Zähneputzen ist fester Bestandteil unseres Alltags. Gesunde Zähne sind wichtig für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Menschen mit gesunden, strahlenden Zähnen wirken außerdem attraktiver und daher sympathischer auf andere Menschen. Vergisst man regelmäßig auf die Zahnpflege, kann sich etwa Karies bilden, weshalb es wichtig ist, dass man sich schon in Kindheitstagen daran gewöhnt, regelmäßig und mehrmals am Tag, bestenfalls nach jeder Mahlzeit, die Zähne zu putzen. Überdies sind Zahnbehandlungen teuer und bei richtiger Vorsorge kann man sich durch korrekte Zahnpflege viel Geld ersparen.
Eltern haben allerdings oftmals ihre liebe Not, ihre Kinder fürs Zähneputzen zu begeistern. Diese Sorge soll nun der Vergangenheit angehören. Drei junge Gründer haben „Playbrush“ entwickelt. Die Idee: Einfache Zahnbürsten werden zu Spiele-Controllern umfunktioniert. Denn Kinder sollen Spaß am Zähneputzen haben.
Matthäus Ittner und Paul Varga aus Wien, sowie Co-Gründer Tolulope Ogunsina aus Nigeria, haben nun eine Kampagne auf Kickstarter (eine Crowdfunding Plattform) gestartet. Ab 1 Pfund ist man bereits dabei.
Die zwei Wiener Matthäus Ittner und Paul Varga von Playbrush.
Dem Brutkasten beantworten die Wiener wie es zur Idee kam und auch, wie sie es geschafft haben, 250 Kinder davon zu begeistern, regelmäßig Zähne zu putzen.
In eigenen Worten/Euer Elevator Pitch: Was macht ihr und welches Problem löst ihr damit?
Wir verwandeln Zahnbürsten in Spiele-Controller und helfen Kindern, Freude am täglichen Zähneputzen zu haben.
Das Problem ist allseits bekannt – Karies ist nach der Verkühlung die größte Volkskrankheit. Die meisten Kinder und viele Erwachsene putzen wenig oder schlecht Zähne. Das führt zu Karies, Mundgeruch, schmerzvollen Behandlungen und erhöhten Kosten.
Wir setzen bei der Prävention an und glauben, dass durch Spiele intrinsische Motivation ausgelöst wird, die Kinder zum besseren Zähneputzen führt.
Darum haben wir Playbrush entwickelt, ein flexibles Gadget, das Zahnbürsten in Spiel-Controller verwandelt, so dass Kinder und Junggebliebene spannende und lehrreiche mobile Games während des Putzens spielen können.
Wer hatte die Idee und wieso?
Wir sind alle drei keine übermotivierten Putzer, wissen aber ,wie wichtig gutes Zähneputzen ist. Deshalb bauen wir Playbrush in erster Linie für uns selbst.
Den Anstoß gab aber Pauls Taufkind, das wie die meisten „Abenteurer“ dem Zähneputzen nicht viel abgewinnen kann. Da das Thema seiner Mutter aber sehr wichtig ist, hat sie einige Dinge versucht, um ihn zu motivieren. Als ich dann mehrmals beobachtete, wie sie es mit Brushing Clips auf YouTube versuchte, diese aber nur zum gebannten Zuschauen, nicht aber zur Bewegung der Zahnbürste führten kamen wir auf die Idee von Playbrush.
Wie kam es zum Gründer-Team?
Mit der Idee im Hinterkopf war mir schnell klar, dass das alleine nichts wird, also habe ich überlegt, wer mir helfen könnte. Matthäus, ein Kindheitsfreund, fragte ich zuerst, da er zu dem damaligen Zeitpunkt an einer Technologie gegen Rückenprobleme bastelte, und das notwendige Wissen und Talent mit Hardware hatte. Außerdem ist er einer, der eher macht und probiert als viel redet. Ohne viel zu sagen bastelte er einen Prototyp, analysierte die Daten – und war damit dann schon an Board.
Mit Tolulope studierte ich in London, und er ist einer der besten Software Engineers, die ich kenne mit einem sehr breiten Wissen, aber auch den notwendigen programmatischen Fähigkeiten. Auch er war schnell dabei und baute mit mir zusammen das erste Spiel in zwei Wochen.
Ihr habt Playbrush von über 250 Kindern testen lassen. Wie seid ihr zu ihnen gekommen?
Gute Frage… das war am Anfang gar nicht so leicht und wir haben mit „Friends of Friends“ begonnen. Da viele Eltern aber super begeistert waren wurden wir schnell herumgereicht und empfohlen. Ab einem gewissen Punkt drehte sich das Blatt und die Eltern schrieben uns Emails, ob sie Playbrush testen können.
Eure Marketingstrategie?
Prinzipiell handelt es sich um ein klassisches Consumer Produkt. Das heißt, dass ab einem gewissen Zeitpunkt an normaler Werbung kaum ein Weg vorbei führen wird.
Bis das aber möglich ist, werden wir das Produkt weiter über Community Building und unterstützt durch PR vermarkten, sowie Online vertreiben. Momentan sind wir auf der amerikanischen Plattform Kickstarter, auf der man Playbrush vorbestellen kann, und so gleich mithilft, dass es Realität wird. Man kann Playbrush noch 2 Wochen vorbestellen und unterstützen.
Schlussendlich werden wir Playbrush über unseren eigenen Online Store und Online Retailer wie Amazon vertreiben. Sobald die Stückzahlen passen wird der nächste Schritt vermutlich über Zahnärzte gehen. Hier gibt es auch Möglichkeiten im Facheinzelhandel oder über Apotheken zu vertreiben, und es gibt erste Kontaktaufnahmen.
Der logische nächste Schritt wären dann größere Partnerschaften. Hier haben wir einige Ideen, die alle aber noch recht weit weg sind.
Wieso geht ihr über Crowdfunding?
Kickstarter ist vor allem ein Marketing Tool. Es ist ein guter Weg in sehr kurzer Zeit sein Produkt bekannt zu machen und direktes Feedback von seinen Kunden zu holen.
In Österreich haben wir ein wenig unterschätzt, wie unbekannt Kickstarter bzw. das Konzept dahinter ist. Die meisten Leute denken, es handelt sich um Equity-Crowdinvesting und ich hatte einige lustige Anrufe ob das denn bei uns möglich ist.
Die GBP 35.000 hätten wir vermutlich auf anderen Wegen einfacher bekommen, aber so lernen wir gleich unser Produkt zu verkaufen und machen direkt Umsätze.
Wie habt ihr euch bis jetzt finanziert? Die Entwicklung muss bereits einiges gekostet haben. Reines Bootstrapping oder ein Business Angel?
Praktisch Bootstrapping. Wir haben einen Convertible Loan von meiner Universität (UCL) bekommen, und ein wenig Geld von einem alten Studienkollegen der auch aktiv mitarbeitet. Der Rest ist unser eigenes Geld und gute Partnerschaften, die uns erlaubt haben, sehr billig zu entwickeln. Dazu machen wir alles auf der Softwareseite selber und vieles von der Hardware ebenso, wobei wir Letzteres gerade professionalisieren.
Ist Wien/ Österreich eurer Meinung nach der richtige Ort, um durchzustarten?
Gute Frage, kann ich schwer beurteilen, da wir eigentlich ein Londoner Unternehmen sind und London definitiv einer der besten Orte weltweit für ein junges Technologieunternehmen ist. Dazu werden wir hier auch vom University College London unterstützt, was gerade in der PreSeed Phase eine tolle Hilfe darstellt.
Matthäus arbeitet ja von Wien aus, was viele Vorteile mit sich bringt, da es super Unterstützung in unserem Bekanntenkreis gibt und auch die Testfamilien begeistert sind. Unsere Community in Wien ist also deutlich innovationsfreundlicher als es den Österreichern oft zugeschrieben wird.
Von außen betrachtet ist auf alle Fälle toll, was Pioneers, Speedinvest, Runtastic und Persönlichkeiten wie Hansi Hansmann für die Szene tun.
Es besteht jedoch noch Aufholbedarf um mit den großen Hubs mithalten zu können. Das würde hier jetzt allerdings den Rahmen sprengen (lacht)
Eure bisherigen Learnings?
Man kann auch mit sehr wenig Geld sehr weit kommen, solange man die klügsten und besten Köpfe von der Sache begeistern kann.
Die Vision: Was sind eure nächsten Ziele? Kurzfristig, aber auch Langfristig?
Kurzfristig wollen wir unser Kickstarter-Ziel von GBP 35.000 erreichen, ansonsten geht es zurück auf null. Langfristig wünschen wir uns, dass jedes Kind und jeder Erwachsene gerne und gut Zähne putzt- und das am besten mit Playbrush.
RBI Global FinTech Scouts: 5 globale Trends in der Finanzbranche
Mit dem Global FinTech-Scouts Program bringt die Raiffeisen Bank International (RBI) die wichtigsten globalen FinTech-Trends nach Wien. Fünf internationale Expert:innen teilten mit brutkasten ihre aktuellen Top-Themen.
RBI Global FinTech Scouts: 5 globale Trends in der Finanzbranche
Mit dem Global FinTech-Scouts Program bringt die Raiffeisen Bank International (RBI) die wichtigsten globalen FinTech-Trends nach Wien. Fünf internationale Expert:innen teilten mit brutkasten ihre aktuellen Top-Themen.
Fünf der RBI Global FinTech Scouts gaben uns Einblicke in die aktuellen globalen FinTech-Trends (vl.): Vel Vasic, Aditi Subbarao, Ken Thomas, Scarlett Sieber und Nnanna Ijezie | (c) brutkasten / Dervisevic
„Die große Stärke des Programms ist Neugier. Es geht darum, das Beste aus der ganzen Welt zusammenzutragen und dann zu nutzen“, sagt Aditi Subbarao, Enterprise Account Director beim US-AI-Data-Cloud-Anbieter Snowflake, im Gespräch mit brutkasten. Sie spricht über das Global FinTech-Scouts Program der Raiffeisen Bank International (RBI), für das sie seit dem Start vergangenes Jahr als Expertin fungiert. Ziel ist es, die wichtigsten Erkenntnisse im FinTech-Bereich von globalen Top-Expert:innen zusammenzutragen und für die gesamte RBI-Gruppe – und damit im ganzen CEE-Raum – nutzbar zu machen.
Im Mai holte die RBI ihre „Scouts“ wieder nach Wien. Brutkasten war vor Ort und bat fünf der Expert:innen, darunter auch Subbarao um ihre Einschätzung zu den aktuell wichtigsten FinTech-Trends.
1. KI-Agenten und die notwendige Datenstrategie
KI-Agenten seien aktuell wenig überraschend das dominierende Thema in den Führungsetagen der Finanzwelt, erklärt Aditi Subbarao. Dabei gehe es um die effiziente und sichere Umsetzung. Und diese sei an strenge technologische Voraussetzungen geknüpft: „Ohne eine solide Datenstrategie gibt es keine KI-Strategie. Unternehmen werden von KI-Agenten nicht profitieren, solange ihre zugrunde liegenden Daten nicht robust und KI-fähig sind“.
Zusätzlich zur Datenqualität sei die Sicherheit der Systeme entscheidend. Subbarao warnt vor unregulierten Modellen: „Selbst bei einer optimalen Datenbasis können ohne sichere, regulierte KI-Agenten mit angemessenen Leitplanken nicht die zuverlässigen und richtlinienkonformen Ergebnisse erzielt werden, die man für seine Kunden will“.
2. Web3 und Payments wachsen zusammen
Ein grundlegender Wandel vollzieht sich auch in der Infrastruktur digitaler Transaktionen, erklärt Vel Vasic, CEO des in Singapur ansässigen FinTech-Venture-Studios OTLRS. Er beobachtet eine zunehmende Verschmelzung etablierter Systeme: „Wir erleben derzeit, wie der traditionelle Zahlungsverkehr und Web3, die früher völlig getrennte Welten waren, konvergieren“.
Die Integration gehe dabei in beide Richtungen. „Zahlreiche Anbieter digitaler Vermögenswerte betrachten den Zahlungsverkehr mittlerweile als zentralen Bestandteil der Customer Journey“, führt Vasic aus. Er prognostiziert für die Branche eine weitreichende Veränderung: „In den kommenden zehn Jahren wird sich dies in Kombination mit künstlicher Intelligenz zu einem nahtlosen Omnichannel-Erlebnis für digitale Zahlungen entwickeln“.
3. Identitätsprüfung im Zeitalter von KI-Betrug
Die schnelle Verbreitung von künstlicher Intelligenz bringt auch neue Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit mit sich. Für Scarlett Sieber, Chief Strategy and Growth Officer beim New Yorker FinTech-Konferenzveranstalter Money20/20, rücken defensive Strategien in den Fokus. „Mein Hauptinteresse gilt der Rolle von Betrug und Identitätsprüfung im Kontext von künstlicher Intelligenz“, erklärt Sieber.
Sie sieht dabei einen direkten Zusammenhang zwischen technologischer Entwicklung und Cyber-Kriminalität: „Mit dem Aufstieg der KI verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg von Betrugsfällen. Infolgedessen spielt die eindeutige Identitätsfeststellung eine wichtigere Rolle als jemals zuvor“.
4. Hyperpersonalisierung durch „Context Pulling“
Im Bereich der Kundenbindung verändert sich die Art und Weise, wie Finanzprodukte angeboten werden, erklärt Ken Thomas, Principal beim Londoner VC BackFuture. Er identifiziert einen Wandel in der Kundenansprache: „Der übergreifende Trend, den ich derzeit beobachte, ist die Hyperpersonalisierung und deren Wechselwirkung mit Banking“.
Die Strategie wandelt sich von traditionellen Marketingmethoden hin zu einer situativen Ansprache: „Wir nennen das ‚Context Pulling‘ anstelle von ‚Product Push‘. Anstatt eine statische Menge an Rewards anzubieten, geht es nun vielmehr darum, den Kunden die richtigen Rewards zur exakt richtigen Zeit zukommen zu lassen, um so die Interaktion und das Engagement zu steigern“.
5. Besserer Zugang zum US-Dollar
Nnanna Ijezie, Product Manager bei Booking.com in Amsterdam, sieht eine starke Nachfrage im Fremdwährungsbereich: „Wir beobachten weltweit einen wachsenden Zugang zum US-Dollar“. Dieser Trend wird maßgeblich von neuen Marktteilnehmern getrieben. „Startups, FinTechs und Banken arbeiten daran, immer mehr Menschen einen einfacheren, schnelleren und kostengünstigeren Zugang zu dieser Währung zu ermöglichen“, so Ijezie.
Dabei kommen auch neue Technologien zum Einsatz: „Eine der populärsten Methoden, über die derzeit alle sprechen, sind Stablecoins, doch das zugrunde liegende Bedürfnis bleibt, der breiten Masse einen effizienteren Zugang zum US-Dollar zu verschaffen“.
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