25.10.2021

100. Folge „Höhle der Löwen“: Wirbelnde Hände und finale Tränen

100 Folgen "Höhle der Löwen" fanden ihren Abschluss mit Blumenkonfetti, tanzenden Händen und einem Startup, das mit seiner Hausbau-Idee am Ende emotional wurde. Während ein weiteres kein Investment, aber etwas anderes erhielt.
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Höhle der Löwen, Talking Hands, Grundriss in Lebensgröße
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer - Maria Möller (l.) und Laura Mohn konnten über einen unerwarteten Erfolg jubeln.
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Es war Dienstag, der 19. August 2014. Julian Assange kündigt an, die Londoner Botschaft in Ecuador bald verlassen zu wollen. Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich haben einen Rechtsstreit mit der Bawag-PSK um Gebühren bei Krediten gewonnen. Ein Wiener Polizist, der im Entführungsfall Natascha Kampusch illegale Ermittlungen in einer niederösterreichischen Volksschule durchgeführt hatte, wurde am Wiener Straflandesgericht wegen Amtsmissbrauchs zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt. Und der ehemalige Vorsitzende der Chefredaktionen und Chefredakteur „Digital“ von Bild, Julian Reichelt, schreibt einen Kommentar mit dem Titel „Die Pressefreiheit ist unantastbar!“. Neben diesen Ereignissen geschah aber auch noch etwas anderes: „Die Höhle der Löwen“ startet mit ihrer ersten Folge im TV und bringt so die Startup-Szene in die Mitte der Gesellschaft.

100. Folge Höhle der Löwen startet mit Konfetti-Startup

99 Folgen später ist die magische Zahle 100 erreicht. Die Ehre des ersten Pitches der Jubiläumsfolge – die montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie wie alle anderen jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – gebührte dem Gründer-Trio Christoph Trimborn, Katia Filippenko und Philip Weyer. Mit Saatgutkonfetti bietet es die ökologische Alternative zu dem herkömmlichen Konfetti, das meistens aus Papier oder Kunststoff besteht.

„Saatgutkonfetti ist bunt, bio, vegan, TÜV-geprüft, kompostierbar und enthält Pflanzensamen“, erzählte Trimborn im Studio. „Wenn ich jetzt draußen Konfetti schmeiße, dann können daraus Blumen wachsen. Das wiederum bedeutet, dass man Heimat und Nahrung für Insekten und andere kleine Tiere schafft und somit einen kleinen Beitrag zum Erhalt der heimischen Biodiversität leistet.“

Höhle der Löwen, Saatgutkonfetti
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Katia Filippenko, Christoph Trimborn (M.) und Philip Weyer präsentierten mit Saatgutkonfetti Konfetti mit Pflanzensamen.

Ihre Mischungen beinhalten 24 heimische Pflanzenarten, wie z.B. Kornblume, Klatschmohn oder wildes Stiefmütterchen, müssen nicht vergraben und können ganzjährig ausgebracht werden. Das Konfetti besteht aus bio-zertifizierter Stärke und natürlichen veganen Farbstoffen. Für noch mehr Regionalität und Saisonalität gibt es verschiedene Editionen, wie etwa Schneekonfetti für weiße Weihnachten, „Cornercare“ zur Verschönerung unangenehmer Ecken oder Laubkonfetti für den Herbst. Das Ziel der Gründer: Das Thema Nachhaltigkeit mit viel Leichtigkeit und Freude nach draußen bringen. Um seine Produktionskapazitäten sowie Vertriebs- und Marketingmaßnahmen auszubauen, benötigte das Trio 200.000 Euro und bot zehn Prozent seiner Firmenanteile an.

Nach dem Pitch kam die Frage auf, an welchen Orten Saatgutkonfetti überhaupt nutzbar sei. Hochzeiten, gepflegte Rasen oder der Nachbars-Garten wären problematisch, wie Multi-Investor Carsten Maschmeyer anmerkte. Jener hatte das Gefühl, dass er und Weyer menschlich nicht zusammenpassen würden. Und ging relativ rasch ohne Angebot.

Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg erfuhr, dass die geplante Skalierung des Produkts sehr kapitalintensiv werden würde – die Gründer sprachen von zusätzlichen 600.000 Euro, um die Produktion zu automatisieren – und verabschiedete sich ebenfalls als potentieller Investor. Medien-Experte Georg Kofler tat es ihm gleich, weil er im Startup wirtschaftlich zu wenig Sattelfestigkeit sah.

Familien-Investorin Dagmar Wöhrl machte es kurz und einfach und ließ Ralf Dümmel über. Derjenige zeigte sich überzeugt, dass er „der Richtige“ sei und bot 200.000 Euro für 20 Prozent. Die Gründer kehrten nach kurzer Beratung mit einem Gegenangebot zurück. Für Dümmel waren die neu angeboten zwölf Prozent zu wenig. Der Löwe argumentierte mit viel Arbeit und der Aussicht auf „working capital“ und wollte 15 Prozent haben.

Diesmal dauerte die Beratung länger, sodass so mancher Löwe die Geduld verlor. Maschmeyer holte die Gründer auf die Bühne zurück, die mit einem letzten Gegenvorschlag aufwarteten: Zehn Prozent Anteile jetzt, die restlichen fünf, sollte Saatgutkonfetti in 10.000 Filialen vertreten sein. Deal mit Dümmel.

Starkoch Lohse in der „Höhle der Löwen“

Die nächsten in der „Höhle der Löwen“ waren Steve Müller und TV-Koch Christian Lohse. Gemeinsam mit dem Sternekoch präsentierte Gründer Müller sein entwickeltes Kochsystem, wie er erklärte: „DeWok steht für gesundes Kochen und bringt die Menschen wieder zusammen.“

Vor rund zehn Jahren war Müller einige Jahre beruflich in Asien tätig und lernte die dortige gesunde Küche und Kochkunst lieben. Dort entstand auch die Idee, ein Kochsystem zu entwickeln, mit dem jeder die Möglichkeit hat, sich gesund zu ernähren. Der Aufbau und die Auswahl der Materialien seines Produkts seien speziell aufeinander abgestimmt und durch die Temperaturverteilung in der Pfanne soll man vitamin- und nährstoffreich kochen können – nicht nur asiatische Gerichte, wie er sagt.

DeWok, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Steve Müller (r.) aus Köln mit seiner „selbsternannten“ Fondue-Revolution DeWok. Zum Pitch hatte er seinen Freund, den Sterne-Koch Christian Lohse, mitgebracht.

DeWok funktioniert ohne Strom und ist für Zuhause, zum Camping, am See, zum BBQ oder als Alternative zu Raclette und Fondue gedacht. Das Produkt gibt es als Doppelset für bis zu vier Personen und als Singleset für bis zu zwei Leute. Dafür wurden hochwertige Materialien wie Naturstein, lebensmittelgeprüfter Edelstahl und Massivholz verarbeitet. Die Forderung: 12,5 Prozent für 100.000 Euro.

Mit einer klassischen Asia-Pfanne des Starkochs im Bauch, inklusive DeWok-Sauce, beäugten die Löwen das Produkt und lobten die Haptik und Hochwertigkeit der Pfanne. Maschmeyer allerdings sorgte sich um die bisherigen Verkäufe, knapp 400 in einem Jahr und stieg aus.

Danach trafen sich die Damen der Löwenrunde, Wöhrl und Beauty-Queen Judith Williams, und berieten über ein Angebot. In der Zwischenzeit ging Rosberg, Dümmel aber bot 100.000 Euro für 20 Prozent.

Beiden Löwinnen machten anschließend das gleiche Angebot wie ihr Löwenkollege – Müller allerdings nahm den Investor mit ins Boot. Deal für DeWok.

Sprechende Hände in der „Höhle der Löwen“

„Wir kämpfen dafür, dass kein Kind aufgrund von Kommunikationseinschränkungen ausgeschlossen wird“, erklärten Maria Möller und Laura Mohn als nächste den Löwen: „Vielen Kinder, die nicht lautsprachlich sprechen können, hilft es mit Gebärden zu kommunizieren, also mit den Händen zu sprechen. Das Problem ist aber, dass Kinder, die nicht darauf angewiesen sind, die Gebärdensprache nicht kennen und so auch kein Austausch stattfindet.“

Es bestehe schnell die Gefahr, dass sich die betroffenen Kinder ausgeschlossen und nicht verstanden fühlen und so nicht richtig am Alltag teilnehmen. Rund jedes zehnte Kind in Deutschland lebe mit einer Kommunikationseinschränkung, erklärten die Gründerinnen. Dazu gehört Schwer- und Gehörlosigkeit, aber auch Autismus oder das Down-Syndrom können die Sprachfähigkeiten vermindern.

talking hands, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Maria Möller (l.) und Laura Mohn haben mit talking hands Daumenkinos für Gebärdensprache entwickelt.

Damit alle Kinder, ob mit oder ohne Behinderung, gemeinsam Gebärden lernen, hat das Gründer-Duo mit talkings hands eine neue Lernmethode geschaffen. Jedes seiner Daumenkinos steht für ein Wort und beinhaltet die entsprechende Gebärde. So können Bewegungen ohne technische Hilfsmittel gezeigt werden.

Wasserabweisender Umschlag und ohne giftige Farben

„Die Daumenkinos erwecken bei den Kindern eine Faszination, denn mit dem eigenen Daumen kann man Bilder zum Bewegen bringen”, so Möller. Mittlerweile gibt es über 100 Versionen ihres Produkts, alle haben einen wasserabweisenden Umschlag und sind ohne giftige Farben für Kinderhände geeignet.

Für die Gründerinnen ist Inklusion eine Herzensangelegenheit und die Daumenkinos sollen erst der Anfang sein. Ihre Vision: Ein Unternehmen aufbauen, dass durch innovative Lehrmittel Inklusion weltweit fördern kann. Um ihr Ziel zu erreichen, benötigten Maria Möller und Laura Mohn 100.000 Euro und boten dafür 15 Prozent der Firmenanteile.

Georg Kofler fand es hinreißend, wie spielerisch leicht Inklusion von den Gründerinnen gedacht wird. Rosberg hingegen sah sich nicht als richtiger Investor für das Startup. Danach erzählten Mohn und Möller von ihrer neuen Idee und den „Gamification-Ansatz“, den sie per App andenken. Auch eine Expansion in die USA wäre für die nächsten drei Jahre geplant.

Spendierbare Löwen

Wöhrl stieg aus, wollte aber mit ihrer „Emanuel Wöhrl-Stiftung„, nach ihrem verstorbenen Sohn benannt, für 10.000 Euro Bücher kaufen. Maschmeyer ging zwar ebenso ohne Angebot, versprach aber ebenfalls 10.000 Euro an Spenden. Kofler nannte die Initiative förderungswürdig und schloss sich als dritter Spender an. Schlussendlich versprach auch Williams 10.000 Euro. Zwar: Kein Deal für talking hands. Aber ein finanzieller Erfolg.

Händewaschen in der „Höhle der Löwen“

Die nächste in der „Höhle der Löwen“ war Katrin Klein. Die Gründerin weiß, dass die häufigsten Überträger von Krankheitserregern die Hände sind. Mit dem richtigen Händewaschen könnte also ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit geleistet werden. „Warum waschen sich dann über 90 Prozent der Menschen die Hände nicht richtig, wenn dies so wichtig für unsere Gesundheit ist?“, fragte sich die 50-Jährige. „Und wie soll ich vor allem Kindern erklären, etwas wegzuwaschen, was man gar nicht sieht?“

So kam die Gründerin auf die Idee, eine Seife mit Farbeffekt zu entwickeln. „Ich gestaltete meine Wohnung in ein kleines Labor um. Ich testete, mischte und probierte verschiedene Farb- und Inhaltsstoffe aus“, erklärte sie im Studio. Nach fast einem Jahr Entwicklungszeit mit professionellen Laboren präsentierte sie nun der Öffentlichkeit ihre „Blaue“ von colorsafe.

Waschen bis man (un)blau wird

„Die Seife funktioniert ganz einfach. Sie ist blau und zeigt an, ob man sich lückenlos die Hände gewaschen“, so Klein weiter erklärend. Das Produkt verdankt seine Farbe den pflanzlichen Inhaltsstoffen aus der Gardenia- und der Distelblüte, zudem ist die Naturseife vegan, hautneutral, ohne Tierversuche und „Made in Germany“. Mit einem Investment von 100.000 Euro für zehn Prozent wollte Klein vor allem die Produktionsmenge steigern und so den Verkaufspreis von knapp 15 Euro senken.

Händewaschend präsentierte die Gründerin ihren Pitch und bat die Löwen ebenfalls zur Handreinigung. Rosberg trat hervor, pumpte zweimal Seife heraus, schloss die Augen und merkte danach, dass er seinen Daumen und andere Stellen beim Waschen vernachlässigt hatte.

Der Ex-Rennfahrer sah das Produkt als für Kinder ideal, aber das Startup noch als zu „early stage“, um zu investieren. Wöhrl gefiel das Layout, würde aber nicht helfenckönnen, wie sie meinte. Glagau watr sich sicher, dass auch nach Corona das gründliche „Händewaschen“ bleiben werde. Er stehe für die Apothekenwelt, die die Gründerin bereits beschritten hatte und bot 100.000 Euro für 24 Prozent.

Kofler und Dümmel taten sich daraufhin zusammen und begannen laut zu denken. Sie boten schlussendlich 150.000 Euro für jeweils 15 Prozent. Nachdem sich die beiden Löwen-Blöcke argumentativ „bekämpften“, führte Wöhrl diesen Wettstreit zu Ende und entließ Klein, um sich zu beraten hinter die Bühne. Danach wurde Nils Glagau ins colorsafe-Boot geholt.

Grundriss in 3D

Die letzten beim Staffelfinale der „Höhle der Löwen“ waren Gissou Ataee, Lucas Nummer und Maximilian Mühlegg. Die drei möchten Quadratmeterzahlen und Baupläne zum Leben erwecken. Seit über vier Jahren waren die Founder in der Immobilienbranche tätig und verkauften hauptsächlich Neubauimmobilien. Oft konnten sich die Käufer anhand von Grundrissplänen oder 3D-Ansichten am Computer nicht vorstellen, wie ihr zukünftiges Zuhause aussehen und vor allem sich anfühlen kann, merkten sie schnell.

Grundriss in Lebensgröße, Höhle der Löwen
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Maximilian Mühlegg (l.), Gissou Ataee und Lucas Nummer erschufen mit Grundriss in Lebensgröße eine Grundriss-Projektionshalle.

Ihre Lösung: Grundriss in Lebensgröße. So soll den Kunden bereits vor der Fertigstellung von Neubauten ein realistischer Eindruck der späteren Wohnfläche geliefert werden. Mit acht Hochleistungs-Beamern, die an der Decke einer 600 Quadratmeter großen Halle in München angebracht sind, werden Grundrisse der Neubauimmobilien in Lebensgröße auf den Boden projiziert.

Bessere Vorstellungskraft

„Um sich alles noch besser vorzustellen, stehen echte Möbel und echte Wände auf Rollen vor Ort. Der Kunde kommt zu uns in die Halle und entdeckt zum allerersten Mal seinen geplanten Grundriss, bevor er überhaupt mit dem Bauen anfängt. Dann klären sich auch die üblichen Fragen wie, wo soll der Esstisch, wo soll die Küche stehen?“, erklärte Nummer die Vorteile seiner Idee.

Wand- und Möbel-Attrappen können je nach Wunsch auf dem Grundriss platziert werden. Dies ermögliche den Kunden, ein realistisches und räumliches Gefühl für den Grundriss zu bekommen. Neben der besseren Visualisierung soll auch der Geldbeutel geschont werden, so ein Teil des Pitches: „Denn mögliche Planungsfehler, die langfristig immer bereut werden, sind so im Vorhinein besser ersichtlich. Einen Küchenblock im Anschluss noch mal zu versetzen oder Leitungen noch mal neu zu legen, kann immens teuer sein“, so die Gründer weiter.

PDF des Grundrisses benötigt

Grundriss in Lebensgröße, das auch in Wien aktiv ist und in Innsbruck in Standortverhandlungen für eine Halle steckt, richtet sich sowohl an Endkunden – also private Bauherren – als auch an Haushersteller oder Immobilienanbieter, die Kunden ihre Neubauten besser darstellen wollen.

Die Vorgangsweise ist simpel. Im Voraus benötigen die Gründer einzig eine PDF-Datei des Grundrisses. Ataee meinte dazu: „Die Leute rennen uns im wahrsten Sinne des Wortes die Bude ein. Wir sind in Europa die ersten und einzigen, die diese Innovation anbieten.“ Um weiter expandieren zu können, forderte das Gründer-Trio 300.000 Euro und bot dafür 20 Prozent der Firmenanteile an.

Die Löwen zeigten sich nach dem Pitch teilweise überschwenglich und sahen die knapp 500 Euro pro Stunde, die das Startup verlange als tolle Investition. Von den Gründern ging ein derart großes Charisma aus, sodass sich nach der Fragerunde Teams unter den Löwen bildeten. Wöhrl und Glagau versus Williams und Maschmeyer. Dümmel nahm sich freiwillig heraus, weil es nicht sein Bereich sei.

Feuchter Entschluss in der „Höhle der Löwen“

Die Familien-Investorin und der Konzernchef boten 300.000 Euro für 30 Prozent. Williams und Maschmeyer offerierten denselben Betrag, wollten aber „nur“ 25.1 Prozent Anteile. Das Trio kehrte nach der Beratung zurück und erklärte emotional, dass es die „Höhle der Löwen“ seit dem ersten Tag schauen würde und nahm sichtlich emotionalisiert und mit feuchten Augen Williams und Maschmeyer ins Boot. Letzter Deal der zehnten Staffel der „Höhle der Löwen“ für Grundriss in Lebensgröße.

Anmerkung am Rande: Zum Finale verrieten die beiden Löwen Georg Kofler und Ralf Dümmel ihren gemeinsamen größten Deal. Seit dem 19.10.21 ist es offiziell: Die beiden Löwen-Kollegen vereinen ihre Kräfte und gehen demnächst als ein Firmen-Team an den Start. Dümmels Unternehmensgruppe „DS Produkte“ wird Teil der Aktiengesellschaft „The Social Chain“, in der Kofler Aufsichtsrat ist: „Mit großer Spannung blicken wir der nächsten Staffel entgegen“, warb Dümmel für die Startup-Show.

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Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline
Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline

Wer zuhause technischen Support, etwa mit Internet, TV oder Smartphone braucht, bekommt vom Wiener Startup Helferline innerhalb weniger Stunden eine:n Techniker:in aus seinem flächendeckenden Netzwerk vermittelt. Das ist bereits seit der Gründung vor etwas mehr als zehn Jahren so, in denen mehr als 100.000 Personen das Service nutzten.

Zu diesem B2C-Angebot kam schon bald nach dem Start eine B2B2C-Schiene dazu. Mit A1, Magenta und Drei setzen die drei großen heimischen Mobilfunker ebenso bereits seit Jahren im Service auf Helferline, wie etwa MediaMarkt, Emporia, die Uniqa oder Assa Abloy.

„Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben“

Doch die betriebswirtschaftliche Realität hinter den großen Namen und beachtlichen Zahlen war über lange Zeit hinweg weniger rosig, wie die beiden Gründer, Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer, im Gespräch mit brutkasten im Büro im 9. Wiener Bezirk erzählen. „Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben und in denen wir das Glück hatten, dass auch unsere Mitarbeiter so sehr an die Idee geglaubt haben, dass sie mehrmals längeren Verzögerungen beim Gehalt zugestimmt haben“, sagt Schmidgruber.

„Wir konnten auch nicht, wie andere Tech-Unternehmen, Corona mitnehmen. Auf uns hat sich das negativ ausgewirkt, die Nachfrage nach Vor-Ort-Service ist zurückgegangen“, ergänzt Niederhofer. Und Jahre der Dauerkrise hätten ihre Spuren hinterlassen. „Die Belastung ging bei mir bis zum Burnout. Und irgendwann sind wir an den Punkt gekommen, an dem wir gesagt haben: Wenn es zu Weihnachten immer noch so aussichtslos ist, hören wir auf.“

Das war vor rund zwei Jahren. Mittlerweile schreibt das Unternehmen monatlich sechsstellige Gewinne. Was ist also in der Zwischenzeit passiert?

Eine Reihe von Gamechangern

„Wir haben damals bei einem Event Hansi [Anm. Hansmann] getroffen und sehr offen mit ihm über die schwierige Situation gesprochen. Ihm hat die Idee immer noch gefallen, er hat Potenzial gesehen und meinte, man kann immer noch was machen“, erzählt Schmidgruber. Schließlich stieg das Hansmann Family Office über einen Secondary in das Unternehmen ein. „Wir haben davor oft versucht, Kapital zu raisen, sind aber gescheitert. Die Zahlen haben nie entsprechend ausgesehen, wir hatten kein Hockeystick-Wachstum. Aber Hansi ist jemand, der Chancen erkennt und einfach anpackt, und hatte damit – wie so oft – den richtigen Riecher. Das hat uns den Atem gegeben, doch noch weiterzumachen“, sagt Niederhofer.

Doch das war nicht der einzige Gamechanger für Helferline. „In den letzten Jahren haben alle direkten Konkurrenten in Mitteleuropa aufgegeben bzw. ihr Geschäftsmodell geändert, dadurch mussten alle Firmen mit Bedarf an Vor-Ort-Service zu uns“, so Niederhofer. Und dieser Bedarf bestehe durchaus. „Über Jahre hinweg haben die Anbieter immer mehr auf Plug & Play und do it yourself gesetzt und den Field Service abgebaut. Das hat sich als nicht richtig herausgestellt. Der Bedarf ist weiterhin da – auch in der Telekom-Branche. Auch 2026 kennen sich immer noch nicht alle mit Technik aus“, sagt der Gründer.

O2 wird zum großen Hebel

Und ein Großauftrag in genau diesem Bereich war es schließlich auch, der bei Helferline zum großen Hebel wurde. „Ende vergangenen Jahres haben wir mit einem riesigen Projekt für O2 begonnen. Der Anbieter schenkt jedem Neukunden einen Helferline-Einsatz – und das bei zehntausenden Neukunden im Monat“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer ergänzt: „Mit diesem Angebot will O2 sich vom Wettbewerb absetzen und die Nummer 1 im Bereich Kundenzufriedenheit werden.“

Helferline habe die Aktion unter anderem einen Auftritt in deutschlandweiten TV-Spots und indirekte Werbung auf der Titelseite der Bild-Zeitung gebracht. Die Kapazitäten in kurzer Zeit für einen derartigen deutschlandweiten Auftrag auszubauen, sei aber alles andere als einfach gewesen, erzählt Schmidgruber und zeigt auf den „Schlachtplan“, der zur Erinnerung noch immer an der Bürotür im 9. Bezirk hängt: „Wir haben ja ein Freelancer-Modell. Wir mussten innerhalb weniger Wochen hunderte neue Techniker rekrutieren, onboarden und auf die Plattform bringen, um das Projekt abbilden zu können.“

Niederhofer führt aus: „Es war letztlich ein großer Team-Effort: Wir haben jede Menge Growth Hacks genutzt, haben Techniker als Promotoren an technische Unis geschickt, jedes schwarze Brett genutzt, Flyer verteilt und sogar Bierflaschen beklebt.“ Die teuerste Maßnahme sei das Engagement der größten deutschen Tech-Influencer gewesen. „Die haben uns dann auch über Nacht tausende Bewerbungen gebracht“, erklärt Niederhofer.

Doch bei diesem einen Großauftrag sollte es nicht lange bleiben. Gerade als das O2-Projekt in trockenen Tüchern war, sei bereits der nächste gekommen, erzählen die Gründer – und zwar auf ungewöhnliche Weise. „Es kam eine Mail an Alex [Anm. Niederhofer] herein, die auf den ersten Blick extrem nach Spam aussah“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer führt aus: „Da schreibt jemand, der meint, er arbeitet bei Starlink und sie suchen jemanden, der die Installation für die Starlink-Satellitenschüsseln in ganz Europa übernimmt.“

Entgegen des ersten Impulses habe man die Mail ernstgenommen. „Wir haben uns gefragt: Ist es realistisch, dass unsere Techniker in Zukunft Sat-Schüsseln installieren, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch niemanden hatten, der das machen konnte? Sollen wir uns das trauen?“, erzählt Schmidgruber. Die beiden haben die Frage mit Ja beantwortet – ohne zu ahnen, was auf sie zukommen wird. Die Kooperation mit dem Musk-Unternehmen war von Anfang an nicht mit den europäischen Kooperationspartnern vergleichbar.

Niederhofer bringt ein Beispiel: „In einem Call wurde kurz darüber gesprochen, ob wir theoretisch die Logistik für Ersatzteile übernehmen könnten und wer unser Logistikpartner sei. Ein paar Tage später ruft mich unser Logistiker aus Deutschland an: Drei LKWs von Starlink stehen vor der Halle und wollen jetzt tonnenweise Hardware ausladen. Ohne jede Vorankündigung. Es gab zu dem Zeitpunkt weder einen Vertrag noch sonst etwas Schriftliches. Wir haben das dann mit den Amerikanern geklärt, die Ware übernommen und ein paar Tage später die erste Installation durchgeführt.“

Kurios sei auch gewesen, wie Helferline zu dem Auftrag kam: „Die amerikanischen Mitarbeiter haben einfach bei Claude eingegeben, welches Unternehmen im DACH-Raum diese Montagen am besten durchführen könne – und Claude hat geantwortet: Helferline“, erzählt Niederhofer. Das Service lief an. „Mittlerweile installieren wir in Deutschland und Österreich vierstellig Starlink-Schüsseln pro Monat – und es könnte bald fünfstellig werden“, sagt Schmidgruber. Und inzwischen installiert man schon erste Starlink-Antennen in Frankreich und den Niederlanden.

„Das war noch lange nicht alles“

Und die Welle an neuen Aufträgen reiße seitdem nicht ab. Weitere, teilweise noch größere Projekte seien bereits in der Pipeline oder unterschrieben und werden gerade vom mittlerweile 40-köpfigen Team umgesetzt. „Wir mussten so viele Hürden überwinden und sind einfach nur dankbar, dass wir jetzt eine so positive und spannende Zeit erleben dürfen“, sagt Niederhofer. Und Schmidgruber verspricht: „Aber das war noch lange nicht alles.“

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