20.08.2025
GESCHÄFTSZAHLEN

niceshops: Steirer Scaleup nach Krisenjahren zurück in der Gewinnzone

Niceshops vermeldet für das erste Halbjahr drei Millionen Euro Gewinn vor Abschreibungen. Auch beim Umsatz liegt das steirische E-Commerce-Scaleup im Plan.
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Die niceshops-Geschäftsführung (vlnr.): Christoph Schreiner, Roland Fink und Carina Hödl | (c) niceshops
Die niceshops-Geschäftsführung (vlnr.): Christoph Schreiner, Roland Fink und Carina Hödl | (c) niceshops

2010 gegründet war das Steirische E-Commerce-Unternehmen niceshops mit seiner Strategie, viele Nischen mit spezialisierten Shops zu besetzen, lange Jahre ein heimisches Vorzeige-Scaleup. Jahr für Jahr lieferte es starke Jahresbilanzen, knackte 2020 die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro und verzeichnete ein jährliches Umsatzwachstum von 40 bis 70 Prozent. Für Aufmerksamkeit sorgte das Unternehmen auch immer wieder mit Übernahmen heimischer Startups, etwa 9Weine, Cosmeterie oder Shöpy (nach dem Exit auf 42things umbenannt).

2024 Kündigungen nach Verlusten

2022 schrieb niceshops dann jedoch nach vielen Jahren in der Gewinnzone Verluste. 2023 konnte zwar der Verlust reduziert werden, es gab aber zugleich einen leichten Umsatzrückgang. 2024 schließlich führte die anhaltend schwache Entwicklung zum Abbau von rund 20 Prozent der Belegschaft, wie brutkasten berichtete.

Das niceshops-Logistikzentrum in Saaz, Steiermark | (c) niceshops
Das niceshops-Logistikzentrum in Saaz, Steiermark | (c) niceshops

„Nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone“

Schon im Juli vermeldete niceshops, seine Konsolidierungsphase erfolgreich abgeschlossen zu haben. Dieses Jahr habe man bereits 27 neue Mitarbeiter:innen eingestellt und erwarte einen Umsatz von rund 160 Millionen Euro sowie „einen deutlichen Gewinn“, hieß es unter anderem. Nun untermauert das Unternehmen diese Ansage mit der Veröffentlichung ausgewählter Zahlen für das erste Halbjahr.

Konkret konnte der Umsatz im Vergleich zu Vorjahreszeitraum (70 Mio. Euro) um 14,6 Prozent auf 80 Millionen Euro gesteigert werden. Dabei erwirtschaftete niceshops einen Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 3,02 Millionen Euro. Das ersten Halbjahr 2024 hatte man mit einem EBITDA von 230.000 Euro nur knapp positiv abgeschlossen. Nun konstatiert das Scaleup eine „nachhaltige Rückkehr in die Gewinnzone“.

Gründer Fink: „Wollen niceshops zu einem Milliarden-Player mit steirischen Wurzeln formen“

„Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des ersten Halbjahres 2025. Das starke Umsatzwachstum und die Rückkehr in die Gewinnzone sind ein klares Zeichen für die Wirksamkeit unserer Strategien und das Engagement unserer Kolleginnen und Kollegen. Wir werden diesen positiven Trend fortsetzen und unsere Position am Markt weiter ausbauen“, heißt es in einem gemeinsamen Statement der Geschäftsführer:innen Carina Hödl, Roland Fink und Christoph Schreiner.

Und Gründer Fink setzt nach: „Wir wollen niceshops zu einem Milliarden-Player mit steirischen Wurzeln formen“. Aktuell hat das Scaleup 383 Mitarbeiter:innen und betreibt rund 20 spezialisierte Online-Shops in 17 Sprachen.

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Co-Founder und CEO Holger Plasser | (c) Voidsy

Wer voidsy besuchen will, muss in Wels nicht weit gehen. Nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt, in einem unscheinbaren, ehemaligen Bahngebäude, hat das Startup seit dem Sommer 2025 sein Quartier bezogen. In der angeschlossenen Lagerhalle stapeln sich die Test-Bauteile der Kund:innen, manche mehrere Meter lang. Viele bestehen aus jenem Compositematerial, das in der Luft- und Raumfahrt längst Standard ist: Im Inneren verbirgt sich eine feine Wabenstruktur, leicht und zugleich hochfest. Genau auf die zerstörungsfreie Prüfung solcher Materialien hat sich voidsy spezialisiert.

Im Büro hängt, fast wie ein Gruß an die Geschichte des Gebäudes, eine alte Bahnuhr in Blau an der Wand. Der Blick der Besucher:innen fällt aber zuerst auf etwas anderes: die Auszeichnungen entlang der Wand. 2025 holte voidsy beim Oberösterreichischen Landespreis für Innovation in der Kategorie Kleine und mittlere Unternehmen Platz 1, im März 2026 folgte der Österreichische Gründungspreis Phönix in der Kategorie „Startup“. Sichtbare Belege dafür, dass aus der Ausgründung einer Forschungsgruppe der Fachhochschule Oberösterreich in wenigen Jahren ein ernstzunehmender DeepTech-Player geworden ist.

Eine dritte Dimension für die Materialprüfung

Gegründet wurde voidsy 2022 von CEO Holger Plasser gemeinsam mit den drei Co-Gründern Gernot Mayr, Günther Mayr und Gregor Thummerer, alle zuvor wissenschaftliche Mitarbeiter an der FH Oberösterreich am Campus Wels. Mit dem 3D V-ROX hat das Team ein System entwickelt, das Bauteile berührungslos auf innere Defekte untersucht. Die Besonderheit: Während herkömmliche Thermografiesysteme ein zweidimensionales Bild liefern, extrahiert die Software von voidsy eine dritte Dimension. „Damit weiß man nicht nur, dass ein Defekt da ist, sondern auch, in welcher Tiefe er liegt“, erklärt Plasser. Eine essenzielle Information, denn viele Bauteile werden repariert und nicht ersetzt.

(c) Voidsy

Gesucht werden Subsurface-Defekte, also Unregelmäßigkeiten unter der Oberfläche. Bei Compositematerialien sind das etwa Porosität, die in der Fertigung entsteht, oder Delaminationen, bei denen sich einzelne Materiallagen voneinander lösen, ausgelöst beispielsweise durch Vogelschlag oder Hagel. „Das Tückische ist, dass die Oberfläche nach dem Aufprall zurückfedert und mit freiem Auge nichts zu erkennen ist“, so Plasser. Im Inneren kann die Festigkeit aber kritisch geschwächt sein.

Mobil bis zum 110-Meter-Rotorblatt

Weil das System mobil ist, kann voidsy auch dort prüfen, wo Bauteile nicht ins Labor passen. In Frankreich und Spanien etwa inspiziert das Unternehmen Rotorblätter von Windturbinen, bei Offshore-Anlagen mit einer Länge von bis zu 110 Metern. Fokusmarkt bleibt aber die Luft- und Raumfahrt, wo gesetzliche Vorschriften eine hundertprozentige Prüfung verlangen. 

(c) Voidsy

Seit dem ersten brutkasten-Porträt hat sich einiges getan. Im Juni 2025 erklärte voidsy die CE-Konformität, seither ist das europäische Seriengerät am Markt. Rund 15 Geräte hat das Unternehmen bislang verkauft. Aktuell arbeitet das Team an der UL-Zertifizierung für den US-Markt, wofür eigens Prüfer:innen aus den USA nach Wels anreisen. Patente hält voidsy in Europa, den USA, China, Hongkong und Japan.

Wie die aws-Förderung den Weg geebnet hat

Möglich gemacht hat diesen Weg auch eine durchdachte Förderstrategie. voidsy wurde über die Austria Wirtschaftsservice (aws) gefördert: Den Start machte das Programm aws Preseed DeepTech, mit dem das Startup die Grundlagen für seine Thermografie-Technologie legte. Aktuell befindet sich voidsy im aws Seedfinancing DeepTech. „Das hat uns die Möglichkeit gegeben, das Team so aufzustellen, dass wir den Proof of Concept aus dem Preseed über den Proof of Market hinaus zu den ersten Schritten in Richtung Markt führen konnten“, sagt Plasser.

Das aktuelle Projekt zielt auf die wirtschaftliche Umsetzung des 3D V-ROX-Systems für faserverstärkte Kunststoffe und andere Materialien ab. Aufbauend auf den Erfolgen des aws Preseed DeepTech soll das Seedfinancing die Skalierung und Marktdurchdringung vorantreiben und die industrielle Qualitätskontrolle effizienter und nachhaltiger gestalten. Über die finanzielle Unterstützung hinaus half die aws dem Startup schon früh bei der Ausarbeitung eines Schutzrechtskonzepts und des Geschäftsmodells.

Organisches Wachstum, offen für Gespräche

Den Großteil seines Wachstums finanziert voidsy aus dem Cashflow, organisch und profitabel. „Ich bin ein Freund des organischen Wachstums“, sagt Plasser. Für Investmentgespräche ist man dennoch offen, gerade aus dem US-Verteidigungsumfeld gebe es Interesse. Eine eigene US-Gesellschaft schließt Plasser mittelfristig nicht aus. Die Vision bleibt: einer der führenden Anbieter in der zerstörungsfreien Materialprüfung zu werden.


Der Artikel entstand in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws).

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