Klarsicht.online vor dem Aus: Konkurs nach Millioneninvestment
Die Wiener Online-Plattform für Brillen und Optiker:innen, Klarsicht.online, muss Insolvenz anmelden. Und das trotz des jüngsten Investments von 900.000 Euro. Die Finanzierungsrunde wurde von mpoweru, Seven Ventures (ProSieben/Sat1 Group) und GMPVC angeführt – zusätzlich dazu gab es ein Medienvolumen von 20,8 Millionen Euro.
Für viele mag das vielleicht unerwartet kommen: Klarsicht.online muss Insolvenz anmelden. Erst vor zehn Monaten wurde das Wiener Startup noch beim EY Scaleup Award als Nominierter in seiner Kategorie „Software & Digital Transformation“ ausgezeichnet. Im Juni vergangenen Jahres konnte das Gründer-Duo Gabriela Colic und David Gevorkian in einer Finanzierungsrunde sogar noch 900.000 Euro für seine Expansionspläne einsammeln. Diese Pläne dürften nun hinfällig sein.
An vorherigen Runden beteiligten sich prominente Investor:innen wie die Unternehmerfamilie Gomernik, Markus Weiss (Managing Partner bei Minted) sowie Amir Preindl. 2022 stieg auch Kambis Kohansal Vajargah bei Klarsicht.online ein – brutkasten berichtete.
Hintergründe zur Insolvenz
Der Grund für die Insolvenz: Klarsicht.online ist nicht mehr in der Lage, seine laufenden Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Das Handelsgericht Wien hat daher ein Konkursverfahren gegen das Unternehmen eröffnet.
“Die Insolvenzursachen sowie die aktuellen Vermögensverhältnisse müssen im Zuge des Verfahrens erst überprüft werden”, teilt der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit. “Es wird nunmehr im Rahmen des Insolvenzverfahrens das vorhandene Vermögen inventarisiert und geschätzt. Erst nach diesen Ermittlungen wird eine Stellungnahme zu den Befriedigungsaussichten der Gläubiger möglich sein.” Weitere Details zur Insolvenz liegen aktuell nicht vor.
Anmerkung: Klarsicht.online wurde um eine Stellungnahme gebeten. Sobald diese vorliegt, wird sie ergänzt.
Erfolgreicher Start
Gegründet wurde Klarsicht.online im Mai 2021. Über die Plattform bot das Startup Optiker:innen und Kund:innen unter anderem ein digitales Schaufenster, virtuelle Anproben, Telemedizin-Dienste sowie Unterstützung im Social-Media-Management und einen digitalen Verkaufsassistenten.
Die Vision des Gründerteams: die Digitalisierung der Optikerbranche im DACH-Raum vorantreiben. Und zunächst schien das auch zu funktionieren: „Wir haben bereits in den letzten eineinhalb Quartalen unser Wachstum verdreifacht. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind”, sagte Gevorkian noch im Jahr 2022 gegenüber brutkasten. Warum das Geschäftsmodell am Ende nicht tragfähig war, bleibt derzeit offen.
MPC²: Warum Stahlkonzerne und Chemie-Riesen auf ein steirisches Startup setzen
Das Leobener Startup MPC² will mit seiner portablen Korrosionsprüfung den Weltmarkt erobern und wird dabei auch von der Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt. Wir sprachen mit Gründer Manuel Prohaska.
MPC²: Warum Stahlkonzerne und Chemie-Riesen auf ein steirisches Startup setzen
Das Leobener Startup MPC² will mit seiner portablen Korrosionsprüfung den Weltmarkt erobern und wird dabei auch von der Austria Wirtschaftsservice (aws) unterstützt. Wir sprachen mit Gründer Manuel Prohaska.
Manuel Prohaska ist Gründer von MPC² | (c) LA-Cinematics / MPC²
Es ist eines dieser Themen, mit denen sich Normalverbraucher:innen im Alltag zwar nicht beschäftigen, die aber letztlich indirekt alle betreffen: Korrosionsprüfung. Oder sehr vereinfacht gesagt: Rohre müssen leckagefrei sein und bleiben, vor allem dort, wo nicht nur sinnbildlich mit Hochdruck gearbeitet wird.
Doch die Überprüfung der Korrosionsbeständigkeit kritischer Komponenten bei bestehenden Anlagen ist mit dem derzeitigen Standard-Prozedere schwierig bis schlicht unmöglich. „Die regelmäßige Korrosionsprüfung ist in manchen Märkten und Anwendungen verpflichtend, kann jedoch verlässlich nur im Labor durchgeführt werden. Dazu müssen Bauteile ausgebaut werden, was teilweise einfach nicht möglich ist. Daher behilft man sich oft mit separaten ‚Qualifizierungsstücken‘, vor allem während der Fertigung der Komponenten. Und dann dauert die Überprüfung im Labor mindestens eine, oftmals bis zu sechs Wochen“, sagt Manuel Prohaska, Gründer des steirischen Startups MPC².
Korrosionsprüfung direkt vor Ort in Stunden statt Wochen
Mit dem patentierten System „Corrosion Ray“ arbeiten er und sein Team an einer Lösung. „Wir versuchen, die Korrosionsprüfung zu revolutionieren, indem wir sie zum Kunden bringen, anstatt der Kunde die Proben zu uns ins Labor“, sagt Prohaska. Mit dem mobilen Gerät lassen sich Rohre und insbesondere deren Schweißnähte ohne Beschädigung direkt vor Ort prüfen. „Wir nutzen dazu elektrochemische Methoden und liefern Ergebnisse, die qualitativ und vor allem quantitativ Laborergebnissen entsprechen“, so der Gründer.
Nicht nur die Überprüfungszeit lasse sich damit von Wochen auf Stunden reduzieren. „Auch der Umweltaspekt ist nicht zu vernachlässigen. Wir sparen mit der Methode im Vergleich zur konventionellen Auslagerungsprüfung 99 Prozent der Energie, brauchen kaum Chemikalien und deutlich weniger Wasser“, sagt Prohaska. Für Kunden sei aber der finanzielle Aspekt am entscheidendsten. „Bei großen Anlagen bedeutet ein Tag Ausfall sechs- bis siebenstellige Einbußen“.
„Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit“
Prohaska weiß sehr genau, wovon er spricht. In seinen früheren beruflichen Stationen baute der studierte Werkstoff- und Korrosionswissenschaftler nicht nur genau die fachliche Expertise auf, die er jetzt mit MPC² umsetzt. Als Geschäftsführer von Betrieben mit mehreren Hundert Mitarbeiter:innen lernte er auch die betriebswirtschaftliche Seite genau kennen.
(c) LA-Cinematics / MPC²
Aktuell befindet sich „Corrosion Ray“ aber noch im fortgeschrittenen Prototypen-Stadium. Die Technologie dahinter nicht: Schon jetzt setzen mehrere Stahlkonzerne, Komponenten-Hersteller und Chemie-Riesen, die auch die Zielgruppe für das neue System sind, auf die bestehenden Korrosionsprüfungs-Angebote von MPC² – teilweise mit sechsstelligen Auftragseingängen. „Wir haben einen speziellen Prüfstand, mit dem wir unsere Methode auch mit konventionellen Korrosionsprüfungen vergleichen. Wir sind mit unserer Prüfmethodik einfach näher an der Wahrheit, als mit den alten Methoden, die lange dauern und gleichzeitig relativ ungenau sind“, so Prohaska.
Mit Predictive Maintenance auf den Weltmarkt
Momentan ist das Angebot mit diesem Prüfstand noch der lukrativste Geschäftsbereich des Unternehmens. In den kommenden Jahren soll sich das ändern. Bis 2035 will MPC² auf 60 Millionen Euro Jahresumsatz anwachsen. Davon soll „Corrosion Ray“ laut Plan 65 bis 70 Prozent bringen. Technologisch soll dann der Bereich Predictive Maintenance im Zentrum stehen. „Wir können Kunden schon jetzt sehr genau sagen, wo es in ein paar Jahren Probleme beim Material geben wird. Mit den Daten, die wir jetzt dazu sammeln, wollen wir diese Lebensdauer-Vorhersage mit Hilfe von KI künftig noch deutlich präziser machen“, erklärt Prohaska.
Um diese Ziele umzusetzen, will das vierköpfige Team in einem ersten Schritt 600.000 Euro Investment-Kapital aufnehmen, mit dem die Kleinserienfertigung von „Corrosion Ray“ aufgebaut werden soll. „Wir halten schon jetzt Ausschau nach strategischen Investoren. Noch wichtiger werden die, wenn es in einigen Jahren an die große Produktion geht“, sagt der Gründer. Dann sei auch eine größere Kapitalrunde geplant.
aws als größter Fördergeber – „sonst wären wir nicht so weit gekommen“
Bislang finanziert sich das Unternehmen aus den eigenen Umsätzen und aus Förderungen. Dank der hohen Auftragseingänge werden kommendes Jahr die Unternehmenseinnahmen erstmals den Förderbetrag übersteigen. Dennoch sei man noch auf die Fördergelder angewiesen. „Den mit Abstand größten Anteil beim Fördervolumen hatten die Programme aws Preseed und aws Seedfinancing – Deep Tech“, erzählt Prohaska. „Das war extrem wichtig, sonst wären wir nicht so weit gekommen.“ Dabei betont der Gründer auch das Service: „Wenn man etwas gebraucht hat, waren sie immer da.“
Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.
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