10.02.2026
STATISTIK AUSTRIA

Insolvenzen 2025: Fünftes Jahr in Folge Anstieg der Firmenpleiten

Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Insolvenzen laut vorläufigen Daten von Statistik Austria im Vergleich zu 2024 um rund vier Prozent auf 6.809. Die Registrierungen von rechtlichen Einheiten erhöhten sich im gleichen Zeitraum ebenfalls um etwa vier Prozent auf 67.642.
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Firmeninsolvenzen - Pixelrunner - Ein Bild zeigt das Wort
Symbolbild Insolvenz (c) Adobe Stock / Pixel-Shot

„Die seit Dezember 2024 deutlich gestiegene Inflation hat die Kaufkraft in Österreich auch im Jahr 2025 massiv belastet. Darunter leidet nicht nur die Geschäftslage der Betriebe, sondern auch deren Umsatzentwicklung“. So beschrieb der KSV1870 Mitte Jänner die hohe Insolvenzrate in Österreich. „Immer mehr Unternehmen gleiten aufgrund der stagnierenden Wirtschaftslage in Richtung Mittelmaß ab, wodurch auch deren Ausfallrisiko steigt“, folgte damals die Analyse von Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Nun hat auch die Statistik Austria Zahlen herausgegeben und damit einen Anstieg der Insolvenzen für das fünfte Jahr in Folge dokumentiert.

Insolvenzen: Dienstleistungen, Handel und Bau am stärksten betroffen

„Zu Jahresende 2025 ist die Zahl der Firmenpleiten nochmals leicht gestiegen. In den letzten drei Monaten 2025 meldeten 1.669 Unternehmen in Österreich Insolvenz an, etwas mehr als noch im dritten Quartal 2025, aber geringfügig weniger als im vierten Quartal 2024“, sagt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria. „Im Jahr 2025 gab es in Summe 6.809 Insolvenzen. Das sind um etwa vier Prozent mehr als 2024.“

Damit ist die Zahl der Insolvenzfälle im Vorjahresvergleich das fünfte Jahr in Folge gestiegen. Die drei am stärksten betroffenen Wirtschaftsbereiche waren Dienstleistungen und danach fast gleichauf Handel und Bau. Gleichzeitig gab es 2025 aber auch vier Prozent mehr Unternehmensregistrierungen als ein Jahr zuvor.

Die Zahl der Insolvenzen lag im vierten Quartal 2025 mit 1.669 leicht über dem Niveau des Vorquartals (ein Plus von 2,8 Prozent, drittes Quartal 2025: 1.624 Insolvenzen) und etwa zwei Prozent unter dem Niveau des Quartals davor (viertes Quartal 2024: 1.706 Insolvenzen).

Im Zeitraum Oktober bis Dezember 2025 hingegen wurden 15.154 Registrierungen rechtlicher Einheiten verzeichnet. Das sind um rund vier Prozent weniger als im vierten Quartal des Vorjahres (15.776 Registrierungen) und etwa acht Prozent weniger als im Vorquartal (drittes Quartal 2025: 16.457).

Über 67.000 Registrierungen

Allerdings gab es im gesamten Jahr 2025 in Summe 67.642 Registrierungen, rund 2.400 oder vier Prozent mehr als im Jahr davor (2024: 65.279).

Anmerkung: Im Unterschied zu einer Unternehmensgründung ist die Registrierung einer rechtlichen Einheit Teil eines Verwaltungsverfahrens und als Absichtserklärung zu verstehen. Sie bedeutet nicht in jedem Fall, dass auch tatsächlich eine wirtschaftliche Tätigkeit aufgenommen wird. Dennoch gelten Registrierungen als ein wichtiger Frühindikator für die Wirtschaftsentwicklung.

Die meisten Insolvenzen nach Branchen gab es im vierten Quartal 2025 bei den Finanzdienstleistungen bzw. sonstigen Dienstleistungen (449), im Bau (298) und im Handel (276) sowie in Beherbergung und Gastronomie (224). Wobei diese Zahlen auch stark von der Anzahl der in den einzelnen Wirtschaftsbereichen aktiven Unternehmen abhängig sind. Vergleichsweise wenige Insolvenzfälle wiesen Information und Kommunikation (53) und Sachgütererzeugung (104) auf.

Registrierungen nach Bereichen

Die meisten Registrierungen gab es im vierten Quartal 2025 in den Wirtschaftsbereichen Finanzdienstleistungen bzw. sonstige Dienstleistungen (4.564), persönliche Dienstleistungen (3.199) und Handel (2.860). Die wenigsten Registrierungen verzeichneten Verkehr (653) und Bau.


Anm.: In Österreich werden vergleichbare Insolvenzzahlen u. a. vom Kreditschutzverband von 1870 veröffentlicht. Obwohl die verwendete Datenquelle ident ist, gibt es geringfügige Abweichungen zu den von Statistik Austria veröffentlichten Zahlen. Ursachen sind v. a. abweichende Erfassungsbereiche bzw. Zeitpunkte für die Auswertungen oder die Zuordnung der Einheiten zu den Wirtschaftsbereichen nach ÖNACE 2008.

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Das sonnnig-Gründerteam: Roman Öfferlbauer, Jonathan Buchinger und Lukas Hückel © sonnnig

Dort, wo Technik und Unternehmertum zusammenkommen, kann Großes entstehen. So auch an der TU Wien im „Extended Study on Innovation“-Programm, wo sich das Gründer-Trio, bestehend aus Roman Öfferlbauer, Lukas Hückel und Jonathan Buchinger, zum ersten Mal begegnete. Parallel dazu gründete Öfferlbauer 2023 in seinem Heimatort in Niederösterreich eine Energiegemeinschaft, zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema noch jung und „technisch schwierig abzuwickeln“ war, so Öfferlbauer.

Aus improvisierten Tools und selbst geschriebenen Mini-Scripts für den Eigenbedarf wurde ein Jahr später sonnnig. Eine White-Label-Lösung für Abrechnung, Mitgliedermanagement und Datenanalyse von mittlerweile 30 Energiegemeinschaften in ganz Österreich.

Wenn Strom aus der Nachbarschaft kommt

„Unser Blick war eigentlich immer auf Endverbraucher und Verbraucherinnen fokussiert. Also Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden“, erklärt Öfferlbauer im Interview. Eine Mission, die über die letzten zwei Jahre tausende Haushalte in ganz Österreich erreicht hat. Mittlerweile kann man über sonnnig den generierten Strom auch als Mitarbeiter:innen-Benefit oder Spende abgeben. „Im letzten halben Jahr hat sich da aber auch ziemlich viel auf der anderen Seite, also bei den Energieversorgungsunternehmen, getan“, verrät der Co-Founder.

Energieversorgungsunternehmen stünden zunehmend vor einem Einkaufs- und Prognoseproblem. In der Regel verbraucht die Kundschaft ihren Strom nach einem Standardprofil, mit dem der jeweilige Versorger seine Stromeinkäufe prognostiziert. Sind die Abnehmer:innen aber Teil einer Energiegemeinschaft, verschiebt sich dieses Profil radikal: Ein großer Teil des Energiebedarfs wird jetzt von der Energiegemeinschaft gedeckt und nur noch die Restmengen werden durch den Energieversorger geliefert. „Der Energieversorger hat die Energiemenge aber schon im Vorhinein eingekauft“ – und müsse sie kurzfristig wieder verkaufen, erklärt Öfferlbauer. Ein teures Ausgleichsenergie-Problem, das mit wachsendem Energy-Sharing-Anteil immer größer wird.

Sonnnig als potenzieller Partner für Energieversorger

Genau hier setzt das neue Produkt an, für das sonnnig gerade die dritte Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) erhalten hat: eine White-Label-Lösung zum Energy Sharing, die Energieversorger direkt in ihr eigenes Kund:innenportal einbinden können. Im Hintergrund liefert sonnnig die Restlastprognose auf 15-Minuten-Basis, damit Versorger gezielter am Großhandel einkaufen können.

Möglich macht das die Prognosefähigkeit, die sonnnig über Jahre mit echten Energiegemeinschaften aufgebaut hat. Ziel ist es, Versorgern einen besseren Einblick in ihre Stromverläufe zu geben und ihnen zu helfen, selbst ein Geschäftsmodell rund um Energy Sharing aufzubauen, auch als Beitrag zur Kund:innenbindung, erklärt Öfferlbauer. Am Markt kommt das gut an: „Energieversorgungsunternehmen spüren das Problem und sind zunehmend auf der Suche nach Lösungen und neuen Geschäftsmodellen im Energy-Sharing-Bereich, deshalb reden sie auf einmal mit uns“, sagt der Co-Founder. Davor sei die Beziehung eher einseitig gewesen. Zwei Pilotbetriebe hat sonnnig für das geförderte Projekt bereits akquiriert und zeigt sich offen für weitere Kooperationen.

Von First bis Seed: Der aws-Weg

Möglich wurde diese Entwicklung durch drei aufeinanderfolgende aws-Förderungen. Mit aws First Incubator, einem Programm für sehr junge Teams, teils noch vor der Firmengründung, kam das Startup zu ersten Beratungsleistungen und Mentoring. Mit aws Preseed – Innovative Solutions wurde zunächst die inhaltliche und wirtschaftliche Machbarkeit des Vorhabens überprüft und der Proof of Concept entwickelt. Darauf aufbauend unterstützt aws Seedfinancing – Innovative Solutions die Weiterentwicklung bis zum Markteintritt sowie die ersten Skalierungsschritte. In diesem Rahmen werden nun der Aufbau und der Launch des neuen B2B-Produkts finanziert.

Erwarteter Boom durch neues Elektrizitätswirtschaftsgesetz

Als besondere Meilensteine nennt Öfferlbauer Referenzprojekte mit bekannten Unternehmen wie Hartl Haus, der Nationalbank-Tochter IG Immobilien oder der Volkshilfe Wien sowie die wiederholte Verdopplung des Jahresumsatzes. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich die geteilte Energiemenge, die über sonnnig abgewickelt wurde, laut eigenen Angaben gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Investor:innen hat das fünfköpfige Team bislang bewusst keine an Bord geholt, da laufende Umsätze und eine halbe Million Euro an lukrierten Entwicklungsförderungen das Team organisch tragen.

Rückenwind kommt bald auch auf politischer Ebene: Im Oktober tritt das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) in Kraft, das Energy Sharing über bilaterale Peer-to-Peer-Verträge statt über eine juristische dritte Instanz wie einen Verein oder eine GmbH erlaubt. Für sonnnig eine freudige Entwicklung: „Das baut natürlich extrem viele Hürden ab. Und deswegen erwarten wir auch einen ziemlichen Boom an neuen Mitgliedern und das nehmen auch Energieversorgungsunternehmen wahr.“


Disclaimer: Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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