethode geschaffen. Jedes seiner Daumenkinos steht für ein Wort und beinhaltet die entsprechende Gebärde. So können Bewegungen ohne technische Hilfsmittel gezeigt werden.

Wasserabweisender Umschlag und ohne giftige Farben

„Die Daumenkinos erwecken bei den Kindern eine Faszination, denn mit dem eigenen Daumen kann man Bilder zum Bewegen bringen”, so Möller. Mittlerweile gibt es über 100 Versionen ihres Produkts, alle haben einen wasserabweisenden Umschlag und sind ohne giftige Farben für Kinderhände geeignet.

Für die Gründerinnen ist Inklusion eine Herzensangelegenheit und die Daumenkinos sollen erst der Anfang sein. Ihre Vision: Ein Unternehmen aufbauen, dass durch innovative Lehrmittel Inklusion weltweit fördern kann. Um ihr Ziel zu erreichen, benötigten Maria Möller und Laura Mohn 100.000 Euro und boten dafür 15 Prozent der Firmenanteile.

Georg Kofler fand es hinreißend, wie spielerisch leicht Inklusion von den Gründerinnen gedacht wird. Rosberg hingegen sah sich nicht als richtiger Investor für das Startup. Danach erzählten Mohn und Möller von ihrer neuen Idee und den „Gamification-Ansatz“, den sie per App andenken. Auch eine Expansion in die USA wäre für die nächsten drei Jahre geplant.

Spendierbare Löwen

Wöhrl stieg aus, wollte aber mit ihrer „Emanuel Wöhrl-Stiftung„, nach ihrem verstorbenen Sohn benannt, für 10.000 Euro Bücher kaufen. Maschmeyer ging zwar ebenso ohne Angebot, versprach aber ebenfalls 10.000 Euro an Spenden. Kofler nannte die Initiative förderungswürdig und schloss sich als dritter Spender an. Schlussendlich versprach auch Williams 10.000 Euro. Zwar: Kein Deal für talking hands. Aber ein finanzieller Erfolg.

Händewaschen in der „Höhle der Löwen“

Die nächste in der „Höhle der Löwen“ war Katrin Klein. Die Gründerin weiß, dass die häufigsten Überträger von Krankheitserregern die Hände sind. Mit dem richtigen Händewaschen könnte also ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit geleistet werden. „Warum waschen sich dann über 90 Prozent der Menschen die Hände nicht richtig, wenn dies so wichtig für unsere Gesundheit ist?“, fragte sich die 50-Jährige. „Und wie soll ich vor allem Kindern erklären, etwas wegzuwaschen, was man gar nicht sieht?“

So kam die Gründerin auf die Idee, eine Seife mit Farbeffekt zu entwickeln. „Ich gestaltete meine Wohnung in ein kleines Labor um. Ich testete, mischte und probierte verschiedene Farb- und Inhaltsstoffe aus“, erklärte sie im Studio. Nach fast einem Jahr Entwicklungszeit mit professionellen Laboren präsentierte sie nun der Öffentlichkeit ihre „Blaue“ von colorsafe.

Waschen bis man (un)blau wird

„Die Seife funktioniert ganz einfach. Sie ist blau und zeigt an, ob man sich lückenlos die Hände gewaschen“, so Klein weiter erklärend. Das Produkt verdankt seine Farbe den pflanzlichen Inhaltsstoffen aus der Gardenia- und der Distelblüte, zudem ist die Naturseife vegan, hautneutral, ohne Tierversuche und „Made in Germany“. Mit einem Investment von 100.000 Euro für zehn Prozent wollte Klein vor allem die Produktionsmenge steigern und so den Verkaufspreis von knapp 15 Euro senken.

Händewaschend präsentierte die Gründerin ihren Pitch und bat die Löwen ebenfalls zur Handreinigung. Rosberg trat hervor, pumpte zweimal Seife heraus, schloss die Augen und merkte danach, dass er seinen Daumen und andere Stellen beim Waschen vernachlässigt hatte.

Der Ex-Rennfahrer sah das Produkt als für Kinder ideal, aber das Startup noch als zu „early stage“, um zu investieren. Wöhrl gefiel das Layout, würde aber nicht helfenckönnen, wie sie meinte. Glagau watr sich sicher, dass auch nach Corona das gründliche „Händewaschen“ bleiben werde. Er stehe für die Apothekenwelt, die die Gründerin bereits beschritten hatte und bot 100.000 Euro für 24 Prozent.

Kofler und Dümmel taten sich daraufhin zusammen und begannen laut zu denken. Sie boten schlussendlich 150.000 Euro für jeweils 15 Prozent. Nachdem sich die beiden Löwen-Blöcke argumentativ „bekämpften“, führte Wöhrl diesen Wettstreit zu Ende und entließ Klein, um sich zu beraten hinter die Bühne. Danach wurde Nils Glagau ins colorsafe-Boot geholt.

Grundriss in 3D

Die letzten beim Staffelfinale der „Höhle der Löwen“ waren Gissou Ataee, Lucas Nummer und Maximilian Mühlegg. Die drei möchten Quadratmeterzahlen und Baupläne zum Leben erwecken. Seit über vier Jahren waren die Founder in der Immobilienbranche tätig und verkauften hauptsächlich Neubauimmobilien. Oft konnten sich die Käufer anhand von Grundrissplänen oder 3D-Ansichten am Computer nicht vorstellen, wie ihr zukünftiges Zuhause aussehen und vor allem sich anfühlen kann, merkten sie schnell.

Grundriss in Lebensgröße, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Maximilian Mühlegg (l.), Gissou Ataee und Lucas Nummer erschufen mit Grundriss in Lebensgröße eine Grundriss-Projektionshalle.

Ihre Lösung: Grundriss in Lebensgröße. So soll den Kunden bereits vor der Fertigstellung von Neubauten ein realistischer Eindruck der späteren Wohnfläche geliefert werden. Mit acht Hochleistungs-Beamern, die an der Decke einer 600 Quadratmeter großen Halle in München angebracht sind, werden Grundrisse der Neubauimmobilien in Lebensgröße auf den Boden projiziert.

Bessere Vorstellungskraft

„Um sich alles noch besser vorzustellen, stehen echte Möbel und echte Wände auf Rollen vor Ort. Der Kunde kommt zu uns in die Halle und entdeckt zum allerersten Mal seinen geplanten Grundriss, bevor er überhaupt mit dem Bauen anfängt. Dann klären sich auch die üblichen Fragen wie, wo soll der Esstisch, wo soll die Küche stehen?“, erklärte Nummer die Vorteile seiner Idee.

Wand- und Möbel-Attrappen können je nach Wunsch auf dem Grundriss platziert werden. Dies ermögliche den Kunden, ein realistisches und räumliches Gefühl für den Grundriss zu bekommen. Neben der besseren Visualisierung soll auch der Geldbeutel geschont werden, so ein Teil des Pitches: „Denn mögliche Planungsfehler, die langfristig immer bereut werden, sind so im Vorhinein besser ersichtlich. Einen Küchenblock im Anschluss noch mal zu versetzen oder Leitungen noch mal neu zu legen, kann immens teuer sein“, so die Gründer weiter.

PDF des Grundrisses benötigt

Grundriss in Lebensgröße, das auch in Wien aktiv ist und in Innsbruck in Standortverhandlungen für eine Halle steckt, richtet sich sowohl an Endkunden – also private Bauherren – als auch an Haushersteller oder Immobilienanbieter, die Kunden ihre Neubauten besser darstellen wollen.

Die Vorgangsweise ist simpel. Im Voraus benötigen die Gründer einzig eine PDF-Datei des Grundrisses. Ataee meinte dazu: „Die Leute rennen uns im wahrsten Sinne des Wortes die Bude ein. Wir sind in Europa die ersten und einzigen, die diese Innovation anbieten.“ Um weiter expandieren zu können, forderte das Gründer-Trio 300.000 Euro und bot dafür 20 Prozent der Firmenanteile an.

Die Löwen zeigten sich nach dem Pitch teilweise überschwenglich und sahen die knapp 500 Euro pro Stunde, die das Startup verlange als tolle Investition. Von den Gründern ging ein derart großes Charisma aus, sodass sich nach der Fragerunde Teams unter den Löwen bildeten. Wöhrl und Glagau versus Williams und Maschmeyer. Dümmel nahm sich freiwillig heraus, weil es nicht sein Bereich sei.

Feuchter Entschluss in der „Höhle der Löwen“

Die Familien-Investorin und der Konzernchef boten 300.000 Euro für 30 Prozent. Williams und Maschmeyer offerierten denselben Betrag, wollten aber „nur“ 25.1 Prozent Anteile. Das Trio kehrte nach der Beratung zurück und erklärte emotional, dass es die „Höhle der Löwen“ seit dem ersten Tag schauen würde und nahm sichtlich emotionalisiert und mit feuchten Augen Williams und Maschmeyer ins Boot. Letzter Deal der zehnten Staffel der „Höhle der Löwen“ für Grundriss in Lebensgröße.

Anmerkung am Rande: Zum Finale verrieten die beiden Löwen Georg Kofler und Ralf Dümmel ihren gemeinsamen größten Deal. Seit dem 19.10.21 ist es offiziell: Die beiden Löwen-Kollegen vereinen ihre Kräfte und gehen demnächst als ein Firmen-Team an den Start. Dümmels Unternehmensgruppe „DS Produkte“ wird Teil der Aktiengesellschaft „The Social Chain“, in der Kofler Aufsichtsrat ist: „Mit großer Spannung blicken wir der nächsten Staffel entgegen“, warb Dümmel für die Startup-Show.

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KI, Cybersecurity
@ Tina Schön/schoenfotografiert Wien/Canva - Carolin Desirée Töpfer.

Carolin Desirée Töpfer ist externe Chief Information Security Officer, Cybersecurity-Strategin und Gründerin von Cyttraction mit Fokus auf kosteneffizientes Risikomanagement, sichere KI-Nutzung und Cybersecurity-Zertifizierungen. Mit praxisnahen Lernformaten und strategischer Expertise unterstützt sie regulierte Unternehmen dabei, Sicherheitsanforderungen effizient umzusetzen und nachhaltige digitale Resilienz aufzubauen. In ihrem Beitrag warnt sie vor KI-Cyberangriffen und rät Startups und kleinen Unternehmen Cybersicherheit frühzeitig strategisch zu verankern.


„Wir konzentrieren uns jetzt erst mal auf Produkt, Teamaufbau und Sales – Cybersicherheit machen wir dann später.“ Ein Satz, den ich so oder ähnlich häufig von Gründer:innen höre – und der einige Unternehmen schon Multi-Millionen gekostet hat.

Identität stehlen

Cyberkriminelle haben seit KI ihr Repertoire erweitert und finden Milliarden von bereits geleakten Datasets, mit denen sie arbeiten können. Das Ergebnis sind nicht nur technische Attacken, die es in die Headlines internationaler Medien schaffen. Viel schmerzhafter ist es für Unternehmen, wenn es Angreifer zwischen Arbeitsprozesse schaffen, E-Mails und Nachrichten zwischen Team-Mitgliedern, Geschäftspartnern und mit Kunden manipulieren. Anweisungen versenden, die zweifellos echt aussehen und dann mit ganzen Sammlungen an sensiblen Daten verschwinden. Die Identität des CxO stehlen oder Entführungen von Führungskräften vortäuschen, um dem Unternehmen zu schaden.

Neben dem Zeitverlust, der Budget-Verschwendung und den Aufräum-Kosten, kommt dann auch noch der Vertrauensverlust am Markt hinzu, gegenüber Kunden und Investoren. Dinge, auf die Gründer:innen oft erst kommen, wenn es bereits zu spät ist.

„Gesunder Menschenverstand“ oder „Hausverstand“ existiert nicht in der Cybersicherheit!

Aufgrund der oft vernachlässigten digitalen Bildung in Schulen und da viele Arbeitgeber immer noch nicht in effektive Trainings investieren, kommen in jedem Unternehmen Menschen mit ganz unterschiedlichen digitalen Fähigkeiten zusammen. Das gilt für Startup-Teams, Kunden und Investoren gleichermaßen. Hinzu kommen volle ToDo-Listen, Stress-Situationen und die eigene Scham.

Angreifer lieben gestresste, beschämte Arbeitstiere!

Ob jemand in so einem Umfeld eine gefälschte KI-Mail erkennt, die im schlimmsten Fall noch aus dem echten Postfach eines gehackten Geschäftspartners kommt, ist nur noch Glücksfall.

Trotzdem gibt es Teams, die tägliche Angriffe auf allen Ebenen erfolgreich abwehren – weil sie eine holistische Cybersicherheits-Strategie implementiert haben. Diese besteht je nach Geschäftsmodell und Branche aus einem präzisen Projektmanagement und zwischen 60 und 90 Einzelmaßnahmen. Zweck ist in erster Linie der umfassende Schutz der eigenen Arbeit. Gleichzeitig erfüllt das Unternehmen damit Anforderungen von Kunden sowie regulatorische Vorgaben, von denen Gründer:innen oft nicht einmal wissen.

Erste Basis-Maßnahmen sind auch für Startups mit kleinem Budget machbar!

Jede/ r hat heutzutage Angst, gehackt zu werden, Geld zu verlieren und seine eigenen sensiblen Informationen öffentlich im Internet zu finden. Das sehe ich nicht nur an den Fragen, die ich über meine „Social Media“-Kanäle bekomme. Dabei können schon 30-Minuten-Team-Meetings einen enormen Unterschied machen. Offen über Angriffsszenarien und Ängste sprechen, gleichzeitig die aktuellen Sicherheits-Maßnahmen ins Gedächtnis rufen, erhöhen die Aufmerksamkeit für Cyber-Themen sofort!

Auch um Ruhe reinzubringen. Denn wer sowieso immer gleich springt, wenn eine neue Aufgabe um die Ecke kommt, wird wahrscheinlich auch die Aufgaben von Hackern erfüllen. Klare Arbeitsprozesse, 4-Augen-Prinzip und die allgemeine Erlaubnis im Team, Dinge kritisch zu durchdenken, noch zweimal nachzufragen, oder einfach mal kurz durchzuatmen, hat schon so einige teure Fehler verhindert.

Verantwortlichkeiten in ruhigen Zeiten klären

Den größten Hebel haben dabei Gründer und Entscheider. „Founder Mode“ bedeutet oft auch, vieles selbst zu machen. IT Systeme und Sicherheits-Lösungen sind mittlerweile aber so komplex, dass sich das Investment in einen seriösen IT-Dienstleister lohnt. Viele bieten auch eine Hotline für Notfälle an.

Wesentlich günstiger ist es allerdings, diese Notfälle zu verhindern. Denn nach meiner Erfahrung brauchen selbst schnelle kleine Unternehmen sechs bis zwölf Monate, um eine funktionierende Cybersicherheits-Strategie mit allen Maßnahmen aufzubauen. Neben den technischen Upgrades, müssen dabei auch die organisatorischen Strukturen sitzen.

Wo klar ist, wer was wann macht und auch, wer sich um die Cybersecurity Maßnahmen kümmert, Aufräum-Aktionen, Updates und Backups organisiert, geht weniger schief. Bei kleinen Unternehmen muss die Person nicht einmal einen IT-Hintergrund mitbringen. Es beginnt mit Interesse am Thema, Projektmanagement-Skills und der Bereitschaft, das Team regelmäßig mit aktuellen Informationen zu versorgen.

Konflikte eingehen, um sichere Lösungen zu finden

Und auch darum, Konfliktsituationen smart zu lösen. Zum Beispiel beim Thema „Zugriff und Zutritt„: Nicht jeder sollte Zugriff auf alles haben. Dabei geht es nicht darum, Team-Mitglieder zu degradieren, sondern eine saubere Segmentierung zu schaffen. Am stärksten trenne ich hier zwischen Marketing und Kern-Business.

Alles, was sowieso für die Öffentlichkeit und mit verschiedenen Partnern produziert wird, findet bei mir selbst sogar in einer anderen Firma statt. Für Kunden richten wir technische Lösungen und Prozesse ein, die kreatives Marketing erlauben, Kunden-Kommunikation klar strukturiert und gleichzeitig das eigentliche Geschäftsmodell und die damit verbundenen Daten auf einem hohen Level schützt. Wer mit besonders sensiblen Informationen arbeitet, seine Patente aus Forschung und Entwicklung schützen will oder an einer einzigartigen Datenbasis für KI-Modelle arbeitet, kann über Segmentierung kosteneffizient Datenintegrität dort gewährleisten, wo sie wirklich notwendig ist.

Solche Konzepte stehen und fallen mit sicheren Login-Lösungen und der Bereitschaft aller Nutzer, diese auch zu nutzen. Die Aktivierung von 2 Faktor- oder Multi-Faktor-Authentifizierung führt dabei immer wieder zu Diskussionen.

Passwörter reichen schon lange nicht mehr aus, um Accounts zu schützen. Häufig bekommen Nutzer nur über die Abfrage des 2. Faktors mit, dass gerade ein Angreifer versucht, in ihren Account zu kommen.

Keine Schatten-IT, keine Schatten-KI

Wesentlich einfacher wird es, wenn alle im Team wirklich nur die Accounts nutzen, die sie wirklich für ihre tägliche Arbeit brauchen – und die sichere Funktion dieser über regelmäßige Tests oder technisches Tracking sicherstellen. So lässt sich auch vermeiden, dass das eigene Unternehmen zehn Tage offline und per E-Mail nicht erreichbar ist. Wie es zuletzt einer Wiener Geschäftsinhaberin passiert ist.

Auch aus wirtschaftlichen Gründen, kaufen Unternehmen kaum noch komplette Enterprise-Lizenzen für alle Mitarbeiter. Und auch bei Startups lohnt es sich, Lizenzen mindestens einmal im Jahr auszumisten und den jeweiligen Support zu bitten, vorhandene Daten EU DSGVO-konform zu löschen. Denn Accounts die ordentlich gelöscht wurden, können auch nicht zu Datenlecks führen.

Das gleiche gilt für alle KI Tools. Wer ein klares Prüfschema verfolgt, sich nicht vom Hype treiben lässt, unkontrolliertes Vibe Coding verhindert und auch hier ungenutzte Accounts wieder ordnungsgemäß löscht, kann von KI Effizienz profitieren, ohne seine eigene Arbeit oder gleich das ganze Unternehmen zu zerstören.

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