08.06.2015

Ein Rückblick auf „Herrn Playmobil“ Horst Brandstätter

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© Horst Brandstätter war der Gründer von Playmobil.

Jedes Kind hat mit ihnen gespielt. Den Menschen und Tieren aus Plastik. Ganze (Fantasie-) Welten wurden mit ihnen erschaffen. Familien gegründet und Häuser gebaut. An Geburtstagen wünschte man sich Burgen oder Wohnmobile, Cowboys oder Piraten. Die Rede ist von den Playmobil-Figuren, die es in allen erdenklichen Varianten gibt.

Letzte Woche hat jener Kreativkopf hinter Playmobil im Alter von 81 Jahren das Zeitliche gesegnet. Jener Mensch, der so vielen Kindern ein Lachen ins Gesicht gezaubert hat. Playmobil-Chef Horst Brandstätter gibt es nun nicht mehr. „Herr Playmobil“, wie er von Kindern genannt wurde, lebte im fränkischen Zirndorf, wo er bis zum Schluss täglich ins Büro ging. Die Firma geobra Brandstätter Stiftung &Co. KG, bekannt als Hersteller von PLAYMOBIL hinterlässt er als sein Lebenswerk.

Mit 19 Jahren trat der junge Brandstätter in das Familienunternehmen ein, das damals von seinen Onkeln geführt wurde. Er erkannte früh, dass die Maschinen und Arbeitsmethoden in der Firma von gestern waren und das man dringend erneuern müsse. Als Mitteilhaber war er der Erste der für die Modernisierung des Betriebes kämpfte und das Motto „Das war schon immer so“ in Frage stellte. Vielmehr war er der Überzeugung, dass man mit der Zeit gehen müsse, anstatt gegen sie. Und seine Erfolge bestätigen ihn schon nach kurzer Zeit: 1958 entwickelte sich die Produktion von Hula-Hoop-Reifen zu einem europaweiten Verkaufsschlager.

Brandstätter verlies sich immer auf sein Bauchgefühl und bewies sein unternehmerisches Geschick mehr als einmal. Anfang der 70er beauftragte er den Mustermacher Hans Beck ein völlig neues Systemspielzeug zu entwickeln, das sich immer wieder ergänzen lässt. „Die Vorgabe: maximaler Spielwert bei möglichst geringem Kunststoffverbrauch“, so steht es in einem Beitrag über ihn auf der Unternehmensseite.

Beck entwickelte 7,5 Zentimeter große Spielfiguren: Ritter, Bauarbeiter und Indianer – die unter dem Namen PLAYMOBIL auf der Spielwarenmesse 1974 zum ersten Mal präsentiert wurden. „Ihr Erfolg hat uns damals vor der Pleite gerettet“, so Brandstätter später, der von der bis heute anhaltenden Faszination der Spielidee auf Kinder selbst überrascht gewesen ist: „Wer die Playmobil-Figur zum ersten Mal sieht, ist ja meist nicht beeindruckt, sie sieht sehr simpel aus. Was Playmobil wert ist, sieht man als Erwachsener nicht sofort. Es sind die Geschichten, die in den Köpfen der Kinder entstehen.“

Mit der Hilfe von Playmobil machte Brandstätter, der das Unternehmen inzwischen alleine führte, die Firma zu Deutschlands größtem Spielwarenhersteller. Zuletzt, im Jahr 2014, betrug der weltweite Umsatz der Brandstätter Gruppe 595 Millionen Euro.

Immer wieder überzeugte Brandstätter übrigens mit seiner Weitsicht und Vision. Das belegt etwas die Marke LECHUZA aus dem Jahr 2000, die ebenfalls erfolgreich wurde: Produziert werden edle Kunststoff-Pflanzgefäße und Gartenmöbel. Seit der Markteinführung konnte der Umsatz auf 47,5 Mio. Euro im Jahr 2013 gesteigert werden. Exportiert wird in über 80 Länder und befindet sich weiterhin auf Expansionskurs.

Als fast die gesamte Branche ihre Produktion in die Billiglohnländer Asiens verlegte, setzte Brandstätter auf einen arbeitsteiligen Produktionsverbund in Europa: Die größte Fertigungsstätte befindet sich im mittelfränkischen Dietenhofen, weitere Standorte in Malta, Tschechien und Spanien. Die Kontrolle über Qualität und Sicherheit seiner Produkte wollte der Visionär nie verlieren.

Seine Strategie? „Wenn der Kapitän der Einzige ist, der weiß, wo der Kompass ist, und er fällt über Bord, geht das Schiff verloren. Die Zeit, in der ich nicht da bin, müssen meine Mitarbeiter selbst Entscheidungen treffen“, so Brandstätter. Darum hielt er sich seit über 20 Jahren im Winter in Florida auf und ging dem Golfspielen nach. Seine Manager und Mitarbeiter lernten dadurch früh, wie es ist, ohne Chef zu sein.

Um die Jahrtausendwende regelte er auch die Nachfolge auf Führungsebene des Unternehmens. Sein Motto: „Eigengewächse sind besser als Fremdmanager“ Darum wurden die Führungspositionen mit eigenen Mitarbeitern besetzt.

Zwar dachte er nie an Ruhestand, aber einen Plan, was mit dem Unternehmen nach ihm geschieht, hatte er schon: „Ich habe meine Firma in eine Stiftung eingebracht, die mir als Eigentümerin nachfolgen wird. Mit der gemeinnützigen Stiftung fördern wir Kinder. Gleichzeitig wird das Unternehmen im Rahmen einer Unternehmensstiftung gesichert und nach meinen Vorstellungen weitergeführt.“

Horst Brandstätter starb am 3. Juni 2015. Am 27. Juni 2015 wäre er 82 Jahre alt geworden.

Quelle

 

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Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²

Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.

Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².

Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen

Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.

Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.

„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“

Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.

(c) LA-Cinematics / MPC²

Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.

Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt

Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.

Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.

aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“

Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

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