17.11.2025
"SCHLECHTES TIMING"

Stardust: Warum das Instant-Kaffee-Startup mit Hansmann an Bord schließen musste

2022 gingen die Serial Founder Peter Buchroithner und David Pfluegl mit ihrem Instant-Kaffee-Startup Stardust an den Start und konnten dazu prominente Investoren gewinnen. Nach einem Führungswechsel und Pivot im Vorjahr folgte nun das Aus. Wir sprachen mit Buchroithner.
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Buchroithner, Stardust
Peter Buchroithner sprach mit brutkasten über seinen Kaffee-Konsum (c) Sledgehammer Studio

Die erste Tasse Kaffee am Mars – das war einer der großen Pläne, mit denen das Startup Stardust rund um die Serial Founder Peter Buchroithner und David Pfluegl 2022 ins Rennen ging. Das Produktversprechen des Unternehmens mit formellem Sitz in den USA und Standorten in Wien und Johannesburg, Südafrika: Instant-Kaffee mit hoher Qualität, gutem Geschmack und moderatem Koffeingehalt.

Idee auf Basis persönlicher Erfahrungen

Die Idee hatte Buchroithner auf Basis persönlicher Erfahrungen, darunter ein Burnout, über den er damals im brutkasten-Talk sprach. Stardust sollte es ermöglichen, den eigenen Koffeinpegel besser unter Kontrolle zu halten, 2023 folgte auch eine App des Startups für diesen Zweck. Bereits ganz am Anfang hatten die beiden Founder eine Reihe prominenter Investoren für ihre Idee gewinnen können: Hansi Hansmann, Hermann Futter und Dominik Greiner, Biogena-Gründer Albert Schmidbauer, Spotify-Europe-General-Manager Michael Krause und die Gateway Holding hatten Startkapital in sechsstelliger Höhe geliefert.

Neuer Plan nach Pivot 2024 ging nicht auf

Mitte 2024 erfolgte jedoch ein Führungs- und Strategiewechsel. Buchroithner gab die CEO-Rolle an seinen früheren Co-Founder (bei Swelly) Manfred Strasser ab. Dieser wollte Stardust von B2C auf ein White-Label-Angebot für Creators umstellen, wie brutkasten berichtete. Dem Vernehmen nach ging der neue Plan aber nicht wie gewünscht aus. Vor wenigen Tagen schloss das Startup endgültig seinen Shop.

„Tausende Kunden mit einem top Produkt versorgt“

„Mit Stardust haben wir ein Produkt erschaffen, das wir selber unbedingt haben wollten. Einen Kaffee, der überall gut schmeckt und einfach zu machen ist. Das ist meiner Meinung nach einer der besten Zugänge, um eine erfolgreiche Company aufzubauen“, sagt Buchroithner heute auf brutkasten-Anfrage. Er sei stolz darauf, gemeinsam mit Pfluegl und Strasser „ein Produkt und eine Marke aufgebaut zu haben, die tausende Kunden mit einem top Produkt versorgt hat“.

Buchroithner: „richtig viel Marketing-Budget einfach nicht machbar“

Doch man habe es nicht geschafft, mit den vorhandenen Ressourcen schnell genug zu wachsen, um ein nachhaltiges Business aufzubauen, so der Gründer. „Und das tut mir vor allem gegenüber den Investoren, aber auch gegenüber unseren Stardust-Fans echt leid.“ Und weiter: „Ich denke, dass vor allem das Timing schlecht war. Wir haben nach dem Covid-E-Commerce-Hype gestartet und primär auf online gesetzt. Performance Marketing auf Meta und Google ist zurzeit einfach zu teuer, vor allem im Consumer Bereich. Da tut man sich mit Single Products wie Stardust schwer, wo auch der Warenkorb nicht so groß ist, wie bei Unternehmen, die viele verschiedene Produkte anbieten.“ Für den Durchbruch hätte man „richtig viel“ Marketing-Budget gebraucht – „und das war einfach nicht machbar“.

Weitere Projekte am Start

Doch der Serial Entrepreneur ist, wie aufmerksame brutkasten-Leser:innen wissen, längst mit neuen Projekten beschäftigt. Nach einem Intermezzo mit der Neurodivergenz-App Rakun (brutkasten berichtete) fokussiert Buchroithner mittlerweile auf das LLM-SEO-Tool findable (brutkasten berichtete). „Für mich geht die Reise genau dort weiter, wo ich 2006 als Unternehmer begonnen habe – spannende Produkte entwickeln, von denen ich überzeugt bin, dass die Welt sie braucht“, kommentiert der Gründer.

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A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group
A1 Group CEO Alejandro Plater und A1 Group CTO Alexander Kuchar | (c) A1 Group

„Als sich das Internet durchgesetzt hat, gab es ‚Greenfield-Unternehmen‘ wie Google, die keine Legacy hatten und etablierte Unternehmen wie Microsoft, die sich transformieren mussten. Jetzt sind wir in der gleichen Situation. Während OpenAI, Anthropic und Co. etwas komplett Neues aufbauen, müssen die bestehenden Player, wie etwa auch wir, die Transformation schaffen“, sagt Alejandro Plater, CEO der A1 Group, am Rande des A1 ICT Summit. Und er fügt an: „Microsoft ist diese Transformation damals sehr gut gelungen. Wir wollen wie Microsoft sein.“

ICT als entscheidender Wachstumsmarkt

Mehr noch als um die Herausforderungen, die KI innerhalb des Konzerns mit sich bringt, geht es für die Gruppe dabei darum, dem Markt zu liefern, was gebraucht wird. Das große Schlagwort lautet ICT mit umfassenden Cloud- und KI-basierten Angeboten für Unternehmen. Von 2021 auf 2025 wuchs der Gruppenumsatz in dem Bereich von 285 auf 573 Millionen Euro – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 19 Prozent. Was das mit dem KI-Boom zu tun hat, bringt Plater auf den Punkt: „Wir sind groß und haben die Möglichkeiten, schnell auf alle Entwicklungen zu reagieren. Viele Unternehmen sind klein und haben diese Möglichkeiten nicht. Das ist eine große Chance für uns.“

„Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl.“

Eine Rolle spielt dabei natürlich auch das aktuell große Thema Digitale Souveränität. „Souveränität heißt für uns in erster Linie: Du hast die Wahl. Es gibt mehrere Alternativen und du kannst entscheiden“, erklärt Alexander Kuchar, CTO der A1 Group. Das trifft vor allem auf den Cloud-Bereich zu, wo man mit der Tochter Exoscale ein eigenes Angebot mit Data-Centern an zahlreichen europäischen Standorten hat, gleichzeitig aber auch Angebote der US-Hyperscaler vertreibt. „Es kommt hier immer auf die konkreten Kundenbedürfnisse an, welche Variante die sinnvollste ist“, sagt der CTO.

In Sachen KI setzt A1 dagegen primär auf Open-Source-Modelle, also einen genuin souveränen Ansatz. Dass diese technologisch nicht mit den Frontier-LLMs der US-Giganten mithalten können, sieht Kuchar wenig problematisch. Die Entwicklung verlaufe verschoben, aber parallel. „Was die Frontier-Modelle heute können, werden die Open-Source-Modelle in kurzer Zeit können“, so der CTO. Entscheidend seien die tatsächlichen Bedürfnisse der Unternehmenskunden – und hier spiele etwa auch die Abwägung zwischen Performance und Kosten eine große Rolle. Die Wahl falle daher oft bewusst auf schwächere Modelle, die den spezifischen Zweck aber – günstiger – erfüllen.

Strategie: Leute vor Ort

CEO Plater sieht das Thema aus der Vogelperspektive: „Es geht nicht primär um die Technologie. Es geht um das Leadership in den Unternehmen.“ Entscheidend sei, wie die Technologie operativ ankomme und es gelinge, die ganze Organisation mitzunehmen. A1 setzt dabei auf Präsenz in seinen Märkten. „Es ist überraschend, wie unterschiedlich unsere Märkte sind. Wenn ein US-Player kommt, und den Unternehmen erklären will, wie sie ihr Business zu führen haben, wird das nicht funktionieren“, sagt Alexander Kuchar. Und Plater ergänzt: „Das ist unsere Strategie: Wir haben Leute vor Ort, die die Sprache sprechen. Wir haben Callcenter und Techniker, die zu einem kommen. Bei den Hyperscalern erreichst du niemanden.“

Dass die besagten Callcenter schon in absehbarer Zeit nicht mehr mit Menschen, sondern mit KI-Agenten besetzt sein werden, ist für den CEO gleichzeitig eine Selbstverständlichkeit: „Die KI passt sich sogar an den spezifischen Dialekt der Anrufenden an. Menschen können es damit nicht aufnehmen“, meint er. Und ob aber Kund:innen nicht dennoch mit echten Menschen sprechen wollen? „Man wird nicht erkennen, dass es eine KI ist“, so Plater, „bloß, wenn die Regulatorik vorschreibt, das schon bei Gesprächsbeginn kenntlich zu machen.“

Generell sei die Regulatorik auch etwas, das ihn beschäftige, sagt der CEO, konkret die Unterschiede zwischen den Ländern bzw. den Großregionen: „So viel ist klar: Die weniger regulierten bewegen sich schneller – im Positiven wie im Negativen – und die stärker regulierten bewegen sich langsamer – im Positiven wie im Negativen.“

„Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“

Ein großes damit verbundenes Thema ist die Sicherheit. „Wir arbeiten mit mehreren Strategien daran, die Cyber-Security stetig zu verbessern“, sagt dazu Plater. Erstens versuche man etwa, wo es gehe, zu vereinfachen. „Je weniger Systeme, Tools und Prozesse man hat und je simpler alles ist, desto einfacher ist es zu kontrollieren.“ Zweitens habe man eigene Teams, die ständig die neuesten Entwicklungen im Auge behielten und solche, die konstant Angriffe auf das eigene System simulieren, um Lücken zu finden. Auch hier sieht der CEO eine große Chance für die A1 Group, die CTO Kuchar benennt: „Wir bieten hier maßgeschneiderte Lösungen für KMU.“

Und wie sieht es mit den zuletzt vielfach kolportierten globalen Bedrohungsszenarien durch KI aus, die bis zur befürchteten Auslöschung der Menschheit gehen? „Ich bin nicht sehr fatalistisch bei dem Thema“, sagt Plater. Man müsse solche Szenarien schon in Perspektive setzen. „Was sind die tatsächlichen Möglichkeiten, die so drastisch sein könnten? Das ist für mich eher Science Fiction. Aber wer weiß, vielleicht irre ich mich.“

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